Nachdem ich über die Suche keine Thread gefunden habe, der einfach mal zum regen Austausch für "praktizierende Tandemstill-Mamas" und alle die sich dafür interessieren gedacht ist, mache ich einfach mal einen auf!
Außerdem häufen sich ja hier und im LZS-Forum in letzter Zeit die Fragen von Noch-Schwangeren und künftigen Tandem-Stillenden, wie das mit dem Tandemstillen denn so läuft.
Ich werde einfach mal berichten, wie sich das Tandemstillen bei uns nun so entwickelt hat, nachdem meine Mini-Maus ja schon fast 4 Wochen alt ist, und sich alles nun so langsam etwas einpendelt.
In der Schwangerschaft dachte ich eigentlich, dass ich meine Große komplett abstillen werde, da irgendwann so gut wie keine Milch mehr kam und das Stillen wegen wunder BW einfach nur noch wehtat. So im November war ich mir sicher, dass ich das durchziehen werde; in der Zeit hat sie dann auch immer seltener gestillt, schlief auch super ohne "Bu" ein usw. Doch dann kam irgendwann wieder Milch, so um die 30. SSW schätze ich, und ab da konnte ich endlich wieder viel entspannter stillen und sie wollte auch plötzlich wieder öfter. Zu diesem Zeitpunkt wär ich aber nicht mal wahnsinnig traurig gewesen, wenn unsre Stillbeziehung ein Ende gefunden hätte, weil ich es zeitweilig doch kräfteraubend fand und sie es offensichtlich nicht mehr SO sehr brauchte, aber dann wurde meine arme Kleine im Januar krank, ganz fiese Erkältung, und da ging natürlich nix mehr ohne "Bu"... Im Gegenteil, sie wurde nachts ständig wach, wollte morgens dauerstillen usw; wenn sie mal länger am Stück schlief, musste ich nachts SWS-Bedingt ständig aufs Klo... Ich bin die letzten 4 Wochen der Schwanger echt auf dem Zahnfleisch gegangen manchmal. Vielleicht hat meine Tochter aber auch einfach so ein bisschen meine doch immer größer werdende nervliche anspannung gespürt wegen der bevorstehenden Geburt.
In dieser Zeit war ich aber gleichzeitig auch sehr dankbar fürs Stillen, weil es einfach die beste und bequemste Art war, meine kranke Maus zu beruhigen. Und wenn ich mal wirklich zu k.o. war, hat sie sich aber oft auch gut vom Papa beruhigen lassen mit Singen und Kuscheln.
Mir war jedenfalls klar, dass wir nun vom Abstillen so weit entfernt waren wie nur möglich, was auch o.k. war, ich hätte das niemals durchsetzen wollen, weil einfach offensichtlich war, wie sehr meine Maus das Stillen noch braucht. Ich war schon ziemlich neugierig wie sich das mit dem Tandemstillen so anfühlen würde.
Tja, dann kam die Geburt, ein geplanter 2. KS wegen BEL. Deshalb war ich auch 5 Tage im KH, was für meine große Kleine schon ein ziemlicher Einschnitt war. Als sie mich nach der Geburt im KH besuchte, war auch das erste, was sie wollte, natürliche - Ihre Bu!!! So hab ich dann wenige Stunden nach der Geburt zum ersten Mal so richtig Tandemgestillt, beide Kinder gleichzeitig. Damit war ich dann bei Schwestern auch gleich bekannt wie ein bunter Hund.
Das Gefühl war schon etwas seltsam, als beide Kinder gesaugt haben, man kommt sich ja schon etwas "Milchkuh-mäßig" vor, aber wie gesagt, in dem Moment hab ich es genossen.
Schon am 3. Tag im KH hab ich es aber versucht, das nicht mehr beide gleichzeitig trinken, mir war es irgendwie unangenehm. Das fühlte sich so an, wie wenn die Große vorher beim Stillen mit der anderen Brustwarze spielen wollte, das hat mich auch immer wahnsinnig gemacht und ich hab es immer unterbunden. Seit wir zuhause sind, hab ich beide auch nur noch getrennt gestillt.
Anfangs war es natürlich so, dass die Große ständig trinken wollte und natürlich immer wenn die Kleine dran war. Ich hab ihr das Stillen dann konsequent verweigert, wenn das Baby dran war oder wenn ich zwar "frei" war, aber in dem Moment wirklich nicht stillen wollte. Sie nimmt das erstaunlich gelassen hin, das hätte ich so nicht erwartet.
So hat sie ziemlich schnell zu ihrem alten Stillrhythmus zurückgefunden, d.h. nur noch zum Einschlafen, d.h. mittags und abends, und nachts nur dann, wenn sie sich nicht vom Papa beruhigen lässt (so gegen 5-6 Uhr morgens will sie immer auf jeden Fall an die Brust). Das Einschlafen klappt mittlerweile sogar bei mir auch wieder ohne Stillen, nur mit Singen und Kuscheln. Mit Papa sowieso, das haben wir schon angefangen, als sie so ca. 13-14 Monate alt war.
Aktuell bin ich aus dem Familienbett ausgezogen mit der Mini-Maus, da meine große Maus schon wieder ne Woche krank war. Ich schlafe dann auf der Couch und die MIni-Maus in der Wiege oder auf meinem Bauch. Das klappt momentan ziemlich gut so, weil die Große so nämlich durchschläft (!) bzw. sich nachts super problemlos vom Papa beruhigen lässt, wenn Mama nicht in Reichweite liegt. So will sie an manchen Tagen nur noch morgens zum Aufwachen stillen.
Insgesamt bin ich sehr zufrieden, so wie es jetzt läuft. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir auf diese Weise noch viele Monate eine "Dreier-Stillbeziehung" führen werden. Die Stillmomente mit der Großen kann ich so auch richtig genießen.
Einziger Wermutstropfen: Leider haben wir das Problem, dass die Große ihr Schwesterchen sehr oft haut oder sogar feste kneift. Sie ist zwar andererseits auch unheimlich lieb mit ihr und will sie dauernd im Arm halten, küsst und herzt sie dann, aber das Hauen lässt leider nicht wirklich nach. Einerseits haut sie generell "gerne", also auch andere Kinder z.B. in der Pikler-Gruppe oder auch im KiGa, aber sicher tritt so auch die Eifersucht auf das Baby zutage. Das Tandemstillen mache ich dafür aber nicht verantwortlich, im Gegenteil, ich bin mir sicher, dass es ohne das Stillen schlimmer wäre. Hinzu kommt noch, dass sie momentan eh in der totalen Trotzphase angekommen ist...
Das Stillen der Mini-Maus läuft absolut problemlos, sie ist überhaupt ein echtes "Anfänger-Baby", dass sich auch prima Ablegen lässt und sogar auch mal einfach so in der Wiege einschläft - bei meiner Großen absolut undenkbar. Allerdings hatte ich letzte Woche große Probleme mit wunden BW, mit trocken halten und Multi-MAM Kompressen, die ich echt empfehlen kann, hab ich es nun wieder in den Griff gekriegt.
Mir ist nur klar geworden, dass ich viel mehr auf exaktes Anlegen achten muss; das vergisst man gerne mal, wenn man sich für einen routinieren alten "Still-Hasen" hält.
Ach ja, hätte ich beinahe vergessen, Milcheinschuss hatte ich trotzdem dass ich die Große noch gestillt habe. Und was für einen.... Am 4. Tag nach der Geburt sah ich aus wie das Playmate des Jahres... Ich dachte, die Dinger platzen gleich
Am Entlassungstag meinte eine Schwester (die an dem Tag zum 1. Mal Dienst hatte seit ich im KH war) zu mir noch so: "Wenn sie so viel Milchüberschuss haben, müssen sie wirklich aufpassen, dass kein Milchstau draus wird. Wir können ihnen für zuhause auch eine Pumpe verschreiben!" Als ich dann so meinte, "Och, meine Pumpe zuhause heißt Charlotte und ist fast 2 Jahre alt", hat sie echt so
So, das war mein Beitrag zum Thema. Ich hoffe mal auf einen regen Austausch mit anderen Tandem-Still-Mamas und bin gespannt auf eure Berichte und Fragen.
LG



