Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Fragen und Antworten rund um das Thema Stillen

Moderatoren: Anjamaria01, klecksauge, SchneFiMa, Mondenkind

monsterchenbaby
gehört zum Inventar
Beiträge: 542
Registriert: 01.08.2009, 16:49
Wohnort: Kreis WAF

Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von monsterchenbaby »

Hallo,
dies ist mein erster Beitrag im Stillforum.

Meine Tochter ist nun 15 Monate alt und wird abends, nachts 1-2 mal und morgens gestillt. Gelegentlich auch noch tagsüber, wenn sie zahnt oder total übermüdet nicht in den Mittagsschlaf kommt, oder es einfach so möchte. Sie nimmt von Anfang an keinen Schnuller, ausser zum damit Spielen und dann kann es auch mal vorkommen, dass sie einfach ein Nuckel-Bedürfniss (und keinen Hunger) hat. Ich finde das nicht schlimm. Andere Kinder nehmen dann den Schnuller oder den Daumen, sie halt lieber Mama.

Meiner Tochter (das nehme ich zumindest an ;-) ) und mir geht es damit ganz gut, auch wenn ich mal gerne wieder eine Nacht durchschlafen würde :D Aber das ist ein anderes Thema.

Leider ist mein Mann (sowie Teile meiner und seiner Familie und einige Freunde und Bekannte- "wie, Du stillst immer noch?" ist irgendwie ihr Standard-Satz) total dagegen, und möchte gerne, dass ich "endlich" abstille. Er meint, ich wäre egoistisch (gebe ich ja auch teilweise zu, für mich bedeutet Abstillen der nächste Schritt in Richtung "kein-Baby-mehr", deshalb warte ich, dass sie sich irgendwann selbst abstillt) und es wäre nicht gut für unsere Tochter. O-Ton: "Willste dann in der grossen Pause auch noch zur Schule fahren, und sie Stillen." Seine Oma fing schon nach 4 Monaten an, ob ich denn meine, ich hätte noch genug Milch, und ob ich nicht mal dem Kind was richtiges zu essen geben wolle. :roll:

Dazu kommt ja auch noch, dass sie im Beistellbett schläft, was für mich den klaren Vorteil birgt, dass ich nachts nicht quer durch die Wohnung zu einem schreienden Kind muss. Und ich finde es einfach schön. Wenn sie nachts aufwacht, kriecht sie zu mir ins Bett rüber, und "bedient" sich mehr oder weniger selbst :lol: und kriecht dann entweder zurück ins Beistellbett oder bleibt mit im Bett. "Das arme Kind muss doch in seinem eigenen Bett im eigenen Zimmer schlafen. Dann schläft es auch durch."

Wie mache ich nun meinem Mann und allen anderen Zweiflern klar, dass meine Tochter keinen Psychischen Schaden davonträgt, wenn ich sie weiterhin stille, solange sie das will und sie weiterhin im Beistellbett schläft. Gibt es irgendwo einen Artikel oder so, dass Langzeitstillen und Familienbett nur Vorteile hat?

Mir fällt auch leider kein passender Spruch ein, den ich den Schlecht-Rednern an den Kopf werfen kann. Bisher habe ich immer nichts gesagt, und innerlich ist mir die Galle übergelaufen. Ich will mich nicht rechtfertigen müssen, warum ich das Stillen und Schlafen so handhabe. Für mich fühlt es sich richtig an, und meine Tochter macht nicht den Eindruck, als würde es ihr nicht gefallen oder in irgendeiner Form schaden. Im Gegenteil, ich finde, sie ist aufgeweckter und weniger Mama-fixiert als manch anderes Kind. Sie kann sich z. B. meistens auch gut mit sich selbst beschäftigen (liest oder spielt auf dem Fussboden, während ich meinen Haushalt mache), ist eigentlich noch nicht krank gewesen, ausser mal ner Schnoddernase, nem wunden Po beim Zahnen oder Fieber (Zahnen oder Impfung).

Sorry für den Roman, aber ich ärgere mich gerade über meinen Mann, der gestern abend bei Freunden, wieder seinen Senf dazu abgeben musste. :twisted:
LG Monsterchenbaby mit großem Monsterchen 06/08, kleinen Monsterchen 12/13 und Mini-Milchmonster 01/19 an der Hand, und zwei Sternchen 05/07 und 01/13 und großem Stern 02/74 im Herzen.
Benutzeravatar
Zierbanane
SuT-Legende
Beiträge: 8587
Registriert: 21.03.2008, 11:18
Kontaktdaten:

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von Zierbanane »

Also erstmal gibts ja die Empfehlungen der WHO. Bitte "wühl" da doch mal im Forum. Da stehts auch. Und ansonsten im Netz. Dies zu den Fakten, die man immer gut anbringen kann.

Und 2. mußt Du Dich doch gar nicht rechtfertigen?! Ich würde das dann auch sagen: "Eure Meinung interessiert mich in dieser Beziehung gar nicht!" Außerdem würde ich mir vehement jeglichen Kommentar verbitten. Also ich für meinen Teil sehe gar nicht ein mich irgendwie rechtfertigen zu müssen.

Und Deinen Mann würde ich fragen, was konkret ihn am LZS stört und versuchen solche Ängste abzubauen.

Liebe Grüße!

PS: Gestern teilte ich meiner Schwiemu mit, dass wir nun nachts nicht mehr stillen. Sie so: "Ja, sie ist ja auch nun wirklich alt genug!" :lol: Da steh ich mittlerweile so sehr drüber.
Benutzeravatar
AmysMom
Profi-SuTler
Beiträge: 3040
Registriert: 06.01.2009, 20:15
Wohnort: Hürth

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von AmysMom »

Hallo!

Es tut mir sehr leid, dass dein Mann nicht hinter dir steht. Ich finde, die Väter sind enorm wichtig in der Stillbeziehung.
Ich würde auch versuchen, ihn mit den Fakten zu überzeugen. D. h. WHO-Empfehlung, gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind, etc. Versuche herauszufinden, was konkret ihn stört. Vielleicht ist es ja tatsächlich nur das Gerede der anderen oder vielleicht einfach, weil es so ungewöhnlich in eurer Umgebung ist? Du kannst ihn ja auch fragen, ob er das Gefühl hat, eure Tochter sie irgendwie unausgeglichen oder emotional gestört...?

Bei allen anderen Verwandten und Bekannten würde ich auch einfach ganz höflich darauf hinweisen, dass sie da überhaupt kein Mitspracherecht haben. So nach dem Motto: "Danke für deinen Hinweis. Du weist, ich habe da eine andere Meinung und ich werde weiter so machen wie bisher." Und ich würde wirklich keinerlei Diskussionen zulassen, weil das tatsächlich niemanden etwas angeht.

Ich hoffe, du bekommst deinen Mann auf deine Seite gezogen!

Liebe Grüße
Franzi
Liebe Grüße
F.

mit SchnubbelSchnu (08/2008), WuselPusel (04/2011) und WuschelPuschel 08/2014

ClauWi GK 03/2012, MK 03/2013, AK 11/2014
kabafreak

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von kabafreak »

liest er denn? dann wäre "wir stillen noch" vielleicht etwas für ihn?
Benutzeravatar
Hauptstadtkind
alter SuT-Hase
Beiträge: 2790
Registriert: 30.08.2007, 17:18

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von Hauptstadtkind »

Schick ihn doch mal her mit seiner Meinung! :mrgreen:
mit Großkind (7) und Kleinkind (3)

Es kommt nicht darauf an, wo jemand steht. Wichtiger ist, in welche Richtung er blickt. (Terry Pratchett)
Benutzeravatar
rhapsody
alter SuT-Hase
Beiträge: 2450
Registriert: 17.12.2008, 19:40
Wohnort: Ba-Wü

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von rhapsody »

Ich kann Dich so gut verstehen- bei uns ist der 'Gegenwind' zwar nicht ganz so hart, aber mein Sohn ist auch noch jünger. Bislang hatte ich das 'Glück', dass er einfach nicht essen möchte, erst seit Kurzem probiert er vom Familientisch, wobei er aber nur Minimengen isst- also ist das Stillen noch akzeptiert. Wenngleich meine Schwiegermama immer wieder seufzend erklärt, wie einfach es doch bei ihrer anderen Enkeltochter war, die die Flasche bekommen hat- 'da wusste man immer, wieviel V. jeweils gegessen hat' :twisted: .
Was das Stillen und Schlafen im Familienbett angeht, bleibe ich hart und werde auch hart bleiben, notfalls auch meinem Mann gegenüber. Mein Sohn signalisiert ganz klar, dass ihm das gut tut, dass er dass so möchte. Jeder Versuch, ihn zumindest in sein Beistellbett zu quartieren endete bisher damit, dass er sich noch näher an mich ankuschelt.
Von daher kann ich mich den Vorschreiberinnen nur anschliessen: Lass gar keine Diskussion mit der Familie aufkommen. Frage Deinen Mann, was ihn genau stört. Und mach auch ihm notfalls klar, dass DU das so möchtest, in diesen Dingen auch nicht bereit bist zu diskutieren.
Was auch immer ganz gut hilft, gegen sp unqualifizierten Bemerkungen wie 'Willst Du noch auf dem Schulhof stillen?' :roll: - dann zu antworten, dass Du nicht glaubst, dass Deine Tochter mit 18 noch Mumi trinkt oder dass sie wohl spätestens dann ins eigene Bett zieht, wenn sie mal einen Freund hat....

Ansonsten hat der Mensch zwei Ohren, damit solche Sachen zum einen rein, zum anderen raus gehen :wink: - auch wenns manchmal schwer fällt (mir zumindest).
Rhapsody mit Koboldsohn 10/2008, Koboldtochter 06/2011 und Babykobold 02/2014
Trageberatung in Stuttgart (Clauwi GK)

Wenn Kinder mit einer Bitte kommen, wollen sie immer zwei Dinge gleichzeitig: Das Eis und Kontakt. Sie kommen gut ohne das Eis aus, aber nicht ohne Kontakt." Jesper Juul
krikri
schreibt ganz schön oft
Beiträge: 131
Registriert: 06.01.2008, 00:44
Wohnort: BaWü

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von krikri »

Ich würde das "Problem" auch zweiteilen. Erstens, versorge Deinen Mann dringend! (und Dich vielleicht auch, falls Du mal Argumente brauchst) mit den nötigen Informationen.
Ich finde es wichtig, dass er hinter Dir steht, denn sonst kann der Konflikt auf Dauer eurer Beziehung nur schaden.
Er sollte die richtigen Bücher lesen, die Du ihm auf den Nachttisch legst :D
Was das ganze Thema Nähe, Tragen, Schlafen, Körperkontakt, Stillen etc. angeht, fand ich von Jean Liedloff "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" lesenswert. Ich hatte das lange vor meinem ersten Kind gelesen und für mich war es immer klar, dass mein Kind getragen werden würde und mit mir in einem Bett schlafen, wenn ich mal eins haben sollte.
(Kind, nicht Bett)
Mit meinen eigenen Erfahrungen als Mutter zweifle ich zwar manchmal daran, dass ich Liedloff alles 100% glauben sollte, aber das Buch fand ich auf jeden Fall lesenswert. Und seinen eigenen Kopf sollte man ja sowieso nicht abschalten, nur weil man irgendwas gedrucktes liest. :D
Dem Rest der Familie kannst Du ganz anders begegnen, wenn Dein Mann deine Position unterstützt.
Manchmal reicht vielleicht schon die kleine Bemerkung, dass die Stilldauer mit dem Bildungsstand der Mutter steigt :lol:

Mich ärgerten die Einmischversuche und Statements meiner Schwiemu auch immer, aber ich hatte es leichter damit als Du, weil mein Mann meine Einstellung teilte. (Solange er nicht die Nächte mit uns verbringen muss :lol: )
Ich drück die Daumen, dass Du bald einen gut informierten "Stillberater" an deiner Seite hast.

Liebe Grüsse, krikri
vroni
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 353
Registriert: 08.07.2006, 20:08
Wohnort: Mittelfranken

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von vroni »

Ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an, dummen Gerede bei Bekannten und Verwandten kann man ganz anders begegnen, als unqualifierte Äußerungen, die Dein Mann zum Stillen macht.

Auf der einen Seite stehen die Sachinformationen, die er in jedem Fall kennen sollte - allein dadurch kann er das Langzeitstillen vielleicht schon akzeptieren. Denn vieles an Ablehnung basiert auf Unkenntnis und ein intelligenter Mensch wird sich neuen Informationen nicht verschließen.
Ich habe auf die Schnelle ein paar Informationen zum (längeren) Stillen zusammengetragen, die teilweise bei den Rabeneltern und auch bei uebersstillen.org veröffentlicht sind:

neueste Forschungsergebnisse
Muttermilch

Längeres Stillen

Vorteile für Kleinkinder
weitere Vorteile
Vorteile für die Frau beim natürlichen Abstillen

Ein anderer Aspekt ist aber die emotionale Seite Deines Mannes, die auch zu seiner ablehnenden Haltung beiträgt.
  • - Möglicherweise ist er eifersüchtig auf das Stillen, weil er die damit bedingte Nähe neidet?
    - Vielleicht ist er der Meinung, seine Bindung zum Kind würde besser werden, wenn es nicht mehr gestillt würde? (Das das ein - Trugschluß ist, brauche ich hier ja nicht zu erwähnen)
    - Vielleicht meint er, dass er in der Paarbeziehung zu kurz kommt?
Es gibt auf dieser Ebene sicherlich einigen Klärungsbedarf - und viele Frauen machen die Erfahrung, dass es hilfreich ist, sich darüber mit dem Partner auszutauschen, um ihn für das LZS zu gewinnen.
Liebe Grüße
vroni mit Augenstern (*10/02) und Goldkrümel (*10/06)
vroni
möchten wir nicht mehr missen
Beiträge: 353
Registriert: 08.07.2006, 20:08
Wohnort: Mittelfranken

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von vroni »

... und zum Co-Sleeping:
in fast allen anderen Teilen der Welt ist es selbstverständlich, dass die Kinder mit den Eltern oder Großeltern schlafen. Und um nicht nur auf sog. "Naturvölker zu verweisen: auch in Japan, das ja eher eine hochtechnisierte Gesellschaft ist, ist das Familienbett gängier Usus (und auch das lange Stillen).

Wer sich negativ zum Familienbett äußert und fordert, dass Kinder "gefälligst im eigenen Bett zu schlafen haben" sollte sich an seine eigene Nase fassen: schlafen denn Erwachsene allein? Es ist doch so, dass die meisten Ehepartner ein gemeinsames Bett haben - sie schlafen meistens eben ungern allein... und messen aber mit zweierlei Maß.

Und noch ein Literaturtip zum Attachment Parenting:
"In Liebe wachsen" von Carlos Gonzales - das ist sehr gut lesbar und in kleinere Abschnitte - eben zu den jeweiligen Themen - unterteilt und führt die Haltung der groben Masse mit ihrem distanzierten Erziehungsstil ad absurdum.

und hier findet sich eine Zusammenfassung zum liebevollen und zugewandten Betreuungsstil.
Ausührlicher Infos finden sich auf der HP zum Attachment Parenting:
Einführung
und weiteres dazu.

Viele Frauen können gut informiert eine große Selbstsicherheit ausstrahlen und werden dadurch weniger angreifbar.
Das kann ich immer wieder aus eigener Erfahrung bestätigen:
Ich warte z.B. immer noch darauf kritisch angesprochen zu werden, wenn ich meinen Goldkrümel unterwegs stille - aber das bleibt aus und war auch bei meiner Großen schon so (ich bekommen nur positive Reaktionen); ich würde gern mal einen Vortrag über die Aspekte des LZS halten.
Und meine Familien äußern sich auch nicht mehr (mit denen habe ich immer wieder diskutiert und nun haben sie es aufgegeben :mrgreen: ).
Liebe Grüße
vroni mit Augenstern (*10/02) und Goldkrümel (*10/06)
Benutzeravatar
Sisi666
hat viel zu erzählen
Beiträge: 196
Registriert: 12.07.2009, 13:38
Wohnort: München

Re: Langzeitstillen - wie erkläre ich es meinem Mann

Beitrag von Sisi666 »

Ich hatte ja einen schwierigen Stillstart und da hat mir alle Welt zum Zufüttern geraten, mein Mann auch immer wieder. Ich habe dann schon eine Packung Pre gekauft (die immer noch ungeöffnet hier rumsteht) und als mein Mann gesehen hat, WAS DIE KOSTET, hat er mir nie wieder zum Zufüttern geraten :mrgreen: . Versuch es doch mal so!
Bild
Ich blogge jetzt auch: www.moppimei.blogspot.com
Antworten

Zurück zu „Stillforum“