vegane kinder

für die schwangere und/oder stillende Mutter (und ihre Familie)

Moderator: britje

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Lila
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Re: vegane kinder

Beitrag von Lila »

ich atme jetzt mal ganz tief durch und versuche nicht ausfallend zu werden, kriege hier aber gleich einen krampf, wenn du tofuwürstchen ... ähm tofuwurst ... genitalverstümmelungen mit ins feld führst ... ich ärgere mich wirklich gerade.

hier wurde gefragt wie mit veganismus umgegangen werden kann, wenn man kleinkinder bereits in dieser richtung haben will. deswegen kamen hier verschiedene meinungen. selbst veganismus ohne anmaßende sprüche ist eine "extremform" der ernährung, noch zu toppen von veganen rohköstlern und frutariern.
als ich mich kurz vegan ernährt habe las ich in veganer foren und ich habe selten so viel engstirnigkeit, abgehobenheit und verbohrtheit erlebt ... o.k. zu diesem zeitpunkt war ich noch nicht in mütterforen unterwegs ...
nein es reicht nicht sich vegan zu ernähren, man muss vegan leben und damit vergrault man die meisten menschen. mir war klar, dass der spruch kommt "nur weil wir es früher gemacht haben, heißt es nicht, dass es richtig war ..." und ja ICH erlaube mir zu sagen, dass die Milch einer im Garten im Verband gehaltenen Ziege zu nehmen nicht vergleichbar ist mit Genitalverstümmelung oder anderer Folter, auch wenn Lämmer im gehaltenen Verband zum Selbstverbrauch geschlachtet werden.
Zudem gibt es mWn Belege dafür, dass der Mensch früher - von mir aus als er zwingend darauf angewiesen war - auch Tiere und Tierprodukte gelegentlich zu sich genommen hat und es ihm offensichtlich gut getan hat, sonst hätte er sich nicht so lange halten können.

Und aus diesem Grunde finde ich es fraglich, wenn man eine derartig hohe moralische oder ethische Haltung seinem Kind überstülpen will, dies würde ich genauso sehen bei - in meinen Augen - extremen Religionen oder sogar Religionen per se. Und bitte komm jetzt nicht "aber Mord an Menschen würdest du nicht durchgehen lassen, oder?" Nee, würde ich nicht und ich vermittele auch Werte ... aber bei der Vermittlung von extremen Werten finde ich es wichtig dem Individuum noch Bewegungsspielraum zu lassen und eine vegane Lebensweise ist eine extreme Lebensweise in unserer Gesellschaft, so richtig sie eventuell auch sein mag und da muss man reinwachsen dürfen ...
Da Kinder sich mMn ihre Meinung auf der Grundlage ihrer Umgebung bilden trägt man eine große Verantwortung ... und frage mich warum die Kinder sich nicht einfach hineinentwickeln können ... und vor allem bei Kritik immer wieder die recht schnell heftigen Verteidigungen von der anderen Seite.
Wieso gibt es überhaupt Seiten?
Warum regt man nicht lieber an, dass alle so viel darüber nachdenken wie es für sie geht und so viel verändern wie es für sie geht? Darum würde ich kämpfen und mich nicht oben auf den Berg stellen mit einer hohen und moralischen Haltung, bringt mMn nicht viel ... außer eben schwarz und weiß.

@tragidy
ich kann mir vorstellen, dass man dafür angefeindet wird. ich kann mich an die vegane phase erinnern und daran überall detailliert gefragt zu haben, was, wo, wie enthalten ist (z.b. beim bio-bäcker) ... erst wurde gedacht, dass ich lebensmittelallergien habe, wenn ich dann die "wahrheit" gesagt habe, kamen mindestens große augen. ich finde es wichtig traditionen zu hinterfragen, so kommen wir doch voran, dennoch ist wichtig doch nicht kleine "fanatiker" hochzuzüchten. wenn mein kind sich vor fleisch oder milch ekelt, dann finde ich das grenzwertig, weil fleisch und milch nicht ekelhaft ist, wenn mein kind radikal fleischkonsum verneint, dann versuche ich dies zu differenzieren (andere kulturen, haltungsmöglichkeiten von tieren, etc.). es sind die zwischentöne die man sendet, ich halte z.b. nichts von zoo und zirkus, etc., aber es ist gradwanderung dies meinem kind gegenüber zu vertreten, ohne radikal zu sein und seine kindliche neugier zu erhalten ... und wenn es fleisch essen wollte oder milch trinken, würde ich es erlauben ... was ich nicht zulassen würde ist, dass mein kind verstecktes fleisch isst (joghurt, gummibärchen, brühen, etc.).

lg
Lila mit zwei Kindern (*2003 und *2006)
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Fliederfee
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Re: vegane kinder

Beitrag von Fliederfee »

Meine Tochte hat vor kurzem gesagt sie will das Schweinefleisch nicht essen weil das Swchein dann tot ist und "nicht mehr so schön schnarchen kann").... :cry: sie meinte wohl grunzen.

Ich fand es irgendwie toll und war stolz auf sie. ich sagte "du hast Recht, es ist falsch dass wir Tiere essen, aber mir schmeckt es :oops: aber ich mach mir nochmal gedanken.....

tja und da kommt mir der thread grade recht und ich les aufmerksam mit.

Ich habe mal bewusst als 9 jährige auf fleisch und wurst verzichtet, wurde dann aber "rückfällig" auch weil meine eltern es nicht akzeptierten und mir dauernd wurst unter die nase hielten....denn wie gesagt schmecken tuts mir, drüber nachdenken darf ich aber nicht :oops:

ich les hier gerne mit....vor kurzem hab ich über das thema was im nachtcafe gesehn, da wurde ein buch vorgestellt weiss aber nicht mehr wie es heisst....
„Nichts, was aus dir wird, kann mich enttäuschen; ich habe keine
vorgefasste Meinung, was du sein oder tun sollst. Ich habe keinerlei
Wunsch, dich vorherzusehen, nur den, dich zu entdecken. Du kannst
mich nicht enttäuschen.“

Mary Haskell
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Fliederfee
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Re: vegane kinder

Beitrag von Fliederfee »

Ah mir ist es wieder eingefallen. das würd mich schon interessieren. aber ich weiss nicht ob ich es mich trau zu lesen,

http://www.amazon.de/Anst%C3%A4ndig-ess ... 3869710284
„Nichts, was aus dir wird, kann mich enttäuschen; ich habe keine
vorgefasste Meinung, was du sein oder tun sollst. Ich habe keinerlei
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Mary Haskell
Tofuwurst
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Re: vegane kinder

Beitrag von Tofuwurst »

Lila hat geschrieben:ich atme jetzt mal ganz tief durch und versuche nicht ausfallend zu werden, kriege hier aber gleich einen krampf, wenn du tofuwürstchen ... ähm tofuwurst ... genitalverstümmelungen mit ins feld führst ... ich ärgere mich wirklich gerade.

und ja ICH erlaube mir zu sagen, dass die Milch einer im Garten im Verband gehaltenen Ziege zu nehmen nicht vergleichbar ist mit Genitalverstümmelung oder anderer Folter, auch wenn Lämmer im gehaltenen Verband zum Selbstverbrauch geschlachtet werden.
Zudem gibt es mWn Belege dafür, dass der Mensch früher - von mir aus als er zwingend darauf angewiesen war - auch Tiere und Tierprodukte gelegentlich zu sich genommen hat und es ihm offensichtlich gut getan hat, sonst hätte er sich nicht so lange halten können.

lg
Warum ärgerst Du Dich so? Verstehe ich ehrlich gesagt nicht so.

Du hast natürlich vollkommen recht, dass eine im Garten wohnende Ziege, von der man ab und zu Milch, trinkt nicht vergleichbar ist mit Genitalverstümmelung. Aber da in Deutschland 98% der Tiere, die wir verbrauchen aus Massentierhaltung kommen, kann man gegen den Veganismus nicht argumentieren mit im Garten wohnenden Ziegen. Ich kenne niemanden, der seinen Tierprodukt-Verbrauch auf diese oder eine ähnliche Weise auch nur annähernd deckt. Und ich habe sowieso Genitalverstümmelung und Massentierhaltung nicht gleich gesetzt, sondern die Argumentation der Befürworter: "Das war schon immer so", "Das gehört zu unserer Tradition und Lebensweise", "Es ist wichtig."
kja1985 hat geschrieben:Ich hab jetzt nicht alles gelesen, drum würd ich gern fragen wie lang ihr schon vegetarisch, bzw. vegan lebt?

Ich denke dass die Eltern (gerade wenn sie zusammen wohnen) eine gemeinsame Vereinbarung zur Ernährung der Kinder treffen sollten. Aber ich fände es schon übel wenn deine Kinder vegan ernährt werden wenns ich dein Mann nebenbei ein Schnitzel rein haut. Wenn dein Mann noch nicht so weit ist darauf zu verzichten dann würde ich die Entscheidung auch den Kindern überlassen. Dein Großer ist ja schon alt genug das Dilemma des Fleischkonsums zu erfassen. Meine Fünfjährige verzichtet auch oft bewusst auf Fleisch.
Ich lebe seit bald zwölf Jahren vegan.
Das Problem bei Deinem Vorschlag ist, dass ethisch motivierte Veganer das Essen von Fleisch und Tierprodukten für ethisch falsch halten. Das ist, als würde man von mir verlangen, ich dürfe meinem Kind meine Vorstellung von Menschenrechten nicht überstülpen. Ich persönlich könnte nicht mit einem Fleischesser zusammen sein - einfach, weil ich es für zu schrecklich finde, was man da so unterstützt. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte echt mal "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer lesen.

Man stelle sich folgende fiktive Situation vor: Ich bin zusammen mit einem Mann, der etwas gegen Homosexuelle hat - ich aber bin der Meinung, Homosexuelle sollten die gleichen Rechte wie Heterosexuelle haben und nicht diskriminiert werden. Mein Statement dazu wäre sicherlich nicht, dass wir da in unserer Meinung auseinandergehen, und sich unsere gemeinsamen Kinder deshalb aussuchen können, welcher Gesinnung sie folgen. Mein Statement zu meinem Mann wäre: "Ich kann Deine Gesinnung nicht nachvollziehen. Ich kann gerade so akzeptieren, dass Du sie hast, ich finde sie aber nicht richtig. Deshalb möchte ich auch nicht, dass unsere Kinder Dir nacheifern." Ich würde klar fordern, dass er Wörter wie "Schwuchtel" oder andere degradierende Dinge über Homosexuelle nicht in Gegenwart der Kinder sagt, eben weil ich der Meinung bin, dass das menschenverachtend und unethisch ist. (In Wirklichkeit wäre das alles natürlich nicht mein Statement, da ich mit einem Homophoben genauso wenig sein könnte, wie mit einem Fleischesser).

Und bevor sich darüber wieder jemand aufregt: Ich setze Menschen und Tiere nicht auf eine Stufe insofern, dass ich für alle die selben Rechte fordere. Es geht nicht um die Pressefreiheit oder das Walrecht für Tiere, da Tiere in dieser Hinsicht nicht mit Menschen vergleichbar sind. Aber sie empfinden in etwa genauso Angst und Schmerz und Trauer wie der Mensch, deshalb geht es durchaus um das Recht auf ein Leben in Unversehrtheit und Freiheit. Und weil das so essentiell ist, weil es um echtes Leiden und um echtes Sterben geht, möchte ich NATÜRLICH meinen Kindern diese Werte mitgeben. Da geht es nicht um Dogma und einen erhobenen Zeigefinger, sondern um genau das: um Werte und Menschlichkeit.
Lösche Benutzer 1828

Re: vegane kinder

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

ich bin der Meinung, Kinder können das sehr wohl selber entscheiden, auch wenn man ihnen das nicht vorlebt.....

ich habe lange vegetarisch gelebt, seit 5 Jahren nicht mehr, möchte da aber wieder hin....
alle essen hier Fleisch - die Jungs besonders gerne. Aber auch Tochter fand es immer lecker.
Nun, ich habe trotdzem geschaut, dass sie wissen, was Wurst und Fleisch ist, woher es kommt.
Tochter hat vor zwei MOnaten beschlossen, vegetarisch zu leben - sie setzt das zu 100% um, achtet sogar auf Gelatine in Süßigkeiten. Ich helfe und unterstütze sie da, aber sie bekommt das super allein hin. Liest sich die Zutatenliste durch, hat im Hort vegetarisches Essen bestellt und auf dem Weihnachtsmarkt war gar kein Zweifel, ob sie die von ihr ehemals heißgeliebte Bratwurst ist - nein, das tut sie nicht. Ich bewundere sie da gerade sehr für ihre Konsequenz und arbeite an mir, das auch wieder zu schaffen.

Ich kenne das von einigen Kindern, die das von ganz allein für sich entschieden haben. Um vegan zu leben, gehört wohl noch mehr Überlegung hinzu, kann mir das aber gut vorstellen.

Als ich vegetarisch gelebt habe, hatten wir übrigens auch kein Fleisch im Haus - ich habe es nicht angeboten, sie aber letztendlich selber entscheiden lassen.
Lösche Benutzer 1828

Re: vegane kinder

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Fliederfee hat geschrieben:Ah mir ist es wieder eingefallen. das würd mich schon interessieren. aber ich weiss nicht ob ich es mich trau zu lesen,

http://www.amazon.de/Anst%C3%A4ndig-ess ... 3869710284
steht auf meiner zu-lesen-Liste.....
kja1985

Re: vegane kinder

Beitrag von kja1985 »

Tofuwurst hat geschrieben:
kja1985 hat geschrieben:Ich hab jetzt nicht alles gelesen, drum würd ich gern fragen wie lang ihr schon vegetarisch, bzw. vegan lebt?

Ich denke dass die Eltern (gerade wenn sie zusammen wohnen) eine gemeinsame Vereinbarung zur Ernährung der Kinder treffen sollten. Aber ich fände es schon übel wenn deine Kinder vegan ernährt werden wenns ich dein Mann nebenbei ein Schnitzel rein haut. Wenn dein Mann noch nicht so weit ist darauf zu verzichten dann würde ich die Entscheidung auch den Kindern überlassen. Dein Großer ist ja schon alt genug das Dilemma des Fleischkonsums zu erfassen. Meine Fünfjährige verzichtet auch oft bewusst auf Fleisch.
Ich lebe seit bald zwölf Jahren vegan.
Das Problem bei Deinem Vorschlag ist, dass ethisch motivierte Veganer das Essen von Fleisch und Tierprodukten für ethisch falsch halten. Das ist, als würde man von mir verlangen, ich dürfe meinem Kind meine Vorstellung von Menschenrechten nicht überstülpen. Ich persönlich könnte nicht mit einem Fleischesser zusammen sein - einfach, weil ich es für zu schrecklich finde, was man da so unterstützt. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte echt mal "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer lesen.

Man stelle sich folgende fiktive Situation vor: Ich bin zusammen mit einem Mann, der etwas gegen Homosexuelle hat - ich aber bin der Meinung, Homosexuelle sollten die gleichen Rechte wie Heterosexuelle haben und nicht diskriminiert werden. Mein Statement dazu wäre sicherlich nicht, dass wir da in unserer Meinung auseinandergehen, und sich unsere gemeinsamen Kinder deshalb aussuchen können, welcher Gesinnung sie folgen. Mein Statement zu meinem Mann wäre: "Ich kann Deine Gesinnung nicht nachvollziehen. Ich kann gerade so akzeptieren, dass Du sie hast, ich finde sie aber nicht richtig. Deshalb möchte ich auch nicht, dass unsere Kinder Dir nacheifern." Ich würde klar fordern, dass er Wörter wie "Schwuchtel" oder andere degradierende Dinge über Homosexuelle nicht in Gegenwart der Kinder sagt, eben weil ich der Meinung bin, dass das menschenverachtend und unethisch ist. (In Wirklichkeit wäre das alles natürlich nicht mein Statement, da ich mit einem Homophoben genauso wenig sein könnte, wie mit einem Fleischesser).

Und bevor sich darüber wieder jemand aufregt: Ich setze Menschen und Tiere nicht auf eine Stufe insofern, dass ich für alle die selben Rechte fordere. Es geht nicht um die Pressefreiheit oder das Walrecht für Tiere, da Tiere in dieser Hinsicht nicht mit Menschen vergleichbar sind. Aber sie empfinden in etwa genauso Angst und Schmerz und Trauer wie der Mensch, deshalb geht es durchaus um das Recht auf ein Leben in Unversehrtheit und Freiheit. Und weil das so essentiell ist, weil es um echtes Leiden und um echtes Sterben geht, möchte ich NATÜRLICH meinen Kindern diese Werte mitgeben. Da geht es nicht um Dogma und einen erhobenen Zeigefinger, sondern um genau das: um Werte und Menschlichkeit.
Das hinter dem Veganismus eine ethische Motivation steckt ist mir schon klar ;-)

Mein Partner und ich haben in sehr vielen Dingen unterschiedliche Anschauungen und Werte. Wir tun uns allerdings nicht schwer damit die des anderen zu akzeptieren. Jeder darf seine Werte den Kindern näher bringen und besonders unsere Große muss sich oft zwischen zwei Meinungen entscheiden und schon im zarten Alter von fünf Jahren überlegen wessen Überzeugung sie folgen will. Ich empfinde das als sehr bereichernd, weil sie sich jetzt schon Gedanken machen muss und nicht nur blind einem Ideal hinterher stolpert.

Wenn man Kinder hat hängt da im Normalfall eben auch ein Partner dran der die selben "Rechte" hat seine eigenen Vorstellungen und Werte zu erläutern. Ich sehe da nicht ein warum ein Part dem Kind seine Meinung überstülpen darf und der andere nicht?

Wir bemühen uns unsere Kinder nicht in eine Richtung zu drängen, sondern erläutern ihnen unsere Weltanschauung und fragen je nach Interesse unserer Tochter auch nach wie sie das sieht.
Silke
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Re: vegane kinder

Beitrag von Silke »

Natürlich können und sollen Kinder sich selber entscheiden, ABER, ich sehe das da eigtl. ein großes Stück weit genau wie tofuwurst (auch wenn es bei uns halt anders lief, weil eben mein Mann Fleischesser ist).
Es geht darum, daß man sich ja entwickelt hat und man sich seine Gedanken gemacht hat und wenn man einmal zu dem Standpunkt gekommen ist, daß Speziesismus so gar nicht geht, dann will man logischerweise auch in ethischer Sicht nur das Beste für sein Kind- also wird man es so erziehen. Eben nach den höchsten ethischen Gesichtspunkten.

Nun kann man das vielleicht auch später beginnen, in einem Alter wo die Kleinen schon gut ein Stück die Zusammenhänge verstehen und sich selber äußern und nachfragen und informieren können- aber da liegt eben der Knackpunkt:

1. wenn man seine ethischen Prinzipien schon eher stehen hat, widerstrebt es einem natürlich die Kinder entgegen diesen Grundprinzipien aufwachsen zu lassen- für was auch- für einen gesellschaftlich angepaßteren Start??

2. kommt der Punkt des "Anfixens"- kann es grad nicht anders nennen- weil selber so erlebt. Ich habe als Kind ja Fleisch gegessen bis ca. zu meinem 13. LJ, genau weiß ich nimmer, wann ich mir das Recht auf Vegetarismus "erkämpft" habe (und es waren wahrlich Kämpfe gegen die Familie und die Gesellschaftsnormen), was aber blieb ist, daß mir so manches Fleischgericht geschmeckt hat- und mich infolgedessen auch heute noch der Geruch z.B. "einlullt"
Für mich ist es also damit schon schwieriger, denn der Geschmackssinn wurde ja in Kleinkindzeiten anders geprägt als es jetzt meinem Wissen und meinem Standpunkt entspricht.

Aber wie gesagt- Eltern wollen ja (hoffentlich) immer das Beste für ihr Kind- und müssen sich demzufolge für einen Weg entscheiden..!
Ob die KInder später zufrieden sind mit dem Weg, den sie geführt wurden, wird allein die Zeit zeigen.
Silke mit G. F. 01/99, R. L. 05/01, E. A. 01/05, H.A.C. 24.02.2012

«Ich glaube, daß der Mensch, da ihm nicht gegeben ist, etwas zu erschaffen, nicht das Recht hat, auch nur die kleinste Kreatur, die da lebt, zu zerstören.» M. Gandhi

Trageberatung, ClauWi-GK-Absolventin
Lila
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Re: vegane kinder

Beitrag von Lila »

@sandküste
kannst du mir erklären wie deine tochter mit 6j7mo die motivation her nimmt. ich erlebe kinder bisher immer noch eher als "nachahmer" und "wegsucher" eine klare entscheidung kann meines alters im jungen alter noch nicht getroffen werden, zumindest nicht auf der bewusstseinsgrundlage eines erwachsenen, daher halte ich nicht viel davon ihre entscheidungen mit hoch zu halten, die entscheidungen und haltungen meines kindes sehe ich als momentaufnahme auf einer informationslage und abwägung ihrer kindlichen wissensstandes und daher flexibel.
ich habe mich mit elf jahren gegen fleisch entschieden.
Lila mit zwei Kindern (*2003 und *2006)
Lösche Benutzer 1828

Re: vegane kinder

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Lila hat geschrieben:@sandküste
kannst du mir erklären wie deine tochter mit 6j7mo die motivation her nimmt. ich erlebe kinder bisher immer noch eher als "nachahmer" und "wegsucher" eine klare entscheidung kann meines alters im jungen alter noch nicht getroffen werden, zumindest nicht auf der bewusstseinsgrundlage eines erwachsenen, daher halte ich nicht viel davon ihre entscheidungen mit hoch zu halten, die entscheidungen und haltungen meines kindes sehe ich als momentaufnahme auf einer informationslage und abwägung ihrer kindlichen wissensstandes und daher flexibel.
ich habe mich mit elf jahren gegen fleisch entschieden.
wieso sollte sie das nicht entscheiden könnnen?
Ich bin fest davon überzeugt, dass Kind sehr viel für sich selber entscheiden können - viel mehr, als wir ihnen meist zugestehen.
Sie hat für sich entschlossen, keine Tiere zu essen. Sie hat schon öfter überlegt, dass Fleisch ja tote Tiere sind. Sie hatte mich gefragt, wie Tiere getötet werden - ich habe es ihr erzählt. Wir haben auch Bilder angeschaut von Schlachtungen.
Dann schaute sie einen Film im Fernsehen - Tier ein Afrika, Löwe reißt Antilope. "Oh der böse Löwe, die arme Antilope" - dann entspann sich ein Gespräch über Fressen und Gefressen-Werden, Jagt, Fleischkonsum....seit diesem Nachmittag ißt sie kein Fleisch mehr und das ganz konsequent.
Mag sein, dass das nicht für immer ist - aber das macht die Entscheidung ja nicht weniger bewußt. Ich war 10 Jahre lang aus ethischen Gründen Vegetarier und bin es nun nicht mehr seit 5 Jahren. Trotzdem war es eine klare Entscheidung - die Entscheidung zum Vegetarierer war klarer als das jetzige Fleischessen :|
Der Sohn meiner Freundin hat sich das mit 5 überlegt - und ist jetzt 9,5 Jahre alt.
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