Die Elefantenhaut hab ich recht schnell gekriegt. Als unser Sohn 6 Monate alt war, traf er zum ersten Mal seine Großeltern (meine Eltern), die es sehr befremdlich fanden, dass so ein großes Kind noch immer Muttermilch tränke - und sonst nix. Meine Schwester und ich kamen auch in den 70ern zur Welt und wurden nie gestillt, da man meiner Mutter davon abriet (so waren sie, die 70er!

)
Seitdem habe ich die meisten Kommentare von Menschen aus eben jeder Generation meiner Eltern zu hören bekommen: größtenteilts Eltern von meinen Freunden, aber auch Nachbarn, deren Kinder längst aus dem Haus sind (aber immer noch schön am Wochenende ihre Dreckswäsche von Mutti waschen lassen.... pfft).
Es war mir eine Genugtuung diesen soviel betagteren Menschen ein wenig Weisheit zukommen zu lassen, dass Muttermilch auch nach einem halben Jahr noch saugut fürs Kind ist und mich das in meiner sonstigen Lebensgestaltung nicht zu sehr einschränkt, da ich sehr gut mal ein paar Jahre auf Alkohol und Co verzichten kann. Meist wusste daraufhin niemand mehr was zu sagen - wie denn auch. Wenn du nur dazu stehst und zeigst, dass DU und DEIN KIND sich damit pudelwohl fühlen, kann dir keiner ans Bein pieseln.
Die fiesesten Sprüche übrigens kamen von meinem "neuen" Frauenarzt! Zu Beginn meiner aktuellen Schwangerschaft ging ich zum Gyn um selbige bestätigen zu lassen. Gegen Ende der Untersuchung fragte ich an, wie lange ich denn jetzt wohl den Großen noch stillen könnte (ich hatte die Frage ernst gemeint). Der Mann schaute mich entsetzt an und fragte: "WIE BITTE? Sie stillen noch? Ja, das müssen Sie sofort unterlassen, das ist gar nicht gut für die Schwangerschaft. Und überhaupt, Ihr Sohn ist schon über ein Jahr alt und hängt noch immer an der Brust? Da wird es aber mal höchste Eisenbahn ihm das abzugewöhnen. Das ist nämlich auch ein Stück Erziehung, da muss man halt mal hart durchgreifen..."
Zudem versuchte er mir noch klarzumachen, dass Langzeitstillen mit erhöhter Blaseninkontinenz assoziierbar sei, ein Statement, für das ich bislang keinerlei Evidenz habe ausfindig machen können - mich aber dazu veranlasst hat, den Frauenarzt UMGEHEND zu wechseln und stattdessen meine Stillberaterin zu kontaktieren. Die meinte: "Der Herr Doktor hat null Ahnung. Weitermachen, solange ihr zwei Spaß dran habt uns es dir gut geht!"
Das dickste Fell kriegst du durch die Unterstützung und den Zuspruch derer, die längst mehr verstanden haben als die, die unqualifizierten stillfeindlichen Mist vor sich hinlabern...