Ich lese hier schon eine Weile still mit aber ganz ehrlich finde ich deine Berichte immer bedrückender
cornucopia hat geschrieben:
Der Kleine ist nun einen Monat bei uns. Heute hat er meinen Mann so „misshandelt“, dass seine Lippe aufgeplatzt ist. Nein, ein pflegeleichtes Schmusekind ist er wirklich nicht. Nach wie vor schreit und windet er sich und tritt auf uns ein, wenn wir normale Verrichtungen wie waschen, wickeln, füttern machen wollen. Auf den Schoß will er auch nicht, immer noch nicht. Dabei habe ich die Regel eingeführt, dass es das Fläschchen mit der Muttermilch nur auf dem Schoß gibt. So Leid es mir tut, wenn er sich vom Schoß windet, nehme ich das Fläschchen weg.
Warum muss er denn unter solchen Methoden unbedingt auf den Schoß? Natürlich kann und will ich mir kein Urteil erlauben, aber in meinem Bekanntenkreis gibt es auch Kinder die sehr wenig körperliche Nähe möchten und wenn sie von den Eltern über Nahrungsentzug dazu erpresst würden fände ich das sehr bedenklich.
cornucopia hat geschrieben: Derzeit machen wir uns also eher einen Kopf um sein Verhalten. Hoffentlich kriegen wir das irgendwann in den Griff. Natürlich verstehen wir, dass er viel zu verarbeiten hat. Aber irgendwie müssen wir ja miteinander klar kommen. Das kann nicht alles einfach zu Lasten der Familie gehen. Unsere große Tochter macht uns zwischendurch auch immer mal wieder Sorgen. Plötzlich sagt sie Dinge wie „Ich wünschte ich wäre tot“. Oder sie zieht sich heimlich Windeln an, an einem Nachmittag ein halbes Dutzend, und benutzt sie auch für den vorgesehenen Zweck. Klar, kann alles vorkommen, kommt jetzt aber gehäuft und kannten wir früher gar nicht.
Welche Unterstützungen gibt es für eure Kinder denn um mit der Situation klar zu kommen? Ist da überhaupt (offiziell was vorgesehen?) Ich frage weil wir im Bekanntenkreis auch eine Familie hatten wo die leiblichen Kinder sehr unter der Situation mit den Pflegekindern gelitten haben. Muss man das alles als Pflegeeltern auffangen können oder bekommt man da Unterstützung
cornucopia hat geschrieben: Wenn er doch nur direkt von der Brust trinken würde, das würde es erleichtern. Aber die Logopädin sagte, das könne ich vergessen. Er hat nicht die erforderliche Muskulatur dafür. Und bis auf die letzten Backenzähne sind ja alle Beißerchen da. Da er das Stillen nicht gewohnt ist und bei der Nahrungsaufnahme immer einen ganz vollen Mund braucht, um überhaupt zu spüren, dass da etwas ist, wären wundgebissene Brustwarzen zu erwarten. So weit geht meine Opferbereitschaft dann doch nicht.
Deinen Erzählungen nach dürfte doch seine Mangelnde Fähigkeit Nähe zu ertragen das weit größere Problem darstellen, oder?
cornucopia hat geschrieben: Nach wie vor also viele Baustellen. Ich weiß nicht, ob wir das durchhalten. Wir möchten es so gerne, aber unsere Kräfte sind begrenzt. Dabei haben wir den Kleinen durchaus lieb gewonnen.[.
Viele Grüße
cornucopia
Ich weiß, dass das hier überhaupt nicht zum Tenor passt aber ich habe den Eindruck, dass du eurem Pflegekind die für dich absolut optimalste "Pflege", "Zuwendung" etc... angedeien lassen wolltest in der Hoffnung, dass so viele Defizite behoben werden könnten, aber passt diese idealvorstellung zu eurem Pflegesohn? Vielleicht wäre es nicht so frustrierend, wenn du eine Herangehensweise nimmst die nicht vom normalen Optimum für ein Kind ausgeht sondern von dem was für dieses spezielle Kind am besten ist. Ich musste so ein bisschen an unsere Katze denken, die wir arg misshandelt aus dem TH übernommen haben. Ich glaube wenn wir ihr gegen ihren Willen gezeigt hätten, wie schon doch schmusen sein kann hätte ihr das den Rest gegeben, so kam sie nach 5 Jahren freiwillig, nach ihrem Bedarf.
Ich möchte dich mit meinen Worten auf keinen Fall angreifen, denn ich bin sicher, dass ihr sehr engagiert und mit sehr viel Liebe versucht diesem Kind alles zu geben was es bisher entbehrt hat, aber wenn es darauf hinaus läuft, dass ihr euch dabei kaputt macht und ihn dann ggf. wieder abgeben müsst ist es evtl.nötig zu gucken ob euer Weg der passende ist.
Ich wünsche euch alles gute!