Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Buchempfehlungen und Buchbesprechungen
Antworten
Benutzeravatar
LaLeMi
Miss SuTiversum
Beiträge: 13541
Registriert: 18.06.2007, 15:25
Wohnort: Rhein-Main

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von LaLeMi »

Ich schätze, das sind auch Dinge, die sich nicht unbedingt auf rationaler Ebene abspielen.
Lieben Gruß von LaLeMi mit den beiden Maimäusen 2007 und 2010 und dem Septembermäuserich 2013

Bild
Bild
Bild
***ClauWi-Trageberaterin (Grundkurs 2007, Aufbaukurs 2008)***[/i]
Mitglied im TRAGENETZWERK e.V.
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

novembersonne hat geschrieben:
Und grad Deine letzte Frage, darum geht es doch, oder? Ist es Mühsal? Stillen, Gebären, trotzendes Kind? Muss ich das unbedingt ertragen? Oder darf ich mir eben auch Erleichterungen schaffen?
Warum bin ich besser, wenn ich das Mühsal ertrage? Oder besser, wenn ich mir kluge Hilfe hole?

Gibt Azoulay darauf Antworten?

Interesse an einem Buch, was "natürlichkeit" als antisemitisch ansieht, und Hebammen generell als sadistisch und reaktionär ansieht, habe ich nicht.
Ist es denn Mühsaal? Ist das nicht auch oft eine Kopfsache? Für ist Stillen keine Mühsaal - und auch das gebären nicht. Es ist einfach so - nichts, was ich mir durch irgendwelche Dinge "einfach" machen möchte. Mühsal - das hört sich so negativ an. Es ist anstrengend, ja - aber nicht negativ.
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

LaLeMi hat geschrieben:Joo, aber mir war ein bißchen verlorengegangen, ob die Antwort tatsächlich so ausgefallen war *g* Ich meinte zwischendurch gesehen zu haben, daß es jemand gelesen habe, aber hatte es nun nimmer wiedergefunden *g*
ich habe es mal gelesen - aber nicht ganz, weil ich es so furchtbar fand....
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Maja hat geschrieben:Was ich bei solchen Diskussionen im Real Life immer wieder gemerkt habe, ist dass einfach auch die Ängste sehr verschieden sind. Ich hätte ums Verrecken nicht ohne wirkliche Lebensgefahr für mich oder fürs Kind zugelassen, dass mir jemand den Bauch aufschneidet - allein der Gedanke daran bedroht mich so existenziell, wie es die Angst vor Geburtsschmerzen niemals hätte tun können. Das gleiche gilt dafür, dass jemand mit einer spitzen, nicht grad dünnen Nadel in meiner Wirbelsäule rumbohrt - allein der Gedanke daran ist für mich grauenvoller als jeder Schmerz einer Geburt.
Deswegen finden solche "Ist ein KS eine schmerzärmere, angenehmere Geburt"-Diskussionen irgendwie jenseits meines Vorstellungsvermögens statt - aber immerhin kann ich mir so auch vorstellen, dass es Leute geben kann, die allein beim Gedanken daran, ein Kind aktiv aus sich rausquetschen zu müssen, in Panik geraten und jeden anderen Weg für deutlich besser erachten.
genau so geht es mir auch - diese beiden Vorstellungen gehörten zum Schlimmsten....
Und bei einer Geburt ist es für mich schon so, dass ich mir sagen kann, Frauen sind dazu fähig, es ist normal.
honigbienchen
Mod a.D.
Beiträge: 4048
Registriert: 19.10.2005, 16:02
Wohnort: NRW

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von honigbienchen »

Maja hat geschrieben:Was ich bei solchen Diskussionen im Real Life immer wieder gemerkt habe, ist dass einfach auch die Ängste sehr verschieden sind. Ich hätte ums Verrecken nicht ohne wirkliche Lebensgefahr für mich oder fürs Kind zugelassen, dass mir jemand den Bauch aufschneidet - allein der Gedanke daran bedroht mich so existenziell, wie es die Angst vor Geburtsschmerzen niemals hätte tun können. Das gleiche gilt dafür, dass jemand mit einer spitzen, nicht grad dünnen Nadel in meiner Wirbelsäule rumbohrt - allein der Gedanke daran ist für mich grauenvoller als jeder Schmerz einer Geburt.
Deswegen finden solche "Ist ein KS eine schmerzärmere, angenehmere Geburt"-Diskussionen irgendwie jenseits meines Vorstellungsvermögens statt - aber immerhin kann ich mir so auch vorstellen, dass es Leute geben kann, die allein beim Gedanken daran, ein Kind aktiv aus sich rausquetschen zu müssen, in Panik geraten und jeden anderen Weg für deutlich besser erachten.
Das hast du sehr schön geschrieben Maja!!
Mir hat eine Nadel in meinem Rücken auch deutlich mehr Angst gemacht, als die Geburtsschmerzen, was einfach daran liegt, dass ich einen Bandscheibenvorfall habe. Einmal falsch gestochen bzw. bei akuten Schmerzzuständen darf gar keine PDA gemacht werden, dann hab ICH den Salat, mal salopp ausgesprochen.

Aber so ist jede Frau in einer völlig unterschiedlichen Situation. Es ist nicht alles nur schwarz/weiß, da gibts so viel dazwischen.
Und ich finde nicht, dass sich hier irgendwer über jemand anders stellt.

Es gibt da kein Ranking und keine Fleißpunkte und keine Noten was die Geburt angeht, nach dem Motto: "Hast dein Kind wunderbar geboren" oder sogar "naja, das war mal nix" :!:
Ein solches Ranking macht sich manch einer selbst!!! Und da spielt dann mit rein, wie man sich selbst empfindet.
Annette

Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut.
Karl Rahner
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

honigbienchen hat geschrieben: Es gibt da kein Ranking und keine Fleißpunkte und keine Noten was die Geburt angeht, nach dem Motto: "Hast dein Kind wunderbar geboren" oder sogar "naja, das war mal nix" :!:
Ein solches Ranking macht sich manch einer selbst!!! Und da spielt dann mit rein, wie man sich selbst empfindet.
Sehe ich auch so.
Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

Die ganze Geburtsgeschichte ist doch komplett subjektiv. Ich denke, fast jede Entscheidung bzgl. des Geburtsortes und der angewendeten Mittel ist ein Produkt aus individuellem Schmerzempfinden und Erfahrungen.
Ich habe im fernen Bekanntenkreis ein Mädel, welches nicht stillen wollte, da sie mit ihrer Brust nach einer Krebserkrankung den Tod verbindet. Oder eine Frau, die bei der letzten Geburt so massive Geburtsverletzungen mit Blutverlust und allem drum und dran erlitten hat, dass sie nächstes mal wohl nicht den natürlichen Weg gehen wird, vor lauter Panik.

Und ich kanns verstehen, auch wenn ich vielleicht anders entschieden hätte.

Hier wird zuviel versucht, richtiges vom falschen zu trennen, denn es gibt nichts nur richtiges und sehr wenig echt falsches. Wer sich reflektiert für einen Weg wie Wunsch-KS entscheidet trifft doch die hier geforderte selbstbestimmte Entscheidung.

Zum Schmerzempfinden:
ich kann meine beiden Geburten nur partiell vergleichen, nämlich nur die Eröffnung, die interventionsfrei war da im GH oder Zuhause stattgefunden. Und ich konnte die Schmerzen beim ersten mal viel viel besser aushalten, mich besser drauf einlassen weil ich davon überzeugt war, dass sie mich zum Ziel bringen und alles gut wird. Das Ende war dann aber ein anderes. Bei der zweiten Geburt war schon vorher klar, dass ich mir DAS so nicht mehr zumute. Damit war auch das Schmerzempfinden ein ganz anderes. Es ist sehr abhängig von der mentalen Form der Frau; einer Frau sollte man jedoch eine schwache Mentale Form nicht vorwerfen. Es gibt für alles Gründe.

Und jemanden dafür zu bedauern, dass er dies oder das so nicht erlebt hat, finde ich außerordentlich überheblich. Ich finde es wunderbar, wenn es interventionsfrei geht, sonst wäre ich nicht auch den Weg gegangen, und ich kann es jeder Erstgebärenden auch empfehlen. Aber es geht auch anders, und anders ist auch gut.
Und ich kann für uns ebenfalls bestätigen, dass die Nähe zum Baby und das Bonding und Stillen nach der Geburt mit Spinalanästhesie wunderbar und intensiv waren, ebenso das Wochenbett. Nur Zuckerwolken, rosarot!
Nach Bens Geburt und dem KS war ich durch die stundenlangen Geburtsmühen und den Eingriff so geschafft, dass ich ihn in der ersten Zeit gar nicht haben wollte und konnte sondern mein Mann ihn auf die nackte Brust gelegt bekam. Auch das Wochenbett war die Hölle. Und ich weiß von einigen Frauen, die ihre Kinder aufgrund einer sehr traumatischen Geburt erst nicht annehmen konnten.

Es gibt überall pro und contra. Und es sollte jede ihren Weg gehen dürfen, ohne von irgendwelchen selbsternannten Moralaposteln stigmatisiert zu werden.
Gewitterwölkchen

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Gewitterwölkchen »

Sandküste hat geschrieben: Und bei einer Geburt ist es für mich schon so, dass ich mir sagen kann, Frauen sind dazu fähig, es ist normal.
dann bin ich wohl unfähig und unnormal :roll: :roll: :roll:
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Gewitterwölkchen hat geschrieben: Und jemanden dafür zu bedauern, dass er dies oder das so nicht erlebt hat, finde ich außerordentlich überheblich. Ich finde es wunderbar, wenn es interventionsfrei geht, sonst wäre ich nicht auch den Weg gegangen, und ich kann es jeder Erstgebärenden auch empfehlen. Aber es geht auch anders, und anders ist auch gut.
ich bin mir ganz sicher, dass das mal wieder so rüberkam, wie es nciht gemeint war.....
Sie hatte ein tolles Erlebnis - und wünscht das allen anderen Frauen auch, dieses Gefühl, dieses Hochgefühl, dieses wahnsinnige Erlebnis.....dieses "Bedauern" hat doch nichts mit Herabschauen zu tun.....
Lösche Benutzer 1828

Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"

Beitrag von Lösche Benutzer 1828 »

Gewitterwölkchen hat geschrieben:
Sandküste hat geschrieben: Und bei einer Geburt ist es für mich schon so, dass ich mir sagen kann, Frauen sind dazu fähig, es ist normal.
dann bin ich wohl unfähig und unnormal :roll: :roll: :roll:

DA - Jetzt schn wieder......Warum ziehst Du Dir diesen Schuh an? Warum wird das so interpretiert?
Für MICH ist das halt so - logisch, normal, natürlich...klar, auch bei einer natürlichen Geburt kann viel schiefgehen. Aber ich fühlte mich so, für mich war es ein normaler Vorgang - der mich zwar sehr geschmerzt hat, irre anstrengend war (ich lag fast 24 Stunden in heftigen Wehen, sie begannen gleich im 5-Minuten Abstand), aber ich hatte nie Angst, es war ein normaler Vorgang - und ich bin sonst ein sehr ängstlicher Mensch. Ich habe mich nie bedroht gefühlt. Ich habe mir gesagt und es auch geglaubt - Frau kann schwanger werden, also kann ich das Kind auch allein gebären. Ich weiß, dass das nicht immer so zutrifft - nicht ohne Grund sind früher viele Frauen gestorben - aber für mich war das ind en Momenten die Wahrheit.
Antworten

Zurück zu „Bibliothek“