Angora, es tut mir so leid, daß Dich da gar niemand unterstützen kann in der Nacht

Ich wünsche Dir sehr, daß auch bei euch bald ruhigere Nächte einkehren.
Cocotte, ich möchte gerne noch etwas sagen wegen Hauruck-Aktion. Auf den ersten Blick ist es das wohl - von einer Nacht auf die andere nicht mehr zu Stillen. Von "nach Bedarf Stillen" hin zu "einfach nicht". Ist es aber eigentlich nicht.
Ich habe ein wenig über die Stillbeziehung mit meiner Tochter nachgedacht und habe festgestellt, daß wir bereits vor einem halben Jahr mit dem nächtlichen Abstillen angefangen haben. Wir haben das Stillen reduziert, indem mein Mann wenn ich nicht mehr konnte/wollte mit der Kleinen rausging.
Das war ursrpünglich als Überganslösung gedacht, mit dem Hintergedanken, daß die Kleine sich daran gewöhnt, nicht mehr ganz so oft gestillt zu werden und sich mit weniger zufriedengibt. Sie wurde auch nicht mehr so oft gestillt, aber gewöhnt hat sie sich daran in all den Monaten nicht. Wenn mein Mann rausging, beruhigte sie sich schnell, weil ihr klar war, daß es bei ihm nichts zu holen gibt. In meiner Anwesenheit nicht gestillt werden - das ging für sie gar nicht, auch wenn ich es mit Streicheln, Singen und Halten versuchte. Sie schrie jedesmal und brüllte und tobte, bis ich schließlich trotz extremer Erschöpfung, wunder Brustwarzen und Aggressionen gegen sie schließlich doch die Brust auspackte und so den (ha

!) einfacheren Weg wählte.
Wir haben es auch eine Weile mit fixen Stillzeiten versucht, aber wenn sie dazwischen aufwachte und nichts bekam war es wieder das alte Spiel. Entweder sie brüllte solange, bis sie doch noch nuckeln konnte, oder mein Mann ging mit ihr raus. Nachvollziehbar war das aber für sie alles nicht.
Die Übergangslösung wurde bei uns zum Dauerproblem, nämlich unruhige Nächte mit viel Aufwachen, Schreien, Dauernuckeln und schließlich dem Auswandern das halben Familie aus dem Familienbett. Und das jede Nacht, seit über einem halben Jahr. Es war für alle Beteiligten ein untragbar gewordener Zustand.
Stillen nachts nur reduzieren ging also nicht bei uns. Die einzige Alternative war das komplette nächtliche Abstillen, liebevoll, aber dennoch absolut determiniert, bis sie den Neuzustand verstanden und akzeptiert hat. Dieser Schritt mag abrupt erscheinen, aber er war eigentlich nur der letzte Schritt auf einer Reise, die schon vor Monaten begonnen hat.
Und ich bin froh, so unsagbar froh, denn bei uns hat es gut funktioniert. Es ist so ein gewaltiger Unterschied zu vorher, endlich kann ich sie auch ohne Brust beruhigen und endlich schläft die Familie wieder zusammen, und ich komme zu deutlich mehr Schlaf. Sie ist noch weit entfernt vom legendären Durchschlafen, aber das war ohnehin nie mein Anspruch. Einfach nur etwas weniger oft geweckt werden, aber vor allem dann nicht ewig wachgehalten werden durch das Nuckeln. Das haben wir jetzt endlich geschafft.
Es mag doof klingen, aber es ist auch schön für mich, wenn sie nachts aufwacht, und sich nach kurzem Jammern beruhigt, wenn sie meinen Körper und meinen Atem fühlt. Ich fühle mich jetzt wieder mehr als Mama, als ganzer Mensch, nicht mehr ausschließlich als Brust, und das finde ich nun mal sehr schön.