@ talismama: ich fand das auch erst und habe mich in dem ersten Thread, den es hier im Forum dazu gab, sehr gegen den Gedanken gesträubt, fand es völlig lebensfremd und nicht realisierbar usw. Aber im Endeffekt ist mir inzwischen aufgefallen, bei wie vielen (erschreckend vielen

) Dingen ich wirklich schon im Schulalter die Freude an der eigentlichen Sache verloren habe und es im Endeffekt nur für das Lob/das Schulterklopfen/die Anerkennung von außen (seitens der Eltern, seitens der Lehrer, ...) getan habe.
Malen zum Beispiel. Ich hab mich als Teenagerin manchmal gefragt, warum ich nicht mehr gern einfach so für mich zuhause male, obwohl ich das früher gern tat... ich hab zwar nachwievor gern und mit viel Eifer und - gefühlter - Begeisterung für die Sache Kunstunterrichtsprojekte gemacht, aber letztlich eben deshalb gern, weil ich wusste, dass ein "toll Frau soundso - das ist das beste Projekt der ganzen Klasse" dabei heraussprang

. Allein zuhause? Kein Antrieb, keine Ideen, immer wieder mal versucht und dann doch lieber gelassen...
Letztlich ging es mir so mein ganzes Studium hindurch - ich hab mir immer wieder (Lehr-)Personen ausgesucht, die diese Anerkennungsinstanz für mich waren und habe mein Studium letztlich derentwegen so gut gemacht... ich mag das jetzt nicht im Detail ausführen, weil es sehr persönlich für mich ist, aber letztlich wird es im Leben eben immer schwerer, überhaupt Lob zu bekommen - die "Durststrecke" zwischen verbalen Anerkennungen wird immer größer: während erst ein ausgemaltes Bild reicht, ist es irgendwann eine Seminararbeit, die Wochen und Monate an Arbeit gebraucht hat. Und nur wenn sie wirklich exzellent ist, bekommt man ja überhaupt nennenswertes Lob. Ich finde es rückblickend echt krass, wie sehr ich dem hinterhergehechelt bin, aber es erklärt mir auch, warum es mir immer schwerer und schwerer fiel, mich für Dinge zu motivieren - es springt ja im Endeffekt (im Verhältnis zum Aufwand gerechnet) immer weniger "dabei heraus" je komplexer die Leistungsanforderungen werden. Wenn einem die Freude an den Dingen selbst (zu großen Teilen) verloren gegangen ist, ist das echt schlimm
Mag sein, dass es Menschen gibt, da dafür nicht anfällig sind, und die sich trotz allen Lobens und Bewertens ihr Selbstwertgefühl und die Freude an dem was sie tun, ganz ursprünglich erhalten können. Das finde ich wirklich schön und ich denke, dann sollte man sich glücklich schätzen. Es ist einem Menschen/Kind aber eben leider nicht von außen anzusehen, ob es für Lob und verbale Anerkennung besonders anfällig ist oder nicht, und das Ergebnis wird sich erst in zehn bis zwanzig Jahren eindeutig zeigen...
Vielleicht ist es ein bisschen wie mit Saugverwirrung oder mit Alkoholismus (ich weiß, zwei Beispiele, die miteinander wenig zu tun haben

): das eine Baby nimmt ohne Probleme von Anfang an Schnuller und Flasche und stillt dennoch unbeeinflusst weiter, beim nächsten reicht ein Fläschchen mit vier Monaten um wochenlange Stillprobleme zu verursachen, das dritte nimmt monatelang Flasche und Brust nebeinander und kann auf einmal nicht mehr stillen und lernt es auch nie wieder problemlos. Oder manche Menschen können mit Alkohol umgehen, andere nicht, wieder andere nur in bestimmten Maßen, dann wirds kritisch. Einem Nicht-Alkoholiker wird es wohl immer völlig übertrieben vorkommen, wenn ein anderer schon einen einzigen Schluck Alkohol scheut, "obwohl man davon doch noch lange nicht betrunken wird" ... Mit Lob wird es vielleicht so ähnlich sein.