Zweifel an der Fremdbetreuung...

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lupa
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Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von lupa »

Hallo,

ich bin neu hier im Forum, habe mich grad vorgestellt und auch gleich ein Anliegen... Mein Sohn ist inzwischen 9 Monate alt, ist ein konsequenter Brei- und Flaschenverweigerer, isst aber ein bisschen Fingerfood bei uns mit, aber keine Mengen, die eine Stillmahlzeit ersetzen würden. Ich hatte ursprünglich vor, schon Anfang des Jahres wieder zu arbeiten, habe das aber verschoben, weil er eben nicht essen wollte und ich dachte gleichzeitig "abstillen" und eingewöhnen wär nicht so gut. Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter läuft trotzdem schon, weil sie meinte, es sei besser früh anzufangen, bevor er fremdelt. Wir haben ganz langsam angefangen, und jetzt erst nach 1,5 Monaten erste Trennungen (also ich ganz raus aus der Wohnung) angefangen.
Tja, und mir gehts furchtbar damit. Die Trennungen in der Wohnung waren für mich schon schlimm als er geweint hat, aber da war ich ja gleich da oder er hat sich bei der Tagesmutter beruhigt.
Die erste Stunde jetzt ganz ohne mich lief super, weder beim Abschied geweint noch als ich kam. Gestern aber hat er bitterlich geweint und geschluchzt als ich kam (er war sehr müde). Die Tagesmutter meinte, er hätte erst ein paar Minuten geweint und sie hätte nicht angerufen, weil sie ja wusste dass ich ihn gleich abhole. Aber seitdem geht es mir echt schlecht damit. Ich habe alles getan, um ihm ein großes Grundvertrauen zu geben, mit Stillen nach Bedarf, Tragen und Familienbett. Jetzt hab ich Angst, das zu zerstören. Die Tagesmutter meint, ich könnte ihn so nicht traumatisieren und es sei normal, wenn die Kleinen mal weinen. Mit dem Kopf kann ich das ja nachvollziehen, aber mit dem Bauch fühlt es sich so sch*** an.
Vor allem weiss ich nicht, wie das werden soll, wenn er mal länger als eine Stunde dableiben soll. Ich hab hier im Forum viel gelesen, dass auch Stillkinder kein Problem damit haben, wenn die Mutter halt nicht da ist, entweder was anderes zu essen oder halt zu warten. Ich befürchte nur, dass mein Kleiner eher panisch wird als abzuwarten. Genau wie er eben panisch wurde als er müde war und ich nicht da.
Was meint Ihr, traumatisiert das ein Baby? Er musste ja bisher nie schreien, seine Bedürfnisse wurden gleich erfüllt. Jetzt muss das doch schrecklich sein für ihn, dass ich nicht gleich da bin, wenns "brennt". Oder kann ich nur nicht loslassen?
Sorry fürs lange Post und danke fürs Lesen!
Liebe Grüße Lupa
Lupa mit Sohn 04/2011 und Tochter 01/2014
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Jule
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von Jule »

Erstmal: Loslassen ist schwierig!

Ich habe wieder angefangen zu arbeiten als die beiden 13 bzw. 11 Monate alt waren. Und es waren beides Kinder die zu dem Zeitpunkt wenig aßen- sie haben in der Zeit dann doch ein bisschen gegessen, und den Rest später nachgeholt. Sie wurden von Oma betreut. Ich hatte anfangs schon große Probleme zu gehen, gerade wenn eine mal weinte. Oft habe ich dann von unterwegs noch mal angerufen 8) Ich hatte genau die Ängste wie du.
Allerdings habe ich der Oma vertraut, auch wenn bei ihr nicht alles so läuft wie es meinen Vorstellungen entspricht weiß ich das sie alles für sie tut. Hör nochmal in dich rein bzw. sprich mit der Tagesmutter wenn du da Ängste hast. Mach ihr klar was dir wichtig ist!
Aber ich habe es nicht bereut. Ich bin froh auch eine andere "Welt" zu haben und andere Themen. Und die Kinder haben sich immer sehr gefreut mich zu sehen :D (und direkt gestillt :D ).

Aber letztendlich ist da jede Frau anders, ich wünsch dir das du dir klar wirst was du willst!
Liebe Grüße von Jule mit den Mädels 06/05 und 08/07 und dem Mini-Weihnachtsmädel '13
Lalumama
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von Lalumama »

Mir hat man auch immer gesagt, ich könne nicht loslassen. Mein Sohn wollte mit knapp 3 Jahren nicht in den Kindergarten, und nachdem ich ihn einige Male weinend da gelassen habe (mit total schlechtem Bauchgefühl), wollte ich abbrechen und es in ein paar Monaten wieder versuchen.
Davon wurde mir dringend abgeraten, das Problem wäre bei mir und nicht beim Kind :roll: Die Entscheidung war aber goldrichtig, nach einem halben Jahr ist er dann ohne Weinen hingegangen. Richtig gerne geht er aber erst, seit er 4,5 Jahre alt ist!!
und nun der Beweis, dass es wirklich nicht an mir liegen kann: mein Kleiner geht jetzt seit Oktober auch in den KiGa, total gerne und hat nicht ein einziges Mal geweint!

Hör auf dein Bauchgefühl, bleib bei deinem Kleinen, so lange es geht (wenn du die Möglichkeit hast - oder musst du arbeiten?)
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Isabella
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von Isabella »

Nein, grundsätzlich traumatisiert das ein Baby nicht.

Außer, die Tagesmutter lasst ihn den ganzen Tag schreien. Klingt aber nicht, als würde sie das tun. Hast du ganz ein schlechtes Gefühl bei ihr?

Wenn du ihn eigentlich nicht dortlassen willst, wird der Kleine das natürlich spüren und dir durch vermehrtes Weinen spiegeln, was dich widerum noch mehr verunsichert, was den Kleinen möglicherweise panisch werden lässt... ein Teufelskreis. Weinen wird er vielleicht aber auch, wenn du ihn guten Gewissens und der festen Überzeugung dass es gut ist, dort abgibst. Das ist sein gutes Recht, er ist empört dass du gehst und darf dem auch Ausdruck verleihen. Wichtig ist, dass du deswegen trotzdem gehen darfst. Wenn dein Sohn überhaupt nicht klar kommt, wird er sich nicht beruhigen, und jede Betreuungsperson die einigermaßen was im Hirn hat, wird dich sofort zurückrufen. Aber wenn er sich bei der Tagesmutter sicher fühlt (er ist ja gut eingewöhnt), dann wird er sich von ihr trösten lassen! Und das ist das Entscheidende. Er weiß, es ist gut, lässt sich trösten. Es verursacht ihm kein Trauma, wenn du ihn bei einer Betreuungsperson lässt, an die er gewöhnt ist und bei der er sich sicher fühlt. Ganz bestimmt nicht. Und dass er weint ist einfach, dass er seinem Gefühl der Empörung Ausdruck verleiht, das darf er auch. Das heißt aber nicht, dass er deswegen jetzt ein Trauma kriegt.
lupa
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von lupa »

Hallo Ihr drei,

vielen lieben Dank für Eure Antworten. Ja, ich muss (und will eigentlich, ich mach meinen Job sehr gerne) in zwei Monaten wieder arbeiten. Zudem glaub ich, dass er eigentlich Spass hat mit den andren Kindern und dass es ihm guttut, mehr als mich und meinen Mann als Bezugsperson zu haben. Und ich fand es eigentlich eine gute Idee, ihn erstmal ein paar Wochen nur für eine Stunde hinzubringen und dann langsam zu steigern.
Mein Problem ist glaub ich, dass ich der Wunschvorstellung anhänge, dass es ganz ohne Tränen abläuft.
Ich hab bei der Tagesmutter ein gutes Gefühl, ist eine Empfehlung einer Freundin, die jetzt schon ihr zweites Kind hingibt. Ich hatte mit ihr auch die Möglichkeit besprochen, nochmal auszusetzen und 4 Wochen vor meinem Arbeitsbeginn nochmal anzufangen. Meine Überlegung war, dass es dann für mich auch was anderes wär, weil ich ja dann den Druck hätte, ihn abgeben zu müssen. Sie befürchtete aber, dass genau dieser Druck sich auf ihn übertragen könnte und dass er dann erst recht "zu" macht. Das Problem sind auch gar nicht die Abschiede, da weint er (bisher) nicht. Im Gegenteil, er hüpft mir vom Schoss und fängt an zu spielen. Das Problem ist, dass er anfängt zu weinen, wenn er entweder müde oder hungrig wird. Und da weiß ich nicht, ob die Tagesmutter ihn trösten kann. Letztens sah das nicht so aus. Auf meine Frage, was sie denn gemacht hätte, wenn ich nicht gekommen wäre, meinte sie, dann hätte sie ihn hingelegt weil er ja müde war. Tja, aber er ist noch nie alleine eingeschlafen, immer nur mit Einschlafstillen, deshalb hab ich arge Zweifel, dass das was gebracht hätte. Sie kann sich ja aufgrund der anderen Kinder auch nicht danebenlegen. Aber vielleicht trau ich ihm einfach zu wenig zu?
Es verunsichert mich einfach ein bisschen, dass so viele Frauen hier schreiben, dass die Kinder aufgrund des großen Grundvertrauens, das sie durch SuT vermittelt bekommen haben, gar kein Problem in der Fremdbetreuung haben. Ich wünschte mir das auch so für meinen Sohn!
Danke nochmal und liebe Grüße! Lupa
Lupa mit Sohn 04/2011 und Tochter 01/2014
Gaby
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von Gaby »

Wichtig ist halt, dass dein Kind zur Tagesmutter eine vertrauensvolle Beziehung aufbaut, dass sie für ihn neben den Eltern (die natürlich immer an erster Stelle stehen werden) zu einer Bezugsperson wird. Dann wird er sich auch von ihr trösten lassen, und in Phasen, in denen er sich nicht so wohl fühlt (müde, überdreht, was auch immer), bei ihr Nähe und Geborgenheit suchen. Dazu braucht es Vertrauen von allen Seiten, auch du musst der Tagesmutter und deinem Kind vertrauen, dass sie es zusammen schaffen. Und wenn du grundsätzlich ein gutes Gefühl bei ihr hast, kann es doch klappen. Nehmt euch viel Zeit für die Eingewöhnung. Und du solltest auch gegenüber der Tagesmutter offen ansprechen, welche Erwartungen du hast und wie du dir gewisse Dinge wünscht. Ich finde zB schon, dass sie ihn beim Einschlafen begleiten kann, das wurde bei meiner Tochter in der Krippe auch so gemacht, und ich habe es immer wieder bei meinen Kindern gemacht, auch wenn ich abends allein war und die anderen Kinder noch da waren. Es lassen sich immer irgendwie Lösungen finden.

Und jedes Kind ist anders, meine Kleine brauchte länger für die Eingewöhnung in der Krippe, manches andere Kind habe ich dort beobachtet, das direkt am ersten Tag im Gruppenraum herumlief und sich nicht mehr um die Mutter störte, aber auch die Kinder, die länger brauchen, können es schaffen, wenn man ihnen genügend Zeit gibt und sich die Erzieherin/Tagesmutter entsprechend bemüht.

Natürlich wird es immer mal wieder Trennungsschmerz geben, von beiden Seiten, aber damit könnt ihr umgehen!
mit 07/02, 05/04, 03/06 und 10/08

Häng dein Herz an eine wackelnde Welt und dann wunderst du dich dass es runterfällt (Judith Holofernes).
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von June »

Vielleicht ist die Tamu nicht die richtige für DICH. Wir haben auch eine Eingwöhnung Bgebrochen, weil die Motte nur geweint hat. Dann war 4 Wochen Pause und ich habe während der Zeit eine neue Kita gesucht, weik sich die erste als Gruselkabinett entpuppt hat. Nun käuft die zweite Eingewöhnung und die klappt wunderbar.
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jabberwocky
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von jabberwocky »

hallo,

hier wurde ja schon viel geschrieben. Mir hat sehr geholfen, als ich mal gelesen hatte, dass es gerade Ausdruck der guten Beziehung von Mutter und Kind ist, wenn das Kind ab und an mal Trennungsschmerz zeigt. Natürlich heißt das nicht, dass das Kind ruhig stundenlang brülllen darf und alles in Ordnung ist. Wo da die Grenze st weis ich nicht. Aber wenn es weint wenn Du gehst ist das völlig normal und zerstört nicht eure Bindung. Wichtig ist, dass der Kleine sich auch von der Tagesmutter trösten lässt. Das klappt doch auch schon ab und an? Das ist jedenfalls ein gutes Zeichen :-)
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von Calla »

lupa hat geschrieben: Es verunsichert mich einfach ein bisschen, dass so viele Frauen hier schreiben, dass die Kinder aufgrund des großen Grundvertrauens, das sie durch SuT vermittelt bekommen haben, gar kein Problem in der Fremdbetreuung haben.
Das irritiert mich sehr. Ein sicher gebundenes Kind zeigt durchaus Trennungsprotest. Schau z.B. mal hier: http://assets.ngd.de/data/419/17174/dr_ ... rungen.pdf

Ich kann dir auch das Buch "die ersten Tage - ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege" (Laewen, Andres, Hédervari) empfehlen.
lupa hat geschrieben: Auf meine Frage, was sie denn gemacht hätte, wenn ich nicht gekommen wäre, meinte sie, dann hätte sie ihn hingelegt weil er ja müde war.
Da würde ich noch weiter nachfragen. Z.B. Was, wenn er weitergeweint hätte, wie lange hätte sie ihn allein gelassen? Was hätte sie danach getan? Etc.
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Calla
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Re: Zweifel an der Fremdbetreuung...

Beitrag von Calla »

Ergänzung: dass "Fremdbetreuung" dort gut klappt, wo der Betreuende nicht "fremd", sondern zu einer weiteren Bindungsperson geworden ist, das glaube ich sofort! Der Aufbau einer Bindung dauert je nach Kind (und Betreuungsperson :wink: ) halt unterschiedlich lange.
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