Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

EUaVBl
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Re: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von EUaVBl »

sakura, vielen lieben dank für diesen beitrag. gerade war ich auf der suche nach input wegen dem essverhalten meines mittleren. es treibt mich momentan in den wahnsinn und ich habe es tatsächlich schon mit probierzwang versucht... :( mit dem resultat, dass er sich übergeben hat, weil er sich so vor einem stück apfel geekelt hat.

dein beitrag hat mir mut gemacht und ich werd jetzt einfach mal wieder gelassenheit üben. :)
hach, es ist halt so frustrierend, wenn das kind eine immer kleinere auswahl an lebensmitteln toleriert und man sich sogar darauf einstellt und kind dann beschließt, dass es das jetzt doch nicht mehr mag. (kind stellt fest, dass es paprikalyoner mag. isst NUR noch paprikalyoner auf dem brot. man kauft einen wochenvorrat und das kind will nix mehr davon essen, weil "es doch nicht so gut schmeckt". :| )
oder man kocht das lieblingsessen und das kind ekelt sich und seziert das essen. :?
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blauelagune
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Re: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von blauelagune »

Ich finde diese "Probierregel" ganz problematisch. Das hängt sehr mit meiner eigenen "Essensbiografie" zusammen. Ich habe wegen einer vollkommenen Fleischunverträglichkeit von Anfang an Fleisch verweigert. Weil Fleisch aber gesund ist, musste ich "probieren". Und wenn nicht freiwillig, wurde halt nachgeholfen. Wenn ich an meine Kindheit denke, denke ich immer auch an Magen-Darm-Beschwerden.

Für mich stand immer fest, das tue ich meinem Kind nicht an. An mir selber habe ich ja gesehen, dass man auch als Kind ein gutes Gespür dafür hat, was man verträgt und was nicht. Außerdem ändern sich die Geschmäcker, wer heute keinen Blumenkohl mag, mag ihn vielleicht in zwei Wochen.

Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn jemand etwas nicht essen will, seien es nur Beilagen oder auch mal das ganze Essen. Als Alternative gibt es hier grundsätzlich Brot mit Käse.
mit den drei Jungs (08/09) und (06/12) und (06/16)
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Sakura
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Re: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von Sakura »

juhle, wenn ich meinen beitrag so lese, da kommen so viele erinnerungen wieder hoch. ich saß fast immer noch am essenstisch, wenn mich meine mutter mittags vom kindergarten abholte, denn aufstehen durften wir erst, wenn wir aufgegessen hatte. einmal hat meine mutter zu meinem geburtstag einen "kalten hund" mit in den kindergarten gegeben. das ist der einzige KiGa-geburtstag, an den ich mich erinnere, weil ich noch weiß, wie ih dieses elende stück kuchen vor mir hatte, und jeder biss einen brechreiz auslöste.

an meinem ersten schultag kam ich nach hause, und weißt du, was ich meinen eltern als erstes erzählt habe? was für mich das absolut beste an der schule war? im speiseraum stand ein kübel, da konnte man alles reinkippen, was man nicht aufgegessen hatte oder was nicht schmeckte. ich war so erleichtert. nie wieder zwang beim essen. das war für mich das größte.

kinder, die nicht essen wollen, erscheinen uns oft als zickig (ich mache da keine ausnahme, mein mäusel ist essenstechnisch auch ein wenig exzentrisch - eben in meinen augen). aber ich kann mich daran erinnern, dass mir als kind wirklich übel von essen geworden ist. dass ich mich wirklich vor den sachen geekelt habe. und ja, das kann plötzlich kommen und gehen. bei uns zuhause war es in meinem fall der leberkäse und karotten. zeitweilig habe ich nur das gegessen, und dann auf einmal schmeckte es komisch, und ich habe es jahrelang nicht angerührt.


es gibt aber auch andere erinnerungen. ich war ca. 10, stand mit meinem vater in der küche meiner oma, und mein vater trank mit sichtlichem genuss buttermilch. ich war neugierig, und wollte probieren. bäh, bitter, sauer, schmeckt mir nicht. mein vater trank ungerührt weiter, schmatzte genießerisch, sagte immer wieder, wieeeee lecker das ist.... ich wurde wieder neugierig, und probierte wieder. schmeckte immer noch nicht. so ging das drei oder vier mal, und was soll ich sagen. irgendwann kam ich auf den geschmack. seit diesem tag liebe ich buttermilch.

andere szene: ich bin mit meiner mutter in der küche und wir bereiten das sonntagsessen zu. es gibt unter anderem rotkohl. meine mutter macht was anderes, und ich muss den rotkohl abschmecken. bis dato größte hasserin dieses gerichtes muss ich es auf einmal kochen. und stelle fest, dass es soooo schlecht nun auch nicht schmeckt. ergebnis: seit diesem tag esse ich rotkohl. nicht begeistert, aber ich esse es.

diese zwei beispiele beschreiben zwei tipps, die immer wieder gegeben werden: vorleben / voressen und mit den kinder gemeinsam kochen / essen zubereiten.
ich kann bestätigen, dass das funktioniert. vielleicht nicht sofort, und nicht immer zu 10000%, aber grundsätzlich eben doch.
Sakura mit zwei tollen Mädels 04/11 und 05/13

Ich werde sie lehren, den eigenen Weg zu gehen,
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Sycorax
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Re: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von Sycorax »

Sibi hat geschrieben:
Lorana hat geschrieben: Seit ihr da auch wirklich so streng? Vor allem beim Abendessen find ich das ja schon hart. Oder lieg ich falsch?
Ich finde die Regel völlig daneben und sie zeugt für mich davon, dass schon ein Machtkampf beim Essen im Spiel ist.

Meine Tochter isst alles, aber nicht immer. Ich habe auch nicht immer Lust auf alles. Mein Mann darf sich auch ein Brot machen, wenn er keine Lust auf mein Essen hat. Warum also das Kind nicht? Wenn sie nicht probieren mag, dann eben nicht. Ich werde ein Teufel tun und meinem genussfreudigen Kind (das aber sehr phasenweise ist) den Spaß am Essen verderben.
Das unterschreib ich so! Mein Mann möchte auch, dass die Missy alles probiert. Aber manches mag sie einfach nicht probieren und kann das auch nicht immer erklären. So what, sie isst das meiste, was bei uns auf den Tisch kommt.
Viele Grüße von Sycorax mit Missy (*2/2009) und Minimissy (*1/2012)

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Re: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von Sycorax »

Sorry fürs ot, hab gerade erst Sakuras Beitrag gelesen.

Was für eine furchtbare Unsitte in diesem Kiga.
Dabei fällt mir ein, ich esse bis heute keinen Milchreis, weil mich meine Mutter einmal gezwungen hat, meinen Teller leer zu essen. Als ich fertig war, hab ich ihr die Ladung versehentlich aufs Sofa gekotzt. Ich war wohl 5 Jahre alt?
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Re: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von Sycorax »

nicht ot natürlich! DP!
Also sorry fürs Dreifachposting :oops:
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Re: AW: Wie und Ab wann Regel "alles probieren"?

Beitrag von honigtopf2010 »

Ich muss da auch noch mal antworten. Wir wurden gezwungen Dinge zu essen, die wir nicht mögen. Ich bekam das Mittag auf dem gleichen Teller am Abend wieder. Auch im Hort gab es diesen Zwang. Immer nach dem Motto nicht mäklig oder besonders zu sein. Wisst ihr wie schlimm so etwas sein kann?

Ich habe heute ein gutes Verhältnis zur Ernährung. Es gibt kaum etwas, das ich nicht esse. Ich koche sehr gerne. Zu meiner Mutter hingegen habe ich KEIN Verhältnis. Also nur zu, wer mit solchen Konsequenzen leben möchte...

Unser Kind aß zu Anfang begeistert jedes Gemüse. Derzeit nur Spinat. Brot nur selten usw. Ich mache da keinen Druck. Sie bekommt, was sie mag. Ich koche für sie auch mal extra. Sie kann jederzeit von uns probieren - wenn sie WILL.
die Große 03/10 und der Lütte 03/13 - Breast in Peace!
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