Seite 1 von 1
Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 15:44
von Aschenputtel
Hallo!
Weiß jemand, inwieweit ein Cortison, das z.B. in die Schulter als Entzündungshemmer gespritzt wird, in den Körperkreislauf und damit in die Muttermilch übergeht???
Ich habe in der Schulter eine Sehne angerissen. Um die die umliegende Muskulatur bald kräftigen zu können, müßte sie erst mal entzündungsfrei sein. Dieser Prozess würde sich natürlich durch eine Spritze beschleunigen. Aber ich möchte deshalb nicht mein Kind mit Cortisonmilch stillen.
Vielleicht gibts auch Alternativen??? Ich hab schon mal an Wobenzym gedacht...das muss man halt immer eimerweise schlucken über längeren Zeitraum, was mich ein bißchen abschreckt.
Re: Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 15:49
von Sagittaria
Ich weiß da leider nichts genaues
Kann Dein Arzt mal mit Embryotox telefonieren, die müssten das wissen

Re: Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 16:03
von jusl
Kortison an sich ist kein Stillhindernis - wesentlich ist die Zusammenfassung ganz unten "Empfehlungen für die Praxis":
aus "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Spielmann/Schaefer, 7. Auflage 2006:
4.11.7 Corticosteroide
Erfahrungen. Praktische Bedeutung für die Stillzeit haben vor allem die Glucocorticoide. Therapeutisch verwendet werden die nicht fluorierten Corticoide Prednison (z.B. Decortin®), Prednisolon (z.B. Solu-Decor-tin®), Methylprednisolon (z.B. Urbason®) sowie Deflazacort (Calcort®), Hydrocortison (z.B. Hydrocortison Hoechst®), Prednyliden und die fluorierten Derivate Amcinonid (Amciderm®), Beclometason (z.B. Sanasthmyl®), Betamethason (z.B. Celestamine®), Budesonid (Pulmicort®), Cloprednol (Syntestan®), Dexamethason (z.B. Fortecortin®), Flunisolid (Syntaris®), Flumetason (z.B. Cerson®), Fluocortolon (Ultralan®), Fluticason (z.B. Flutide®, Flutivate®), MOMETASON (z.B. Ecural®), Triamcinolon (z.B. Volon®). Einige Präparate werden ausschließlich inhalativ zur Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen verwendet.
Die M/P-Quotienten von Prednison und Prednisolon liegen zwischen 0,05 und 0,25.
Eine Stunde nach parenteraler Verabreichung einer Einzeldosis von 110 mg Prednisolon wurden 760 µg/l Milch gemessen. Vier Stunden später waren es 260 µg/l und etwa 9 Stunden nach Applikation noch 60 µg/l. Nach intravenöser Injektion von 1 g Prednisolon wurden entsprechend der 9fach höheren Dosis etwa 9fach höhere Werte in der Milch gemessen, 24 Stunden nach der Applikation war das Corticoid nicht mehr nachweisbar (eigene Beobachtungen).
Andere Autoren haben unter niedrigeren Tagesdosen (10-80 mg) einen entsprechend geringeren Übergang für den Säugling ermittelt (Übersicht in Bennett 1996, Greenberger 1993). Zusammenfassend ist mit einem Anteil von durchschnittlich 1-2% der mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis für den Säugling zu rechnen. Im Fall der oben beschriebenen 1-g-Dosis hätte der Säugling mit der ersten Mahlzeit eine Stunde nach Injektion 0,2 mg Prednisolon/kg Körpergewicht erhalten, über 24 Stunden wären es 0,32 mg/kg. Das ist selbst bei dieser mütterlichen Höchstdosis nur etwa ein Sechstel einer üblicherweise gut verträglichen therapeutischen Kinderdosis (2 mg/kg/Tag). Für den Säugling ergibt sich kein Risiko durch eine kurz dauernde Hochdosisbehandlung, selbst dann nicht, wenn gleich nach der Injektion gestillt wird.
Auch unter länger dauernder Behandlung mit 80 mg/Tag wird mit der Muttermilch nur eine Prednisolonmenge übertragen, die weniger als 10 % der körpereigenen Cortisol-Produktion entspricht.
Zu den übrigen Corticoiden liegen keine ausreichend dokumentierten Transferdaten vor.
Empfehlung für die Praxis: Prednisolon, Prednison und Methylprednisolon sind Corticoide der Wahl für eine systemische Behandlung in der Stillzeit. Auch hohe Dosen bis 1 g, einmalig oder wenige Tage nacheinander verabreicht, z. B. beim Asthmaanfall oder bei multipler Sklerose, erfordern keine Einschränkung des Stillens. Bei wiederholter Gabe solch hoher Dosen sollte, wenn es sich einrichten lässt, 3-4 Stunden mit dem Stillen gewartet werden. Wirkungsgleiche Mengen der anderen Corticoide sind wahrscheinlich auch verträglich. Die regelmäßige inhalative Anwendung eines Corticoids bei Asthma ist ebenso unbedenklich wie andere lokale Corticoidanwendungen.
LG und gute Besserung,
Julia
Re: Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 16:24
von Aschenputtel
oh, vielen Dank! Welches er jetzt genau nehmen wollte weiß ich nicht, muss ich mal fragen... in diesem Bericht ist ja von venöser Injektion die Rede, ich denke, darum geht es ja bei mir nicht, oder??? Geht die Spritze nicht in den Gelenkspalt? Die menge in der Milch wird auf jeden Fall noch geringer als bei Deinen Beispielen sein schätze ich...
Seh schon, muss noch genauer nachbohren bei meinem Doc...
Re: Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 16:57
von jusl
BIn kein Arzt, aber eine Spitze ins Gelenk ist für mich (im Gegensatz zur systemischen Anwendung über Magen/Darm/Blutbahn) eine LOKALE Anwendung, siehe den Abschnitt ganz unten.
LG;
Julia
Re: Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 20:33
von Iris
Ich habe auch dreimal Cortison ins Gelenk gespritzt bekommen. Der Arzt hat deswegen bei Embryotox angerufen und war total angetan, weil sie ihn sehr präzise beraten haben (z. B. hatten sie ein anderes Anästhetikum, als er normalerweise verwendet, empfohlen) - er hatte vorher noch nichts davon gehört. Ich habe immer die Telefonnummer dabei, wenn ich zum Arzt gehe.

Re: Cortisonspritze ins Gelenk und Stillen?
Verfasst: 22.04.2009, 22:00
von Aschenputtel
Danke, @jusl und @iris!!!!