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Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 12:10
von xknäckebrotx
Die Gewalt des Gebärens. Streitschrift wider den Mythos der glücklichen Geburt. List, München 1998 (vergriffen)
Kennt das jemand ganz zufälligerweise, hat es jemand gelesen? Oder vielleicht sogar zuhause und würde es verleihen(was ich ja kaum zu hoffen wage)?
Im Werk der Autorin geht es um Schmerz, "Schmerzreligion" und die These, dass das "Aushalten von Schmerz" was mit der Unterdrückung von lustvollen sexuellen Schmerzphantasieen zu tun hat - wobei ich nicht beurteilen kann, was ich nicht gelesen habe
Ist ein Kaiserschnitt eigentlich - summa summarum und ganz ehrlich ohne Glorifizierung - weniger schmerzhaft, als eine Geburt? Wobei das wahrscheinlich kaum objektiv einschätzbar ist...
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 12:35
von Lösche Benutzer 1828
ich hatte das mal bzw. müßte mal schaue, ob ich es noch habe....
ich fand es ganz, ganz schlimm - Glorifizierung der schmerzfreien Geburt, bitte mit ordenltich Schmerzmittel und ja, warum keinen Kaiserschnitt, geht ja schneller.....die armen Frauen, die Schmerzen unter der Geburt erleiden müssen.....
ich wühl mal in meiner Tauschticket-Kiste......
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 12:36
von Lösche Benutzer 1828
schon gesehen- doch leider schon vertauscht.......
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 12:37
von Lösche Benutzer 1828
(ist bei Tauschticket aber dreimal vorhanden....)
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 12:43
von Talgaro
Das Buch kenne ich nicht. Aber ich schreib mal trotzdem was zu deiner Frage:
Ich hatte keinen Kaiserschnitt, aber eine ähnlich große Narbe am Bauch durch eine Blinddarmnot-OP (nix mit schonend und kleiner Narbe) und ich habe sehr gelitten in den Tagen nach der OP und mich ordentlich mit Schmerzmitteln zugedröhnt, auch mein Sprunggelenksbruch und meinen zermatschten Zeh (naja eigentlich nur das Nagelbrett aber es tat weh, als sei es der ganze) fand ich viel viel schlimmer, als die Geburten, da war ich irgendwie nicht ganz da (ich weiß das auch sehr zu schätzen). Aber trotzdem waren da natürlich Schmerzen - das besondere fand ich ja, dass sie dann abrubt mit der Geburt zu Ende waren. Ich weiß noch heute, wie verblüfft ich darüber war, wie ein umgelegter Schalter, dass ist ja bei Wundschmerzen ganz anders.
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 12:47
von Lösche Benutzer 1828
ein Kaiserschnitt ist ein unnatürlicher Eingriff - ich hatt nie einen, nur drei GEburten ohne jegliche Schmerzmittel
hinterher war alles vorbei- Kind da, glücklich, alle Schmerzen vergessen - ich kann mir nicht vorstellen, dass das nach einem Schnitt durch Bauchdecke und Gebärmutter auch so ist - und allein die ganze Hormonausschüttung unter der GEburt fällt weg, da ist vorher Angst, Unsicherheit, das Gefühl des Ausgliefertseins (so stelle ich mir das vor - ich habe eine Riesenangst vor einem Kaiserschnitt). Eine Freundin von mir hat ihre Kinder per Kaiserschnitt bekommen, das erste Kind haben wir beide am gleichen Tag bekommen. Während ich fit war, herumlief und mir nichts fehlte (außer der Dammnaht) war sie echt nicht mobil und hatte ziemliche Schmerzen.
Für mich ist Kaiserschnitte eine Methode, Mutter und Kind im Notfall zu retten bzw. einige Geburten überhaupt zu ermöglichen - aber sicher keine Wahlmöglichkeit.
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 13:02
von xknäckebrotx
Oh schade, wo muss ich mich da anmelden, um das leihen zu können?
Wahrscheinlich müsste man aber auch dieses "Schmerz. Die Entzauberung eines Mythos" lesen, um die soziologische Herangehensweise wirklich zu verstehen.
In der Jungle World ist gerade ein Artikel über sie und es hat mich sehr erinnert an ein Gespräch mit einer Kommilitonin, die sich wirklich komplett reflektiert für einen Kaiserschnitt entschieden und mir ihre Gründe dafür ganz sachlich dargelegt hat - inklusive der Risiken, mit denen sie besser leben konnte. Dass sie danach eventuell Schmerzen haben würde, war ihr vollkommen klar und das war mit ihrem Mann bzw. ihren pflegenden Familienmitgliedern besprochen. Für sie war letzteres die annehmbarere Variante, auf den Geburtsvorgang wollte sie sich nicht einlassen, hat ihre Ängste dazu bekannt und sich für die andere Version entschieden.
Ich konnte das zwar auch nicht nachvollziehen, aber es hat mich doch verblüfft, dass jemand ohne Beeinflussung von Krankenhaus-Maschinerie und nach der Information über Pro und Contra, nach der Lektüre der einschlägigen Bücher zum Thema und nach Gesprächen mit Frauen ganz selbstbewusst diese Entscheidung trifft. Und ich finde, die Frage ist schon interessant: Warum wird denn umgekehrt die "natürliche Geburt" ohne Schmerzmittel und Intervention so glorifiziert, dass jede, deren Geburt anders verläuft, sich schon mal die Frage stellen könnte, warum sie es eigentlich nicht so gut hinbekommen hat.
Ich persönlich hätte mehr Angst davor, nach einem Kaiserschnitt irre Schmerzen zu haben, aber ich bin auch in meinem Leben noch nie operiert worden und kann das einfach gar nicht einschätzen, bzw. meine Ängste davor waren ungefähr genau so groß und unbestimmt, wie die vor der Geburt, den Wehen etc.
Also ich finde die Frage nach dem Schmerz schon interessant, warum der Schmerz unter der Geburt so positiv besetzt ist und Frauen, die das gerne vermeiden möchten, von den Befürwortern der "natürlichen" Geburt mitunter so geächtet werden bis zur Strafe, dass sie damit die Mutter-Kind-Beziehung aufs Spiel setzen. Bzw. woher der Stolz kommt "Ich habe es ohne Schmerzmittel etc. geschafft" - warum ist das eine Sache, auf die Frau dann so stolz ist?
Letztendlich ist ja "natürlich" oder nicht auch immer noch eine Ermessenssache, wenn Frau sich dafür entscheiden kann, in einem geheizten Haus zu leben und mit dem Auto oder der U-Bahn zu fahren, im Supermarkt einzukaufen, Schokolade zu essen und abends fernzusehen, warum soll sie dann nicht auch entscheiden dürfen, wie "natürlich" ihre Geburten abzulaufen haben bzw. wie viel Intervention sie selbst dabei wünscht?
Aber das ist jetzt ja nur Geplänkel, ich würde das wirklich gerne mal lesen, um mir ein Bild machen zu können, von welcher Seite aus die Argumentation kommt.
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 13:06
von Lösche Benutzer 1828
bei Tauschticket muss man Mitglied sein......und ein Tauschkonto eröffnen
soll ich ein Exemplar für Dich ertauschen? Hätte gerade ein Ticket
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 13:08
von xknäckebrotx
Ja gerne!
Kostet das dann was oder tauschst du dafür eins deiner Bücher ein oder so?
Re: Isabelle Azoulay "Die Gewalt des Gebärens"
Verfasst: 14.12.2009, 13:10
von Tiamat
xknäckebrotx hat geschrieben:
Ist ein Kaiserschnitt eigentlich - summa summarum und ganz ehrlich ohne Glorifizierung - weniger schmerzhaft, als eine Geburt? Wobei das wahrscheinlich kaum objektiv einschätzbar ist...
Die Schmerzen g.i.n.g.e.n.
SCHLIMM, waren für mich Kreislaufprobleme, nicht die Fähigkeit haben mich ums mein eigenes Kind kümmern zu können.
Das waren die eigentlich schmerzen... und die sind noch nicht weg.