Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

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Elise

Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von Elise »

Ich möchte noch hervorheben, dass ich niemandem eine Tragediktatur auferlegen möchte, man durchaus Buggies und Kinderwägen besitzen darf und der BB zu unserer Herausforderung existiert :wink:

Ich frage mich einfach ... sein hilfloses Würmchen zu beschützen, indem man es nah bei sich trägt, ist doch ein ureigener Instinkt, der auch im Menschen wohnt!
Oder galt es in der "aufgeklärten Zivilisation" (welche ich andererseits für vieles andere schätze und dankbar bin, dass ich in all dem Komfort leben darf!) seit jeher, alles vom Instinkt gelenkte auszuschalten um als kognitiv inellektueller selbstbestimmter, alles im Griff habender Homo Sapiens zu erscheinen?

Dann fiel mir noch über Nacht ein, dass praktisch "überall" auf der Welt Kinder als Statussymbol gelten, und bei uns dagegen "Dinge" wie Autos, Immobilien oder ein Abo im Musikverein.
Gut, in armen sozialen Schichten dient Kinderreichtum zur Existenzsicherung ....
aber ich meine, fahr doch einach nur nach Italien, da jubelt man, wenn man mit Bambini autaucht; in Wien wird man mit Blicken getötet, wenn man mit raunzigem (=nölendem :wink: ) Kind die Öffentlichkeit "stört" ... hmmm ... aber die Italiener tragen auch nicht mehr als die Wiener :lol:

Helft mir doch, meine Gedanken zu ordnen.
Werden in anderen Kulturen Babies getragen, weil es keine Alternative gibt, das Baby zu lassen (weil die Mütter arbeiten müssen und es dort keinen Hort gibt oder wegen "Gefahr", das Baby am Boden abzulegen)?
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fruba
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von fruba »

Elise hat geschrieben:Helft mir doch, meine Gedanken zu ordnen.
Werden in anderen Kulturen Babies getragen, weil es keine Alternative gibt, das Baby zu lassen (weil die Mütter arbeiten müssen und es dort keinen Hort gibt oder wegen "Gefahr", das Baby am Boden abzulegen)?
Vielleicht wird getragen weil es schon immer so war und die Leute brechen nun aus und nehemn den Kinderwagen weil er viel praktischer, moderner und ein Zeichen des Wohlstands ist.

Ich war das erstemal ganz einsam als unsere Maus im Buggy gesesse ist :oops: und es war eine richtige Trennung,... ich glaube wir interpretieren viel zu viel in die ganze Sache rein und machen uns total Gedanken. Wir denken an uns selbst, die Verbundenheit zum Kind,....
Montanara hat geschrieben:Mir scheint, auch was ich so in der Beratung fühle: Die Leute schämen sich, sich mit dem Baby draussen zu zeigen. Es könnte ja geredet werden. Man will um keinen Preis auffallen!
Krass das es soetwas gibt,... andererseits wird auch hier oft unterstellt das man trägt um anders zu sein und aufzufallen,... :roll:

Also alle machen sich wahnsinnig viele Gedanken :lol:
Ich bin froh das ich eine Traghilfe habe und die so binden kann das es uns bequem uns sicher ist.
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mama2008
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von mama2008 »

Elise hat geschrieben:Helft mir doch, meine Gedanken zu ordnen.
Werden in anderen Kulturen Babies getragen, weil es keine Alternative gibt, das Baby zu lassen (weil die Mütter arbeiten müssen und es dort keinen Hort gibt oder wegen "Gefahr", das Baby am Boden abzulegen)?
hm, ich hab vorhin darüber nachgedacht.
und frag mich so, irgendwie ist es ähnlich wie mit stillen und flasche.
war es nicht auch so, dass es völlig ormal war, sein kind zu stillen. bis pötzlich dieser luxus der flasche auf die welt kam? da war doch plötzlich auch so ein einbruch in der stillerei und es war/ist "in" flasche zu füttern?
war früher tragen normal bis plötzlich der kiwa kam?
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Stylamamma
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von Stylamamma »

Gibt viele Gründe. Erstmal kann man so noch arbeiten,sich um die anderen Kinder kümmern(meine Schwiegermutter hat 10 Kinder),Haushalt machen ect. Was braucht ein voll gestilltes,getragendes,stoffwindel benutzendes und im Familienbett schlafendes Baby schon? So gut wie gar nichts. Aber da wir besser sind als die armen müssen wir mit viel geld es natürlich besser hinkriegen :mrgreen: Zudem wollte man in deutschland zu einer bestimmten Zeit keine glücklichen Erwachsenen sondern arische Krieger und so wurde auch die Erziehung demenstprechend wenig liebevoll propagiert. Das sich das so hartnäckig hält ist traurig.

Das Kind kan man während des Tragens stillen,also auch Kinder die stundenlang an der Brust hängen machen keine Umstände. Zwillinge und Babys mit kurzen Abständen werden in einem Rutsch erledigt. Ist allgemein viel weniger antrengend. Nur westliche Leute machen sich das Leben absichtlich schwer ;)
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von Luema »

Stylamamma hat geschrieben:Was braucht ein voll gestilltes,getragendes,stoffwindel benutzendes und im Familienbett schlafendes Baby schon? So gut wie gar nichts. Aber da wir besser sind als die armen müssen wir mit viel geld es natürlich besser hinkriegen :mrgreen:
...
Das Kind kan man während des Tragens stillen,also auch Kinder die stundenlang an der Brust hängen machen keine Umstände. Zwillinge und Babys mit kurzen Abständen werden in einem Rutsch erledigt. Ist allgemein viel weniger antrengend. Nur westliche Leute machen sich das Leben absichtlich schwer ;)
Ähm jetzt echt... aber ich fand die Neugeborenenzeit meiner Kinder extrem anstengend, und kriegte den Haushalt kaum mehr hin - trotz tragen und stillen und Familienbett! Das war alles andere als "keine Umstände" :shock:
Ich hab eher das gefühl, dass sich Mütter, die ihre Kinder in irgend ein Zeitplanschema drücken und auch mal schreien lassen viel mehr Zeit für sich selbst haben.
Liebe Grüsse von Maria
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Stylamamma
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von Stylamamma »

Ich fand es persönlich leichter so, wahrscheinlich weil es natürlicher ist und weniger erzwungen.
Wenn mein Diymos gewachsen wurde und ich keins hatte bin ich mit dem haushalt gar nicht hinter hergekommen.
Aber Kinder sind unterschiedlich.
In Nigeria sieht es sehr leicht aus.,wie die Kinder einfach an die brust gelegt werden und trotzdem alles weiter läuft und wenn die Babys schreien wein ein bissel mit dem Hinter gewackelt wird.
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fruba
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von fruba »

Luema hat geschrieben:Ich hab eher das gefühl, dass sich Mütter, die ihre Kinder in irgend ein Zeitplanschema drücken und auch mal schreien lassen viel mehr Zeit für sich selbst haben.
Das glaube ich auch, der Kinderwagen bringt heute zusätzliche Freiheit denn den kann Oma, Tante und co ganz einfach schieben und tragen ist ja doch ne Nummer komplizierter auch wenn es ganz tolle Trageomas gibt :wink: ( :knutsch an die Tragegroßeltern).

Wenn ich überlege frage ich mich ob das Tragen nicht schon vor dem Kinderwagen "verloren" gegangen ist mit dem Ablegen der Kinder in irgendwelchen sicheren Räumen,...? Der Tragling wurde sozusagen zum Nesthocker gemacht.
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von Flädi »

Wenn ich überlege frage ich mich ob das Tragen nicht schon vor dem Kinderwagen "verloren" gegangen ist mit dem Ablegen der Kinder in irgendwelchen sicheren Räumen,...? Der Tragling wurde sozusagen zum Nesthocker gemacht.
ja, das ist eine gute frage. ich könnte mir auch gut vorstellen, dass es so war und der kiwa eigentlich die unabhänigkeit und mobiliät mit babys wieder gesteigert hat.
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GwAMg

Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von GwAMg »

Ich denke auch, dass das so war...ich hab den Tipp ja auch oft gehört, von alten Frauen aus dem Dorf meines Mannes: Die haben halt ihre Kinder in die Badewanne gelgt (Kinderbetten hatten sie nämlich auch nicht) und sind dann z.B. zum Einkaufen :shock: und manche erzählen dann noch dass die Babies dann noch bei der Rückkehr der Mutter geschrien haben wie am Spieß, die Blagen habens aber auch echt nicht geschnallt :cry:
Luema
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Re: Warum Tragen in unserer Kultur so fremd?

Beitrag von Luema »

Stylamamma hat geschrieben:Wenn mein Diymos gewachsen wurde und ich keins hatte bin ich mit dem haushalt gar nicht hinter hergekommen..
Also erst mal musste ich den Satz fünfmal lesen bis ich ihn geschnallt habe :lol: Wo wachsen denn die Didymos? Ich geh mal eins pflücken... :mrgreen:

Dann: Klar, du lässt dein Kind eben auch nicht schreien. Es stimmt, wenn man sein Kind liebevoll behandelt und nicht schreien lassen will, dann ist es echt anstrengender ohne Tragetuch, ganz klar! Nur - keine Umstände ist doch immer noch etwas übertrieben, jedenfalls bei mir war es so. Und mir ging es sehr oft so, dass ich ihn nicht mehr tragen MOCHTE! Dass ich verzweifelt sagte "ich hab dich so doll lieb, aber ich MAG Deine Last nicht mehr auf meinen Schultern haben!" Weil so viel anderes eben auch auf meinen Schultern lag, dass ich das Gefühl hatte, erdrückt zu werden. Die vier bis sechs Kilo Baby habe ich nicht mehr auch noch ertragen. :(
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