Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

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Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Gewitterwölkchen hat geschrieben:Die ganze Geburtsgeschichte ist doch komplett subjektiv. Ich denke, fast jede Entscheidung bzgl. des Geburtsortes und der angewendeten Mittel ist ein Produkt aus individuellem Schmerzempfinden und Erfahrungen.
da schreibst Du es doch gerade selber - subjektiv.......

ich selber könnte mir einen Kaiserschnitt NIE als schönes Erlebnis vorstellen.....für mich das Grauen schlechthin
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Gluehsternchen
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gluehsternchen »

Ich finde es nach wie vor schade, das man das Gefühl hat, hier wollen einige nicht wirklich einen gepflegten Ton und Umgang pflegen.

Jede Frau hat ihre eigenen Geburten, für einige schmerzhaft, für andere ein Spaziergang, für andere traumatisch.
KEINE andere Frau kann sagen was besser, schlechter, toller, oder sonst was ist.
NORMAL in dem Sinne finde ich auch eine natürliche Geburt, weil es von der Natur vorgesehen ist.
ABER ich habe auch eine Freundin die aufgrund eines zu langen Steißbeins zwei KS hatte. Sie leidet drunter...sehr.
Sie wäre früher wahrscheinlich gestorben... und sie hätte gern getauscht :(

Jede frau hat geburten die oft mit der eigenen zu tun haben... irgendwie und irgendwo...
auch mit dem eigenen Schmerzempfinden.
Ich hatte eine Saugglockengeburt mit viel Fremdbestimmung, die war die Hölle...
und eine Hausgeburt, die war toll... und trotzdem sind die Schmerzen gigantisch gewesen!
Bei beiden!
Und bei der zweiten intensiver, weil die Erinnerung kam und damit auch die Angst wieder.

So und nun seid lieb, es ist bald Weihnachten und alle Frauen hier haben tolle Kinder bekommen, egal ob mit KS oder zu Hause oder ambulant, im Wald oder sonst wo... alles ist toll udn gut, und war in dem Moment das richtige für die jeweilige Situation und Frau.
Yvi mit Teeny *06/05 und Sandwich *10/08 und kleinem Bär *02/15
Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

Sandküste hat geschrieben:
Gewitterwölkchen hat geschrieben:
Sandküste hat geschrieben: Und bei einer Geburt ist es für mich schon so, dass ich mir sagen kann, Frauen sind dazu fähig, es ist normal.
dann bin ich wohl unfähig und unnormal :roll: :roll: :roll:

DA - Jetzt schn wieder......Warum ziehst Du Dir diesen Schuh an? Warum wird das so interpretiert?
Das hat weder mit Schuhen noch mit interpretation zu tun, ich lese schlicht den Wortlaut.

@Glueh*: was hab ich denn jetzt schon wieder verbrochen? :shock:
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Gluehsternchen
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gluehsternchen »

Hab ich dich angesprochen? ;)

Versucht einfach euch hier nicht immer alle anzugreifen /angegriffen zu fühlen... schaut nach den Menschen hinter den Worten...
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Bettina
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Bettina »

Erstaunlich....
Ich bin ja hier nur gelandet, weil so viel Wind weht, aber jedes ureigenste Geburtserlebnis gehört jedem selbst. Wenn er es teilen mag, ist es gut. Sich selbst aber angesichts der Geburtserlebnisse anderer Menschen degradiert zu fühlen, finde ich sehr merkwürdig. Für mich waren beide Geburten "meins". Es war gut, dass jemand da war, ich habe beide Geburtsorte bewusste so gewählt, dass ich mich frei auf die Geburt konzentieren konnte. Der erste Geburtsort war Sicherheit pur, der zweite hatte mehr Freiheit kombiniert mit einer guten Sicherheit. Für mich ist wichtig, dass ich mit der ersten Geburt Erfahrungen gesammelt habe, die ich bei der zweiten Geburt "besser" machen konnte. Es war grundsätzlich eine Kopfgeschichte, beide Geburten.
Sie liefen nicht bilderbuchmäßig ab, aber diesen Anspruch hatte ich nie und würde ihn, falls das Schicksal gegen meinen Verstand arbeitet, auch nie stellen. Ich wusste, dass eine Geburt mit Schmerzen verbunden ist und ich habe mich für sie entschieden, kann jeden verstehen, der sie sich nehmen lässt, finde aber, dass er hinterher bitte nicht jammern darf, dass er sich das ganz anders vorgestellt hat! Es ist nicht planbar, was natürlich ist und wir sind, trotz all der Technik, die uns mittlerweile zur Verfügung steht, ein Teil der Natur, unberechenbar und nicht vollkommen!
Für mich zählt immer wieder alleine das Ergebnis. Ich habe zwei wunderbare Mädchen bekommen, auf die ich unglaublich stolz bin, die ich unendlcih liebe und die für mich die Garantie für ein unendliches Leben sind. Ich gebe ihnen weiter, was mir wichtig ist und ich weiß, dass der Teil, der für sie bedeutend davon ist, in ihnen weiter lebt und dann an ihre Kinder weiter gegeben wird.
Liebe Grüße
Bettina mit zwei recht großen Mädchen
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LaLeMi
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

"Normal" ist es auch, wenn ganz viele Kinder und Frauen unter der Geburt oder später sterben...
Normal und natürlich ist es auch, in Lehmhütten zu leben o.ä., ohne abschweifen zu wollen; nur mal als Beispiel...

In dem Moment, wo eins "normal" ist, ist etwas anderes "unnormal"

Sandküste, Du schreibst, Du könntest Dir einen KS nie als schönes Erlebnis vorstellen, für Dich das Grauen schlechthin. Manche Frauen können sich vielleicht keine Vaginalgeburt vorstellen? Vielleicht ist es dann auch das "Grauen"? Auch hier würde ja dann das umgekehrt vielfach Gesagte gelten: da kann man es ja auch nicht nachvollziehen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Ich bin sehr ausgeglichen mit meinem KS, ich habe mich vorher gut informiert, die medizinischen Indikationen sprachen eine eindeutige Sprache, und doch, der KS war schön, die Ärzte toll und die Schwestern lieb - und meine Hebi sowieso *g* Ich fühlte mich gut aufgehoben und selbstbestimmt. Das lange hinterher noch aua war, naja, das war halt so.

Im Schriftlichen kann man halt nur auf die Worte "hören", auf was denn auch sonst? Und da mißlingen halt auch manchmal Zwischentöne...

Mit dem "Bedauern" unterschreibe ich bei Gewitterwölkchen.
Nicht umsonst reagieren hier auch -zu Recht- Frauen gekränkt, die aus welchem Grund auch immer nicht stillen konnten auf solches "Bedauern" oder "Stillen ist das Tollste für Mutter und Kind".
Das sind alles Entscheidungen, die ich für MICH treffe.
Ich denke, von dem, was wir meinen, sind die meisten hier nicht soo weit voneinander entfernt, aber einen gemeinsamen Ausdruck zu finden, ist halt schwierig.

Bettina, das hast Du schön geschrieben.
Und ich finde auch das Ergebnis am Allerwichtigsten ;-)
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

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uvd
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

Das Muli hat geschrieben:

Was die Frage angeht, wieso Frauen, die einen KS hatten, sich oft herabgesetzt fühlen, von "stolzen Ohne-Hilfe-Gebärerinnen" :wink: - ich denke, dieses Posting erklärt es fast von selbst:
uvd hat geschrieben: ich kann nicht mehr umhin, frauen zu bedauern, die das so nicht erleben können oder wollen. mir drängt sich nur ein einziger vergleich auf: wer vergewaltigt wurde, der kann man die schönheit der sexualität und des orgasmus nicht erkennen.
kaiserschnitt verhält sich zu natürlicher geburt wie künstliche befruchtung zu erfülltem sexleben.
klar kann man auch so kinder zeugen und zur welt bringen. aber ich bedaure all jene, die nicht wissen, was ein orgasmus ist. ich bedaure all jene, die keine erfüllte sexualität leben können und ich bedaure all jene, die geburt nicht so erleben können, wie sie natürlich und ungestört abläuft: urgewaltig, weiblich, kraftvoll, stärkend, wundervoll, unbeschreiblich, wahnsinnig, anstrengend, atemraubend, gigantisch.

ich weiß, daß jede geburt so sein sollte und alles, was davon abweicht, finde ich mittlerweile traurig und bedauernswert, schade. beraubt um eine essentielle erfahrung, die man in ihrer gänze erst beurteilen kann, wenn man sie gemacht hat.
und nein, eine gut verheilende operation, deren wundschmerzen man mit schmermitteln gut in den griff bekommen kann, ist damit nicht im entferntesten zu vergleichen, auch wenn dabei ebenfalls ein kind zur welt kommt.
Ich hatte 2 KS, ich hätte gerne selbst geboren und ich war auch sicher, dass ich das kann. Ich konnte nicht.
Als ich dieses Posting gelesen habe, hat es mich schon etwas getroffen: Wer "bedauert" wird, bemitleidet wird, der ist einfach NICHT auf selber Stufe. Der hat es eben nicht so toll gepackt. Wer will gerne bemitleidet werden? Es ist kein besonders tolles Gefühl. Wenn man liest, dass "eine Geburt genau SO SEIN MUSS", dann bekommt man das Gefühl, dass das eigene Geburtserlebnis eben nur eine zweite Wahl war, irgendwas hat man falsch gemacht oder aus irgendeinem Grund durfte man nur den Ausschuss haben, nicht das Premiumerlebnis. Das kann einen schon kränken, finde ich.
du vermischt da eindeutig allgemeine aussagen und nimmst diese persönlich. das ist nicht ok.
die natur, wenn es sie denn so gibt, hat vorgesehen, daß frauen gebären und hat sie hervorragend dazu ausgestattet, inkl. eigenem schmerzbewältigungsprogramm. es ist NICHT vorgesehen, daß geburten als entsetzlich, schmerzvoll usw. wahrgenommen werden.
wenn man weiß, welche rahmenbedingungen es nun braucht, damit geburt so abläuft wie von der natur geplant, dann sieht man sehr schnell die störanfälligkeit dieses ausgeklügelten systems.

das ist vergleichbar wie beim sex. wenn eine frau angst hat, panik, nicht feucht wird, vergewaltigt wird, mit gewalt genommen, dann hat sie entsetzliche schmerzen bei dem vorgang und empfindet es als das grausamste, was ihr jemals widerfahren ist.
eine andere frau, die begehren kennt und mit rücksicht und liebe beischlaf erfährt, empfindet den vorgang des geschlechtsaktes als etwas berauschenedes, wundervolles. etwas, das sie immer wieder wiederholen möchte (selbst wenn sie danach tagelang muskelkater hat oder eventuelle labienrisse :wink: ).

der vorgang ist der gleiche, die empfindung völlig unterschiedlich.

was ich nicht verstehe: wieso die erstgenannte frau sich deshalb schuldig fühlt. es ist doch nicht ihre schuld, daß ihr so übel mitgespielt wurde. sie ist doch nicht schuld an ihren gefühlen und an ihrem schmerz.
schuldig sind diejenigen, die dafür sorgen, daß frauen so empfinden. die keine ahnung haben von den rahmenbedingungen. die in natürliche abläufe eingreifen ohne zu wissen, was sie dabei anrichten.

man kann gekränkt sein darüber, daß man eine geburt so wie frau 1 erleben musste und nicht so wie frau 1.
wieso man aber gekränkt darüber sein kann, daß jemand sagt, so wie bei frau 2 sollte es immer sein und nicht so wie bei frau 1, das
kann ich beim besten willen nicht verstehen.
ich darf mit fug und recht behaupten, nein, so etwas wie frau 1 möchte ich niemals erleben und ich bedaure all jene, die in so eine situation geraten sind und es nicht so wie frau 2 erleben durften. daß es entsetzlich ist, daß heutzutage bis zu 60% aller frauen geburt so erleben wie frau 1. das finde ich absolut grauenhaft, denn das hat mit selbstbestimmung herzlich wenig zu tun.
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

LaLeMi hat geschrieben:"Normal" ist es auch, wenn ganz viele Kinder und Frauen unter der Geburt oder später sterben...
nicht viele, sondern alle. wenn nicht jetzt, dann später.

was meinst du denn, wieviele es wären ohne die segnungen der modernen medizin? wieviele "da wären wir aber gestorben" sind echt? wieviele davon verursacht erst durch eingriffe in den natürlichen geburtsablauf?

wieso hat sich denn die sterblichkeitsrate seit der explosion der kaiserschnittraten nicht gesenkt, sondern verkehrt sich langsam wieder ins gegenteil?
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

OK, präzisiere: kurz später, direkt nach der Geburt, in den ersten Tagen/Wochen...

Ich bin weder Arzt noch Hellseher, ich maße mir nicht an, eine Antwort zu geben, was wodurch verursacht ist.
Wie sagt der Empiriker, traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast ;-)

Im Ernst, ich bin ja durchaus auch der Meinung, daß so manche Sectio nicht sein müßte und gerade so manche sekundäre S. (das sind übrigens auch diejenigen, die von den Frauen scheinbar öfter als traumatisch empfunden werden) hätte vermieden werden können, aber wer kann das im Nachhinein?

Mich stört einfach nur dieser teilweise so absolutistische und herablassende rüberkommende Anspruch.
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Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von uvd »

LaLeMi hat geschrieben:
Mich stört einfach nur dieser teilweise so absolutistische und herablassende rüberkommende Anspruch.
du findest es absolutistisch und herablassend, wenn mir frauen leid tun, denen gewalt angetan wurde?
wenn ich es bedaure, daß nicht jede eine wundervolle geburt erleben durfte?
wenn ihr unbeschreiblich schöne erfahrungen verwehrt geblieben sind und mit traumatischen erlebnissen ersetzt wurden?
wenn jedes dritte baby herausgeschnitten wird und damit der mutter derart schlimme verletzungen zugefügt werden, daß sie nur mit einem maximum an betäubung überhaupt erträglich werden?
daß ich das bedaure, findest du herablassend?
merkwürdige sichtweise...
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