Kann man Essstörungen antrainieren?

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jusl
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Re: Kann man Essstörungen antrainieren?

Beitrag von jusl »

Stillen nach Bedarf wird nachwievor ohne Einschränkung empfohlen. Mir ist keine Studie bekannt, in der ein Zusammenhang zwischen uneingeschränktem Stillen und späterer Neigung zu Essstörungen nachgewiesen worde wäre (allerdings gilt als sicher, dass nach Bedarf gestillte Kinder später ein viel geringeres Risiko für Essstörungen haben).

Die Theorie "Troststillen =Trostschokolade" ist nicht plausibel, denn beim Troststillen geht es um die Befriedigung originaler(!) Bedürfnisse: Stillen ist MEHR als nur die Verabreichung von Milch. Stillen dient dem Aufbau von Bindung und Kommunikation zwischen Mutter und Kind, baut Spannung ab (was das kleine Kind NICHT selbst kann!) und ist für gestillte Kleinkinder ein sicherer Hafen in einer aufregenden, verwirrenden Welt. Im Mittelpunkt steht hier der Kontakt zwischen Menschen.

Trostschokolade hingegen befriedigt als Ersatz(!) für etwas anderes: Essen kann dazu missbraucht werden, Müdigkeit, Einsamkeit, Frust, Trauer, Langeweile oder Aufregung zu betäuben. Das ursprüngliche Bedürfnis ist also etwas anderes (Schlaf, Trost, Zuwendung, eine Umarmung, sinnvolle Beschäftigung usw.). Merkmal ist hier der Kontakt zu Dingen, nicht zu Menschen.

Die Ausgangsfrage "Kann man Essstörungen antrainieren?" kann man also durchaus mit "Ja" beantworten (etwa durch ständiges Ignorieren von Hunger- und Sättigungsgefühl, oder durch Verwehren von menschlicher Zuwendung) - aber uneingeschränktes Stillen ist sicher kein Risikofaktor dafür.

LG;
Julia
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Sterngucker
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Re: Kann man Essstörungen antrainieren?

Beitrag von Sterngucker »

Ich freue mich über euren reichen Beiträge. Ich finde immer wenn viele einer Meinung sind, wird schon was dran sein.
Ich habe für mich acuh gemerkt, das es voll in Ordnung ist wenn ich ihn trinken und nuckeln lasse wie er möchte. Nach Bedarf stillen tu ich schon von Anfang an..ich wüßte gar nicht wie es anders gehen soll mein Gedanke war eben nur das reine Troststillen und ob ich ihm damit antrainiere seine Gefühle nicht zuzulassen. Das kann man pauschal aber warschienlich nicht sagen. Manchmal ist es wohl dran das er weinen darf und ich ihm nur zuhören kann und manchmal das er nuckeln und Troststillen bekommt. Für mich ist dieses Thema gerade mehr und mehr Anlass feinfühlig auf ihn zu hören ihn wahrzunehmen und zu spühren was er braucht...acuh wenn ich mir nicht immer sicher bin :wink: ob ich richtig liege.

Liebe Grüße
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