Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

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Petra40
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Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von Petra40 »

Hallo, ihr Lieben,

vielleicht hat ja jemand Interesse an einem eher theoretischen Diskurs (mir fehlt wohl im Moment der intellektuelle Input ... ;-)):

Je mehr ich mich mit dem Thema Stillen beschäftige, umso schwerer fällt es mir, Aussagen meiner Mitmenschen unkommentiert zu lassen.
Das ist mir gestern ganz besonders bei einem Gespräch mit meinem Mann aufgefallen. Ich habe mich über raffinierte Werbestrategien für Folgemilch und dergleichen aufgeregt, woraufhin er einwandte, manche Menschen seien nun mal darauf angewiesen, beispielsweise Frauen, die schon relativ kurz nach der Geburt wieder in den Beruf einsteigen. Im übrigen könnten oder wollten viele Frauen nicht stillen ... Oje ... Und er ist ja eigentlich schon besser informiert als viele andere und unterstützt glücklicherweise das (Pump-)Stillen und teilt unser 1,60 m -Bett bereitwillig mit mit uns unseren Zwillingen :-)

Wobei es vielleicht noch nicht mal nur um fehlende Informationen geht: Als ich ihm nämlich erklärt habe, warum beispielsweise Gute-Nacht-Fläschchen kein geeignetes Nahrungsmittel darstellen, und ihn damit konfrontiert habe, warum Leute ihren Kindern artfremde Nahrung geben, um selbst schlafen zu können (wobei die vermutetete Kausalität ja eh eine irrige Annahme darstellt), hat er prägnant analysiert, viele Menschen wollten halt, dass ihre Kinder möglichst schnell in ihr Leben passen - sie wollten Kinder, diese sollten aber möglichst nicht stören ... Vielleicht ist seine Reaktion auch durch eine unbewusste Verteidigungshaltung der eigenen Mutter gegenüber begründet? Meine Schwiegermutter ist jeweils nach acht Wochen wieder voll arbeiten gegangen (wobei sie als Lehrerin immerhin mittags wieder zuhause war) und hat, wie in den 70ern üblich, nicht gestillt. Ich maße mir ja gar nicht an, das zu verurteilen, und meine Schwiegermutter sagt mir immer wieder, wie toll sie es findet, dass ich die beiden stille - der Informationsstand und der Zeitgeist waren damals eben anders ... Bei meinem Mann, im geschützten Raum sozusagen, fahre ich dann natürlich alle argumentativen Geschütze auf (wobei ich mich immer fürchterlich aufrege ;-)). In Situationen mit anderen Leuten bin ich da eher zurückhaltend und will natürlich nicht als "Still-Fanatikerin" oder als überheblich dastehen, korrigiere höchstens hier und da mal vorsichtig Behauptungen, aber ich habe wirklich den Eindruck, das eine fundamentales Unwissen mit teilweise verheerenden Folgen vorherrscht ...

Wie verhaltet ihr euch in Gesprächen zu dem Thema Stillen bzw. Umgang mit Säuglingen (Beikost, Schlaf etc.)? Ich meine nicht nur, wenn ihr nach eurem Stillen gefragt werdet, sondern wenn andere Frauen von ihren Erfahrungen berichten oder allgemein darüber gesprochen wird. Inzwischen ist mir klar, dass man die Frage des Stillens tatsächlich gar nicht isoliert betrachten kann, sondern die grundlegende Haltung Kindern gegenüber hiervon berührt ist und auch sachliche Informationen über das Wesen von Kindern (Schlafverhalten, Bedürfnis nach Nähe ...) erforderlich sind. Aber ich kann ja nicht jedem einen Vortrag über Attachment Parenting halten (wobei ich diesen Begriff noch nie bewusst verwendet habe) :roll:

Bin interessiert an euren Meinungen und Erfahrungen!


Liebe Grüße,

Petra

Petra
Sp8y
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von Sp8y »

Hallo
da auch mir der intellektuelle Austausch mehr als fehlt, beteilige ich mich gerne an deiner Diskussion ;)
Ich bin als junge Mutter (selber zwar nicht so jung aber mein Sohn ist erst 10 Wochen alt) noch nicht übermässig stillerfahren, aber habe ich in der kurzen Zeit auch schon einige Erfahrungen und Beobachtungen gemacht.
Mein Sohn betreibt eigentlich von Geburt an 90% der Tage das sogenannte abendliche Clusterfeeding. Das ist besonders nervig, weil wir vor kurzem erst umgezogen sind, ich niemanden kenne und ausser 1x wöchentlich für 1 Stunde in der Krabbelgruppe keinerlei soziale Kontakte habe und somit die Abende mit meinem Mann die einzige Chance für ein Gespräch mit einem Erwachsenen wären. Und ich muss zugeben, es hat öfter schon Abende gegeben, wo ich nach stundenlangem Stillen frustriert da saß und dachte: "So ein Mist, morgen kaufst du Fertignahrung!" Am nächsten Morgen hatte ich dann jeweils meinen Plan schon wieder ganz schnell verworfen, weil es mir total widerstrebt, und ich es wohl auch als persönliche Niederlage ansehen würde, wenn ich es nicht schaffte, mein Kind nach seinem Bedarf ausreichend zu ernähren, zumal es ja tagsüber super funktioniert und ich die Nähe im Grunde sehr geniesse.
Als Kompromiss gebe ich nun ab und an abends abgepumpte Muttermilch, an der Flasche schläft er nämlich nicht ständig ein, nur um dann nach dem Ablegen wieder hungrig zu erwachen, ausserdem kann mein Mann somit etwas mehr einbezogen werden. Wenn er dann genug hatte, schläft er ganz schnell zufrieden ein, manchmal stille ich auch noch zusätzlich wenn er es braucht um seinem Bedürftnis nach Nähe und Saugen nachzukommen.
Ich selber wurde nur wenige Wochen gestillt, meine Mutter meinte sie hätte nicht genug Milch gehabt. Komischerweise hört man das immer wieder von Frauen aus den 70ern aber auch heute. Wenn man sich dann mal umhört bzw. "umliesst", findet man heraus, dass es doch eher selten vorkommt dass eine Frau wirklich zu wenig Milch hätte um ihr Kind zu ernähren.
Fakt ist: mit der heutzutage erhältlichen Fertignahrung bzw. der Art wie sie angepriesen und verkauft wird, ist es leicht bzw. wird man schnell dazu verleitet, das Stillen aufzugeben. Die Pre-Milch wird als "kwasi identisch zur Muttermilch" bezeichnet und ist wohl im Laufe der Jahre auch zweifelsohne - wenn es rein um die Inhaltsstoffe und deren Zusammensetzung geht - dem "Original" wesentlich ähnlicher geworden. Dennoch wird weiter geforscht und scheinbar immer wieder etwas Neues entdeckt (Milumil bzw. Aptamil setzt jetzt laut "neuester Forschungsergebnisse" den prebiotischen Wirkkomplex (GOS/FOS) hinzu, was der Enwicklung der Darmflora dienlich sein soll.)
Pre-Milch soll - abgesehen vom Stillen - die beste Ernährung zumindest im ersten Halbjahr sein und angeblich (und wenn man vielen Erfahrungsberichten von Müttern glauben darf) - da der Muttermilch so ähnlich - nicht länger sättigen. Aber es gibt dann ja noch verschiedenste andere Präparate, mit denen man das Essverhalten seines Kindes schon etwas mehr an den eigenen Tagesablauf anpassen kann.
Ich lebe in England, wo sich ohnehin recht viel um das Essen an sich zu drehen scheint, und die Werbeindustrie wendet hier wohl noch bessere Tricks an. Man kauft hier nicht Pre-, 1er, 2er oder HA-Milch (und welche Versionen es da noch so gibt). Es gibt die "First Infant Milk", entsprechend Pre. Daneben steht im Regal aber auch die Version "For hungrier Babies". Komischerweise ist wohl das Baby an sich abends wesentlich hungriger, denn viele der Mütter hier geben dann abends diese Milch - und ich wage zu behaupten dass das Motiv ein gewünschter längerer Nachtschlaf von Kind und somit auch Eltern ist. In der Krabbelgruppe zu der ich gelegentlich gehe, füttern fast alle Mütter mit Fertignahrung. Argumente die man so hört: " ich hatte nicht genug Milch!" - "er ist immer an der Brust eingeschlafen, nur um dann kurze Zeit später hungrig zu erwachen" oder "er hatte nicht genug zugenommen also haben sie mir in der Klinik geraten, zuzufüttern und das Abpumpen war mir dann auch zu stressig also habe ich ganz umgestellt".
Fakt ist aber auch: es gibt Mütter, die trotz aller Bemühungen nicht Stillen können oder es aus verschiedenen Gründen frühzeitig beenden (wollen oder müssen). Im Endeffekt muss doch jeder für sich selbst entscheiden, was das Beste für sein Kind aber auch sich selbst ist. Das wichtigste ist: das Kind muss ernährt werden, und zum Glück kann man heutzutage sein Kind auch mit Fertignahrung sehr gut gross kriegen. Ausserdem ist das ewige Flaschen säubern und sterilisieren auch nicht gerade mit wenig Zeitaufwand verbunden.
Die Bandbreite an Angebot im Regal der Supermärkte macht es uns Müttern jedoch einfacher, bei Stillproblemen einfach zur Packung zu greifen und die Milch anzurühren anstatt sich Hilfe von extern beispielsweise von einer Stillberaterin oder auch einfach hier zu holen.
Bei uns ist übrigens mein Mann total gegen Fertignahrung, er sagt zwar immer es sei einfach besser für Mutter und Kind, aber vermutlich meint er, es ist auch wesentlich besser für seinen Nachtschlaf, wenn er bei nächtlichem Hunger immer auf mich verweisen kann ;)
Liebe Grüsse

KT
KT mit Sohn (12/10)
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annikki
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von annikki »

Ich glaube, man muss bei solchen Diskussionen immer beachten, dass es Realitäten gibt, die sind einfach so. Es gibt Mütter, die können nicht stillen. Da kann das Problem verschiedenartig liegen. Ich konnte meinen Sohn nur 3 Monate unter Schwierigkeiten stillen. Nicht, weil ich nachts schlafen wollte, sondern, weil er schlicht Schmerzen im Hals beim Stillen hatte. Wenn man DAS nicht mitbekommt und niemand diese Probleme ernst nimmt, dann wird das nix mit dem Stillen, auch weil das Kind dann nicht richtig saugt und daher zu wenig Milch produziert wird. Wir sind dann auf Pulver umgestiegen. aber auf pre, die haben wir solange es ging gefüttert.
Natürlich ist das Stillen das Beste fürs Kind, ich werde es jetzt auch wieder versuchen mit aller Hartnäckigkeit. Aber so absolut zu sagen: Jede Frau kann stillen, ich glaube, das geht zu weit. Es gibt die Theorie, die ist ganz wunderbar und hört sich traumhaft an, fast alle Mamas wünschen sich es so, doch die Realitäten sehen manchmal ein wenig anders aus.

Das ist u.a. auch der Grund für mich gewesen, jetzt in meiner 2. SS nicht zu einem Geburtsvorbereitungskurs zu gehen. Bei meiner ersten SS hörte sich das alles so wunderbar an, so vollkommen, sanfte Geburt und dann das wunderbare Stillen, doch die Realität hieß Kaiserschnitt und dann nicht richtig Stillen können aufgrund der Geburtskomplikationen. Meine Hebi meinte ich gebe mir keine richtige Mühe...das Nervenspiel war unglaublich. Von den Frauen, bei denen alles reibungslos "funktioniert" dann noch "verurteilt" zu werden oder Ähnliches finde ich anmaßend.

Ich war damals froh über jede Werbung oder Empfehlung, die Ernährung meines Sohnes so naturnah wie möglich gestalten zu können.

Es gibt eben viele unterschiedliche Erfahrungen. Das solltest Du evtl. berücksichtigen, wenn Du in solche gespräche gerätst.
Liebe Grüße Anni

mit Sternentochter Lilly 10/05, mit Bärchen 04/07 und Fröschlein 03/11 und Knöpfchen 06/14
Petra40
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von Petra40 »

@Sp8y:

Klar muss und soll das jede Frau bzw. jedes Elternpaar selbst entscheiden. Mir ist klar, dass hierbei viele Faktoren eine Rolle spielen können. Wenn eine Frau beispielsweise aus persönlichen Gründen nicht stillen möchte, weil sie eine Abneigung dagegegn verspürt, wird es wenig Sinn haben, sie davon zu überzeugen. Ich denke aber, dass man eine solche Entscheidung in Kenntnis und unter Respektierung der Sachlage treffen sollte. Wird aus Gründen des Selbstschutzes behauptet, Flaschennahrung sei qualiativ gleichwertig, tut man meiner Meinung nach weder sich selbst noch dem Ansehen des Stillens etwas Gutes. Dann finde ich es besser zu sagen, in diesem Fall kann ich meinem Kind nur das Zweitbeste bieten, aber andernfalls hätte es zwar eine optimale Ernährung, aber eine so unentspannte Mutter, dass unterm Strich für uns Flaschenernährung besser ist. Ich hadere selbst sehr damit, meinen Kindern die Muttermilch zum größten Fall nur aus der Flasche geben zu können, weil es mir nach erheblichen Startschwierigkeiten (Frühgeburt, Abpumpen, Saugverwirrung, Umstellungsversuche, die für die Kinder sicherlich ziemlich stressig waren) trotz Stillberatung nicht gelungen ist, vom Pumpstillen wegzukommen ...
Vielleicht ist für dich gelegentliches abendliches Abpumpen eine gute Möglichkeit, wenigstens mal ein bisschen rauszukommen! Die Situation in einem fremden Land ist ja noch mal eine ganz besondere! Seid ihr nur vorübergehend in England oder beabsichtigt ihr dort zu bleiben?

@annikki: Meinen obigen Ausführungen kannst du ja schon entnehmen, dass auch ich mich ernüchternden Realitäten stellen muss - es geht mir ja nur darum, diese dann auch sachlich richtig einzuordnen! Es fällt mir einfach schwer, wenn ich (wie z.B. in dem Gespräch mit meinem Mann) auf Unwissenheit und Fehlinformationen stoße und das Gefühl habe, aus Höflichkeit lieber nichts sagen zu sollen (das hatte ich nun meinem Mann gegenüber nicht ;-)) ... Ich kann mir vorstellen, dass sich einige Frauen doch mehr um das Stillen bemühen würden, wenn ihnen nicht suggeriert würde, dass sie eigentlich nichts verlieren, weil es eine nahezu gleichwertige Alternative gibt.

Selbstverständlich ist es sehr wichtig, dass gute Informationen zum Thema Flaschenernährung verfügbar sind - Anlass meiner Verärgerung war eine Werbung für ein sogenanntes Gute-Nacht-Fläschchen, die suggeriert, dass sechs Monate alte Kinder, also Babies, die gerade einmal beikostreif sind, plötzlich durchschlafen, weil sie mit Stärke angereicherte industriell hergestellte Milchnahrung bekommen (statt Muttermilch oder Pre-Nahrung),

Ich hoffe mein Anliegen ist jetzt etwas klarer geworden, und wünsche dir alles Gute für deine weitere Schwangerschaft und die Zeit mit deinem Baby!

Liebe Grüße,

Petra
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nwsurgeon
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von nwsurgeon »

Hallo,
meine Form des "Missionierens" ist das (oft komentarlose) Vorleben. Ich stille meine 18 Monate alte Tochter in der Krabbelgruppe, ich trage ausschließlich und halte gerne Mamas mit Kinderwagen die Türen auf, denn ich hab ja die Hände frei. :)
Beim Thema Durchschlafen erwähne ich am Rand, dass mein Große erst mit 3 Jahren wirklich durchgeschlafen hat (davor war die Nacht halt von Stillpausen unterbrochen), was für mich wenig Streß bedeutet hat, da wir eh alle in einem Zimmer schlafen und die Kleine noch gar kein eigenes Bett hat.
Heute war ich einkaufen mit der Kleinen in der Manduca auf dem Rücken (schlafend) und habe einer Mutter an der Kasse vor mir geholfen, da sie nur eine Hand frei hatte, da das Baby beruhigt werden wollte und aus der Babyschale raus wollte. Ich sagte ihr dann, wünschen Sie sich doch zu Ostern ein Tragetuch. Darauf Sie: "Ich habe eins, aber für den kurzen Einkauf war mir das zu Umständlich." Darauf ich: "Also mir war das Tragen der Babyschale immer zu schwer (hatte auch ein schweres Baby mit 4590g Startgewicht) und habe deshalb immer das TT unter der Jacke vorgebunden und konnte dann das Baby ganz schnell umsetzen." Ende vom Lied sie hat sich für den Tip bedankt.
Was ich mit meiner ganzen Litanei zum Ausdruck bringen will ist, wenn wir einfach offen darüber erzählen wie wires machen (Stillen, Tragen, Familienbett), dann ist das für andere Eltern vielleicht eine positive Anregung ohne den Anspruch zu erheben anderen Vorschriften machen zu wollen.
Allerdings die große Masse an Fehlinformationen und kursierender Unwissenheit ärgert mich auch oft, und da versuche ich dann schon zu widersprechen.
Was mich halt traurig macht ist, das oft der Eindruck vermittelt wird frau könne zwischen Muttermilch und Pre-Nahrung wählen, wie zwischen gleichwertigen Produkten verschiedener Firmen im Supermarktregal. Und vor allem dass eine solche Entscheidung bei gut informierten Frauen aufgrund der Faktenlage zu einer Flaschenernährung des Kindes führen kann. Meiner Ansicht nach kann dann die Information nicht umfassend gewesen sein. (Und hier meine ich ausdrücklich nichtdie Mütter die sich nach langem Kampf ums Stillen zur Flasche durchringen, und auch nicht diejenigen, die sich aus emotionalen Gründen nicht in der Lage sehen zu stillen).
Alles Liebe
nwsurgeon mit zwei großen Mädels (10/2006 und 09/2009), Hündin *2019 und Stute *2017
Nur noch selten hier unterwegs.
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evizentrum
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von evizentrum »

Ich denke "Missionieren" ist der falsche Ausdruck.
Was du meinst ist, du möchtest "informieren".

Missonieren würde nämlich heißen, andere Leute von ihrer Meinung abzubringen.
Das würde ich gar nicht wollen.

Ich würde mir aber wünschen, dass mehr Informationen über Stillen, Tragen, allgemein die "richtige" (im Sinne von so wie es die Natur vorgesehen hat) Haltung von Menschen :wink: bekannter wären.
Ich hätte mir einigen Stress erspart wenn ich andere Bücher als die Standard-Baby-Ratgeber zuerst gelesen hätte. Oder wenn wenigstens die Standard Ratgeber mal einen etwas realistischeres Bild zeigen würden, und nicht "ab sechs Monaten braucht das Baby nachts keine Milch und schläft durch" etc.

Vor allem finde ich es ätzend, wenn ich mich auch noch rechtfertigen muss, nur weil ich nicht nach allgemeinem Schema F verfahre. Die Leute meinen es gut mit mir und warnen mich, das Kind wird ewig in deinem Bett schlafen, das Kind wird nix essen etc. Die wollen MICH missionieren. Das stört mich enorm. Deswegen will ich eben auch nicht missionieren, sondern mal hier und da einen Gedanken anstoßen. Denn nur wenn die Leute von sich aus zu einer Änderung bereit sind werden sie sich weiter informieren und evtl. ihre Sichtweise ändern.
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von Sp8y »

Petra40 hat geschrieben: Seid ihr nur vorübergehend in England oder beabsichtigt ihr dort zu bleiben?
Aus beruflichen und somit finanziellen Gründen sind wir schweren Herzens (meins war wohl das schwerere!) hierher gekommen, mein Mann ist Engländer und konnte keine ausreichende Arbeit finden. Ich wollte nicht direkt nach der Geburt wieder arbeiten gehen sondern wenigstens einige Monate mit meinem Süßen verbringen können. Wir hatten leider keine andere Wahl.
Petra40 hat geschrieben: Ich kann mir vorstellen, dass sich einige Frauen doch mehr um das Stillen bemühen würden, wenn ihnen nicht suggeriert würde, dass sie eigentlich nichts verlieren, weil es eine nahezu gleichwertige Alternative gibt.
=> da bin ich ganz deiner Meinung. Auch vor der Geburt sollte es schon mehr Information geben. Ich weiß nicht wie es in Deutschland ist. Hier habe ich von der Hebamme eine zugegebenermaßen gute DVD über das Stillen erhalten nachdem ich die Frage ob ich denn stillen wolle mit JA beantwortet habe. Das wars! Nach der Geburt habe ich frühzeitig anlegen können und es hat von Anfang an gut geklappt (hatte ja schon den visuellen Eindruck von der DVD und somit eine Vorstellung und mein Sohn hat das super gemacht), die Hebamme hat das dann für gut befunden. Anschliessend hat keiner mehr gefragt oder kontrolliert. Und auch erst die 4. Nachsorge-Hebamme konnte mir was übers Clusterfeeding sagen, da hatte ich das meiste allerdings schon übers Internet selbst rausgefunden.
Petra40 hat geschrieben: Anlass meiner Verärgerung war eine Werbung für ein sogenanntes Gute-Nacht-Fläschchen, die suggeriert, dass sechs Monate alte Kinder, also Babies, die gerade einmal beikostreif sind, plötzlich durchschlafen, weil sie mit Stärke angereicherte industriell hergestellte Milchnahrung bekommen (statt Muttermilch oder Pre-Nahrung)
=> das wäre wohl hierzulande die sogenannte "Infant Milk for hungrier Babies"! ;)

Lieben Gruss

KT
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Nimue1212
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von Nimue1212 »

Beim ersten (und zweiten, das ja elf Jahre später kam) Kind hatte ich auch noch das Bedürfnis zu missionieren, informieren was auch immer... Mittlerweile bin ich da sehr viel gelassener geworden und halte meist meinen Mund, es sei denn ich werde direkt gefragt. Ich denke mir meinen Teil und gut.

Übrigens, ohne das jetzt irgendwie wertend zu meinen, ist die Gabe von künstlicher Milchnahrung nicht die zweitbeste Möglichkeit sein Kind zu ernähren. An erste Stelle steht das Stillen, an zweiter Stelle die Gabe der Mumi der eigenen Mutter per Flasche (oder sonstiger Methoden), an dritter Stelle die Gabe von gespendeter fremder Frauenmilch und erst an vierter Stelle steht die Gabe von künstlicher Milch :wink:
Liebe Grüße
Anika mit Lisa (03/95), Livie (07/06), Nottie (03/08 ) und

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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von Petra40 »

evizentrum hat geschrieben:Ich denke "Missionieren" ist der falsche Ausdruck.
Was du meinst ist, du möchtest "informieren".

Missonieren würde nämlich heißen, andere Leute von ihrer Meinung abzubringen.
Das würde ich gar nicht wollen.


Den Begriff habe ich bewusst als Übertreibung gewählt. Natürlich geht es in erster Linie um das Informieren - wobei es mir natürlich schon ein Anliegen wäre, meine Gesprächspartner zu überzeugen ;-)
Nimue1212 hat geschrieben:Beim ersten (und zweiten, das ja elf Jahre später kam) Kind hatte ich auch noch das Bedürfnis zu missionieren, informieren was auch immer... Mittlerweile bin ich da sehr viel gelassener geworden und halte meist meinen Mund, es sei denn ich werde direkt gefragt. Ich denke mir meinen Teil und gut.


Bei mir haben weder die Anzahl der Kinder (habe nach 19 bzw. 14 Jahren nun Nummer 3 und 4 bekommen :-)) noch meine eigenen Jahre zu mehr Gelassenheit geführt - ich bin inzwischen schon selbstbewusster, aber dadurch, dass ich selbst informierter bin, auch noch kritischer. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass ich mich damals für das, was heute Attachment Parenting heißt, meinte rechtfertigen zu müssen und selbst das Gefühl hatte, ich hätte viel zu lange gestillt und es sei mein eigenes fehlendes Durchsetzungsvermögen, dass mein Kind mir immer noch an der Brust hängt und mich zum Einschlafen braucht. Vielleicht auch deshalb mein neu erwachter "Kampfgeist" ;-)
Nimue1212 hat geschrieben:Übrigens, ohne das jetzt irgendwie wertend zu meinen, ist die Gabe von künstlicher Milchnahrung nicht die zweitbeste Möglichkeit sein Kind zu ernähren. An erste Stelle steht das Stillen, an zweiter Stelle die Gabe der Mumi der eigenen Mutter per Flasche (oder sonstiger Methoden), an dritter Stelle die Gabe von gespendeter fremder Frauenmilch und erst an vierter Stelle steht die Gabe von künstlicher Milch :wink:

Das ist mir bekannt - hier bin ich eindeutig "Opfer" der offiziellen Sprachregelung geworden ;-)
vicci
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Re: Ich glaub, ich werde doch Missionarin ;-)

Beitrag von vicci »

Hallo Missionarin, Hallo Nico :P
Ich mache es ahnlich wie nwsurgeon, ich lebe vor. Das Gewicht lege ich dabei auf den Respekt vor den kindlichen Bedürfnissen. Ich erkläre in passenden Situationen, weshalb ich immer bestens damit gefahren bin meinem Kind zuzuhören und sein Weinen ernst zu nehmen. Ich betone dann, daß es für mich selbstverständlich ist meiner Tochter mindestens die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Respekt entgegen zu bringen, wie meinem Mann. Eigentlich verdient sie noch mehr davon, denn sie wird von mir geliebt wie kein anderer Mensch auf dieser Erde.
Eine Frau, die ihr Kind enst nimmt und respektiert stillt und trägt es, denn jedes Baby (und auch Kleinkind) wird gerne getragen und gestillt. Wie oft sehe ich Kinder, die ihre Ärmchen heben, um hoch genommen zu werden. Oder wie oft passiert es, daß mir fremde Kinder auf den Busen starren wenn ich stille und ihn anfassen wollen....
Wer selbst respektiert werden will muß Respekt vorleben. Das betone ich immer und immer wieder, wenn sich die Leute wundern, wie lieb meine Lara ist. Klar trotzt sie auch, es ist ihr gutes Recht einen eigenen Willen zu haben, aber sie geht enorm zärtlich mit anderen Kindern um.
Früher habe ich auch diskutiert, bin ausgerastet wenn einer sagte, er habe sein Kind geferbert oder abgestillt um freier agieren zu können. Heute weiß ich, daß nur die zuhören, die es auch wissen wollen. Eine Frau, die keinen Zugang zu ihrem Mutterinstinkt hat und nicht ohnehin am gesellschaftlichen System der Kindererziehung zweifelt, wird gewiss nicht stillen, tragen, familienbetten und sich die Mühe machen auf ihr Kind einzugehen, nur weil Vicci das sagt :) Jene aber, die eine leise Ahnung haben, haben mich ohnehin nach Rat gefragt und so habe ich bereits zwei familiengebettete und gestillte Kinder zu verantworten :5: Das eine sogar bereits im 8. Monat mit guter Chance auf Langzeitstillen :P
Liebe Grüße
Es ist noch immer wie ein Traum für mich, ich sehe dich an doch ich glaub es nicht, du bist mein Sonnenschein , mein Augenlicht
ich geb mein ganzes leben nur für Dich. Ich bin du und du bist ich.
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