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Stillchaos bei 1,5 -jährigem

Verfasst: 25.06.2009, 14:39
von billabong
Hallo,

ich schreibe, weil ich auf der Suche nach Ratschläge, Tipps, Mutmachern oder Kritikern bin. Unsere momentane Situation ist etwas unentspannt, das möchte ich gern ändern, daher die Frage.

Am besten ich erzähle einfach mal.

Der Sohnemann ist 19 Monate alt und ich habe ihn bis vor 2 Monaten bis auf wenige Ausnahmen nach Bedarf (und fast voll) gestillt. Irgendwann wurde mit das halb- bis stündliche Trinken tagsüber zu viel, vorallem emotional, weniger körperlich. Also haben wir die Vereinbarung getroffen, dass wir tags nur noch zum einschlafen stillen, also mittags und abends. Naja, und dann auch die ganze Nacht durch.
Das hatte zur Folge, dass er eine Phase entwickelte, in der er bis zu 2h dauernuckelte. Ich habe einen sehr festen Schlaf, merke das stillen kaum, aber mein Mann teile mir immer mal mit, dass ich wohl sehr aggressiv, gereizt und genervt reagieren würde. Was ihn zum einen beim Schlafen stört (von ihm hat der Sohnemann seinen leichten Schlaf), zum anderen uns beiden leid tat, dem Sohnemann gegenüber.

Also haben wir mit einer Übergangsphase von ca. 2 Wochen (in denen ich stillte, wie vorher), das ganze herumgedreht. Tags, wie er will, nachts abgestillt. Das ging recht gut, natürlich war er wütend und traurig, und hat das mitgeteilt. Aber ich war immer bei ihm, habe gestreichelt, geflüstert, gesungen, gekuschelt... Ich war mir meiner Sache sehr sicher, das hat er sicher gemerkt.0 Nach einer Woche hat er durchgeschlafen.

Das tags nach Bedarf stillen hat sich aber auch als sehr schwierig erwiesen, da er oft auch in Situationen wollte, in denen er müde war und dann kurz vorm Einschlafen war, obwohl ich ihn gern ohne Brust zu Bett gebracht hätte. Diese Brust-Bett-Entkoppelung wollten wir eigentlich gern beibehalten, damit auch mein Mann Chance hat, den Kleinen mal hinzulegen. Wir haben es zwar nur selten gebraucht, aber brauchte dann bis zu 3 Stunde, obwohl ihm schon im Sitzen die Augen zufielen... Außerdem hatte ich durch ein unglückliches Andocken mit darauf folgendem immer wieder sich lösenden Grind auf der BW höllische Schmerzen beim Stillen. Also haben wir nur einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag gestillt. Ich hatte ihm das erklärt, und er war stets besorgt um die Brust ("Brust-aua-Creme-drauf").

Diese Variante ging einige Tage sehr gut, er schlief recht harmonische ein, war tags recht ausgeglichen. Ich auch endlich wieder.

Aber seit gestern herrscht Bettgehen nur noch Chaos. Er ist total wütend und verlangt stets die Brust. Mir tut das auch so leid, aber ich habe Angst davor, dass ich alles wieder schlimmer mache, wenn ich ihm den kleinen Finger gebe, aber nicht die ganze Hand. Außerdem glaube ich, dass er in letzter Zeit genug Veränderungen hatte, ich außerdem mit der momentanen Situation wesentlich ausgeglichener und zufriedener bin, was ihm ja auch zu gute kommt.

Andererseits will ich nicht, dass er sich in den Schlaf weinen muss, mit einem ständigen "Brust-Brust-Brust" auf den Lippen. Die Frage nach Trinken/Essen verneint er jeweils, also biete ich ihm Kuscheln an, aber das kann er in einer solchen Situation kaum ertragen. Einzig das Einschlafen auf meiner Brust/Bauch (wie in der Känguruhtrage) hilft ihm, aber abrollen lässt er sich nicht, er wir wach dabei und weint wieder und ruft die Brust.

Daher habe ich überlegt, wenn es ihm so wichtig ist, zum Einschlafen zu stillen. Aber ich bange dabei um das Durchschlafen...?! Hat da jemand Erfahrungen?
Außerdem war es abends manchmal so, dass er durch das Stillen (so gegen acht) einen solchen Turbo bekam, dass er bis 10/11 mit wach war..., was ich auch nicht ständig haben muss :-)

Ich freue mich auf zahlreiche Anworten, dir mir in meiner Verwirrung vielleicht weiter helfen könnten...

LG,
billabong

Re: Stillchaos bei 1,5 -jährigem

Verfasst: 26.06.2009, 23:25
von Iris
Mmh, schwierige Situation, in der ich dir kaum zu raten wage.
Mein erster Gedanke war, dass dein Sohn wohl durch sein Verhalten zeigt, dass ihm der Eingriff in die Stillgewohnheiten zu krass ist. Vielleicht magst du doch noch einmal überdenken, ob vollständiges nächtliches Abstillen wirklich die richtige Lösung ist? Oft wird ja suggeriert, dass nur es nur ein "Ganz oder gar nicht" gibt. Aber es gibt ja auch Graustufen - z. B. Einschlafstillen beibehalten, aber nächtliches Stillen reduzieren. Oder umgekehrt Einschlafstillen abgewöhnen und nachts nach Bedarf weiterstillen. Ich höre immer wieder und habe auch mit meiner ersten Tochter die Erfahrung gemacht, dass alle brachialen Umgewöhnungsversuche eher nach hinten losgingen und zu noch mehr Klammern führten.
Ein anderer wichtiger Gedanke:
Du schreibst, dass dein Sohn bis vor Kurzem noch fast voll gestillt wurde. Ist das immer noch so? Das könnte natürlich auch ein Grund für die hohe Stillfrequenz sein. Wie ist denn sein Essverhalten? Und wie ist seine Gewichtsentwicklung? Ganz ehrlich: Ich würde eine so lange Beikostverweigerung doch einmal ärztlich abklären lassen. Es könnte ein Eisen- oder Zinkmangel dahinter stecken, der appetitlos macht. In diesem Fall würde ein Teufelskreis entstehen: Eisenmangel => Appetitlosigkeit => noch mehr Eisenmangel => noch weniger Appetit usw. Achtung: Es könnte so sein. Es kann natürlich auch sein, dass dein Kind einfach ein Spätesser ist.
Übrigens: Kennst du das Buch "Wir stillen noch" von Nora Jane Baumgarner (LLL-Verlag)? Wenn nein, dann lies es mal. Ich fand die Lektüre einfach ermutigend, weil die Autorin andere Sichtweisen aufzeigt. Sie romantisiert das Langzeitstillen nicht nur, sondern streicht auch den Unterschied zwischen dem Stillen eines kleinen Babys und dem eines Kleinkindes heraus. Und dazu gehören natürlich auch (sanfte) Methoden des Eingreifens in die Stillbeziehung, wenn die Zeit gekommen ist.

Re: Stillchaos bei 1,5 -jährigem

Verfasst: 28.06.2009, 14:27
von billabong
Hallo Iris,

danke für deine Antwort.

Das von dir angesprochenen Buch lese ich gerade. Es hat mich sehr bestärkt und einige Dinge überdenken lassen... Ich habe gelernt, dass viele Emotionen, die ich so empfunden habe, sehr stark einstellungsabhängig sind. Und mit entsprechend mehr Gelassenheit, wird auch vieles einfacher. Die Frage ist dann nur, wie lange...? Schließlich sind wir nun mal in einer Gesellschaft sozialisiert, die zum Großteil andere Maßstäbe ansetzt. Damit müssen wir einfach leben und ich finde es manchmal einfach schwer, scheinbar immer die einzige zu sein... Nun ja.

Jedenfalls stillen wir (auch wegen des Buches) gerade vom Nach-dem-Frühstück an bis zum Einschlafen (auch mit Brust) nach Bedarf. Die Zeit dazwischen ist tabu, ob wohl das für den kleinen Sauger beim nächtlichen Aufwachen (oft einmal in den frühen Morgenstunden) und beim Erwachen morgens recht schwer zu verstehen ist. Ich baue jetzt einfach mal darauf, dass es das in nächster Zeit einfach noch lernen/akzeptieren wird, ohne die momentane Meckerei. Mir tut das ja auch leid, aber ich befürchte, dass wir dann schnell wieder dabei sind, doch die ganze Nacht zu stillen, wenn man früh im Bett wieder anfängt... Bei Freunden war es zumindest so, dass aus 6, dann 5 und irgendwann eben 3 Uhr wurde... Ich sehe ja jetzt schon, dass er statt durchzuschlafen wieder 1mal wach wird, und eben die Brust ruft :-( Klar, er ist schließlich damit eingeschlafen. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht verstehen könnte... Nur ist der Nachtschlaf (gerade im Familienbett) eine Angelegenheit aller und so schlafen 2 von 3 (mein Mann wird nicht gestört und ich muss nachts nicht rummeckern, weil ich eigentlich auch schlafen will) einfach besser und wir haben beide tagsüber mehr Energie.

Wegen der Appetitlosigkeit habe ich mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Es ist nicht so, dass er alles verweigert, im Gegenteil er mag eigentlich alles gern, nur eben in mikro-Happen. Milch ist einfach toller. Zumindest war das immer mein Eindruck. Inzwischen verlangt er auch von sich aus nach mehr Essen und hat großen Gefallen daran. Der Knoten ist geplatzt, als ich aufgrund meiner BW nur 2mal am Tag gestillt habe. Ich glaubte auch immer, dass er, weil er ja quasi zu jeder Zeit auch "gerade gestillt" hatte, einfach keinen Hunger hatte. Die Gewichtsentwicklung ist auch unauffällig. Er hat im Gegensatz zu vielen anderen in seinem Alter noch ein paar mehr Babyspeckpölsterchen, ist aber keinesfalls dick oder so.
Aber ich werde den Hinweis im Hinterkopf behalten und weiter beobachten. Danke dafür!

Liebe Grüße solange,
billabong