Ich habe auch sofort gedacht, Dein Kind MUSS ein Jahr alt sein...

Mir ging es genau wie Dir und auch wenn ich alles so gern für ihn getan habe, war ich absolut frustriert, müde, kaputt. Ich war wieder schwanger, hundemüde und er kam nachts teilweise stündlich. Ich konnte im Gehen schlafen.
Die Tage liefen so: aufstehen zwischen 5 und 6 nach ner meistens durchstillten Nacht, Papa hat ihn morgens dann oft ne Stunde genommen, ansonsten war er nie da, selbst am WE musste er lernen. Dann musste ich schnell duschen und frühstücken, denn wenn Papa weg war, ging das alles nicht mehr. Mein Sohn wollte (übrigens von Geburt an) dauerbespaßt werden. Und ja, das ist anstrengend. Ich hab ihm auch keine Undankbarkeit vorgeworfen oder mit meinem Schicksal gehadert, aber ja, es war zeitweise echt frustrierend.

Vormittags musste ich raus mit ihm, Musikgruppe, Stillgruppe, Pekip, wir haben so ziemlich alles gemacht, denn nur dann schlief er mittags ordentlich und nur dann war er zufrieden. Oft hab ich aber die Stunde durch auch nur gestillt. Oder ihn danach rumgetragen, weil er sonst aufgewacht wäre.
Mittags, endlich eine Stunde Ruhe, mit Glück zwei. Aber wehe, ich hab auch nur ein Geräusch gemacht! Telefone rausziehen, tippen am Computer ging auch nicht, davon wurde er sofort wach. Und wenn er wach wurde, war er den Nachmittag über unausstehlich. Allein auf die Toilette? Geht bis heute nicht. Und auch bis heute ist alles spannender als das eigene Spielzeug.
Nachmittags hab ich ihn aus Verzweiflung manches Mal in den Shoppingarkaden geschleppt, nur damit wir raus kamen und der Nachmittag ohne Genöle rumging. Und es war auch Winter, es dauerte ewig und es war nass und kalt. Ich konnte hier NICHTS machen, wenn ich mit ihm allein war. Haushalt ging nur abends und auch nur leise.
Und wenn er dann nach einem solchen Tag abends noch mit dem Essen rumgematscht hat (und er hat auch jetzt immer wieder solche Phasen, wo ich an die Decke gehen könnte, auch wenn ich weiß, dass das normal ist in seinem Alter) und nicht einschlafen wollte, dann war ich fertig, genervt und überhaupt...

Das änderte nie etwas daran, dass ich es nicht alles gern getan habe und dass ich ihn über alles liebe. Aber es hat eben auch genervt.
Es stimmt, was Sandküste sagt, dass man mit der eigenen Einstellung ne Menge in den Griff bekommt. Du ärgerst Dich über sein Verhalten? Hör auf damit, Du wirst es damit nicht ändern, eher im Gegenteil. Klingt doof, ich weiß. Aber mit der Zeit wirst Du mich verstehen. Wenn er spürt, wie genervt Du bist, wird er nur noch anhänglicher und nöliger werden. Versuch, vieles mit Humor zu sehen. Versuch Dir immer wieder zu sagen, wie kurz diese intensive Zeit mit ihm ist. Ich musste auch erst das zweite Kind bekommen, um das zu begreifen. Und ich bin jetzt schon manchmal sentimental, wenn ich daran denke, wie ich 3 Stunden mit ihm rumgerannt bin, damit er schläft und er schlief erst genau vor der Haustür ein und ich musste weiterlaufen. Ich weiß noch, dass mir alles weh tat - aber es war auch sooooo schön...

Und wenn der Große jetzt die ganze Klorolle abrollt, während ich den Kleinen bade, und dabei immer Kacka und Popo sagt, dann reiß ich mich am Riemen, lache drüber, denke mir, wie schlau mein kleines Baby (haha) doch schon ist und mache am Ende ein Bild davon für den Papa...
Halt durch, es wird besser. Klar, es gibt auch jetzt immer wieder Phasen, die total nervig sind, aber er schläft inzwischen in der Regel besser, spielt manchmal sogar allein und es macht solchen Spaß, mit ihm zu kommunizieren. Hätte ich nur dies eine Kind, wäre ich wohl inzwischen sehr entspannt. Aber Du siehst, selbst mein anstrengendes Kind hat mich nicht davon abgehalten, noch eines zu bekommen (das übrigens gaaaaaaaanz anders ist!).
Alles Liebe Euch!
"Tanze mit Deinem Baby im Mondschein, wenn es die Nacht zum Tag macht, singe fröhliche Lieder mit Deinen Kindern im Regen, mache Kissenschlachten, matsche mit ihnen im Schlamm und springe in Pfützen, macht ein Picknick UNTERM Tisch - vergiss nie: in 20 Jahren wirst Du sagen, es war die schönste Zeit Deines Lebens!"
von Minchen mit Frühling (2008), Sommer (2009), Herbst (2013) und Winter (2011)