Solenne hat geschrieben:Finde es immer schade, wenn jemand das Gefühl hat, sich für etwas schönes und gutes so rechtfertigen zu müssen..
Ich habe manchmal das Gefühl, dass das nicht immer unbedingt nur mit dem Stillen an sich etwas zu tun hat. Aber in unserer heutigen Gesellschaft müssen/sollen/wollen Frauen ja mega unabhängig sein und Kinder sollen früh selbstständig werden usw. Das sind wir doch seit Generationen gewohnt. Kinder werden schon zum Frühstück vor dem Fernseher geparkt weil Mama sich noch fürs Büro aufhübschen muss oder evtl. einfach keine Lust hat sich mit dem Kind zu beschäftigen (obwohl teilweise massig Zeit da wäre

)...

Ich bin ganz schön provokant, ich weiß.
Viele fragen mich wie lange ich Zuhause bleiben will um mich um meine Tochter zu kümmern. Dann kommt oft sowas wie "Ja, also da fällt einem doch auch die Decke auf den Kopf." oder "Frau will ja auch wieder was "Anspruchsvolles" machen, man kann nicht einfach Zuhause bleiben, da verblödet man nur." Ich kann sagen,
ich habe mich bewusst für ein Kind entschieden und mir die Konsequenzen genau überlegt. Und ich genieße 95% der gemeinsamen Zeit mit ihr (die anderen 5 sind die, in denen ich überfordert oder müde bin, das kommt natürlich vor).
Ich kenne so viele Frauen, die mega wild darauf sind/waren ihrem Baby so früh wie möglich Brei reinzudrücken oder Kunstmilch-Fläschchen zu geben.
Das hat bestimmt auch viel mit Unabhängigkeit zu tun. Eine Bekannte geht 2x pro Woche Abends mit Freundinnen feiern und trinken und kommt erst morgens früh nach Hause. Klar, das geht bei mir jetzt nicht, aber ich wusste das vorher und bin mir im Klaren darüber, dass ich eine Tochter habe, die mich braucht. Vielleicht kommt dann auch so ein bisschen das Gefühl, sich für das Baby zum Sklaven zu machen. Ich weiß, das ist ein provokanter Ansatz, aber ich hatte anfangs auch diese Gefühle, als ich meine Tochter noch nicht annehmen konnte nach den traumatischen Erlebnissen nach der Geburt.
Ich möchte das bei meiner Tochter jedenfalls nicht. Ich genieße, dass wir momentan so eng miteinander sind und ich bin froh, dass ich das erleben darf. Denn irgendwann wird eine Zeit kommen, wo ich mir diese Nähe und Vertrautheit herbeisehnen werde. Sie wird es irgendwann nicht mehr wollen und dann immer selbstständiger, so ist das nun mal.
Ich habe bisher leider hauptsächlich die Erfahrung gemacht, dass Kinder generell als Belastung angesehen werden. Und sehr sehr viele Menschen haben auch leider GAR KEINE Ahnung von Kindern/Babys!!! Dann kommen schon mal dummer Sprüche, weil man einfach was dazu sagen will (obwohl man keine Ahnung hat).
Daher immer wieder diese Fragen wie:
- "Na, wie kommst Du damit klar nun nachts nicht mehr zu schlafen?" mit einem obligatorischen Zwinkern

(Wer sagt, dass ich nachts nicht schlafe?! Ich schlafe sehr gut...

)
- "Schläft sie denn schon durch?"
- "Wann bekommt sie denn was "Richtiges" zu essen?
- "Wann bekommt sie "richtige" Milch? (Mein älterer bisher kinderloser Bruder noch im KH direkt nach der Geburt!!!

)
- "Warum legst Du sie nicht alleine hin, wenn sie schläft? Schreit sie dann nur rum?" (Ich möchte sie gerne halten, weil ich ihre Nähe gerne mag und sie meine. Wo ist das Problem? )
- "Wann fängt sie denn endlich an zu krabbeln/laufen?" (damit man sie nicht rumtragen muss, das lästige Anhängsel was man überall mit hin schleppen muss...)
- "Warum nimmst Du nicht den Kinderwagen? Ist doch viel praktischer!"
Babys werden oft leider noch nicht richtig ernst genommen. Erst gestern im Baumarkt (ich meine Süße schlafend im Tuch dabei) hörte ich ein grässlich schreiendes Baby, mir stellten sich die Haare auf bei den Schreien. Es war so schrecklich. Wir sind dann an dem Baby vorbei gekommen und was sah ich? Die Eltern ließen sich gerade eine Küche zusammen stellen und das Baby lag schreiend hinter denen in der Babyschale im Einkaufswagen. Die versuchten noch nicht einmal, das Baby zu beruhigen, es wurde einfach ignoriert.

Ich könnte heulen bei dem Gedanken, wie sich das Baby fühlen muss!!!!

Also, hallo wo sind wir denn, dass die Eltern da gemütlich sitzen können und deren Kind sich hinter ihrem Rücken die Seele aus dem Leib schreibt und die interessieren sich nicht einmal dafür? Wie abgebrüht muss man sein? Im Nachhinein fällt mir auf, ich hätte hingehen und was sagen sollen.

Oder wäre das schon wieder zu frech gewesen?
Wir leben ja heutzutage auch ganz ganz anders als früher. Alles ist nur noch auf Leistung und Schnelligkeit aus. Da kann man es sich kaum noch leisten früh Kinder zu haben oder mehr Kinder als 2. Und wenn doch, dann wird man oft schief angesehen... Wo gibt es heute noch Kinderreiche Familien bzw. überhaupt große Familien, wo mehrere Generationen sich unterstützen und man von klein auf von den anderen lernt? Bei mir leider nicht, ich bin auf den Austausch mit z.B. Euch Foris oder Stillgruppen oder ähnlichem angewiesen.
Ich hoffe, das war nicht zu sehr o.t. aber da könnte ich mich in Rage reden/schreiben...
