Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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Talgaro
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Gewitterwölkchen hat geschrieben:
und es gibt keine geburt, die nicht schmerzvoll ist.

Das aber propagiert das Buch in der Beschreibung:
...und fordert die gesellschaftliche Anerkennung eines möglichst schmerzfreien Gebärens.
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Gewitterwölkchen hat geschrieben:
uvd hat geschrieben:
Gewitterwölkchen hat geschrieben: Die Schmerzen nach einer Sektio sind ohne weiteres mit einem Minimum an Betäubung erträglich.
und währenddessen?
war es bei mir schmerzfrei, ich hatte für den ks eine pda.
na wenn das mal keine betäubung ist.
Gewitterwölkchen hat geschrieben: und es gibt keine geburt, die nicht schmerzvoll ist.
selbstverständlich gibt es die.
siehe film "orgasmic birth"
siehe "unassisted childbirth" laura kaplan shanley (auszüge hier: http://www.attachment-parenting.de/geburt/wahrheit1.htm)
siehe "mutterwerden ohne schmerz"
Gewitterwölkchen hat geschrieben: idealerweise ist der geburtsverlauf so, dass man mit dem schmerz umgehen kann.
wenn er denn da ist.
idealerweise ist der geburtsverlauf so, daß es gar nicht erst zu einer schmerzwahrnehmung kommt und wenn doch, dann stimme ich deiner aussage zu.

welche voraussetzungen dafür gegeben sein müssen, kann man u.a. hier nachlesen:
Plan der Natur für das Gebären - seite 1
Plan der Natur für das Gebären - seite 2
Plan der Natur für das Gebären - seite 3
Plan der Natur für das Gebären - seite 4
Plan der Natur für das Gebären - seite 5

Gewitterwölkchen hat geschrieben: und den modus muß jede für sich wählen.
*zustimm*
uvd - Doula, Trageberaterin & Vierfachmami (08/06, 06/97, 08/95, 09/89)
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Muschelsucherin
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Muschelsucherin »

Ich möchte auch noch was schreiben.
Den KS als solchen empfand ich als Erlösung. Vergewaltigend (wenn wir bei dem Wort bleiben wollen) oder übergriffig empfand ich alle Maßnahmen, die gemacht wurden bei den versuchen spontan zu gebären.

Ja, ich hatte Schmerzen nach dem KS und war ziemlich fertig. Das lag aber sicher auch an den 2 Tagen mit Wehen davor und an der Tatsache, dass es eben spontan nichts wurde. Ich habe mehrmals gesagt, wenn ich das gleich gewusst hätte, hätten wir sofort den KS gemacht.
Dann wäre ich ausgeruht und frisch operiert worden und hätte nicht zu den Operationsschmerzen noch Muskelkater im gesamten Bauch und den Beinen gehabt.

Mein Sohn war ja recht schwer und auch groß. Sein Kopf war auch nicht grade klein. Er hat sich ja nicht abgesenkt bis zum Schluss und auch unter der Geburt nicht. Ich habe fast 14 Tage übertragen. Zeugungstermin war bekannt. Meine FÄ meinte, eigentlich wäre der KS absehbar gewesen.

Wenn meine jetzige Bauchmaus wieder so groß und schwer wird, lasse ich das alles nicht nochmal über mich ergehen.
Liebe Grüße von B. mit Bär (März 2008), Maus (März 2010) und

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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Baba hat geschrieben: Vergewaltigend (wenn wir bei dem Wort bleiben wollen) oder übergriffig empfand ich alle Maßnahmen, die gemacht wurden bei den versuchen spontan zu gebären.
welche waren denn das, wenn ich vorsichtig fragen darf?
Baba hat geschrieben: Den KS als solchen empfand ich als Erlösung.
das ist oft so, gerade z.b. nach mißglückten einleitungsversuchen, wenn wehentropf und PDA zum einsatz kommen. das ist dann der klassische erschöpfungskaiserschnitt, hervorgerufen durch eingriffe in den natürlichen geburtsablauf. fast immer vermeidbar, wenn a) auf die eingriffe verzichtet wird und/oder b) berücksichtigt wird, daß nicht jedes kind vaginal geboren werden kann. das lässt sich problemlos feststellen, z.b. mit dem sog. "Geburtspool-Test" nach Odent (http://www.dieontogenetischeseite.de/od ... reform.htm).
wird leider fast nie gemacht, stattdessen werden die frauen gequält bis zum erbrechen, um sie dann zu erlösen.

schrecklich finde ich das. und sowas schimpft sich dann geburts"hilfe" :evil:
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Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

Talgaro hat geschrieben:
Gewitterwölkchen hat geschrieben:
und es gibt keine geburt, die nicht schmerzvoll ist.

Das aber propagiert das Buch in der Beschreibung:
...und fordert die gesellschaftliche Anerkennung eines möglichst schmerzfreien Gebärens.
ich meinte damit keine interventionsfreie geburt, die nicht schmerzvoll ist. da darf frau gaskin gern anderes publizieren.
Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

uvd hat geschrieben: na wenn das mal keine betäubung ist.
während des ks gibts klar ne betäubung, was denkst du denn? :lol: aber es ging dir ja ums danach.



und sei mir nicht bös, aber eine schmerzfreie geburt gehört für mich klar ins reich der mythen.
Tiamat

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Tiamat »

Sag mal uvd...

Bietest du auch Trauma-Bewältigung an? :?
Das nächste Kind wird wohl noch ein paar Jahre auf sich warten lassen, aber so langsam mag ich den Sack von Minimaus' Geburt eigentlich nicht mit mir rumschleppen... (mal ganz davon ab das ich ungerne erst in einer erneuten Schwangerschaft das Trauma bearbeiten würde...)

Antwort gerne per PN! ;)
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Muschelsucherin
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Muschelsucherin »

@uvd:
Das ging los mit dem Legen des Gels, wonach schon 2 verschiedene Ärzte "mal schauen" wollten. Dann kam das Gel IN den MM, was sehr schmerzhaft war, mir der Arzt aber zu verstehen gab, dass ich mich nicht so anstellen sollte.
Später haben sie versucht den Eipol zu lösen, der MM wurde versucht mit den Fingern zu weiten, ich bekam Meptid über den Tropf und hab danach nur noch gezittert und gekotzt, ständig wurden die Zugänge an der hand gewechselt, weil sie verstopft waren.
Dann wurde mir eine PDA angedreht, die 2 mal gelegt werden musste, weil die erste nicht wirkte. Zu guter letzt wurde noch Blut vom Kopf meines Babys abgenommen.
Das ganze ging ja 2 tage lang. ich weiß nicht, wie viele Ärzte und Hebamme "mal schauen" wollten. Dabei hatte ich eigentlich eine Beleghebamme, aber die war irgednwie ständig weg.

In der Wanne war ich. Da war´s toll, die Wehen waren da erträglicher. Ich glaube aber die hebamme hatte mich da nur "geparkt". Nach 3 Stunden wollte ich raus, das hätte ich mal lassen sollen. Aber es passierte ja nichts und es war auch keiner bei uns. Ich wäre gern wieder reingegangen, hatte aber das Gefühl, damit die Hebamme zu nerven.
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Muschelsucherin »

Hmmmm, wie ich das mit dem Pool jetzt lese, könnte das bei uns der Fall gewesen sein.
MM war auf 4 bis 5 cm und nach 3 Stunden in der Wanne auch nicht weiter auf. Auch unter der PDA ging er nicht weiter auf.
Mein Sohn saß mit dem Kopf wohl schräg auf dem Beckendurchgang und kam nicht rein. Er hatte auch einen ganz zerdellerten Kopf nach der Geburt.
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Das Muli
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Das Muli »

uvd hat geschrieben: du vermischt da eindeutig allgemeine aussagen und nimmst diese persönlich. das ist nicht ok.
die natur, wenn es sie denn so gibt, hat vorgesehen, daß frauen gebären und hat sie hervorragend dazu ausgestattet, inkl. eigenem schmerzbewältigungsprogramm. es ist NICHT vorgesehen, daß geburten als entsetzlich, schmerzvoll usw. wahrgenommen werden.
wenn man weiß, welche rahmenbedingungen es nun braucht, damit geburt so abläuft wie von der natur geplant, dann sieht man sehr schnell die störanfälligkeit dieses ausgeklügelten systems.
ich habe schlichtweg dargestellt, wie Deine Aussagen - und entsprechende Ähnliche (solche Bemerkungen kommen ja durchaus öfter) - bei mir angekommen sind. Ich denke, es ist durchaus ok, dass ich Dir Feedback gebe, welche Gefühle Dein Posting bei KS-Müttern möglicherweise auslösen kann.

Woher nimmst Du die Sicherheit, dass es nicht "vorgesehen" sei, dass Frauen eine Geburt als Schmerzvoll und dramatisch ansehen? Da schließt Du sehr von dir auf andere. Hier wurden schon viele Erlebnisse geschildert - und jede Frau empfand anders. Kannst Du dir nicht vorstellen, dass DAS eben der Normalszustand ist: Dass jede Frau es anders empfindet? Und nicht alle "wie vorgesehen" funktionieren und schmerz und angstfrei Gebären?
uvd hat geschrieben:das ist vergleichbar wie beim sex. wenn eine frau angst hat, panik, nicht feucht wird, vergewaltigt wird, mit gewalt genommen, dann hat sie entsetzliche schmerzen bei dem vorgang und empfindet es als das grausamste, was ihr jemals widerfahren ist.
eine andere frau, die begehren kennt und mit rücksicht und liebe beischlaf erfährt, empfindet den vorgang des geschlechtsaktes als etwas berauschenedes, wundervolles. etwas, das sie immer wieder wiederholen möchte (selbst wenn sie danach tagelang muskelkater hat oder eventuelle labienrisse :wink: ).
der vorgang ist der gleiche, die empfindung völlig unterschiedlich.
Ich finde den Vergleich: Kaiserschnitt = Vergewaltigung jetzt völlig daneben. Sorry, das passt garnicht. So ein Vergleich ist kränkend für Frauen, die eine Vergewaltigung durchleiden mußten. Und ebenfalls für Frauen, die zufrieden mit ihrem KS waren.
uvd hat geschrieben:was ich nicht verstehe: wieso die erstgenannte frau sich deshalb schuldig fühlt. es ist doch nicht ihre schuld, daß ihr so übel mitgespielt wurde. sie ist doch nicht schuld an ihren gefühlen und an ihrem schmerz.
Ich bin keine Psychologin: und doch gibt es meines Wissens viele Opfer dieses Verbrechens, die sich schuldig fühlen. Und die sich dagegen wehren, als bemitleidetes Opfer dargestellt zu werden. Sind die alle irgendwie "nicht normal" weil sie so empfinden "obwohl sie so ja garnicht empfinden müßten"?
uvd hat geschrieben: man kann gekränkt sein darüber, daß man eine geburt so wie frau 1 erleben musste und nicht so wie frau 1.
wieso man aber gekränkt darüber sein kann, daß jemand sagt, so wie bei frau 2 sollte es immer sein und nicht so wie bei frau 1, das
kann ich beim besten willen nicht verstehen.
ich darf mit fug und recht behaupten, nein, so etwas wie frau 1 möchte ich niemals erleben und ich bedaure all jene, die in so eine situation geraten sind und es nicht so wie frau 2 erleben durften. daß es entsetzlich ist, daß heutzutage bis zu 60% aller frauen geburt so erleben wie frau 1. das finde ich absolut grauenhaft, denn das hat mit selbstbestimmung herzlich wenig zu tun.
Ich glaube, das muß ich nochmal erklären:
Ich bin nicht gekränkt durch die TATSACHE, dass andere schönere, geglücktere, weniger invasive Geburten erleben durften, als ich. Ich gönne es jeder Frau von Herzen und ich gestehe es jeder zu, darauf stolz zu sein, die Geburt gut überstanden zu haben.
Die Kränkung kommt daher, wenn einem gesagt wird (Vorsicht: überspitzt formuliert!!!): "SO wie ich das erlebt habe, SO muss es sein, so hat die Natur das gewollt, das ist NORMAL - nicht so, wie deine Geburt, die kann ja nicht schön gewesen sein, die war ja nicht echt, Du tust mir leid." Jede Frau, auch die mit den "Nicht so Ideal"-Geburten, möchte dieses Erlebnis verarbeiten und irgendwie in den Lebenslauf einarbeiten. Jede findet gerne einen Weg, das geschehene zu akzeptieren und damit zu leben. Wenn man das geschafft hat, dann ist auch eine weniger tolle Geburt Teil des eigenen Ichs geworden - bei mir jedenfalls. Ich habe mich abgefunden, habe es akzeptiert, dass die Kinder eben nicht unten sondern vorne aus mir rauskommen. ich war schon immer überzeugt, gebären zu könne, war total locker und hatte keine Angst vor Wehen oder vor dem Kind-da-rauspressen. Ich hatte eher Panik vor einem KS. Trotzdem ist es so gekommen wie es ist. Ich kann für mich sagen, dass ich WEISS, dass das Kind nicht ohne KS lebend da rausgekommen wäre - auch nicht bei Hausgeburt, noch kuscheligerer Umgebung, 5 Supertollen erfahrenen Hebammen. Wenn nun jemand kommt, der mir sagt: Dein Eindruck ist falsch, da wäre sicher was gegangen, das liegt nur an der miesen KKH Umgebung und der schlechten Betreuung, Du hättest eine Wundervolle tolle erfahrung machen können, hast das aber leider leider verpasst - dann fühle ich mich angegriffen, weil ich es doch für mich schon so akzeptiert habe, weil ich das KKH und diese Umgebung gewählt habe und für gut befunden habe. Bewusst und ohne, dass mich irgendjemand gedrängt, gezwungen oder sonstwas hätte.

Für mich ist Mitleid, Bedauern etwas anderes als Mitgefühl - Mitfühlend finde ich es, wenn jemand mir das Gefühl gibt, meine Empfindungen zu verstehen, die Sache aus meiner Sicht zu betrachten. Mitleid ist tatsächlich etwas, was leicht herablassend wirken kann....

LG Muli
Das Muli mit großem Fohlen (11/04) und kleinem Fohlen (12/07)
...und jaaaa ich weiß dass sich Mulis eigentlich nicht vermehren...aber ich bin nunmal das Tragtier der Familie

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