Und Deine Schlussfolgerungen sind völlig korrekt - "Ersetzen Sie jede Woche eine Stillmahlzeit durch einen neuen Brei!" und "Stillen Sie Ihr Kind neben geeigneter Beikost 2 Jahre oder darüber hinaus, so lange Sie beide es wünschen!" passen nicht zusammen.
Du fragst ausdrücklich
Das lässt sich leicht beantworten: Verantwortlich hierfür ist eindeutig die Babynahrungsindustrie.aber woher kommen dann die Vorgehensweisen an die sich so viele Mütter halten?
Stell Dir den hypothetischen Fall vor, dass ab sofort ALLE Mütter ihre Babys 6 Monate vollstillen, und danach ihre Kinder ab und zu vom Apfel und Butterbrot abbeißen lassen, und die Kinder sich viele Monate, vielleicht Jahre später selbst abstillen dürfen, nachdem sie dann einfach Lasagne, Kartoffelsuppe und co vom Familientisch mitgegessen haben. Hast Du eine Vorstellung davon, was für ein stark umkämpfter, MILLIARDENSCHWERER Markt in diesem Moment schlagartig ZUSAMMENBRECHEN würde? Wenn plötzlich rund um den ganzen Globus niemand mehr Hipphapphupp-Gläschen kaufen würde??
Die Babynahrungsfirmen haben ein MASSIVES, betriebswirtschaftliches Interesse daran, dass möglichst viele Kinder KEIN normales, frisches Essen essen, sondern eben deren Konserven. Und sie haben ein massives Interesse daran, dass die Kinder dies möglichst FRÜH tun und dann möglichst VIEL davon essen, denn jedes einzelne Gläschen vergrößert den Profit. Diese Firmen tragen eine immense unternehmerische Verantwortung ihren Mitarbeitern gegenüber! Es geht dabei um unglaublich viel Geld, dass diese Firmen verdienen MÜSSEN, um am Markt überleben zu können, genauso wie jedes andere Unternehmen auch. Es geht nicht um Babygesundheit oder normales Ernährungsverhalten, sondern um Bilanzen, Gewinne, Kundenbindung. Das ist keinerlei Verschwörungstheorie, sondern schlichte Marktwirtschaft.
Diese Firmen werben. Und zwar auf Wegen, die funktionieren (sonst würden sie das Geld dafür nämlich nicht ausgeben). Diese Wege sind v.a.: an Eltern gerichtete Werbung in TV und Printmedien ( wir alle wollen schließlich "das Beste für Ihr Baby!" und "Mama weiß, warum" für "das Wertvollste in Ihrem Leben"...) und an Gesundheitspersonal gerichtete Werbung. Das gemeine: die Werbung ist oft gar nicht als Werbung zu erkennen, sondern kommt in der Verpackung der "Information". Das sind dann Ernährungs- und Babykochbücher, Broschüren "Mein Baby im ersten Jahr", Fortbildungsveranstaltungen für Kinderärzte, Schwangerschaftsbücher, Gesundheitsratgeber und 1000 andere Sachen. Außerdem Sponsoring: Baby-Clubs für Eltern, Wartezimmereinrichtungen für Ärzte, Kugelschreiber und Thermoskannen für Hebammen.... auch diese Liste ist endlos.
Es gibt sehr viel Forschung zum Thema Marketing. Tenor ist: all diese Mittel werden eingesetzt weil sie sich unterm Strich finanziell lohnen.
Mit einem gesunden Krabbelkind, welches noch nie küsntliche Sauger gesehen hat und neben Muttermilch ab und zu einen Löffel Kartoffelstampf zu sich nimmt und im eigenen Tempo den Familientisch kennenlernt, macht niemand Profit. (Außer die Eltern und das Kind selbst natürlich.
Hier im SuT bist Du kein Alien! Und ich persönlich habe viiiiiel mehr Frauen im Bekannten-und Freundeskreis die lange gestillt haben als solche, die nicht oder nur kurz gestillt haben. Ob Alien oder alteingesessener Erdling - Fakt ist doch, dass die allermeisten Mütter tatsächlich "das Beste" für sich und ihre Kinder wollen. Wir müssen daran arbeiten, dass Frauen zum richtigen Zeitpunkt an vernünftige, babynahrungsindustrie-unabhängige Informationen gelangen, wie sie das auch erreichen können.
LG;
Julia
