Lesen lernen?

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fragaria
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Lesen lernen?

Beitrag von fragaria »

Hallo ihr,

das ist jetzt vielleicht eine ziemlich komische Frage .. Aber gibt es hier jemanden, dessen Kind eigenständig Lesen gelernt hat?
Meine Tochter interessiert sich in letzter Zeit in besonderem Maße für Buchstaben und ist inzwischen in der Lage, einzelne
zu erkennen und auch im Fließtext herauszusuchen.

Vielleicht ist das hysterisch, aber ich hab Sorgen, dass sie lesen lernt - sie ist ja noch nicht mal drei. Ich möchte eigentlich
vermeiden, dass sie sich in den ersten Schuljahren langweilt (ging meinem Bruder so, Katastrophe). Gleichzeitig möchte
ich sie in ihrem Lerneifer nicht bremsen. Jetzt eiere ich so ein bisschen rum zwischen "hej, alles super, sie fragt, ich
antworte, sie merkt sich die Sachen" und "uuuaahh, bloß nicht übertreiben".

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein bücheraffines Kind mit Interesse an Schrift selbst lesen lernt? Und falls ja, wann?
Grenze ich mein Kind damit aus dem zukünftigen Klassenverband aus (oder war nur mein Bruder doppelt unangepasst)?
Ihr dürft auch gerne ne Runde über mich lachen, sofern euch das hypochondrisch vorkommt ;-)
mit Sommermädchen 6/09, Frühlingsmädchen 03/13 und Winterbub 01/17

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Lösche Benutzer 4184

Re: Lesen lernen?

Beitrag von Lösche Benutzer 4184 »

Meiner fing mit zweieinhalb an, Buchstaben zu "lesen". Inzwischen kann er alle lesen und viele auch schreiben.
Er kann auch 2-3 Worte "schreiben", Lesen kann er nicht.
Er erkennt ein paar Worte, wenn ihm der Zusammenhang klar ist, aber eher so, wie er auch das Bild einer Sonne erkennt.
Irgendwann hat sich das Lerntempo runterreguliert. Phasenweise interessiert er sich kaum für Buchstaben, dann wieder sehr stark.
Falls er vor Schuleintritt Lesen lernt, finde ich das aber auch nicht dramatisch, in der Schule gibt es noch genug andere Dinge zu lernen
Solenne
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von Solenne »

Mein Sohn hat sich auch eine Weile seeeehr für Buchstaben interessiert und dauernd gefragt, wenn irgendwas beschriftet war, was es denn für Buchstaben sind. Er kann unsere Vornamen (also den von mir und meinem mann) auf der Tastatur tippen ( :oops: ) und seinen eigenen erkennt er, wenn er ihn sieht. Mehr ist aus dem riesen Interesse nicht geworden..
Ich finde es nicht gut, Kinder zu dressieren und ihnen auf biegen und brechen irgendwas beibringen zu wollen. Aber ich finde es genauso falsch, Kindern keine (kindgerechten) Antworten auf ihre Fragen zu geben. Ich möchte, dass mein Sohn interessiert bleibt und weiterhin Fragen stellt. Deshalb antworte ich ihm so gut wie möglich. Und Buchstaben erkenne ich ganz gut :wink:
Mama vom Großen [12/08], der Mittleren [07/11] und der Kleinen [04/14]..
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rhapsody
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von rhapsody »

Mein Sohn findet Buchstaben auch hochspannend, erkennt schon lange 'seine' Buchstaben (aus seinem Namen) und kann mittlerweile auch die meisten Buchstaben im Fließtext finden. Ich bin ziemlich sicher, dass er (wenn das Interesse bestehen bleibt) schon vor der Schule lesen lernt, ich beantworte seine Fragen, zeige ihm die Buchstaben und lasse ihn machen. Wir haben auch Buchstabenkarten zu Hause, mit denen spielt er phasenweise sehr gerne. er 'schreibt' auch wahnsinnig gerne, noch ist das natürlich ein Krickelkrackel, aber es macht ihm so viel Spass (hat zB auch immer einen 'Einkaufszettel' dabei beim Einkaufen :wink: ).
Wenn das Interesse da ist, würde ich mein Kind immer beim Lernen unterstüzen. Ich selber konnte auch schon vor der Schule lesen, gelangweilt habe ich mich trotzdem nicht in der Grundschule (im Gegenteil, habe die Grundschule als ausgesprochen positiv in Erinnerung). Mittlerweile sind viele (Grund)Schulen auch so 'modern' im Konzept, dass es auch weiterführende Aufgaben für die Kinder gibt, die schon 'mehr' können, genauso wie die Kinder, die sich schwerer tun auch gefördert werden.
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tania
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von tania »

ja, fing bei meinem kind auch so vor einem guten halben jahr an. er hat eine zeitlang ganz intensiv buchstaben gemalt (das bild heißt "a, i, o" und da war dann ein astreines a, ein i und ein o ;-)), vor allem vokale, verwechselt noch so sachen wie L und T, aber vom lesen ist er noch weit weg (denke ich..). lesen lernen halte ich nicht für ein zeichen von besonderer intelligenz, sondern von umständen und interesse. ich kenne einige hochbegabte, die sehr spät erst gelesen haben. lesen lernen ist eine fähigkeit, die meiner menung nach alle kinder von alleine lernen würde, wenn sie es in ihrem tempo tun dürft. die streuung ist ähnlich breit wie beim laufen lernen, ich kenne ein kind, was mit unter drei schilder gelesen hat (allerdings von rechts nach links - der sohn einer freundin) und ein kind einer anderen freundin, was auf einer freien schule jetzt mit elf noch nicht fließend liest. auch er wird irgendwann lesen, der vorteil zum zwangslesen lernen mit 6/7 ist, dass er es höchstwahrscheinlich nicht ablehnen wird wie viele, die früher lesen lernen mussten. bremsen funktioniert nicht und frustet nur. (haben meine eltern mit mir versucht und bücher versteckt :roll: ) mein sohn findet buchstaben im moment nicht mehr sooo interessant, im moment erkennt er nur vokale, die konsonanten, die er vor monaten schon sicher benannt hat, beachtet er nicht für mich sichtbar.
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luna24
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von luna24 »

Mein Sohn ist im gleichen Alter und interessiert sich seit einiger Zeit auch sehr für Buchstaben - und er erkennt auch mittlerweile viele Buchstaben, baut sie mit Bausteinen nach, etc. - wobei ich das nicht als Anzeichen für frühes lesen lernen deute. Überall sieht man Buchstaben, ist doch klar, dass sie in dem Alter wissen wollen, was das ist.

Bei mir selbst war es so, dass meine Eltern mich davon abgehalten haben lesen zu lernen, eben genau aus dem Grund, dass ich mich in der Grundschule nicht langweile. Das hat dazu geführt, dass ich es mir in der Grundschule (als ich endlich durfte!) innerhalb einer Woche selbst beigebracht habe - hat also nicht viel genutzt. Wobei man ja heute eher der Meinung ist, dass Kinder das lesen dann am leichtesten lernen, wenn sie von der Entwicklung soweit sind (und nicht mit Eintritt in die erste Klasse) - und bei vielen Kindern ist das schon vor der Schule der Fall... Also einfach abwarten - nicht daran hindern, aber auch nicht speziell fördern ist glaube ich der beste Weg...
Lila
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von Lila »

ich finde es leicht "hysterisch" :wink: ich würde mein kind ganz normal "behandeln", es wird sich nehmen was es braucht und sollte es tatsächlich sein, dass dein kleinkind bereits als kleinkind lesen lernt oder schreiben oder was auch immer ... dann ist es so ... sollte dein kind also z.B. mit vier oder fünf jahren lese- und schreibkompetenz haben und dann mit sechs jahren weiter sein als gleichaltrige, müsstest du eine passende schule suchen, die damit umgehen kann. ich meine, was wäre die alternative? ein kind bremsen? ausbremsen?
ich finde dieser förder-angebe-wahnsinn schräg, aber ein kind, dass sich in seinem tempo entsprechend seiner anregenden umwelt entwickelt, das tut dies und das würde ich genausowenig bremsen oder mich um sein (zu schnelles?) fortkommen sorgen.

lg
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gisasz
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von gisasz »

Also, meine Tochter fing auch mit 3 Jahren an, sich für Buchstaben zu interessieren. Recht schnell konnte sie alle großen Druckbuchstaben erkenn und malen. Dann gab es ein paar Zwischenstufen (Namen schreiben/lesen, einfache Wörter;...), zwischendrin große Abstände, in denen sie wenig Intersse an Lesen und Schreiben hatte, seit sie 5,5 Jahre ist kann sie nun lesen und schreiben. Wir haben immer Fragen beantwortet, aber nie aktiv mit ihr geübt - wir seind BEIDE Grundschullehrer und wussten nicht so recht, wie damit umgehen, haben ihr aber eben absolut kein (selbstverständlich in Massen vorhandenes!!!) Übungsmaterial gegeben; sie hat´s eben selber gelernt, durch zuhören und mitlesen...
Erst fand ich das ja nicht sooo toll, aber ich glaube trotzdem kaum, dass sie sich in der ersten Klasse langweilen wird. Da gibt´s genug neues zu lernen!!!(Zumindest hatte ich schon so einige erste Klassen, und es gibt immer ein paar Kinder, die schon so einigermaßen Lesen und Schreiben können. Eigentlich finde ich das da dann immer toll, als Vorbild und Hilfe für die Kinder, die halt erst etwas später dazu bereit sind!)
(NATÜRLICH denken/behaupten aber einige Bekannte um uns herum, wir hätten unserer Tochter extra schon Lesen und schreiben beigebracht, damit sie nen Vorsprung hat...eine Freundin unserer Tochter hat letztens sogar gesagt: "Du,meine Mama hat gesagt, wo du ja der K schon Lesen und Schreiben beigebracht hast, kannst du es mir ja auch gleich beibringen.." :roll: )
Gaby
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von Gaby »

tania hat geschrieben:lesen lernen halte ich nicht für ein zeichen von besonderer intelligenz, sondern von umständen und interesse. ich kenne einige hochbegabte, die sehr spät erst gelesen haben. lesen lernen ist eine fähigkeit, die meiner menung nach alle kinder von alleine lernen würde, wenn sie es in ihrem tempo tun dürft. die streuung ist ähnlich breit wie beim laufen lernen, ich kenne ein kind, was mit unter drei schilder gelesen hat (allerdings von rechts nach links - der sohn einer freundin) und ein kind einer anderen freundin, was auf einer freien schule jetzt mit elf noch nicht fließend liest. auch er wird irgendwann lesen, der vorteil zum zwangslesen lernen mit 6/7 ist, dass er es höchstwahrscheinlich nicht ablehnen wird wie viele, die früher lesen lernen mussten.
Das unterschreibe ich, genauso ist auch meine Erfahrung und Beobachtung, und so hat es mir vor kurzem auch die Lehrerin meines Sohnes erklärt.
mit 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Häng dein Herz an eine wackelnde Welt und dann wunderst du dich dass es runterfällt (Judith Holofernes).
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Re: Lesen lernen?

Beitrag von cocotte »

Lila hat geschrieben:ich finde es leicht "hysterisch" :wink: ich würde mein kind ganz normal "behandeln", es wird sich nehmen was es braucht und sollte es tatsächlich sein, dass dein kleinkind bereits als kleinkind lesen lernt oder schreiben oder was auch immer ... dann ist es so ... sollte dein kind also z.B. mit vier oder fünf jahren lese- und schreibkompetenz haben und dann mit sechs jahren weiter sein als gleichaltrige, müsstest du eine passende schule suchen, die damit umgehen kann. ich meine, was wäre die alternative? ein kind bremsen? ausbremsen?
ich finde dieser förder-angebe-wahnsinn schräg, aber ein kind, dass sich in seinem tempo entsprechend seiner anregenden umwelt entwickelt, das tut dies und das würde ich genausowenig bremsen oder mich um sein (zu schnelles?) fortkommen sorgen.

lg
Ich unterschreib mal faul bei Lila und kann auch aus Sicht des Kindes berichten. Ich selber habe mit 4 Jahren lesen gelernt. Und zwar einfach ganz von allein. Ich war wohl schon immer völlig verrückt nach Büchern, und meine Großeltern, bei denen ich die meiste Zeit verbracht habe, weil meine allein erziehende Mama Vollzeit arbeiten musste, waren z.T. regelrecht "erschöpft" vom vielen Vorlesen. Ich hatte ne kleine Tafel, wo an den Ränden die Groß- und Kleinbuchstaben abgebildet waren, daran kann ich mich noch sehr genau erinnern. Und damit hab ich mir offenbar das Lesen und z.T. auch das Schreiben selber beigebracht. Ganz heimlich, still und leise.
Eines schönen Tages stand ich dann hinter meinem Opa und laß ihm nen Text aus der Tageszeitung vor - er fiel fast in Ohnmacht und ließ mich noch einen Abschnitt lesen und noch einen und noch einen. :wink:

In der Schule war es dann schon blöd - ich hab mich ehrlich gesagt geschämt, als ich merkte, dass alle anderen Kinder ja gar nicht lesen können. Vor allem wurde aber auch schon vorher in der Familie und im Kiga so ein riesen Aufhebens darum gemacht. Das war für mich total furchtbar. Ich hab mich immer gefühlt, als wollten alle mit meinen Fähigkeiten angeben, die aber für mich ja gar nichts so besonders waren.
Von daher würde ich dir auch zu weniger "Hysterie" :wink: raten - behandel dein Kind ganz normal, "füttere" es mit dem Wissen, dass es verlangt (ohne die Absicht dahinter, jetzt zwanghaft zu "fördern"!) und lass es einfach selber ausprobieren - wenn sie lesen möchte, wird sie sich kaum davon abhalten lassen. :)
S. mit großem Mädchen *04/08 und fast großem Mädchen *02/10 und kleinem Mädchen *12/14 und winzigem Sternenbübchen *+11/17 im Herzen

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Hilde Domin
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