Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Buchempfehlungen und Buchbesprechungen
Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

uvd hat geschrieben:
LaLeMi hat geschrieben:
Mich stört einfach nur dieser teilweise so absolutistische und herablassende rüberkommende Anspruch.
du findest es absolutistisch und herablassend, wenn mir frauen leid tun, denen gewalt angetan wurde?
wenn ich es bedaure, daß nicht jede eine wundervolle geburt erleben durfte?
wenn ihr unbeschreiblich schöne erfahrungen verwehrt geblieben sind und mit traumatischen erlebnissen ersetzt wurden?
wenn jedes dritte baby herausgeschnitten wird und damit der mutter derart schlimme verletzungen zugefügt werden, daß sie nur mit einem maximum an betäubung überhaupt erträglich werden?
daß ich das bedaure, findest du herablassend?
merkwürdige sichtweise...
Ganz klar ja.

Hattest du eine Sektio? Und warum maßt du dir an, eine Sektio mit einer Vergewaltigung zu vergleichen? :shock:

Die Schmerzen nach einer Sektio sind ohne weiteres mit einem Minimum an Betäubung erträglich.
Benutzeravatar
Iris
Profi-SuTler
Beiträge: 3025
Registriert: 04.05.2006, 22:38

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Iris »

uvd hat geschrieben:wenn jedes dritte baby herausgeschnitten wird und damit der mutter derart schlimme verletzungen zugefügt werden, daß sie nur mit einem maximum an betäubung überhaupt erträglich werden?
Gewitterwölkchen hat geschrieben:Die Schmerzen nach einer Sektio sind ohne weiteres mit einem Minimum an Betäubung erträglich.
Ihr Lieben, ich dachte, das hätten wir geklärt: Schmerzempfinden ist unterschiedlich. Die einen empfinden den KS-Schmerz als unerträglich und fühlen sich geohrfeigt durch Gewitterwölkchens Satz, die anderen versuchen alles, den Geburtsschmerz zu vermeiden.
Ebenso unterschiedlich ist die Art und Weise, wie wir eine Geburt angehen. Jede von uns ist stark geprägt von Vorerfahrungen und -erwartungen geprägt, die auch unser Handeln und Entscheiden beeinflussen. Sich diese bewusst zu machen, ist sicher gut. Aber auch das ist ein individueller Prozess.
Bitte lasst diese Verallgemeinerungen. Wir drehen uns im Kreis.
Iris mit Großer -10/05- und Kleiner -02/08- , erzogen und geimpft
Benutzeravatar
Bettina
Mod a.D.
Beiträge: 11268
Registriert: 29.08.2005, 10:57
Wohnort: Schwerin
Kontaktdaten:

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Bettina »

Iris hat geschrieben:
uvd hat geschrieben:wenn jedes dritte baby herausgeschnitten wird und damit der mutter derart schlimme verletzungen zugefügt werden, daß sie nur mit einem maximum an betäubung überhaupt erträglich werden?
Gewitterwölkchen hat geschrieben:Die Schmerzen nach einer Sektio sind ohne weiteres mit einem Minimum an Betäubung erträglich.
Ihr Lieben, ich dachte, das hätten wir geklärt: Schmerzempfinden ist unterschiedlich. Die einen empfinden den KS-Schmerz als unerträglich und fühlen sich geohrfeigt durch Gewitterwölkchens Satz, die anderen versuchen alles, den Geburtsschmerz zu vermeiden. Bitte lasst diese Verallgemeinerungen. Wir drehen uns im Kreis.
Wobei ich da auch die Verallgemeinerung im Vergleich zwischen Kaiserschnitt und Vergewaltigung miteinbeziehen mag.
Es ist unfair, einen Kaiserschnitt mit einer Vergewaltigung zu vergleichen, denn entweder macht man ersteren freiwillig oder aber es wird das Leben des Kindes und/oder der Mutter damit gerettet. Vergewaltigung dient der Lust des Täters.
Ich kann den Ansatz des Ganzen verstehen, aber mit solchen Vergleichen zieht man so eine Furcht nach sich, das bringt auch nichts. Wenn ich mir vorstelle, dass ich in die Geburt gegangen bin ala 'bloß keinen Kaiserschnitt' und da dann doch schon der Tisch desinfiziert wurde, weil Mara aben falsch lag und ihr Leben auf dem Spiel stand, ich dann in der Geburt geschrien hätte: "NEIN, Keinen Kaiserschnitt!", weil ich das Geburtserlebnis verbessern wollte...
Das ist nicht ok. Man muss auf alles gefasst sein, aber man muss seine ureigenste Entscheidung für sich ALLEINE treffen. Dafür sind Informationen super, aber sie müssen frei von empathischen Emotionen sein.
Klar, ein Buch das "Die Gewalt des Gebärens" heißt, ist dabei auch eine absolut unpassende Informationsquelle.
Liebe Grüße
Bettina mit zwei recht großen Mädchen
Blog
"Und doch fragt mich jeder neue Tag, auf welcher Seite ich steh.
Und ich schaff's einfach nicht, einfach zuzusehen, wie alles den Berg runtergeht.
Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier?
Wie, wenn ohne Liebe? Wer, wenn nicht wir?" [Rio Reiser]
Benutzeravatar
uvd
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 394
Registriert: 22.07.2007, 20:50
Wohnort: Kippenheim

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Gewitterwölkchen hat geschrieben: Die Schmerzen nach einer Sektio sind ohne weiteres mit einem Minimum an Betäubung erträglich.
und währenddessen?

das ideal ist doch eine geburt, die nicht schmerzvoll ist, oder?
ein kaiserschnitt ist IMMER schmerzvoll und absolut lebensbedrohlich, wenn die schmerzausschaltung nicht funktioniert.
sie funktioniert meistens, das ist gut so, dennoch bleibt es eine verletzung bis ins innerste, das kann man sich nicht schönreden.
eine natürliche geburt ist keine lebensbedrohliche verletzung, sondern das gut durchdachte und bestens funktionierende ende der schwangerschaft.

und zu behaupten, es gäbe nur wunschkaiserschnitte und lebensrettende kaiserschnitte ist wahrlich schönfärberisch.
wäre das so, dann hätten zwei drittel aller frauen und kinder vor 10 jahren ihre geburten nicht überlebt. das ist blödsinn.
uvd - Doula, Trageberaterin & Vierfachmami (08/06, 06/97, 08/95, 09/89)
Benutzeravatar
coccolone
Dipl.-SuT
Beiträge: 5304
Registriert: 13.04.2007, 18:12
Wohnort: home is where the ❤ is

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von coccolone »

Aber deswegen muss man doch nicht gleich verallgemeinern und behaupten, dass jeder Kaiserschnitt ein traumatisches Erlebnis ist. Meiner war es naemlich ganz eindeutig nicht. Ganz im Gegenteil.
"You can't start a new chapter in your life, if you keep re-reading the last one."
Benutzeravatar
cher123blau
ist nicht mehr wegzudenken
Beiträge: 1908
Registriert: 16.04.2009, 17:39

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von cher123blau »

cher123blau hat geschrieben:So ich gebe meinen Senf jetzt auch noch dazu, obwohl ich nicht alles gelesen habe ( :oops: sorry) und auch denke das es schon lange nicht mehr "NUR" um das eine Thema geht.

Ich hatte auch beide schmerzen! Ich hatte normale wehen bis hin zu den Presswehen. Sie waren schlimm. Sogar sehr schlimm. Mein Kreislauf war unten und mir ging es alles andere als gut. Ich habe jeden in dem Raum, egal ob meinen Freund, die Hebamme oder die Ärztin, angefleht sie solle mir was geben damit das aufhöre. Obwohl ich ja eigntlich davor immer gesagt habe, das ich nichts nehmen wolle. Aber die schmerzen waren so stark und so schlimm und es schien kein Ende dazusein.

Am Schluss bekam ich einen Kaiserschnitt, weil Tim´s Herztöne aufeinmal wegwaren. Und da es so schnell gehen musste gab es zu der PDA (oder heißt es dann anders) noch eine Spritze damit ich einschlief und die gleich loslegen konnten. So hab ich gar nichts mitbekommen und darüber bin ich SEHR traurig :cry: ! Danach war ich mehr als benommen.

Die Tage danach waren grauenhaft. Ich hatte schmerzen und konnte kaum gehen. Dauernd musste ich mich setzen weil es so weh tat und weil mein Kreislauf immer noch im Keller war. Das ich mein Kind nicht gleich von Anfang wickeln und so konnte, machte mich sehr traurig und auch das rumtragen ging gar nicht. Das alles musste mein Freund die ersten paar Tage übernehmen.

Meine Narbe ist zwar sehr weit unten und man sieht sie nicht, sie tat aber lange weh und ist immer noch SEHR empfindlich. rot und teilweise ganz schön knubblig.

Für mich komme ein Wunschkaiserschnitt NIE in Frage und die nächste Geburt will ich auch wieder normal probieren und ich hoffe das ich dann keinen Kaiserschnitt brauche.
Also ich wollte mit meinem Beitrag bestimmt nichts verallgemeinern, aber für MICH war es schrecklich. Ich bin ein Mensch der mit Schmerzen umgehen kann, ich habe recht oft starke Migräne und das sind auch höllische schmerzen. Aber wenn ich tagelang voll eingeschränkt bin und nicht 100 % das machen kann was ich möchte und vorallem mit meinem Baby, dann ist mir doch auf alle fälle eine normale Geburt lieber. Da kann man im normal Fall "gleich" aufstehen und sein Schatz wickeln usw. Und das konnte ICH nicht. Und deswegen finde ich den Kaiserschnitt nicht so Toll. Ich finde es aber super das es diese Möglichkeit gibt. Denn sonst wäre mein Schatz nicht auf der Welt und ich auch nicht mehr da (hatte ja auch einen Herzstillstand unterm Kaiserschintt (zu viel Stress für uns beide) ) das es dann so eine Möglichkeit gibt, finde ich mehr als gut, und bin auch den Ärzten dankbar! (Obwohl ich noch immer fest davon überzeugt bin, dass wenn man die Geburt nicht eingeleitet hätte, ich nie einen Kaiserschintt gebraucht hätte, aber das ist ein anderes Thema.)

Ich finde es auch, das jeder das selbst entscheiden soll ob er einen möchte oder nicht. Ich nur von meinen Erfahrungen gesprochen und das die schmerzen die ich bei der Gebrut hatte (Wehen und Presswehen) schlimm waren aber alles was nach dem Kaiserschnitt kam für MICH schlimmer war als diese schmerzen.

So denke ICH darüber
"Wenn Mama ihr T-Shirt hochschiebt, werde ich vor Aufregung ganz zappelig, weil ich weiß: Jetzt darf ich an den schönsten Ort der Welt!"
:slürp*

Bild

Bild
Benutzeravatar
Bettina
Mod a.D.
Beiträge: 11268
Registriert: 29.08.2005, 10:57
Wohnort: Schwerin
Kontaktdaten:

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Bettina »

uvd hat geschrieben:und zu behaupten, es gäbe nur wunschkaiserschnitte und lebensrettende kaiserschnitte ist wahrlich schönfärberisch.
wäre das so, dann hätten zwei drittel aller frauen und kinder vor 10 jahren ihre geburten nicht überlebt. das ist blödsinn.
Daher finde ich Infos ja gut, ich meine da die Möglichkeit, sich spektral zu informieren, nicht einfach nur einen Flyer in die Hand gedrückt zu bekommen. Trotzdem finde ich eine Angst vor einem "brutalen Vergewaltigungskaiserschnitt" ungut. Es gibt diese Möglichkeit und auch sie hat ihr Gutes.
Wichtig ist das Stärkung des Bewusstseins der Frau, dass sie es kann, dann man eben heutzutage keine Angst vor der Geburt hat, aus dieser Angst heraus die Schmerzen noch stärker empfindet, als sie ohnehin schon sind. Ich hatte bei meinen Geburten trotz unschöner Verläufe bei ihnen das Gefühl, dass sie mich vorwärts bringen. Sie waren für mich positiv, auch wenn sie wirklich irre waren, in allen Farcetten des Wortes "irre". Ich kann jede Frau verstehen, die das anders sieht. Ich kann auch die "Oma von nebenan" verstehen, die mir sagte, dass sie vor jeder Geburt so unbeschreibliche Angst hatte. Ich hatte Vertrauenspersonen bei mir, die alle MIR vertraut haben, auch in der Situation, in der ich MEIN ureigenstes Vertrauen verloren habe. Das war für MICH das Wichtigste.
Liebe Grüße
Bettina mit zwei recht großen Mädchen
Blog
"Und doch fragt mich jeder neue Tag, auf welcher Seite ich steh.
Und ich schaff's einfach nicht, einfach zuzusehen, wie alles den Berg runtergeht.
Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier?
Wie, wenn ohne Liebe? Wer, wenn nicht wir?" [Rio Reiser]
Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

uvd hat geschrieben:
Gewitterwölkchen hat geschrieben: Die Schmerzen nach einer Sektio sind ohne weiteres mit einem Minimum an Betäubung erträglich.
und währenddessen?
war es bei mir schmerzfrei, ich hatte für den ks eine pda. klar hat man danach schmerzen, aber da ich stillen wollte hab ich max. 4 tabletten ibuprofen am tag in den ersten tagen genommen, nicht wirklich viel wie ich finde. und es ging damit, es tat noch weh war aber auszuhalten.
ich hab eine freundin, bei der wirkte die pda während des ks leider nicht, bei ihr wirkt gar keine pda wie man inzwischen weiß. für sie war das der blanke horror. das ist aber eine ausnahme.


und es gibt keine geburt, die nicht schmerzvoll ist. idealerweise ist der geburtsverlauf so, dass man mit dem schmerz umgehen kann. und den modus muß jede für sich wählen.
Benutzeravatar
Talgaro
Universaldilettantin
Beiträge: 11901
Registriert: 29.11.2006, 00:03

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Talgaro »

Aber LaLeMi und Gewitterwölkchen ihr habt selbstbestimmt und aus eigenem Willen gehandelt und das ist gut und richtig so, warum ich mich in diesem Thread gegen dieses Buch mit der Beschreibung
Talgaro hat geschrieben:
Paßt die natürliche Geburt noch in unser Bild vom selbstbestimmten, zivilisierten Menschen? Isabelle Azoulay gibt eine radikale Antwort auf diese selten gestellte Frage. Sie entlarvt die Verheißung der glücklichen Geburt als trügerisch und fordert die gesellschaftliche Anerkennung eines möglichst schmerzfreien Gebärens.
wehre, ist die Tatsache, dass mir in meiner Entscheidung für eine -in meinem Fall- Geburtshausgeburt ohne Möglichkeit zu künstlicher Schmerzreduktion abgesprochen wird selbstbestimmt und zivilisiert zu sein, dass mein Wunsch nach dieser Geburtsform aus einer Zeit vor 60 Jahren stammt! :shock: DAGEGEN verwahre ich mich mit meinen Argumenten, auf keinen Fall möchte ich die Entscheidung anderer damit herabsetzen. Wie ich zu meiner Entscheidung gekommen bin, kann ich sehr gut nachvollziehen und ich bin aus meiner Familie* da garantiert nicht mit falschen Vorstellungen hingelenkt worden. Auch unterschwellig weise ich das ausdrücklich von mir.


*Familie stammte zum Teil übrigens aus anderen Teilen Europas und einzelne haben unter der thematisierten Zeit sehr gelitten. Auch ein Grund für mich hier mitzudiskutieren und ich bedaure sehr, dass Knäcke aus der Diskussion ausgestiegen ist, weil es mich so keinen Abschluß geben kann. :|
Liebe Grüße von Talgaro & ihren drei Räuberkindern (Juni 2002 - Juli 2006 - März 2010)
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

ich habe Berichte von schmerzfreien Geburten gelesen, u.a. in den BÜchern von Gaskin.....vorstellen konnte ich es mir auch nicht, andererseits klang es "logisch"
Antworten

Zurück zu „Bibliothek“