als Neuzugang, der aber des öfteren schon in diesem tollen Forum Rat gesucht hat als Mitleserin, möchte ich nun mal eine Frage aufwerfen, die mir ziemliche Verhaltensrätsel aufgibt.
Ich selber habe einen Sohn, der in einem Monat 2 wird, sich selbst mit 1 Jahr abgestillt hat, im Familienbett schläft, nicht mit Auszeiten etc. bestraft wird und mit 3 Jahren erstmals einen KiGa von innen sehen wird (also als Teilnehmer
In unserem Umfeld sind wir damit schon eher exotisch; in unserem Viertel gibt es zig Krippen und Kindergärten für "ab sofort", viele Spielplatzkontakte haben noch nie was von Hausgeburt gehalten oder von Stillen überhaupt, geschweige denn übers erste "Halbjahr" hinaus. Man kommt aber gut klar und toleriert sich gegenseitig, wobei ich manchmal schade finde, so wenig Leute zu kennen, die die gleiche Schiene fahren. Aber man muss auch dazu sagen: wir können es uns jetzt finanziell leisten, dass ich zuhause bleibe, ich mache das supergerne und kann mit Kleinkindern auch einfach gut. Dass das alles nicht bei jedem so ist, ist mir durchaus klar.
Tja, und ich habe einen Bruder, der mit seiner Frau - sie haben geheiratet, als das 1. Kind unterwegs war; vorher konnte er sich nicht entscheiden, weil er eigentlich noch in eine andere verliebt war, die aber fest liiert war und ist (der Kontakt zu ihrer Familie, die haben auch 2 Kids, besteht immer noch), und sie hat immer von ihrem Exmann geschwärmt - 2 Söhne hat, 3 und 5.
Ich wurde beim ersten Kind sehr oft als Babysitterin erbeten. Beim 2. war ich ja selber schon schwanger, und außerdem war dann die Situation nicht mehr so toll, weil meine Schwägerin und meine Stammfamilie auf immer mehr Schwierigkeiten miteinander stießen und stoßen.
Ich habe aufgrund der allgemeinen Situation meine Neffen sehr selten gesehen im letzten Jahr (wohnen eine 3/4 -Autostunde voneinander weg, wir haben kein Auto, sie kaum Geld, außerdem sind sie beide berufstätig). Aber wenn man dort anrief, gab´s im Hintergrund fast immer Chaos, Geheul, Sanktionen, Anschreien...
Ich bin total schockiert, seit wir in den letzten 2 Wochen 2 x da waren. Die Jungen sind unglaublich aggressiv. Unseren Sohn kann man dort keine Sekunde aus den Augen lassen, da vor allem der jüngere Neffe haut, tritt, wirft - mit Metallautos, Holzpuzzles, Büchern, einfach allem, einfach herum, egal, wer da noch ist. Er reißt uns Erwachsenen (seinen Eltern oder dem Besuch, egal) Sachen aus der Hand, schlägt einfach drauflos; zum Abschied, als ich ihm einen Kuss geben wollte, hat er mir eine geknallt, mitten ins Gesicht, hat richtig wehgetan. (Aber es ist auch nicht so, dass er mich ablehnt, überhaupt nicht - beim Essen will er neben mir sitzen etc.)
Der ältere macht ihm mit Vorliebe Sachen kaputt, ärgert ihn (also seinen jüngeren Bruder); aber mittlerweile kann der sich ganz gut wehren. Das heißt: hauptsächlich "kloppen" die sich. Ein Spiel kann man kaum genießen, die Stimmung ist immer am Kippen. Liest man dem Jüngeren was vor, wischt er einem hinterher eine.
Es ist nun so, das sich denke, dass das ziemlich sicher mit dem frühen Kindergarteneinstieg zu tun hat (Neffe 1 mit 1 Jahr, Neffe 2 mit 1/2 Jahr). Es ist nämlich überdies auch nicht der tollste Kindergarten...
UND es hat definitiv mit dem Umgang der Eltern mit den Kindern zu tun. Diese benehmen sich kindisch, sadistisch und saublöd. Sagen kann man es ihnen nicht, es wird abgeblockt, geschmollt...
Es gibt kaum irgendeine Art gezollte Achtung in der Familie - wenn das Essen fertig ist, freut sich keiner, es wird nur rumgemäkelt und gedroht ("Wenn du jetzt nicht isst, werfe ich dein Auto in die Dachrinne"! Sagt der Vater zu Sohn 1!), kein Gebet oder Tischspruch.
Meine Schwägerin berichtete amüsiert, wie sie sooo genervt war (und ja, ich kenne Genervtsein, aber ich versuche zumindest, meine Reaktionen dann besonders zu zügeln) mal im Auto, weil Sohn 1, O-Ton, "plärrte", dass sie sagte, sie würde ihn jetzt bei der Polizei abliefern. Und "hihi, da kam zufällig grad eine mit Blaulicht vorbeigefahren! Hahaha! Da hat X aber gleich geweint und gesagt Bitte Mama, nicht zur Polizei, bitte, bitte..."
Ich finde das so widerlich...mich wundert gar nichts mehr. Von logischen Folgen haben sie anscheinend auch noch nie was gehört, Auszeiten sind beliebt in der Familie oder Strafen wie "Wenn du nicht aufräumst, darfst du kein Heidi gucken".
Auch so ein Thema...ich hab dem Kleinen Käptn Sharky vorgelesen, weil er sich das gewünscht hat. Da geht´s nur um Kaputtmachen, Rebellieren etc. Und das spielen sie dann auch...immer nur noch eins drauf uns noch eins drauf. Ist das wirklich das richtige Alter? Oder dass der Kleine mit 2 Jahren schon Shaun das Schaf gucken muss jeden Abend?
Es gibt immer mehr Sachen, die mich erschrecken und richtig wütend machen. Am liebsten würde ich die beiden entführen und adoptieren. Grad mit dem Älteren hatte ich früher ein sehr herzliches Verhältnis, er ist eigentlich ein sehr zartes Kind. Aber mit anderthalb wurde er schon beim Wickeln angebrüllt, und zwar standardmäßig; es wurde unglaublich eklig mit ihm geredet ("Wieso k*ckst du denn so viel?") - und das ist auch heute noch an der Tagesordnung.
Es wird sehr respektlos vor ihnen und von ihnen geredet - Y hat gek*tzt, X hat gek*ckt, "Boah, du stinkst!" (<- Schwägerin zu Neffe 2 mit voller Windel).
Hat ein Kind eine heftige Erkältung, "nervt" es nur. Keine Spur von Mitleid oder echter Herzlichkeit von den Eltern. Sobald man da auftaucht, ziehen sich beide zurück und hoffen, dass man sich um ihre ungebärdigen Söhne kümmert.
Ich bin ratlos. Nach dem letzten Besuch habe ich mir geschworen: da pflegst du keinen Kontakt mehr, Familie hin oder her!
Aber ich finde es so schade, und wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, was aus denen noch werden soll, blöd gesagt. Denn irgendwann werden sie einfach mit gleicher Münze heimzahlen, à la "Mama, bist du fett!" In Ansätzen tut das der Ältere auch schon...
Wäre dankbar für Ratschläge! Danke fürs Lesen!
Princess Fiona