Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

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Mascha80
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Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von Mascha80 »

Liebes Forum,

ich dachte mir, wo, wenn nicht hier, kann ich meine recht persönlichen Gedanken zum Stillen mal loswerden. Und Euch fragen, ob es Euch teilweise vielleicht sogar ähnlich geht. Also: Mein Söhnchen ist knapp 15 Monate alt und stillt noch. Abends, nachts und morgens viel, tagsüber weniger.

Bevor er da war, habe ich mir über das Stillen kaum Gedanken gemacht. Dann war er da, das Stillen klappte super - und wurde zum Normalsten der Welt für mich. Ich genoss es einfach. Mein Sohn ist ein echter Still-Fan. Er hat nie einen Schnuller gewollt und nie eine Flasche. Mittlerweile isst er auch gern, aber abgesehen davon liebt er das Stillen auch weiterhin.

Vorhin, am frühen Abend, hatten wir wieder so eine Situation: Er war schon recht müde und etwas quengelig. Wir packten uns also aufs Sofa und stillten ein bisschen. Nun ist er ja schon kein Baby mehr, sondern ein kleiner verschmitzter Junge. ;-) So ist er auch beim Stillen. Er klettert auf mich drauf, patscht auf der Brust herum, lacht, dockt an, schiebt die Hand auf die zweite Brust und legt diese frei. Wechselt grinsend hin und her, lacht sich schief, wenn die Milch raustropft, klettert, kuschelt, schmatzt, patscht...usw. Ich muss sagen, ich liebe es. Es gehört zu unseren innigsten Momenten, genau wie das friedlicher ablaufende Einschlafstillen. Die Nähe, das Vertraute, es ist einfach schön.

Und - ich genieße es auch körperlich. Ich weiß auch nicht, wie ich es beschreiben soll, aber es ist halt auch die körperliche Innigkeit, die ich so schön finde. Es kribbelt in mir, ich könnte den kleinen Spatz vor Liebe förmlich aufessen. Manchmal frage ich mich, ob das Stillen, gerade eines Kleinkindes, nicht auch eine sexuelle Komponente hat? Natürlich fühle ich mich nicht erregt im klassischen Sinne, wie ich es bei meinem Partner fühle. Aber eben diese körperliche Nähe, das Nuckeln und Spielen an der Brust, die ja nun eindeutig auch ein sexuelles Organ ist. Wisst ihr, was ich meine? Dann frage ich mich, ist das denn in ordnung? Und was fühlt eigentlich so ein Kleinkind beim Stillen? Doch sicher auch eine starke körperliche Nähe, ein Kribbeln vielleicht? Darf das so sein, gerade in der Mutter-Sohn-Beziehung? Ihr seht, das sind merkwürdige GEdanken, die ich da habe. :|

Und noch ein Aspekt: Manchmal frage ich mich, wieviel narzisstische Komponente eigentlich bei langzeitstillenden Müttern auch vorhanden is? So im Sinne von - Ich und nur ich werde gebraucht, ich als Urform der Weiblichkeit, durch nichts zu ersetzen, mein Kind ist abhängig von mir... So in der Art. Unterbewusst laufen doch solche "Allmachtsphantasien" sicher mit, oder? Vielleicht begebe ich mich ja mit derartigen Gedanken hier aufs Glatteis, aber ich wage mal zu behaupten, dass das Stillen eben auch eine egoistische Komponente dabei hat, die viele Mütter sehr genießen. Da gehts eben nicht nur um Bedürfniserfüllung fürs KInd, sondern auch um Stärkung des eigenen Selbstwerterlebens. Und das Selber-Abstillen des Kindes wird da vielleicht auch als selbstwertmindernd erlebt. Weshalb schnell ein neues Baby her muss. :mrgreen: Oder so.

So. Ich bin gespannt. ;-)

Liebe Grüße von Mascha.
Mascha mit Novembersöhnchen 2009
Paniclady
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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von Paniclady »

Ich finde das einen sehr beeindruckenden Beitrag. Sehr selbstreflektiert und viel Wahres dran meiner Ansicht nach.
Chapeau!
Mascha80
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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von Mascha80 »

Vielen Dank... :oops:
Mascha mit Novembersöhnchen 2009
jusl
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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von jusl »

Also die Natur hat es schon gut und sinnvoll eingerichtet, dass das Stillen (und Herstellen ;-)) unserer Kinder im Allgemeinen mit sehr angenehmen Gefühlen verbunden ist. Das Hormon Oxytocin , welches gleichermaßen für Orgasmen, für Wehen und für Milchspendereflexe verantworlich ist, wird nicht umsonst auch "Liebeshormon" genannt. Insofern hat das Stillen eindeutig eine "sexuelle Komponente". Allerdings wird ja manchmal Müttern vorgeworfen (insb. Alleinerziehenden scheint dieses Vorurteil mitunter öfter zu begegnen), sie würden praktisch "deswegen" so lange stillen, sozusagen missbräuchlich - dies kann nur als Frechheit abgewiesen werden. Wie gesagt: die Natur hat es schon gut eingerichtet so.

Eine verallgemeinerte "egoistische" oder gar "narzisstische Komponente" bei lange stillenden Müttern würde ich persönlich entschieden weitest von mir weisen wollen. Ich stehe voll hinter langjährigen Stillzeiten und kindgerechtem Abstillen, aber ich fand es auch SEHR SCHÖN, gemeinsam mit meinen Kindern aus der Stillzeit herauszuwachsen. Neuer Lebensabschnitt. Auf zu neuen Ufern. Gute Sache.
Nur weil man etwas GERNE tut, heißt das doch nicht automatisch, dass man es aus egoistischen Gründen tut.

Allmachtsfantasien hatte ich definitiv nicht. Nur Respekt und Demut vor der großen Verantwortung, die die Fürsorge für ein kleines Kind mit sich bringt, und jede Menge Spaß und Freude. (zumal ich "Allmacht" in diesem Zusammenhang auch eindeutig für einen Trugschluss halte!)
Und ich versichere: mein Selbstwertgefühl wurde alles andere als gemindert, als sich meine Kinder abstillten. :shock: :lol: KEINER ihrer Entwicklungsschritte, selber Klogehen, selber Brotschmieren, selber Fahrradfahren, hatten überhaupt Auswirkungen auf mein Selbstwertgefühl (geschweige denn negative). Warum sollten sie?!? Mein Selbstwert hängt von MIR ab, nicht von dem, was meine Kinder tun oder lassen.

LG,
Julia
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Kate
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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von Kate »

Hallo Mascha,

danke für deinen Beitrag. Mein Großer ist zwar noch kein verschmitzter Junge, aber ein ganz verschmitztes Baby :wink: und er wird bestimmt mal ein verschmitzter Junge. Er grinst mich jetzt schon manchmal beim Stillen an, Deine Schilderung hat mir richtige Vorfreude gemacht.

Ehrlich gesagt hatte ich, als ich (noch kinderlos) das erste mal von einer Mutter einer eineinhalbjährigen gehört hab, dass sie sie ab und zu noch stillt, auch merkwürdige Gedanken. Aber ich hatte einfach keine Ahnung! Jetzt ist Stillen für mich das schönste der Welt, manchmal denke ich sogar, bitte weiterstillen, es ist grad so schööön.

Ich habe über das Thema mit dem es-selbst-genießen also auch schon nachgedacht, bin zu dem gleichen Schluss gekommen wie Julia: Die Natur hat es so eingerichtet. Und es ist genauso eben von der Natur aus so gedacht, dass wir lange stillen. Warum sollten wir ein schlechtes Gewissen haben, wenn es uns als Mutter gut tut? Weil es ein sexueller Punkt ist? Oder ist vielleicht umgekehrt? Sind unsere Brustwarzen so empfindsam, damit wir unsere Kinder lange stillen und so zufällig auch ein Teil unseres Liebesspiels?

Viele Grüße
Kate

PS: Ich liebe es auch, mit meinem Sohn zu kuscheln. Das findet niemand narzistisch. Und ich bin stolz darauf, dass er jetzt krabbeln kann. Somit hat er sich ja auch schon von mir losgelöst, ist nicht mehr von mir abhängig, überall hingetragen zu werden. Dein Sohn hat ja auch schon ganz viele Entwicklungsschritte hinter sich, die ihn unabhängiger haben werden lassen. Und da bist du sicherlich auch stolz drauf
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tania
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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von tania »

meine brust war noch nie soooo sexuell wichtig für mich und ich sehe brüste generell nicht als sexuelles organ. und seit ich stille, finde ich sie sehr .. nuja .. ich sag mal nützlich. meine gefühle beim stillen sind tatsächlich sehr mütterlich :wink: . stillen tut mir manchmal schon sehr gut, es entspannt, ich kann die augen zumachen (ich SPÜRE ja wo mein kind gerade ist :lol: ), aber der eigentliche genuss ist für mich der, dass es meinem kind gut tut.

zu dem unverzichtbar sein: ich genieße es sehr sehr, meinem sohn beim unabhängig werden zuzuschauen. ich bin froh, dass er diese schritte von sich aus tut und ich ihn nicht dränge. aber der grund, warum ich noch nicht aufhören will zu stillen ist der, dass ich spüre, wie sehr mein kind das stillen noch BRAUCHT! ich hätte tatsächlich rein gar nichts dagegen, wenn er heute nacht mit dem durchschlafen anfängt. und tagsüber nicht mehr stündlich bis zweistündlich stillt (im moment ist es echt extrem :roll: ).

und generell hat muttersein meinem selbstwertgefühl nicht sooo gut getan. ich finde muttersein sehr anstrengend und anspruchsvoll, habe sehr ausgeprägte vorstellungen davon, was für eine mutter ich sein möchte. ich geb mir nicht täglich high five, was für ne super braut ich bin, weil mein kind mich ja so sehr braucht. ich finde gerade kinderliebe kriegt frau als mutter so hinterhergeschmissen (entschuldigt), selbst kinder, die von ihren müttern vernachlässigt und oder misshandelt werden, lieben ihre mütter, zumindest in diesem alter auf jeden fall noch.

zusammenfassend: keiner deiner gedanken ist der meine.
tania mit sohn *09 und sohn *12
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Teazer
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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von Teazer »

Mascha80 hat geschrieben:Manchmal frage ich mich, ob das Stillen, gerade eines Kleinkindes, nicht auch eine sexuelle Komponente hat? Natürlich fühle ich mich nicht erregt im klassischen Sinne, wie ich es bei meinem Partner fühle. Aber eben diese körperliche Nähe, das Nuckeln und Spielen an der Brust, die ja nun eindeutig auch ein sexuelles Organ ist. Wisst ihr, was ich meine?

Wusstest Du, dass in der Mehrheit der ethnologisch studierten Völker die Brust absolut keine sexuelle Komponente hat und ausschließlich als Nahrungsquelle gilt? :wink: Wir haben leider dieses sexualisierte Bild der Brust. Für mich persönlich war sie auch nie eine erogene Zone, daher kann ich da nichts Sexuelles dran sehen. Ja, ich genieße das Stillen (meistens :lol: ), aber genauso genieße ich es mein Kind zu beobachten, wenn es konzentriert eine Sache untersucht, ...
Mascha80 hat geschrieben:Und noch ein Aspekt: Manchmal frage ich mich, wieviel narzisstische Komponente eigentlich bei langzeitstillenden Müttern auch vorhanden is? So im Sinne von - Ich und nur ich werde gebraucht, ich als Urform der Weiblichkeit, durch nichts zu ersetzen, mein Kind ist abhängig von mir... So in der Art. Unterbewusst laufen doch solche "Allmachtsphantasien" sicher mit, oder?
Nun ja, wenn, dann ist das Kind "allmächtig", denn ich kann es nicht zum Stillen zwingen; da ich eine Mutter bin, die versucht die Bedürfnisse ihres Kindes zu befriedigen, kann meine Maus mich aber sehr wohl zum Stillen zwingen. :wink:

Nein, ich denke, dass beim Stillen genauso wenig Sexuelles läuft wie beim Kuscheln, zusammen Baden, Tragen, ... Es ist "nur" eine spezielle Form der Berührung und hat selbstverständlich auch den nährenden Aspekt.
Viele Grüße von Teazer (Stillmodteam)

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Re: Sehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Stillen

Beitrag von Urania »

Hallo Mascha,
sehr interessant :D

Ich empfinde nichts sexueles beim stillen,sondern sehr starke Muttergefühle.Schön,überwältigend aber nicht erregend. :wink: Mein Mann hat mich das auch schon gefragt :mrgreen: Aber Sex und stillen sind wie Tag und Nacht das ist für mich nicht mal vergleichbar.
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