ist auch bei kurzzeitpflege sometri hat geschrieben:ich habe mal in einem Thread hier gelesen (von einer hier, die auch ein Pflegekind hatte, sie hatte noch ein eigenes Stillkind) und die meinte, man dürfte Pflegekinder nicht stillen, weiß aber nicht, ob das stimmt
Pflegekind stillen - Relaktation
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
P. (01/82) mit dem Tasmanischen Teufel in Gestalt eines Minchen (03/08) und der kleinen Kämpferin die schon so viel mitgemacht hat (12/11)
Mein Herz schlägt sächsisch, und Lachen hat keinen Dialekt.
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Hier mal wieder ein kurzer Zwischenbericht:
Unser Kleiner feiert nächste Woche seinen zweiten Geburtstag. Motorisch ist er nun auf dem Stand von 11 Monaten, kognitiv bei 13 Monaten. Er wird den Rückstand vermutlich nie aufholen, möglicherweise noch verschlechtern. Emotional hat er sich allerdings gut entwickelt. Er weiß, wer für ihn zuständig ist. Dabei ist er auch anderen Menschen gegenüber freundlich und aufgeschlossen. Sein Lächeln bezaubert viele, und alle sind entzückt, wenn er ein „Tschüss“ hört und daraufhin zu winken beginnt. Heute hat er sogar mal so etwas wie Eifersucht gezeigt, als ich ein Baby auf dem Arm hielt. Er kam dann auch zu mir und wollte Körperkontakt. Das war ein gutes, gesundes Zeichen.
Ich pumpe nur noch 3 x täglich und bekomme so 200 – 250 ml zusammen, die er abends in sein Fläschchen kriegt. Morgens trinkt er Pulvermilch, aber immer weniger. Er trinkt immer noch nicht besonders viel Flüssigkeit (also Wasser), doch ist es längst nicht mehr so kritisch wie am Anfang.
Meine eigene seelische Gesundheit hat weiter gelitten. Ich bin jedoch in guten Händen (hoffe ich zumindest). Ich bin bei der gynäkologischen Psychosomatik gelandet, wo man vermutet, dass diese Depression durch eine Veränderung im Hormonhaushalt entstanden ist. Diese sei wiederum auf das Abpumpen zurückzuführen. Ich lasse den Hormonspiegel checken und bin auch in Psychotherapie, was bei all den Therapieterminen für den Kleinen gar nicht so einfach zu integrieren ist.
Das Logischste wäre nun wohl das Abstillen, um zu sehen, ob es mir dann besser geht. Doch da gibt es einiges, das mich davon abhält. Wie es so aussieht, sind nun für meinen Kleinen die Tage der Muttermilchfreuden gezählt. Ich kann leider nicht so lange durchhalten, bis er von alleine nicht mehr will. Aber letztlich sind es nun doch schon 4 Monate geworden. Wenn das meine ehemalige Frauenärztin wüsste!
Zur Klarstellung: Der Kleine hat keine Depression verursacht, sondern diese nur ausgelöst. Warum auch immer. Mit Tabletten komme ich aber ganz gut zurecht. Und irgendwann bin ich hoffentlich wieder die alte.
Unser Kleiner feiert nächste Woche seinen zweiten Geburtstag. Motorisch ist er nun auf dem Stand von 11 Monaten, kognitiv bei 13 Monaten. Er wird den Rückstand vermutlich nie aufholen, möglicherweise noch verschlechtern. Emotional hat er sich allerdings gut entwickelt. Er weiß, wer für ihn zuständig ist. Dabei ist er auch anderen Menschen gegenüber freundlich und aufgeschlossen. Sein Lächeln bezaubert viele, und alle sind entzückt, wenn er ein „Tschüss“ hört und daraufhin zu winken beginnt. Heute hat er sogar mal so etwas wie Eifersucht gezeigt, als ich ein Baby auf dem Arm hielt. Er kam dann auch zu mir und wollte Körperkontakt. Das war ein gutes, gesundes Zeichen.
Ich pumpe nur noch 3 x täglich und bekomme so 200 – 250 ml zusammen, die er abends in sein Fläschchen kriegt. Morgens trinkt er Pulvermilch, aber immer weniger. Er trinkt immer noch nicht besonders viel Flüssigkeit (also Wasser), doch ist es längst nicht mehr so kritisch wie am Anfang.
Meine eigene seelische Gesundheit hat weiter gelitten. Ich bin jedoch in guten Händen (hoffe ich zumindest). Ich bin bei der gynäkologischen Psychosomatik gelandet, wo man vermutet, dass diese Depression durch eine Veränderung im Hormonhaushalt entstanden ist. Diese sei wiederum auf das Abpumpen zurückzuführen. Ich lasse den Hormonspiegel checken und bin auch in Psychotherapie, was bei all den Therapieterminen für den Kleinen gar nicht so einfach zu integrieren ist.
Das Logischste wäre nun wohl das Abstillen, um zu sehen, ob es mir dann besser geht. Doch da gibt es einiges, das mich davon abhält. Wie es so aussieht, sind nun für meinen Kleinen die Tage der Muttermilchfreuden gezählt. Ich kann leider nicht so lange durchhalten, bis er von alleine nicht mehr will. Aber letztlich sind es nun doch schon 4 Monate geworden. Wenn das meine ehemalige Frauenärztin wüsste!
Zur Klarstellung: Der Kleine hat keine Depression verursacht, sondern diese nur ausgelöst. Warum auch immer. Mit Tabletten komme ich aber ganz gut zurecht. Und irgendwann bin ich hoffentlich wieder die alte.
-
Thalia
- hat viel zu erzählen
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Hallo Cornucopia,
schön dass sich der Kleine gut entwickelt. Weniger schön ist natürlich, dass es Dir nicht gut geht. Wenn ich mich recht entsinne, hast Du Domperidon genommen oder nimmst es immer noch (aber eher nicht, oder?). Meines Wissens kann Domperidon zu Depressionen vor allem bei vorbelasteten Frauen führen. Daher sollte man bevor man es verschreibt eine genaue Anamnese dahingehend erheben. Das könnte auf jeden Fall eine mögliche Ursache sein und nicht das Stillen an sich.
Alles Gute weiterhin für Eure Familie.
schön dass sich der Kleine gut entwickelt. Weniger schön ist natürlich, dass es Dir nicht gut geht. Wenn ich mich recht entsinne, hast Du Domperidon genommen oder nimmst es immer noch (aber eher nicht, oder?). Meines Wissens kann Domperidon zu Depressionen vor allem bei vorbelasteten Frauen führen. Daher sollte man bevor man es verschreibt eine genaue Anamnese dahingehend erheben. Das könnte auf jeden Fall eine mögliche Ursache sein und nicht das Stillen an sich.
Alles Gute weiterhin für Eure Familie.
Thalia mit Tochter 10/2011
*gestillt, getragen und familiengebettet*
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- Ellipirelli
- alter SuT-Hase
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- Registriert: 19.01.2012, 19:39
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Danke das du uns auf dem laufenden hältst!
Toll, das der kleine sich so weiter entwickelt und Fortschritte macht.
Immerhin 4 Monate meine liebe
Die meisten Babys werden um die 11.-12. Woche abgestillt
Ich finde dein relaktieren immer noch bewundernswert und auch die Menge.
Da schließe ich mich Thalia an, schade das es dir nicht gut geht.
Weiterhin alles gute von mir und ich freue mich von euch zu hören.
iPhone- Worterkennung ist mein Untergang.
Toll, das der kleine sich so weiter entwickelt und Fortschritte macht.
Immerhin 4 Monate meine liebe
Die meisten Babys werden um die 11.-12. Woche abgestillt
Ich finde dein relaktieren immer noch bewundernswert und auch die Menge.
Da schließe ich mich Thalia an, schade das es dir nicht gut geht.
Weiterhin alles gute von mir und ich freue mich von euch zu hören.
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liebe Grüsse von Elli
mit 4 Männern zuhause (08/1980)(08/2011) (08/2013) (03/16)
Du fehlst mir.... http://www.andischmitt-online.de
Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
mit 4 Männern zuhause (08/1980)(08/2011) (08/2013) (03/16)
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Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
- Ellipirelli
- alter SuT-Hase
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
2 Monate schon wieder her 
Wie geht es euch?
Lg
iPhone- Worterkennung ist mein Untergang.
Wie geht es euch?
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liebe Grüsse von Elli
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Ich habe sooo viel schlimmes gesehen,dass man es mit 2 Worten besser nicht ausdrücken kann: Fuck Cancer
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- cornucopia
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Ach, ihr Lieben, schön, dass euch meine Geschichte weiter interessiert. Dann will ich kurz berichten: Ich habe Anfang August abgestillt. Da das sowieso früher oder später anstand, habe ich es gemacht, als wir in den Urlaub fuhren. Ich wollte die Pumpe nicht mitnehmen. Im Urlaub musste ich nur an zwei Tagen Milch mit der Hand ausstreichen, weil die Brüste so spannten, dann war es ausgestanden. Also ziemlich einfach. Das Domperidon habe ich natürlich auch abgesetzt.
Der Kleine hat sich nichts anmerken lassen. Er fand die Brustmilch zwar lecker, aber jetzt geht’s auch mit Pulvermilch. Die kannte er ja auch schon, weil es täglich nur eine Flasche Muttermilch gegeben hatte. Meine Große hat am letzten Tag aber auch noch einmal sehr bewusst Muttermilch aus dem Fläschchen getrunken. Ihr hat es viel bedeutet, dass ich ihren Bruder gleich behandeln wollte wie sie und deshalb die ganze Aktion mit dem Abpumpen durchgezogen habe. Ohne es in Worte zu fassen weiß sie, dass über die Milch eine ganz besondere Verbindung hergestellt wurde. Ich vermute, dass sie deshalb auch noch einmal einen Schluck wollte.
Der Kleine entwickelt sich recht gut. Er hängt natürlich seinem Alter deutlich hinterher, aber er macht Fortschritte. Kürzlich war die Therapeutin begeistert, weil er mit bestimmten Bauelementen einen Turm bauen konnte. In seinem Alter können Kinder längst andere Dinge, doch für ihn war es wieder ein kleiner Meilenstein.
Er läuft mit seinen 26 Monaten inzwischen auch schon ziemlich gut. Er fällt zwar öfter hin als Kinder, die nicht seine Beeinträchtigung haben (gestörter Gleichgewichtssinn), aber er ist ein Stehaufmännchen. Da er kein Gefahrenbewusstsein hat, ist mein Leben nun aber auch nicht einfacher geworden. Er sieht nicht ein, dass er die Treppe nicht alleine laufen soll, und mehr als einmal ist er schon gestürzt. Jaja, es gibt Treppengitter, und wir haben auch etliche davon. Aber man kann einfach nicht immer alle Schutzvorkehrungen treffen. Für ein cleveres Kind finden sich immer Schlupflöcher und unbeobachtete Momente.
Wir haben einen Schwerbehindertenausweis und eine Pflegestufe beantragt. Mal sehen, wie das ausgeht. Außerdem hoffen wir, vom familienunterstützenden Dienst ein paar Stunden bewilligt zu bekommen. Ich kenne nämlich keinen Babysitter, dem ich unser Kind zumuten möchte. Da muss schon jemand ran, der Erfahrung hat oder der sich aus beruflichem Interesse mit Kindern mit besonderen Beeinträchtigungen befassen möchte.
Wie die Psycho-Geschichte behandelt wurde, ist ein schlechter Scherz. Es war mir ja nicht leicht, überhaupt Zeit für diverse Arzt- und Therapeutentermine rauszuschinden. Was dabei herauskam, ist dann doch bescheiden. Ein Hormonspiegel konnte nicht erstellt werden, weil ich noch abpumpte (hat man mir aber nicht direkt gesagt, sondern erst nach der Blutabnahme, als ich nach zwei Wochen zum Besprechen der Laborwerte wieder vorsprechen musste). Die Ärztin an der Uniklinik hatte sich noch bei der Oberärztin rückversichert, die auch nur gemeint hätte „Muss sie denn unbedingt stillen?!“ Man wies mich darauf hin, dass nicht ausgeschlossen sei, dass durch das Abpumpen in meinem greisen Alter eventuell ein Brustkrebs ausgelöst werden könnte. Am besten wäre, ich würde es einfach lassen.
Und die Psychotherapeutin hat mich nach vier Terminen nach Hause geschickt, weil ich alles abblocke und mich nicht ändern wolle. Ihr falle jetzt auch nichts mehr ein. Ich müsse mein Leben ja nicht ändern, aber sie sei nicht dafür da, alles bei ihr abzuladen. Wenn ich zu Veränderung bereit sei, könne ich wiederkommen. Da hat sie durchaus Recht, allerdings glaube ich, dass ich sie dann, wenn ich die Kraft und die Phantasie zur Veränderung gefunden haben werde, auch keine psychotherapeutische Unterstützung mehr brauche. Sei’s drum, ich bin froh, wieder ein paar Termine weniger im Kalender stehen zu haben.
Der Therapiekalender vom Kleinen wurde ebenfalls um einen Termin gekürzt, so dass auch hier wieder mehr Luft für echtes Leben entstanden ist. Vielleicht gehe ich stattdessen mit ihm in den Musikgarten, mal sehen.
Das Antidepressivum nehme ich weiterhin. Einmal, als ich ein paar Tage weg von zu Hause war, habe ich die Einnahme vergessen, es ging mir einfach richtig gut. Aber ich werde die Tabletten sicher noch den Winter über nehmen, was mir eine befreundete Ärztin angeraten hat. Die dunkle Jahreszeit ist für Depressive ja nicht gerade gesundheitsfördernd.
Also, ich bin schon froh, dass ich relaktiert habe. Einmal um der Erfahrung selber willen, aber natürlich vor allem wegen dem Kleinen. Ich bin überzeugt, ihm etwas Gutes damit getan zu haben, allen Widerständen zum Trotz. Schließlich ist Bindung unser ganz großes Thema und wird es auch noch über Jahre bleiben. Ich hätte niemals über eine so lange Zeitspanne stillen können, wie das Bindungsthema aktuell ist. Aber ich habe ihn mit Muttermilch in einer überschaubaren Phase versorgt, in der das gerade eine gute Möglichkeit war, ihm ein Beziehungsangebot zu machen. Wir versuchen, Bindung auf vielerlei Art spürbar werden zu lassen und passen uns da immer neuen Gegebenheiten und Entwicklungen an. Es gibt viele Möglichkeiten. Aber für mich fühlt es sich im Rückblick auf alle Fälle richtig und gut an, dies für ihn, für mich und unsere ganze kleine Familie getan zu haben. Muttermilch ist eben mehr als einfach nur flüssige Nahrung.
Euch hier lieben Dank fürs Lesen, Mutmachen, Ratgeben und Begleiten. Das hat mir sehr viel gegeben.
Danke!
cornucopia
Der Kleine hat sich nichts anmerken lassen. Er fand die Brustmilch zwar lecker, aber jetzt geht’s auch mit Pulvermilch. Die kannte er ja auch schon, weil es täglich nur eine Flasche Muttermilch gegeben hatte. Meine Große hat am letzten Tag aber auch noch einmal sehr bewusst Muttermilch aus dem Fläschchen getrunken. Ihr hat es viel bedeutet, dass ich ihren Bruder gleich behandeln wollte wie sie und deshalb die ganze Aktion mit dem Abpumpen durchgezogen habe. Ohne es in Worte zu fassen weiß sie, dass über die Milch eine ganz besondere Verbindung hergestellt wurde. Ich vermute, dass sie deshalb auch noch einmal einen Schluck wollte.
Der Kleine entwickelt sich recht gut. Er hängt natürlich seinem Alter deutlich hinterher, aber er macht Fortschritte. Kürzlich war die Therapeutin begeistert, weil er mit bestimmten Bauelementen einen Turm bauen konnte. In seinem Alter können Kinder längst andere Dinge, doch für ihn war es wieder ein kleiner Meilenstein.
Er läuft mit seinen 26 Monaten inzwischen auch schon ziemlich gut. Er fällt zwar öfter hin als Kinder, die nicht seine Beeinträchtigung haben (gestörter Gleichgewichtssinn), aber er ist ein Stehaufmännchen. Da er kein Gefahrenbewusstsein hat, ist mein Leben nun aber auch nicht einfacher geworden. Er sieht nicht ein, dass er die Treppe nicht alleine laufen soll, und mehr als einmal ist er schon gestürzt. Jaja, es gibt Treppengitter, und wir haben auch etliche davon. Aber man kann einfach nicht immer alle Schutzvorkehrungen treffen. Für ein cleveres Kind finden sich immer Schlupflöcher und unbeobachtete Momente.
Wir haben einen Schwerbehindertenausweis und eine Pflegestufe beantragt. Mal sehen, wie das ausgeht. Außerdem hoffen wir, vom familienunterstützenden Dienst ein paar Stunden bewilligt zu bekommen. Ich kenne nämlich keinen Babysitter, dem ich unser Kind zumuten möchte. Da muss schon jemand ran, der Erfahrung hat oder der sich aus beruflichem Interesse mit Kindern mit besonderen Beeinträchtigungen befassen möchte.
Wie die Psycho-Geschichte behandelt wurde, ist ein schlechter Scherz. Es war mir ja nicht leicht, überhaupt Zeit für diverse Arzt- und Therapeutentermine rauszuschinden. Was dabei herauskam, ist dann doch bescheiden. Ein Hormonspiegel konnte nicht erstellt werden, weil ich noch abpumpte (hat man mir aber nicht direkt gesagt, sondern erst nach der Blutabnahme, als ich nach zwei Wochen zum Besprechen der Laborwerte wieder vorsprechen musste). Die Ärztin an der Uniklinik hatte sich noch bei der Oberärztin rückversichert, die auch nur gemeint hätte „Muss sie denn unbedingt stillen?!“ Man wies mich darauf hin, dass nicht ausgeschlossen sei, dass durch das Abpumpen in meinem greisen Alter eventuell ein Brustkrebs ausgelöst werden könnte. Am besten wäre, ich würde es einfach lassen.
Und die Psychotherapeutin hat mich nach vier Terminen nach Hause geschickt, weil ich alles abblocke und mich nicht ändern wolle. Ihr falle jetzt auch nichts mehr ein. Ich müsse mein Leben ja nicht ändern, aber sie sei nicht dafür da, alles bei ihr abzuladen. Wenn ich zu Veränderung bereit sei, könne ich wiederkommen. Da hat sie durchaus Recht, allerdings glaube ich, dass ich sie dann, wenn ich die Kraft und die Phantasie zur Veränderung gefunden haben werde, auch keine psychotherapeutische Unterstützung mehr brauche. Sei’s drum, ich bin froh, wieder ein paar Termine weniger im Kalender stehen zu haben.
Der Therapiekalender vom Kleinen wurde ebenfalls um einen Termin gekürzt, so dass auch hier wieder mehr Luft für echtes Leben entstanden ist. Vielleicht gehe ich stattdessen mit ihm in den Musikgarten, mal sehen.
Das Antidepressivum nehme ich weiterhin. Einmal, als ich ein paar Tage weg von zu Hause war, habe ich die Einnahme vergessen, es ging mir einfach richtig gut. Aber ich werde die Tabletten sicher noch den Winter über nehmen, was mir eine befreundete Ärztin angeraten hat. Die dunkle Jahreszeit ist für Depressive ja nicht gerade gesundheitsfördernd.
Also, ich bin schon froh, dass ich relaktiert habe. Einmal um der Erfahrung selber willen, aber natürlich vor allem wegen dem Kleinen. Ich bin überzeugt, ihm etwas Gutes damit getan zu haben, allen Widerständen zum Trotz. Schließlich ist Bindung unser ganz großes Thema und wird es auch noch über Jahre bleiben. Ich hätte niemals über eine so lange Zeitspanne stillen können, wie das Bindungsthema aktuell ist. Aber ich habe ihn mit Muttermilch in einer überschaubaren Phase versorgt, in der das gerade eine gute Möglichkeit war, ihm ein Beziehungsangebot zu machen. Wir versuchen, Bindung auf vielerlei Art spürbar werden zu lassen und passen uns da immer neuen Gegebenheiten und Entwicklungen an. Es gibt viele Möglichkeiten. Aber für mich fühlt es sich im Rückblick auf alle Fälle richtig und gut an, dies für ihn, für mich und unsere ganze kleine Familie getan zu haben. Muttermilch ist eben mehr als einfach nur flüssige Nahrung.
Euch hier lieben Dank fürs Lesen, Mutmachen, Ratgeben und Begleiten. Das hat mir sehr viel gegeben.
Danke!
cornucopia
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Mondenkind
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Großartig. Du bist wirklich eine bewunderswerte starke Frau. Danke für die Rückmeldung!
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung
Sei ein Mensch! M. Reif
Mondenkind mit K1 (3/08) und K2 (3/11)
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AnnaH
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Du hast wirklich einiges geleistet! Hut ab! Und euch einen guten weiteren Weg. Ihr macht das ganz richtig und toll! 
- cornucopia
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Re: Pflegekind stillen - Relaktation
Eigentlich hat das, was danach kam, ja nichts mehr mit Stillen und Tragen zu tun, aber ich berichte trotzdem weiter.
Unser Sohn hat gerade sein drittes Kindergartenjahr angefangen. Er geht in einen integrativen Kindergarten und hat dort zweimal die Woche Logopädie und Physiotherapie. Ich gehe gegen 15:45 los und hole ihn ab. D.h. ich bin nur wenige Stunden des Tages mit ihm alleine – diese Stunden haben es aber in sich!
Er hatte zunächst Pflegestufe I bekommen, ist inzwischen auf Pflegestufe II und hat einen Grad der Behinderung von 100 % im Ausweis stehen. Man sieht ihm das äußerlich allerdings nicht an. Wir hatten das Glück, das die Einstufung von erfahrenen Personen durchgeführt wurde, die genau verstanden haben, was die besonderen Schwierigkeiten sind.
Was das Kapitel Bindung angeht, haben wir viel geleistet. Unser Sohn hängt an uns. Nachdem er anfangs ein Papa-Kind war, klebt er nun an mir. Ich bin ja auch die Kuschelige in der Familie. Er macht mir mehrfach am Tag Liebeserklärungen – „Ich hab dich lieb auf der ganzen Welt“. Er schmiegt sich gerne an mich und plappert nach, was meine Tochter in solchen Situationen sagt, nur dass er zwei Laute verwechselt. Es sagt „Du riechst so gut nach Buttermilch“. Buttermilch hat er bisher aber noch nie getrunken. Jedenfalls lieben Tochter und Pflegesohn Mamas Körpergeruch und assoziieren ihn mit einer wunderbaren multisensorischen Erfahrung.
Er ist nicht mehr so rastlos wie zu Beginn unseres Zusammenlebens. Dennoch ist er weiterhin ein Hibbel. Keine Mahlzeit, bei der er einfach am Tisch sitzen bliebe. Er muss ständig in Bewegung sein, und sei es nur, dass das Mundwerk geht. Er hat mit viel Verspätung ziemlich gut sprechen gelernt – das macht er nun mit Leidenschaft.
Ganz allgemein ist er mit seiner Entwicklung weit hinterher. Aber er konnte mit 4 Jahren Radfahren, trotz der Gleichgewichtsproblematik. Daran hat er eisern gearbeitet. Er geht auch gerne und wagemutig ins Wasser, aber Schwimmen kann er noch nicht. Er hat ein beeindruckendes Rhythmusgefühl und ist sehr musikalisch, einfach so aus sich heraus.
Vor allem aber hat er ein sehr fröhliches, lebensbejahendes Naturell. Sein Charme hilft ihm über so manche Klippe hinweg.
Was aber der Hammer für uns ist: die Abende. Er will einfach nicht schlafen, egal wie müde er ist. Er kämpft mit allen Mitteln gegen den Schlaf. Dazu gehört beißen, kratzen, spucken, schlagen, weglaufen. Nicht lustig für uns. Fast jeden Abend muss mein Mann ihn in den Schwitzkasten nehmen, damit er sich beruhigt. Wir fühlen uns nicht gut dabei, doch wissen wir keinen anderen Weg. Wir machen das, was uns von unseren Beratern und Betreuern geraten wurde. Es widerspricht aber unserer Idee von liebevoller Erziehung.
Das Problem ist, das bei uns weder die Erziehungsratgeber greifen, die für Kinder geschrieben sind, die zwar auch allesamt einzigartig und verschieden sind, die sich aber doch irgendwie innerhalb einer Normbandbreite bewegen. Und unser intuitives und einfühlsames Verhalten, das wir bei unserer leiblichen Tochter meistens anwenden, hilft bei unserem Sohn ebenfalls nicht weiter.
Die Erklärung: er ist frühtraumatisiert. Er hat ein mindestens drei Traumata zu knacken. Als erstes das MRT in der 23. Schwangerschaftswoche, durch das die Wehen ausgelöst wurden. Er hat heute noch Panik, wenn er ein Mofa oder Motorrad hört. Er sieht sie gerne, aber die Motorengeräusche treiben ihn in meine Arme, wo er sich verzweifelt anklammert. Die Geräusche erinnern ihn wohl zu stark an die geburtsauslösende Erfahrung. Unterbewusst weiß er genau, dass es nicht gut war, so früh zur Welt zu kommen.
Zweitens die lange Zeit nach der Geburt, die er im Brutkasten und überhaupt in der Klinik verbracht hat. Das Gefühl des Alleinegelassenseins und der Einsamkeit hat er nicht vergessen, es spukt in ihm. Einmal hat er das sogar in Worte gefasst und hat dabei geweint wie nie zuvor in seinem Leben. Seine leibliche Mutter hatte in dieser schweren Phase getan, was sie konnte, aber es hat nicht gereicht, um Bindung und das Gefühl, geborgen bei Mama zu sein aufbauen zu können.
Als drittes schließlich die Herausnahme aus der Familie. Er hat mir eines Abends gesagt, er habe Angst, dass nachts Einbrecher kommen und ihn mitnehmen, deshalb wolle er nicht schlafen. So war das damals, als wohlmeinende Menschen ihn in der Nacht von seiner Mutter fortgeholt haben. Ich weiß von den Beteiligten, dass es eine ganz ruhige Aktion war, alles sehr gesittet. Die Mutter hat ihn noch angezogen und fertig gemacht und lieb verabschiedet. Da er die Vorgänge aber intellektuell nicht verarbeiten konnte, ist da diese ganz große Wunde, die Traumatisierung.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf, das wir wie Detektive zusammengetragen und entschlüsselt haben, ist leicht nachzuvollziehen, weshalb er so ist, wie er ist. Unsere Aufgabe wird nun sein, ihm zu helfen, mit diesen Traumata zu leben. Auflösen werden wir sie wohl nicht können. Es ist eine riesige Aufgabe, von der ich nicht weiß, wie wir sie am besten angehen. Wir werden inzwischen aber von der Diakonie Düsseldorf betreut, und dort sitzen Experten, von denen ich mir Rat und Hilfe erhoffe.
Es ist inzwischen amtlich, dass unser Sohn geistig behindert, oder wie es politisch korrekt heißt, „intellektuell beeinträchtigt“ ist. Mir fällt es schwer, das zu akzeptieren. Er ist ja so ein Cleverle! Situationsbezogen findet er gute Lösungen und hat kreative Ideen, aber abstraktes Denken ist eben nicht seine Stärke. Beim Intelligenztest wurde er gefragt, wie viele Beine ein Vogel hat. Er hob an zu erzählen, dass wir beim Weggehen einen toten Vogel vor dem Haus gefunden hätten, den habe wohl die Katze geholt, oder er sei aus dem Nest gefallen, habe die Mama gesagt, und den müssten wir nachher noch beerdigen. Ich war stolz, dass er die Geschichte zusammenhängend erzählen konnte. War doch eine reife Leistung! Er wurde nochmal gefragt, wie viele Beine denn nun ein Vogel habe. Mit einer Handbewegung, die bedeuten sollte, ist doch nicht so wichtig, sagte er „Ach, drei“. Das gab dann leider null Punkte, und so kam er auf einen IQ von 62. Natürlich nicht wegen der einen Frage, diese soll nur als Beispiel gelten.
Zur Info: ein IQ von 100 ist durchschnittlich. Bis 70 wäre eine Lernbehinderung, alles darunter ist geistige Behinderung. Auf einer Schule für Lernbehinderte gibt es für die klügeren Köpfe die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss zu machen. Auf der Schule für geistig Behinderte gibt es diese Möglichkeit nicht. Das ist sehr schade, denn ich sehe, dass unser Sohn in vielen Bereichen durchaus Potenzial hat, nur eben konzentrieren kann er sich nicht gut, genauso wenig wie still sitzen und lange Zeit aufmerksam sein.
Die Depression bei mir ist dann irgendwann, also ca. ein Jahr nach Aufnahme unseres Sohnes in die Familie, weggegangen. Ich habe das Antidepressivum ca. 9 Monate genommen. Ab März 2013 merkte ich, dass es mir besser ging. Ich habe dann sogar an einer Theateraufführung mitgewirkt – ein Zeichen, dass ich aus dem Loch raus war.
Trotzdem hat das alles und unser heutiger Alltag auch gesundheitliche Auswirkungen. Ich bin nervlich längst nicht mehr so belastbar. Bei uns wird viel geschrien – das kannten wir früher gar nicht. Ich finde es schlimm, meine Kinder anzubrüllen. Noch schlimmer finde ich es, wenn ich weinend zusammenbreche und kopflos aus dem Haus renne, als Zeichen, dass das Maß nun wirklich überschritten ist. Ich bin nicht stolz darauf, so hilflos zu sein. So Vieles machen wir richtig gut, und unser Kind hat sich ja auch phantastisch entwickelt, wie uns von allen Seiten bestätigt wird. Wir sind sogar zur sonderpädagogischen Fachpflegefamilie aufgestiegen, obwohl keiner von uns eine entsprechende Ausbildung hat. Und trotz all dem stoßen wir fast täglich an unsere Grenzen mit dem kleinen, süßen Mann, der längst unsere Herzen erobert hat.
Ein weitere unschöner Nebeneffekt: Ich habe 25 kg zugenommen, weil ich zur Frustesserin mutiert bin. Ich kompensiere Schlafmangel mit Süßigkeiten. Mein Mann, der früher immer fit war, ist seit Längerem rückengeschädigt, was sicher zum Teil auch auf unseren Sohn zurückgeht. Unsere Tochter hat auch so ihr Päckchen zu tragen. Sie liebt ihren Bruder, aber wenn er ihr körperlich weh tut, was auch fast täglich vorkommt, ist es vorbei mit Geschwisterliebe und Toleranz. Trotzdem ist sie eine vorbildliche Tochter und große Schwester. Sie hilft uns oft aus schwierigen Situationen, wenn sie Partei für den kleinen Bruder ergreift und er dann plötzlich wieder erreichbar wird, weil die zwei doch auch eine ganz besondere Beziehung verbindet.
Ich kann nach 3 ½ Jahren mit unserem Sohn sagen, dass ich ihn (und auch kein anderes Kind) nicht aufgenommen hätte, wenn ich alles das vorher gewusst hätte. Aber nun ist er ein Teil von uns, und rückgängig kann man das nicht machen. Juristisch schon, aber nicht emotional.
Zum Abschluss dieses langen Posts der Refrain des Gute-Nacht-Liedes, das ich für ihn geschrieben habe und das er sehr lieb gewonnen hat:
Du bist das Kind, das uns so lange Zeit gefehlt hat.
Dein Platz am Tisch war lange Zeit so leer.
Wir schützen und wir lieben dich mit all unsrer Kraft.
Weil wir im Herzen bei dir sind, finde du jetzt auch Schlaf.
Unser Sohn hat gerade sein drittes Kindergartenjahr angefangen. Er geht in einen integrativen Kindergarten und hat dort zweimal die Woche Logopädie und Physiotherapie. Ich gehe gegen 15:45 los und hole ihn ab. D.h. ich bin nur wenige Stunden des Tages mit ihm alleine – diese Stunden haben es aber in sich!
Er hatte zunächst Pflegestufe I bekommen, ist inzwischen auf Pflegestufe II und hat einen Grad der Behinderung von 100 % im Ausweis stehen. Man sieht ihm das äußerlich allerdings nicht an. Wir hatten das Glück, das die Einstufung von erfahrenen Personen durchgeführt wurde, die genau verstanden haben, was die besonderen Schwierigkeiten sind.
Was das Kapitel Bindung angeht, haben wir viel geleistet. Unser Sohn hängt an uns. Nachdem er anfangs ein Papa-Kind war, klebt er nun an mir. Ich bin ja auch die Kuschelige in der Familie. Er macht mir mehrfach am Tag Liebeserklärungen – „Ich hab dich lieb auf der ganzen Welt“. Er schmiegt sich gerne an mich und plappert nach, was meine Tochter in solchen Situationen sagt, nur dass er zwei Laute verwechselt. Es sagt „Du riechst so gut nach Buttermilch“. Buttermilch hat er bisher aber noch nie getrunken. Jedenfalls lieben Tochter und Pflegesohn Mamas Körpergeruch und assoziieren ihn mit einer wunderbaren multisensorischen Erfahrung.
Er ist nicht mehr so rastlos wie zu Beginn unseres Zusammenlebens. Dennoch ist er weiterhin ein Hibbel. Keine Mahlzeit, bei der er einfach am Tisch sitzen bliebe. Er muss ständig in Bewegung sein, und sei es nur, dass das Mundwerk geht. Er hat mit viel Verspätung ziemlich gut sprechen gelernt – das macht er nun mit Leidenschaft.
Ganz allgemein ist er mit seiner Entwicklung weit hinterher. Aber er konnte mit 4 Jahren Radfahren, trotz der Gleichgewichtsproblematik. Daran hat er eisern gearbeitet. Er geht auch gerne und wagemutig ins Wasser, aber Schwimmen kann er noch nicht. Er hat ein beeindruckendes Rhythmusgefühl und ist sehr musikalisch, einfach so aus sich heraus.
Vor allem aber hat er ein sehr fröhliches, lebensbejahendes Naturell. Sein Charme hilft ihm über so manche Klippe hinweg.
Was aber der Hammer für uns ist: die Abende. Er will einfach nicht schlafen, egal wie müde er ist. Er kämpft mit allen Mitteln gegen den Schlaf. Dazu gehört beißen, kratzen, spucken, schlagen, weglaufen. Nicht lustig für uns. Fast jeden Abend muss mein Mann ihn in den Schwitzkasten nehmen, damit er sich beruhigt. Wir fühlen uns nicht gut dabei, doch wissen wir keinen anderen Weg. Wir machen das, was uns von unseren Beratern und Betreuern geraten wurde. Es widerspricht aber unserer Idee von liebevoller Erziehung.
Das Problem ist, das bei uns weder die Erziehungsratgeber greifen, die für Kinder geschrieben sind, die zwar auch allesamt einzigartig und verschieden sind, die sich aber doch irgendwie innerhalb einer Normbandbreite bewegen. Und unser intuitives und einfühlsames Verhalten, das wir bei unserer leiblichen Tochter meistens anwenden, hilft bei unserem Sohn ebenfalls nicht weiter.
Die Erklärung: er ist frühtraumatisiert. Er hat ein mindestens drei Traumata zu knacken. Als erstes das MRT in der 23. Schwangerschaftswoche, durch das die Wehen ausgelöst wurden. Er hat heute noch Panik, wenn er ein Mofa oder Motorrad hört. Er sieht sie gerne, aber die Motorengeräusche treiben ihn in meine Arme, wo er sich verzweifelt anklammert. Die Geräusche erinnern ihn wohl zu stark an die geburtsauslösende Erfahrung. Unterbewusst weiß er genau, dass es nicht gut war, so früh zur Welt zu kommen.
Zweitens die lange Zeit nach der Geburt, die er im Brutkasten und überhaupt in der Klinik verbracht hat. Das Gefühl des Alleinegelassenseins und der Einsamkeit hat er nicht vergessen, es spukt in ihm. Einmal hat er das sogar in Worte gefasst und hat dabei geweint wie nie zuvor in seinem Leben. Seine leibliche Mutter hatte in dieser schweren Phase getan, was sie konnte, aber es hat nicht gereicht, um Bindung und das Gefühl, geborgen bei Mama zu sein aufbauen zu können.
Als drittes schließlich die Herausnahme aus der Familie. Er hat mir eines Abends gesagt, er habe Angst, dass nachts Einbrecher kommen und ihn mitnehmen, deshalb wolle er nicht schlafen. So war das damals, als wohlmeinende Menschen ihn in der Nacht von seiner Mutter fortgeholt haben. Ich weiß von den Beteiligten, dass es eine ganz ruhige Aktion war, alles sehr gesittet. Die Mutter hat ihn noch angezogen und fertig gemacht und lieb verabschiedet. Da er die Vorgänge aber intellektuell nicht verarbeiten konnte, ist da diese ganz große Wunde, die Traumatisierung.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf, das wir wie Detektive zusammengetragen und entschlüsselt haben, ist leicht nachzuvollziehen, weshalb er so ist, wie er ist. Unsere Aufgabe wird nun sein, ihm zu helfen, mit diesen Traumata zu leben. Auflösen werden wir sie wohl nicht können. Es ist eine riesige Aufgabe, von der ich nicht weiß, wie wir sie am besten angehen. Wir werden inzwischen aber von der Diakonie Düsseldorf betreut, und dort sitzen Experten, von denen ich mir Rat und Hilfe erhoffe.
Es ist inzwischen amtlich, dass unser Sohn geistig behindert, oder wie es politisch korrekt heißt, „intellektuell beeinträchtigt“ ist. Mir fällt es schwer, das zu akzeptieren. Er ist ja so ein Cleverle! Situationsbezogen findet er gute Lösungen und hat kreative Ideen, aber abstraktes Denken ist eben nicht seine Stärke. Beim Intelligenztest wurde er gefragt, wie viele Beine ein Vogel hat. Er hob an zu erzählen, dass wir beim Weggehen einen toten Vogel vor dem Haus gefunden hätten, den habe wohl die Katze geholt, oder er sei aus dem Nest gefallen, habe die Mama gesagt, und den müssten wir nachher noch beerdigen. Ich war stolz, dass er die Geschichte zusammenhängend erzählen konnte. War doch eine reife Leistung! Er wurde nochmal gefragt, wie viele Beine denn nun ein Vogel habe. Mit einer Handbewegung, die bedeuten sollte, ist doch nicht so wichtig, sagte er „Ach, drei“. Das gab dann leider null Punkte, und so kam er auf einen IQ von 62. Natürlich nicht wegen der einen Frage, diese soll nur als Beispiel gelten.
Zur Info: ein IQ von 100 ist durchschnittlich. Bis 70 wäre eine Lernbehinderung, alles darunter ist geistige Behinderung. Auf einer Schule für Lernbehinderte gibt es für die klügeren Köpfe die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss zu machen. Auf der Schule für geistig Behinderte gibt es diese Möglichkeit nicht. Das ist sehr schade, denn ich sehe, dass unser Sohn in vielen Bereichen durchaus Potenzial hat, nur eben konzentrieren kann er sich nicht gut, genauso wenig wie still sitzen und lange Zeit aufmerksam sein.
Die Depression bei mir ist dann irgendwann, also ca. ein Jahr nach Aufnahme unseres Sohnes in die Familie, weggegangen. Ich habe das Antidepressivum ca. 9 Monate genommen. Ab März 2013 merkte ich, dass es mir besser ging. Ich habe dann sogar an einer Theateraufführung mitgewirkt – ein Zeichen, dass ich aus dem Loch raus war.
Trotzdem hat das alles und unser heutiger Alltag auch gesundheitliche Auswirkungen. Ich bin nervlich längst nicht mehr so belastbar. Bei uns wird viel geschrien – das kannten wir früher gar nicht. Ich finde es schlimm, meine Kinder anzubrüllen. Noch schlimmer finde ich es, wenn ich weinend zusammenbreche und kopflos aus dem Haus renne, als Zeichen, dass das Maß nun wirklich überschritten ist. Ich bin nicht stolz darauf, so hilflos zu sein. So Vieles machen wir richtig gut, und unser Kind hat sich ja auch phantastisch entwickelt, wie uns von allen Seiten bestätigt wird. Wir sind sogar zur sonderpädagogischen Fachpflegefamilie aufgestiegen, obwohl keiner von uns eine entsprechende Ausbildung hat. Und trotz all dem stoßen wir fast täglich an unsere Grenzen mit dem kleinen, süßen Mann, der längst unsere Herzen erobert hat.
Ein weitere unschöner Nebeneffekt: Ich habe 25 kg zugenommen, weil ich zur Frustesserin mutiert bin. Ich kompensiere Schlafmangel mit Süßigkeiten. Mein Mann, der früher immer fit war, ist seit Längerem rückengeschädigt, was sicher zum Teil auch auf unseren Sohn zurückgeht. Unsere Tochter hat auch so ihr Päckchen zu tragen. Sie liebt ihren Bruder, aber wenn er ihr körperlich weh tut, was auch fast täglich vorkommt, ist es vorbei mit Geschwisterliebe und Toleranz. Trotzdem ist sie eine vorbildliche Tochter und große Schwester. Sie hilft uns oft aus schwierigen Situationen, wenn sie Partei für den kleinen Bruder ergreift und er dann plötzlich wieder erreichbar wird, weil die zwei doch auch eine ganz besondere Beziehung verbindet.
Ich kann nach 3 ½ Jahren mit unserem Sohn sagen, dass ich ihn (und auch kein anderes Kind) nicht aufgenommen hätte, wenn ich alles das vorher gewusst hätte. Aber nun ist er ein Teil von uns, und rückgängig kann man das nicht machen. Juristisch schon, aber nicht emotional.
Zum Abschluss dieses langen Posts der Refrain des Gute-Nacht-Liedes, das ich für ihn geschrieben habe und das er sehr lieb gewonnen hat:
Du bist das Kind, das uns so lange Zeit gefehlt hat.
Dein Platz am Tisch war lange Zeit so leer.
Wir schützen und wir lieben dich mit all unsrer Kraft.
Weil wir im Herzen bei dir sind, finde du jetzt auch Schlaf.

