Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Was kommt nach dem Vollstillen?

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Tigerlein
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Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Tigerlein »

Hallo,

ich habe ja zwei "Spätesser". Der Große hat 11 Monate voll gestillt. Der Kleine stillt noch fast voll, ist aber sehr interessiert am Essen. Er bekommt immer etwas wenn wir etwas essen und verlangt es auch. Rein technisch hat er auch überhaupt kein Problem mit dem Essen. Probiert alles. Mag auch das Meiste. Aber er ißt meist so 2-3 Bissen und dann ist er fertig. Hauptnahrungsmittel ist wirklich Milch. Er hatte schon immer "Zugang" zum Essen und hat z.B. schon mit 4 Monaten Banane und Kartoffel zermatscht. Wir haben allerdings beiden Kindern nicht aktiv Beikost angeboten und sind dabei auch nicht nach dem "klassischen" Schema vorgegangen. Beide mögen auch keinen Brei.
Soweit zu und.
Nun begegne ich immer wieder Müttern, die sich um die Beikosteinführung ihrer Kinder die totalen Sorgen machen. Erst diese Woche in der Stillgruppe war eine Mutter besorgt, weil ihr 4,5 Monate altes Kind NOCH IMMER nicht ißt. Und eine Mutter mit einem 6 Monate alten Kind stieg gleich mit ein. Allerdings war das Kind ein Frühchen und eigentlich erst 2 Monate alt (auch von der Entwicklung). Meine Freundin will demnächst auch mit der Beikost starten, ebenfalls mit 4 Monaten. Auch mit 2 anderen Freundinnen hatte ich schon die Diskussion, ob 4 Monate nicht zu früh ist, aber sie ließen sich nicht beirren. Gleichzeitig klagen aber auch viele ihr Leid, dass die Kinder ja "so schlecht" essen.
Was ist nur los? Beim Großen hab ich noch im Hinterkopf, dass die "magische Zahl" bei der Beikosteinführung noch 6 Monate war. Eine Freundin war damals total froh die 6 Monate stillen geschafft zu haben, fing mit Beikost an und gab gleichzeitig die Flasche, damit sie abstillen konnte.
Warum sind wir jetzt schon bei 4 Monaten gelandet? Oder kommt mir das nur so vor? Und wieso gibt es diese strikte Grenze? Weil es auf den Gläschen so steht? Ist nicht jedes Kind verschieden? Beim krabbeln, sitzen und laufen gibt es doch auch nicht DAS Alter, in dem das Kind soweit ist.
Lebe ich, was Beikost betrifft einfach noch hinter dem Mond? Essen Babys in den letzten 3 Jahren plötzlich früher? Und sind meine "Spätesser" eher die Ausnahme? Sind wir daran Schuld? Bringen wir ihnen nicht "aktiv" das Essen bei? Kann man das überhaupt? Sind wir zu unbekümmert bei dem Thema? Wir essen sehr gesund, das ist mir wichtig. Die Kinder sind auch immer mit am Tisch. Aber ich denke mir immer, dass noch kein Kind am vollen Tisch verhungert ist und es schon essen wird wenn es will.
Warum muß man aus dem Thema Essen immer so ein Drama machen? Ich würde mich über Austausch mit euch sehr freuen, auch wenn es wahrscheinlich schon viele Threads zu dem Thema gibt.
Tigerlein mit Groß (02/08), Mittel (04/10), Keks (04/13), Küken (10/15), Käfer (05/18) und Knöpfin (11/20)
Lösche Benutzer 1828

Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

ich bin der Meinung, dass Kind noch genug Körpergefühl haben, dass sie selber wissen, was und wann sie essen sollten - wenn wir sie halt in Ruhe lassen......
was halt heißenh kann, dass das Kind mit 11 Monten ißt oder auch mal mit 5 Monaten bereits zugreift....
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mayra
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von mayra »

Die 4 Monate kommen daher, dass in der Zwischenzeit eine Studie veröffentlich wurde, dass das Stillen bzgl. Allergierisiken mindern nach dem 4. Monate keine WEITEREN Vorteile bietet. Diese Studie wurde aber von Babynahrungsherstellern finanziert, s. hier http://www.afs-stillen.de/front_content.php?idcat=90

Und wir machen es ähnlich wie ihr. Im PEKIP sind aber die meisten schon "abgestillt", bekommen nur noch abends/nachts Brust bzw. Flasche. :shock:
mayra mit Schlawiner 07/08 und Lockenkopf 07/10
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Muschelsucherin
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Muschelsucherin »

Ich habe hier ja 2 grundverschiedene Kinder.

Das erste aß mit 5,5 Monaten mit Begeisterung Brei.
Das zweite isst mit seinen 10 Monaten noch kaum was.

Bei beiden Kindern hätte ich nichts aktiv ändern können.

Ich bin froh, dass die Leiterin unserer Krabbelgruppe das auch so vermittelt. Jedes Kind ist anders, man muss nichts forcieren, denn alle Kinder essen, laufen, reden ect. noch die nächsten 90 Jahre ihres Lebens. :wink:
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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Tigerlein
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Tigerlein »

Das sehe ich ja genauso. Aber mir fehlt einfach im Moment so ein bißchen die Argumentationsgrundlage. Klar, die WHO empfiehlt 6 Monate voll stillen. Und auf das eigene Kind hören, das scheint mir bei vielen einfach verloren gegangen. Die machen lieber was der Kinderarzt oder die Nachbarin rät. Aber ich frage mich dann, ob ich wirklich missionieren sollte, oder ob ich sie einfach machen lassen soll? Ich meine, ich mache mir ja den Streß nicht mein Kind zum Essen zu bringen. Und muß es schlecht sein wenn mein Kind schon mit 4 Monaten ißt und nicht erst mit 6, 9 oder 12?
Ich glaube, ich suche gerade einfach nur Argumente, die ich beim nächsten Gespräch dieser Art anbringen kann.

Diese blöde Studie kenne ich. Aber kommt das wirklich nur daher?
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Tigerlein
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Tigerlein »

Nachtrag: Da müssen wir wohl noch ein paar Kinder machen um zu testen, ob alle so spät essen. :D
Tigerlein mit Groß (02/08), Mittel (04/10), Keks (04/13), Küken (10/15), Käfer (05/18) und Knöpfin (11/20)
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Muschelsucherin
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Muschelsucherin »

Also, wenn das Gespräch irgendwo drauf kommt, dann sage ich schon, dass WIR es eben so machen und nach unserem Kind schauen. Ich betone, dass Stress niemandem was bringt und dass mein Kind schon irgendwann essen wird.
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ClauWi-Trageberaterin GK
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mayra
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von mayra »

Ja, ich glaube schon, dass das nur daher kommt, da mir das zwischen den beiden Kindern auch aufgefallen ist. Damals wars ganz klar, 6 Monate, jetzt reden alle nur noch von 4 Monaten ;-)
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Holly
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Holly »

Ich glaube, dass gerade beim Thema Essen auch immer eine schnelle "Unabhängigkeit" vom Kind erreicht werden soll. Jetzt Essen sie endlich vernünftig und irgendwie sitzt dann auch der Glaube noch tief, ab dann brauche man auch keine Muttermilch mehr und Mutter hat endlich ihre Freiheit wieder. Das beobachte ich oft bei jungen Müttern.

Kennst Du das Buch "mein Kind isst nicht" von Gonzales, das liefert jede Menge Argumente für den späteren Start beim Essen.

Ich hatte hier auch zwei sehr gute und unproblematische Esser, aber die Kleine stillt mit fast 18 Monaten noch sehr viel. Sie braucht das, nimmt von unserem Essen immer nur ein paar Häppchen und spült oft noch mit Mumi nach :-)
Was soll ich uns beide quälen mit Machtkämpfen am Esstisch!
Lieben Gruß,

Sandra mit Tochter *13.08.09 und zwei erwachsenen Söhnen


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Lila
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Re: Erziehen wir unsere Kinder zum "späten Essen"?

Beitrag von Lila »

Hmm,

da kommen ja viele zentrale Fragen auf einmal in deinem Eingangsposting :wink:

Zum einen spielt tatsächlich die eine besagte Studie mMn eine Rolle, wobei sie meines Wissens nicht von 2010 ist, sondern scheinbar immer mal raus gekramt wird. Und letztendlich besagt diese Studie nur, dass länger als vier Monate voll stillen, scheinbar keinen Einfluss auf die Allergieprophylaxe hat, auf andere Aspekte wird nicht eingegangen.
Zum anderen ist der Eisenspeicher, den Babys durch die Schwangerschaft aufgebaut haben - im Durchschnitt - mit sechs Monaten an seine oder in die Nähe seiner Grenzen gekommen, daher die "magische Grenze" von sechs Monaten. Es ist also kein Humbug, dass ein Baby um diesen Zeitpunkt herum irgendwann mit Beikost beginnen sollte und tatsächlich meistens auch positiv auf Beikost reagiert. D.h. irgendwann zwischen 5 und 8 Monate interessieren sich die meisten Kinder für Beikost bzw. reagieren auf das Angebot mit Annahme.

Letztendlich obliegt es jeder Familie eigenverantwortlich damit umzugehen bzgl. der Beikosteinführung gibt es kulturelle und tradtionelle Einflüsse, wir sind eben eine Gesellschaft, die sich sehr auf die Wissenschaft und Medizin beruht und weniger auf das Bauchgefühl. Ich bezweifele, dass der Urzeitmensch nach dem Geburtstag gegangen ist, sondern das vorgekautes Essen früh dem Baby in den Mund gegeben wurde, je nachdem hat das Baby angenommen oder nicht. Ich glaube jedoch auch nicht, dass gewartet wurde bis das Baby von sich aus die Hand ausgestreckt hat :wink:

Gut informierte Menschen können von mir aus daher ihre Kinder so ernähren wie sie möchten.

In unserem Fall war es so, dass das erste Kind sehr lange voll gestillt hat (+12 Monate), beim zweiten Kind ich mich dann gewappnet gefühlt hatte und mir gesagt habe, "Jupp, jetzt bin ich sicher genug, mein Kind kann auch länger stillen, es hat ja beim ersten Mal gut geklappt" ... und nix war, das Kind hat mit 5 Monaten sich ein Brötchen geschnappt und angefangen daran zu nagen. (Konnte mit 5,5 Monaten krabbeln und mit 6 Monaten sitzen).

Geärgert hat mich damals, dass ich beim ersten Kind im Spielkreis / PEKIP der dumme Alien war und tatsächlich eine Mutter in meinem Beisein, zu ihrem Kind - bezogen auf uns - sagte "Sei froh, dass du bei mir geboren bist" Es ging um die Gabe von Keksen bei ca. 1 Jahr alten Kindern, ich war die einzige, die noch stillte und die einzige, die nicht wollte, dass der Industrie-Zucker-Keks dem Kind angeboten wird.

Genauso naiv finde ich es jedoch auch, immer wieder pauschal zu sagen, ja, ja, die Kinder holen sich schon was sie brauchen. Dafür habe ich schon zu viele Babys gesehen, die es z.B. anfangs gar nicht auf die Reihe bekommen haben selber aktiv nach Nahrung zu verlangen, genauso wie Babys, die bis in den Eisenmangel hinein voll gestillt wurden.

Es gibt Richtwerte und die sind nicht immer willkürlich und beliebig, ganz im Gegenteil glaube ich, dass die meisten Richtwerte, ursprünglich einen Sinn hatten, nur mittlerweile die Wissenschaft immer wieder einen drauf legen muss. Von daher ein Kind, das deutlich länger als sechs Monate voll stillt würde ich besonders wahrnehmen und ggf. über das Blutbild den Eisen- und B12-Status festlegen lassen.

LG
Lila mit zwei Kindern (*2003 und *2006)
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