Meine indische Nachbarin erzählt ...
- junipa
- hat viel zu erzählen
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
viele gruesse
junipa mit kleinem bruder und grossem bruder
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- arwen
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Ich habe ja auch länger in GB gelebt, und zum Glück auch viel anderes erlebt.
Die Health visitors, die zu mir kamen, waren wirklich nett und hilfsbereit, und sie haben nicht versucht, mir irgendwas zu erzählen. Gut, es hängt sicherlich davon ab, wer genau kommt (einer von denen muss auch furchtbar gewesen sein), und wahrscheinlich hatte ich auch den Vorteil, dass ich meine beiden jüngeren Kinder in GB bekommen habe, und da mussten sie mir ja nicht mehr die ganzen Infos für Neugeborene geben. Stattdessen gab es Infos zu Babygruppen, das war echt praktisch.
In Cambridge, wo wir gelebt haben, haben die Hebammen Werbung gemacht für Hausgeburten und das Stillen stark unterstützt. Die Mütter, die ich kannte, haben praktisch alle gestillt (außer es ging wirklich nicht). Es gab regelmäßige Slingmeets, wo sich einige ATTAs getroffen haben. Ich habe einige kennengelernt, die Homeschooling gemacht haben. Ich habe vom City Council ein Stoffwindel-Startset geschenkt bekommen.
Der NCT (National Childbirth Trust), eine große Charity, die sich für Schwangere und junge Eltern engagiert und u.a. Geburtsvorbereitungskurse anbietet, setzt sich dafür ein, dass Frauen den Geburtsort frei wählen können, dass Frauen stillen, und propagiert Co-Sleeping insbesondere für Stillende. Er argumentiert damit, dass es sicherer ist, wenn Mütter die Kinder im entsprechend gesicherten Familienbett stillen als wenn sie aufstehen müssen und dann vor Müdigkeit mit dem Baby auf dem Sofa oder im Sessel einschlafen.
Auch dass die Schwangerschaften nicht so medizinisch betreut werden, fand ich gut, weil ich den Eindruck hatte, dass im Vergleich in D so ein Getue veranstaltet ist, dass eine Schwangerschaft sich gar nicht so natürlich anfühlt.
Kurz und gut, ich habe viel Positives erlebt.
Auf der anderen Seite gibt es schreckliche Bücher, z. B. die Ratgeber von Gina Ford, wo schon Neugeborenen eine feste Tagesstruktur aufgedrückt wird und es genaue Pläne gibt, wann ein Baby schlafen, aufwachen und essen muss. Und Nora hat Recht, Schreienlassen ist sehr verbreitet, in der Bücherei gab es z. B. das Originalbuch von Ferber, worin steht, dass Babys mit 5-6 Monaten die ganze Nacht schlafen können, weil sie in dem Alter ja keine Nahrung mehr brauchen.
Ist GB daher schlimmer? Ich denke nicht...
Die Health visitors, die zu mir kamen, waren wirklich nett und hilfsbereit, und sie haben nicht versucht, mir irgendwas zu erzählen. Gut, es hängt sicherlich davon ab, wer genau kommt (einer von denen muss auch furchtbar gewesen sein), und wahrscheinlich hatte ich auch den Vorteil, dass ich meine beiden jüngeren Kinder in GB bekommen habe, und da mussten sie mir ja nicht mehr die ganzen Infos für Neugeborene geben. Stattdessen gab es Infos zu Babygruppen, das war echt praktisch.
In Cambridge, wo wir gelebt haben, haben die Hebammen Werbung gemacht für Hausgeburten und das Stillen stark unterstützt. Die Mütter, die ich kannte, haben praktisch alle gestillt (außer es ging wirklich nicht). Es gab regelmäßige Slingmeets, wo sich einige ATTAs getroffen haben. Ich habe einige kennengelernt, die Homeschooling gemacht haben. Ich habe vom City Council ein Stoffwindel-Startset geschenkt bekommen.
Der NCT (National Childbirth Trust), eine große Charity, die sich für Schwangere und junge Eltern engagiert und u.a. Geburtsvorbereitungskurse anbietet, setzt sich dafür ein, dass Frauen den Geburtsort frei wählen können, dass Frauen stillen, und propagiert Co-Sleeping insbesondere für Stillende. Er argumentiert damit, dass es sicherer ist, wenn Mütter die Kinder im entsprechend gesicherten Familienbett stillen als wenn sie aufstehen müssen und dann vor Müdigkeit mit dem Baby auf dem Sofa oder im Sessel einschlafen.
Auch dass die Schwangerschaften nicht so medizinisch betreut werden, fand ich gut, weil ich den Eindruck hatte, dass im Vergleich in D so ein Getue veranstaltet ist, dass eine Schwangerschaft sich gar nicht so natürlich anfühlt.
Kurz und gut, ich habe viel Positives erlebt.
Auf der anderen Seite gibt es schreckliche Bücher, z. B. die Ratgeber von Gina Ford, wo schon Neugeborenen eine feste Tagesstruktur aufgedrückt wird und es genaue Pläne gibt, wann ein Baby schlafen, aufwachen und essen muss. Und Nora hat Recht, Schreienlassen ist sehr verbreitet, in der Bücherei gab es z. B. das Originalbuch von Ferber, worin steht, dass Babys mit 5-6 Monaten die ganze Nacht schlafen können, weil sie in dem Alter ja keine Nahrung mehr brauchen.
Ist GB daher schlimmer? Ich denke nicht...
- coccolone
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Sehe ich auch so arwen. UK hat Gina Ford, DE hat JKKSL. Und der NCT macht wirklich ganz, ganz tolle Arbeit! Ein Abend unseres Geburtsvorbereitungskurses wurde z.B. von einer Stillberaterin gehalten und war komplett dem Stillen gewidmet. Wie gesagt, ich kenne es aus UK auch ganz anders und vorallem sehr positiv.
"You can't start a new chapter in your life, if you keep re-reading the last one."
- corradomaus
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
ich bin grad tieftraurig
die arme frau das arme kind
sie hätte soviel richtig gemacht...
wie bist du damit umgegangen nora hast du ihr deinen standpunkt erzählt
(ohne dieanderen gelesen zu haben)
die arme frau das arme kind
sie hätte soviel richtig gemacht...
wie bist du damit umgegangen nora hast du ihr deinen standpunkt erzählt
(ohne dieanderen gelesen zu haben)
P. (01/82) mit dem Tasmanischen Teufel in Gestalt eines Minchen (03/08) und der kleinen Kämpferin die schon so viel mitgemacht hat (12/11)
Mein Herz schlägt sächsisch, und Lachen hat keinen Dialekt.
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- cocotte
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Uff, ich hab grad ne ganz, ganz dicke Gänsehaut bekommen beim Lesen deines Threads, Nora....
Es ist tieftraurig, und doch offenbart es eine Eigenart des Menschen: Dass er immer irgendwo dazugehören möchte, dass er auf Biegen und Brechen alles versucht, um nicht "anders" zu sein als die Anderen. Und anscheinend ist dieses Bedürfnis so immens, dass sogar tradierte Werte, Verhaltensweisen und Erfahrungen demzuliebe aufgegeben werden.
Verallgemeinern kann man das aber auch nicht - warum werden dann z.B. Traditionen wie die Beschneidung von Mädchen auch nach einer Übersiedlung nach Europa aufrechterhalten?
Warum erfolgt da einerseits eine Rückbesinnung bzw. ein Festhalten an solchen überlieferten Grausamkeiten zur Wahrung der eigenen Identität und warum lässt man sich andererseits in anderen Bereichen die fremde Identität einfach so "überstülpen"?
Wir Menschen könnten doch soooo viel voneinander lernen und tun uns doch so schwer damit... manchmal hat man das Gefühl, die Kulturen schauen sich untereinander nur das Negative ab.
Aber man sieht daran, wie wertvoll es ist, wenn man ein Umfeld hat, dass einen bestätigt und wie wichtig die Vernetzung von Müttern untereinander ist, um "Attachment Parenting" wieder generell als natürlichen und normalen Umgang mit Babys/Kleinkindern zu etablieren. Ohne dieses Forum hier wär ich sicherlich auch schon manches mal "eingeknickt" und hätte mich meinem Umfeld hier eher angepasst, z.B. hätte vielleicht nicht ganz so lange gestillt wie ich jetzt tue.
Es ist tieftraurig, und doch offenbart es eine Eigenart des Menschen: Dass er immer irgendwo dazugehören möchte, dass er auf Biegen und Brechen alles versucht, um nicht "anders" zu sein als die Anderen. Und anscheinend ist dieses Bedürfnis so immens, dass sogar tradierte Werte, Verhaltensweisen und Erfahrungen demzuliebe aufgegeben werden.
Verallgemeinern kann man das aber auch nicht - warum werden dann z.B. Traditionen wie die Beschneidung von Mädchen auch nach einer Übersiedlung nach Europa aufrechterhalten?
Warum erfolgt da einerseits eine Rückbesinnung bzw. ein Festhalten an solchen überlieferten Grausamkeiten zur Wahrung der eigenen Identität und warum lässt man sich andererseits in anderen Bereichen die fremde Identität einfach so "überstülpen"?
Wir Menschen könnten doch soooo viel voneinander lernen und tun uns doch so schwer damit... manchmal hat man das Gefühl, die Kulturen schauen sich untereinander nur das Negative ab.
Aber man sieht daran, wie wertvoll es ist, wenn man ein Umfeld hat, dass einen bestätigt und wie wichtig die Vernetzung von Müttern untereinander ist, um "Attachment Parenting" wieder generell als natürlichen und normalen Umgang mit Babys/Kleinkindern zu etablieren. Ohne dieses Forum hier wär ich sicherlich auch schon manches mal "eingeknickt" und hätte mich meinem Umfeld hier eher angepasst, z.B. hätte vielleicht nicht ganz so lange gestillt wie ich jetzt tue.
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
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carrymeclose
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Ich lebe auch in UK und kann voll bei arwen unterschreiben.
Ich habe viel positives und negatives erlebt. Aber da ich mich mit den Menschen umgebe die mir liegen, erlebe ich eigentlich hauptsaechlich positives was den Umgang mit Kindern angeht. Co-Sleeping, habe ich den Eindruck, ist hier weiter verbreitet als in D. Auch bedingt durch die grosse asiatische Bevoelkerung (Inder, Pakistanis...) und den geringeren Platz). Und ich finde UK kinderfreundlicher als D (in Restaurants, Parks etc..)
Aber ja, dieser Durchlafwahn ist hier noch weiter verbreitet als in D und es wird weniger gestillt insgesamt. Gina Fords Buecher sind ein Grauen und haben leider viele Anhaenger hier. Und der Text im Ausgangsposting macht mich auch sehr traurig.
Insgesamt finde ich hier die Extreme staerker. Es gibt mehr Eltern die AP machen aber auch mehr Mamas die ihre Babys von Geburt an mit fuerchterlichem Drill in einen Rhythmus pressen.
Ich habe viel positives und negatives erlebt. Aber da ich mich mit den Menschen umgebe die mir liegen, erlebe ich eigentlich hauptsaechlich positives was den Umgang mit Kindern angeht. Co-Sleeping, habe ich den Eindruck, ist hier weiter verbreitet als in D. Auch bedingt durch die grosse asiatische Bevoelkerung (Inder, Pakistanis...) und den geringeren Platz). Und ich finde UK kinderfreundlicher als D (in Restaurants, Parks etc..)
Aber ja, dieser Durchlafwahn ist hier noch weiter verbreitet als in D und es wird weniger gestillt insgesamt. Gina Fords Buecher sind ein Grauen und haben leider viele Anhaenger hier. Und der Text im Ausgangsposting macht mich auch sehr traurig.
Insgesamt finde ich hier die Extreme staerker. Es gibt mehr Eltern die AP machen aber auch mehr Mamas die ihre Babys von Geburt an mit fuerchterlichem Drill in einen Rhythmus pressen.
leben in UK mit Tochter (Jan '09) und Sohn (Nov '10)
- zierfisch
- Miss SuTiversum
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- Registriert: 13.07.2010, 18:37
Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Ich dachte, beim Titel, das wäre ein total schöner positiver Post...
das ist ja echt traurig!! So schöne Traditionen und dann unter dem „Deckmantel“ der Integration so unter den Teppich gekehrt...
Bärchen (09/08) & Mäuserich (04/11)
- nahlahh
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Re: Meine indische Nachbarin erzählt ...
Das hab ich auch gedachtzierfisch hat geschrieben:Ich dachte, beim Titel, das wäre ein total schöner positiver Post...das ist ja echt traurig!! So schöne Traditionen und dann unter dem „Deckmantel“ der Integration so unter den Teppich gekehrt...




