Tragen in der DDR?

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marscygale
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von marscygale »

minamarie hat geschrieben:Ich seh das aber auch wie netteanne wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftigt- Bindung an den Staat war für den Staat unterstützenswürdiger als Bindungen an Religionen oder Familie! Man "musste" ja schließlich die Kinder auf das neue Weltbild prägen damit Alle zusammenfunktionieren. Kinder kamen nicht NUR recht früh in die Krippe oder ähnliches damit die Muttis weiter arbeiten können (dann auch in den Ferien und neben der Schule und überall immer die Partei die die Kinder übernimmt usw). Klar wurde nicht verboten seine Familie zu lieben und es gab halt doch mehr Möglichkeiten als Viele denken ;) das impliziert jedoch nicht das netteanne total daneben liegt.
:shock: :shock:

Ich hoffe ihr schreibt da aus eigener Erfahrung da ich das ansonsten total daneben und oberflâchlich finde.

Jede Familie hat ihre eigene Geschichte, tut mir leid für dich Antje und ich freue mich, dass du anfangen konntest, das zu verarbeiten.

Meine Mutter ist mit mir 3 Jahre zu Hause geblieben (in der DDR)! Ich mag so verallgemeinernde Aussagen überhaupt nicht leiden. Soll doch jeder von seiner erfahrung schreiben, aber so im Sinne von, DA wurde doch eher auf die Bindung an den Staat als an die Familie gesetzt... Ich kann ja auch nicht schreiben, wie es damals in der BRD mit der Familie gehandhabt wurde, ob die Mütter zu Hause geblieben sind, weil sie es der Bindung zu ihren Kindern zu liebe gemacht haben, oder weil es keine Kindergartenplätze gab.

Ich lebe jetzt seit 7 Jahren in Frankreich und hier geht ein sehr grosser Anteil der Mütter 3 Monate nach der Geburt wieder arbeiten (nur als Nebenbeibemerkung).
Grüsse
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minamarie
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von minamarie »

Jeder hat seine Erlebnisse, der Staat war nicht an dem "Schuld" wie gut oder schlecht einige hier aufgewachsen sind. ich möchte NICHT verallgemeinern aber mal im Ernst- wäre damals Familie WICHTIGER als Staat gewesen, hätte es dann politisch motivierte Zwangsadoptionen (also von pol. schlechten zu guten Familien oder in Heime) gegeben?
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antje143
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von antje143 »

ich mag gerne mal das buch in den raum "werfen": Kinder brauchen Mütter: Die Risiken der Krippenbetreuung - was Kinder wirklich stark macht

ich kenne die autorin persönlich und soweit ich weiß (ich habe das buch noch nicht gelesen) hat sie viele erfahrungen zusammen getragen...meine müßte auch dabei sein...denn sie selbst hat es wohl auch anders erlebt als ich---doch war sie auch ehrlich erschüttert von geschichten wie meiner...

erst heute lerne ich menschen kennen,die auch zu DDR-zeiten für ihre kinder da waren...letztens eine frau,die ende 50/anfang 60 sein muß...sie hat 3 kinder geboren und ist bei allen jeweils 3 jahre zu hause geblieben...dafür aber angefeindet worden-so sagte sie es mir...und sie glaubte,das andere es auch so gemacht haben...ich habe ihr dann meine erfahrung erzählt,sie war erschrocken...das was ich mir mühevoll angeeignet habe,das lebte sie schon vor über 30 jahren...

ich glaube,es gab einige menschen,die ihren weg gingen und dann andere,die eben sooooooooooo angepaßt waren,das sie nichts hinterfragten...oder anders: sie wußten gar nicht,das sie hinterfragen könnten... :roll: meine eltern gehören dazu...
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marscygale
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von marscygale »

Ich glaube aber, dass das viel mit der Generation zu tun hat, also das Hinterfragen etc. zB. Die Generation unserer Grosseltern hâtte nie etwas gegen die Meinung eines Arztes gesagt oder diese angezweifelt (Gott in weiss) und heute?

Ich sage jetzt auch nicht, dass meine Eltern die perfekten Eltern gewesen sind, natürlich waren auch sie in dem System (damit meine ich es nicht im politischen Sinne, sondern als Art Netzwerk), so wie wir alle in Systemen stecken, da auch mal etwas auffallen, aber eher selten bewusst dagegen antreten und im weiten Rahmen uns doch unterordnen, der MENSCH braucht diese Sicherheit, dieses Gefühl des Dazugehörens. Das ist ÜBERALL so, ob Ost, West, Norden, Süden.

Zur Kindergartenzeit, also ich habe jetzt gar keine traumatischen Erinnerungen, nur dass ich morgens hin bin und gesagt habe: Die Sonne scheint und Frau Bethke (meine Kindergârtnerin) ist da.

Wie waren denn die Kindereinrichtungen, Heime, Sonderschulen, etc. in der BRD? So viel fortgeschrittener, so viel mehr Achtung des Kindes, ein soviel anderer Umgang? Ich denke, es liegt an der Zeit und nicht an dem politischen System.
Ich will jetzt hier nichts schönreden, aber ich finde das hat manchmal einen bitteren Beigeschmack für mich. Mein Vater hat psychisch mächtig zu tun gehabt nach der Wende (er war aber nie in einem Kindergarten :wink: ), da er eben als Hochqualifizierte (Dr) Mitarbeiter völlig runtergedrückt wurde. Das hâtte jeden aus der Bahngeworfen, der Arbeitslosigkeit, Unsicherheit etc. nie gekannt hat. Das ist doch so, wenn ich plötzlich in ein Land ziehen würde, wo komplett andere Regeln (Verhalten, Umgang untereinander), und mir unbekannte Gesetze herrschen.

Erfahrungen zusammentragen, ist immer so eine Sache, ich kann ja in eine Richtung Nachforschungen anstellen oder in die andere und werde zu beiden genügend Beiträge, Geschichten zusammentragen können. Weisst wie ich meine? So wie du schreibst, du hast jetzt auch andere kennegelernt, so es eben nicht so war.

Wenn ich mich jetzt aufmache einen Dokumentarfilm zu Gewalt in der Kinderheimen drehen zu wollen, werde ich mir natürlich nur Zeugen suchen, die da reinpassen. Will ich zeigen, wieviel Zuwendung und Unterstützung Heimkinder von den Erziehern bekommen, dann finde ich da auch genug zu.
Grüsse
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von marscygale »

marscygale hat geschrieben: Das ist doch so, wenn ich plötzlich in ein Land ziehen würde, wo komplett andere Regeln (Verhalten, Umgang untereinander), und mir unbekannte Gesetze herrschen.
und alles was irgendeinen Wert hatte (wie das gerade teuer und 20 Jahre lang gesparte Auto) von gestern auf heute NULL Wert mehr hat.
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von marscygale »

Du sitzt in einem Büro, aufeinmal hörst du einen Knall. Kurze Zeit später Sirenen.
Du denkst sofort: da ist ein Unfall passiert, jetzt kommt der Krankenwagen (oder Feuerwehr).
Diese Verbindung passiert ganz automatisch, in unserem Kopf.

Aber hat das Eine wirklich was mit dem Anderen zu tun?

So empfinde ich manchmal, wenn über Vergangenes und Gegenwart gesprochen wird.

Haben die Kindergartenerlebnisse wirklich was mit der psychischen Verfassung der Ostdeutschen zu tun?
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von marscygale »

"Zu den negativen Folgen der Krippenbetreuung zählt Götze die doppelt so vielen Angststörungen bei Ost- gegenüber Westdeutschen oder auch die im Osten deutlich höhere Suizidrate. "
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von antje143 »

liebe ulrike,

ich kenne leider sehr viele menschen in meinem alter und älter,die ähnliches erlebt haben...

meine krippenzeit blende ich irgendwie immer noch aus...erinnerung ist erst ab kiga da...und die auch weniger schön...es war viel zwang und auch gewalt...psychisch...ich habe den beurteilungsbogen noch aus der krippenzeit...wie ich mit 1,5 jahren ca. und älter eingeschätzt wurden bin...
ich habe mich irgendwie an alles angepaßt,weil es anders gar nicht ging...

und das schlimme ist,keiner hat mir geglaubt...das ich zum essen gezwungen worden bin unter androhung von gewalt mit dem kochlöffeln...dann habe ich geschwiegen...jahre-jahrzehntelang...und selbst eben bis vor ca. 9 jahren gesagt,das ich ja groß geworden sei und keinens chaden davon trug...ich wollte es so sehen--alles andere tat wieder weh...

ich finde es schön,wenn andere menschen andere erfahrungen machen konnten...auch ein stück liebe und familie erfahren haben...und ich glaube,das es überall auf der welt was gibt,was dem einen gut gefällt-dem anderen gar nicht...alles ist eine frage der pespektive...

das buch der lilith-komplex kann ich dir echt empfehlen...es "beleuchtet" beide seiten...es geht um das große ganze...und doch auch um den einzelnen...
ein lieber Gruß von Bild mit
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von marscygale »

Hatte letztens schon nach dem Buch Lilith-Komplex gegoogelt als du es erwähnt hattest, ich werds mir wohl zum Urlaub bestellen. :wink:
Grüsse
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Re: Tragen in der DDR?

Beitrag von minamarie »

minamarie hat geschrieben:Bild
1988.getragen vom Patenonkel(hoffe man sieht die Gurte) un rechts meine geliebte Mutti. :D wurden viel und lange getragen da im wanderfreudigen Thüingen und ohne Auto. wurden vorn wie hinten in verschiedenen TH und Kraxe getragen- wenn ich mal bei meinen Eltern bin such ich mehr Bilder :)
Habe mal nachgefragt- die Trage aus dem Bild stammt aus Ungarn und wurde hinten durch Ringe überkreuzt und gebunden
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