Astrengung stillen/Flasche

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Johana
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Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von Johana »

Je mehr ich mich der Frage beschäftige, desto verwirrter werde ich :lol: ! Ich versuche gerade hersuazufinden, was für ein Baby anstrengender ist: zu stillen oder aus der Flasche zu trinken!?

In dem Buch Stillen und Muttermilchernährung von der BZgA steht fett gedruckt, dass eine Stillmahlzeit für Frühchen und Neugeborene NICHT anstrengender sei, als aus der Flasche zu trinken.
Im Wirbelwind (Januarheft 2008) steht, das stillen 60 mal mehr Energier verbraucht, als das Flasche trinken.

Meine Frühchen haben aus der Flasche anfangs deutlich besser getrunken, als aus der Brust; bzw. sie haben an der Brust anfangs GAR NICHT gesaugt, so dass ich die Flasche damals gar nicht hätte ablehnen können, denke ich...

Hat jemand Erfahrung dazu?

Liebe Grüße
jusl
Jusl Almighty
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Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von jusl »

Hallo Johana,

die entscheidene Frage ist weniger die nach der Anstrengung, sondern nach der Technik. Sicher richtig sind folgende Fakten:

* Stillen ist per se NICHT "anstrengender" als Flaschetrinken, betrachtet man etwa das Cyanoserisiko herzkranker Babys oder die Sauerstoffsättigung Frühgeborener. Aber z.B. speziell die Muskeln im Bereich Gesicht und Kiefer werden beim Stillen durchaus MEHR gefordert als bei einer Flasche, aus der die Milch von allein herausläuft.

* Für ein Baby, was FALSCH saugt, ist das Saugen oft fürchterlich anstrengend; und dazu noch von kaum oder wenig Erfolg gekrönt. Dies kann in beide Richtungen passieren: ein Baby, was sich mit Stilltechnik an der Flasche abmüht, bekommt genauso Schwierigkeiten wie ein Flaschegewöhntes Kind, was mit Flaschentechnik stillt.

* Die individuellen Unterschiede sind sehr groß, sowohl beim Saugverhalten der Babys, beim Milchgeb-Verhalten der Mütter, wie auch bei unterschiedlichen Flaschensaugern. An manchen Saugern muss man gaaaanz doll saugen, weil nur ein winziges Loch da ist. Aus anderen läuft es einfach heraus. Bei manchen Mütter dauert es auch unter intensivem Saugen des Babys relativ lange, bis der MSR einsetzt (und dann kann es kräftigst heraussprudeln oder es läuft ein dünner Strahl - beides normal), bei anderen Müttern kommt der MSR nach 5 Sekunden.
Allein deshalb ist eine sinnvolle Aussage à la "X ist grundsätzlich anstrengender als Y!" nicht möglich.

LG;
Julia

PS: könntest Du evtl die Passage aus dem Wirbelwind mal komplett zitieren? Für die Mundmotorik mag das mit den "60 mal" ja zutreffen, aber ganz sicher nicht bezogen aufs ganze Kind, keinesfalls. Denn das würde ja bedeuten, dass ein Stillbaby 60 mal mehr Milch aufnehmen müsste, um auf die gleiche Kalorienzahl zu kommen - das kann nicht sein :lol:
Captainsparrow

Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von Captainsparrow »

Ich kann mir nicht vorstellen dass das Stillen anstrengender ist: ist bei mir der MSR einmal ausgelöst, braucht das Baby nur noch zu schlucken, da die Milch dann einfach rausläuft.
jusl
Jusl Almighty
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Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von jusl »

Naja - BIS der MSR ausgelöst ist, können aber auch gerne mal 15 Minuten vergehen - gerade saugschwache Babys schaffen das oft nicht ohne stillberaterische Unterstützung... man kann da einfach keine Pauschalaussage machen.

LG,
Julia
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Johana
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Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von Johana »

Hallo Jusl, danke schonmal :wink: !

Hier der Absatz aus dem Wirbelwind:

Vom Wachsen und Gedeihen (von Michaela Kyllönen)

Voll gestillte Kinder sind vom Plötzlichen Kindstod kaum betroffen. Das liegt zum Teil auch an der regelmäßigen taktilen Stimulation. Überhaupt wird die organische Entwicklung der Haut durch das Erleben des Kindes an der Brust gefördert.
Auch die Gaumen-, Gebiss-, und Gesichtslinienentwicklung ist beim gestillten Kind besser, da das Baby beim Saugen all seine Kiefermuskeln benützen muss, um die Brust auch zu leeren.
Der Winzling vollbringt von Anfang an Schwerstarbeit, denn Brusttrinken erfordert 60 Mal mehr Energie als das Flaschentrinken.
Zitat Ende

Die Krankenschwestern auf der Frühchenstation haben eben genau so argumentiert. Ich weiß bis heute nicht, ob ich richtig gehandelt habe, indem ich die Flaschenfütterung mitgemacht habe!?
Meine Kinder haben manchmal wie gesagt gar nicht an der Brust gesaugt. Und dann drängte die Uhr immer, da in der Frühchenklinik nach Uhrzeit gefüttert wurde..., und da die Kinder eben bestimmte Mengen schaffen sollten...
Ich wollte eifach nur, dass sie schnell entassen werden und schnell zunehmen; also habe ich "mirgemacht".
Aber wäre es vielleicht auch anders gegangen?

Liebe Grüße
jusl
Jusl Almighty
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Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von jusl »

Ah, danke - OK, also das mit den 60 mal bezweifle ich dann mal ganz frech - v.a. methodisch, denn wie gesagt: allein schon die Flaschensauger (und Mütter!) sind so unterschiedlich - von lockerem Rauslaufen bis Schwerstarbeit fürs Kind - das kann man nicht sinnvoll vergleichen. (Die ART des Trinkvorgangs allerdings schon - Stillen spricht ANDERE Muskelpartien an als Flasche).

Jedenfalls: auf fortschrittlichen Frühchenstationen weiß man, dass Stillen NICHT generell anstrengender ist als Flaschegeben. Früher "mussten" alle Frühchen den Umweg über Flasche gehen, und wenn sie dafür kräftig genug waren und Flaschetrinken konnten, durften sie DANACH Stillversuche machen.
Das ist Unsinn, weiß man heute - selbst kleinste Frühchen müssen in fortschrittlichen Häusern nicht unbedingt erst an die Flasche. Das Stillen von saugschwachen Kindern ist allerdings nicht mit dem Stillen reifer Neugeborener vergleichbar, oft wird erst geleckt und ganz sanft genuckelt (während evtl. sondiert wird z.B.). Zum in Gang Bringen der Laktation reicht dies jedoch zumeist nicht - da muss zusätzlich gepumpt oder per Hand gewonnen werden.

Ob bei Euch die Flaschenfütterung vermeidbar gewesen wäre, weiß ich nicht - medizinisch vermutlich schon, aber organisatorisch eben offenbar nicht. Stillen nach Bedarf plus qualifizierte stillberaterische Begleitung verträgt sich nicht mit Füttern nach der Uhr - das kann man drehen und wenden wie man will.
(An dieser Stelle seien hier positiv die Babyfreundlichen Kliniken genannt. )

LG;
Julia
Kirsten
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Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von Kirsten »

Ach ja, das ist immer ein Graus - fortschrittliche Frühchenstationen dürften leider noch die Ausnahme sein. Was ich wirklich schlimm finde: viele Ärzte sehen das im Grunde ihres Herzens genauso, passen sich aber den Umständen an. Meine Jüngste ist in einem so schönen Babyfreundlichen Krankenhaus (in Heinsberg) zur Welt gekommen - um dann direkt danach per Baby-Notarztwagen in die nächste Kinderklinik verfrachtet zu werden, wegen zu geringen Geburtsgewicht trotz 40. SSW, was wir vorher nicht wußten. Als sie dort auf der Frühchenstation Kunstmilch zufüttern wollten, obwohl sie zunächst gut wenn auch wenig MuMi trank und mich nicht rund um die Uhr bei ihr lassen wollten, habe ich da so richtig Stunk gemacht, mit Riesenszene inkl. lautem Geschrei auf dem Stationsflur, wo mir die Säuglingsschwester meine winzige Tochter regelrecht in den Arm knallte mit den Worten "Hier haben Sie sie, wenn Sie anscheinend alles besser wissen!" Beim Gespräch mit dem Oberarzt, das folgte, habe ich meine Argumente dargelegt, von wegen besser fürs Kind, wenn nur Muttermilch und Mutter immer da, Mutterwärme im gemeinsamen Bett genauso gut bzw. besser als Wärmebettchen etc. Und er meinte: "Sie haben ja recht, ich war zwei Jahre in Afrika, da haben wir's immer so gemacht, ging gar nicht anders, und es wäre ja auch besser, wenn das hier auch alles ginge, aber das läßt sich nicht organisieren und die meisten Mütter wollen's auch gar nicht bla bla bla.... ". Da war ich schon platt. Er hat dann dafür gesorgt, dass ich mit Kendra auf eine normale Station der Kinderklinik kam und mit ihr in einem Zimmer schlafen durfte, und ich "durfte" sie stillen, solange der Blutzucker nicht zu sehr runter ging, und sie durfte in mein Bett, solange sie die Temperatur hielt. Ganz so gut umsetzen liess sich das nicht, weil das Personal auf der Station da nicht so richtig mitmachen wollte. Stillen klappte dann auch prompt nicht mehr, aber ich habe immerhin erstmal gebechert und gelöffelt und erst, als sie dann gar nichts mehr selber mit ihrem Mund machen wollte, auch Fläschchen gegeben, wenn auch immer wieder angelegt. Es hat drei Wochen gedauert, bis sie soweit gepäppelt war, dass wir rausdurften (und man war erstaunt, wie schnell das war - dass das an der MuMi liegen könnte, kam ihnen nicht in den Sinn...). Erst zu Hause, als ich richtig Ruhe hatte, und Unterstützung von einer lieben IBCLC, klappte dann nach etwas Anfangsstress das Stillen wieder (6 Wochen nach ihrer Geburt stillte sie voll).

Huch, ich frage mich, warum ich plötzlich den Drang verspürt habe, das an dieser Stelle nochmal so ausführlich aufzuschreiben...ich bin wirklich traurig, dass neue Erkenntnisse so langsam, wenn überhaupt, in den Kliniken ankommen.

Immerhin habe ich mich bei der Klinikleitung über das Handling solcher Fälle beschwert und man hat auf der Kinderstation daraufhin eine extra Stillsprechstunde für saugschwache Babys eingerichtet, wöchentlich und auf Wunsch auch mit speziellem Termin. Ist immerhin ein Anfang, gell?
Kirsten mit David (00), Fiona (02), Noel (04, LKGS, 8 Monate pumpgestillt) und Kendra (12/08, SGA-Baby, Stillen gelernt nach 6 Wochen, immer noch stillend)

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Johana
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Re: Astrengung stillen/Flasche

Beitrag von Johana »

Kirsten, oha da habt ihr ja einiges erlebt :( ! Aber du hast recht, es ist schön, wenn man eine Kleingkeit in einem grßen Krankenhaus ändern/ beeinflussen kann!
Ich habe während meines KH-Aufenthaltes einen höflichen Brief an die Pflegedienstleitung geschrieben; wir hatten danach ein gutes (!) Gespräch :D ! Und eines der Probleme, die ich damals hatte, hat sich dadurch gelöst, obwohl alle Schwestern mich angefaucht hatten "Das war schon IMMER so!" :roll:

jusl, Babyfreundliche Krankenhäuser hat es hier bei uns in der Gegend leider nicht :( !

Na ja, wir haben es ja geschafft :wink:

Liebe Grüße und lieben Dank
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