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Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 13.04.2009, 21:19
von Daya
In Anlehnung an den Beitrag "Nachgeben... bei 9 Monate altem Baby" möchte ich Euch fragen, ob Ihr das bei einem knapp 2jährigen auch so seht?


Im Augenblick sage ich oft Nein, wenn mein Kind an die Brust will, weil es mich an die Grenzen bringt. Ich kann schwer sagen, ob es der gesellschaftliche Druck ist. Mein Mann meint, es wäre doch schon mal gut, wenn es lernt, ein Nein zu akzeptieren, aber mich schafft gleichzeitig der traurige Ausdruck meines Kindes, wenn ich seinem Bedürfnis nicht stattgebe.

Mein Bruder meinte beim heutigen Familienfest, als ich stillte, "na du weisst eh was ich dazu denke, aber ich sag es nicht". Dafür bedankte ich mich auch noch... :(

Ich glaube immer es lässt mich kalt aber möglicherweise ist die ganze Ambivalenz entstanden, weil echt NIEMAND hier ein 2 jähriges Kind stillt...

Bitte um Hilfe!!!

Danke, Daya

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 13.04.2009, 21:37
von Sabsi
Meine Tochter ist ja wohl ähnlich alt. Ich lasse sie nicht immer stillen, wenn sie danach fragt, sage aber nicht nur "nein", sondern erkläre ihr "wenn ich fertig gegessen habe", "wenn wir wieder zu Hause sind", "Jetzt muss ich kochen, aber danach kannst Du". Das funktioniert in den allermeisten Fällen wirklich gut. Aber wenn es passt, dann verweigere ich ihr die Brust nicht.

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 13.04.2009, 22:36
von finn
Ehrlich gesagt glaube ich, dass es zum Teil schon ein gesellschaftlicher Druck ist. Zumindest ist es bei mir so. Ich stille seit längerer Zeit nur noch zuhause (Ausnahme ist bei meinen Eltern, da wird er halbtags von meiner Mutter betreut, da darf er, wenn ich ihn abhole stillen, da er da meist auch aus dem Mittagsschlaf aufwacht). Aber ansonsten habe ich das ziemlich klar gemacht, dass wir nur zuhause stillen. Ich habe mich einfach nicht mehr wohl gefühlt und da war meine Grenze erreicht. Manchmal gibt es Ausnahmen, aber nur ganz selten. Letzte Woche waren wir für 4 Tage bei einem Freund in München, da war es irgendwie klar, dass wir zum Einschlafen und zum Aufwachen stillen und sonst nicht. Finn hat auch gleich am Anfang gesagt, als ich ihm gezeigt habe, wo wir schlafen: da mama trinken.
Ich glaube, dass das Erklären schon ganz gut ist. Wenn Finn unterwegs fragt, dann sage ich, nein, hier geht es nicht, das möchte ich nicht, das weißt du. Daheim darfst du wieder.
Zuhause würde ich auch gerne noch mehr einschränken (da will er schon zwischen durch öfters mal stillen), aber das gelingt uns noch nicht so gut, ich habe manchmal keine Lust ihn abzulenken bzw. kann dann nebenher mal in Ruhe telefonieren oder so.... wenn ich immer super drauf wäre, wäre es mittlerweile schon einfacher, ihn abzulenken. Aber das war ja hier nicht unbedingt die Frage...
Wenn viel mehr ihr 2 jähriges Kind stillen würden würde man sich wohl in den meisten Fällen nichts denken und es einfach tun. Wobei ich auch sagen muss, dass ich je älter FInn wird auch einfach nicht mehr immer und dauernd ein stillendes Kind an mir kleben haben will (- okay, ich bin auch noch recht neu schwanger, vielleicht ist das auch ein Grund...)

Wirklich weiter helfen kann ich Dir nicht wie Du merkst, aber mir geht es sehr ähnlich. Und ich schwanke auch sehr oft zwischen lass ich ihn einfach immer stillen oder sollte es nicht langsam mal zum Ende kommen.
Vielleicht würde es noch helfen wenn Du Dir ein paar Kommentare zurecht legst, also z.B. dann zu Deinem Bruder sagst: Es ist mir ganz egal was Du dazu denkst, ich weiß schon, was ich tue - oder so ähnlich.

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 09:07
von EliseG
Ok, bei mir gibs zwei Situationen: Wenn andere Leute rum sind bzw wir nicht zu Hause sind. Da reagiere ich schon ablehnender und schon, weil ich befürchte, dass jemand was blödes sagt. Und das, obwohl mir das nur äußerst selten passiert ist und das auch nur im 1. Lebensjahr. Aber irgendwie ist da schon eine Angst vor Ablehnung. Vor meiner Familie stille ich größtenteils ungehemmt, und wenn Junior schlafen will, da kenn ich dann auch nix mehr. Aber er akzeptiert das auswärts eigentlich auch meist.
Zweite Situation ist zu Hause: Wie von finn beschrieben bin ich da auch teilweise inkonzequenter, wie ich will. Zum Teil eben, weil man mal in Ruhe telefonieren will, und zum Teil weil er da sooooo nen Dackelblick aufsetzen kann und dann dieses erwartungsvolle Funkeln, da kann ich oft nicht widerstehen.

Wir haben für uns auch die Regelung gefunden, dass wir außerhalb möglichst selten stillen, aber da ist er meist eh zu abgelenkt. Zu Hause hab ich auch nicht immer die Lust ihn zu bespielen, damit er nicht ans Stillen denkt und teilweise genieße ichs ja dann auch wieder total, so innig mit ihm zu kuscheln. Ein Nein aus Prinzip kommt für mich nicht in Frage, weils im Leben eh sooooo viele Neins für ein Kind gibt, da brauch ich nicht noch künstlich eins dazu erschaffen. Also zum Teil gebe ich auch bei einem 2-jährigen noch nach, aber eben nur mehr zum Teil. Ja, auch gesellschaftlich bedingt, aber ich bin halt auch nicht sooo die Kämpfernatur.....

Achja, und mir ists umso wichtiger geworden in gewissen Foren rumzustromern, umso älter er wird. Das hilft schon auch, alles wieder relativer zu sehen.

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 10:08
von Daya
Irgendwie geht es mir ähnlich wie Euch allen.

Aber mich stört dieses "nur dann wenn" und mit Regeln eingeschränkte Langzeitstillen. Ich frage mich, was geben wir unseren Kindern mit, wenn wir ihr Bedürfnis auch mit so vielen Grenzen und Regeln spicken?

Das ist keine Kritik an den Langzeitstillenden. Ich gehöre ja dazu. Mich macht aber die gesellschaftliche Haltung dazu so traurig.

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 11:49
von vroni
Dann kann ich nun einen Beitrag schreiben, der ein wenig gegen den Trend hier geht:

Ich habe schon meine Große auch "in der Öffentlichkeit" (im Cafe, Restaurant, im Gottesdienst, im Bus und im Zug, beim Zahnarzt während meiner Behandlung, beim Friseur, im Park und auf dem Spielplatz, im Museum, beim Konzert etc.) überall nach ihren Bedürfnissen gestillt, auch als sie schon drei Jahre alt war - sie hat das Stillen sehr gebraucht, gerade wenn viel um uns los war.
Und mein Krümelchen stille ich jetzt genauso (hinzukommt das Stillen beim Spazierengehen, wenn er im Sling ist), er ist zwar auch sehr häufig abgelenkt, aber es kommt genauso häufig vor, daß das Stillen für ihn sehr wichtig in der jeweiligen Situation ist.

Ich bin restlos vom Langzeitstillen überzeugt und vertrete das auch so - und ich habe noch NIE einen negativen Kommentar von anderen in der Öffentlichkeit bekommen! (meinen Vortrag über die Vorteile des Stillens konnte ich also noch nicht wirklich anbringen). Manchmal sind die Reaktionen erstaunt, manchmal schwang Traurigkeit mit ("ich konnte nicht stillen") und manchmal wird berichtet, daß die Tochter/Schwiegertochter auch lange stillt.
MIr ist es wichtig, die Bedürfnisse meiner Kinder zu erfüllen (und das geht ja eigentlich weit über das Thema hier hinaus), auch wenn andere das anders handhaben (und z.B. Ferbern oder ihre Kinder sonst respektlos behandeln).

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 13:20
von tata
Das Stillen nach Bedarf hat für UNS ein anderes Gesicht bekommen je älter der Krümel wurde.
Ich kann mit voller Überzeugung sagen, ich stille ach Bedarf, und zwar nach UNSEREM, nicht nur SEINEM, Bedarf.
Da lasse ich mich allerdings nicht negativ von außen beeinflussen, sondern stille eben wenn es passt - für uns beide.
Doch, eine Beeinflussung muss ich gestehen: Wenn ich in der LLL Gruppe war oder mich mit LZS-positiven Menschen getroffen habe (winkzuvroni) dann stille ich doch ein wenig öfter :wink:

Im Alltag sieht es so aus, dass ich es ihm eig nur dann anbiete wenn er runterkommen soll, oder sich weh getan hat, oder grad einen Trotzanfall hat und nicht mehr rausfindet -- oh, also doch ziemlich oft.
Nachgeben tu ich dann, wenn ich grad nicht anderweitig beschäftigt bin, und wenn ich ablehne immer mit einer Begründung. Ja, er ist 2 1/2, aber trotzdem noch ein kleines Kind das den Bezug zur Basis braucht. Stillen ist zwar nicht alles, aber eben doch eine sehr gute, natürliche Methode dem Kind einen Rückhalt zu geben. Abgesehen davon, ist es gesund für Mutter und Kind :D
Grüße
Tanja

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 13:51
von Daya
ist das schön, eure berichte zu lesen! kann gut sein, dass ich durch diesen thread (und nicht durch eine LLL Gruppe) auch wieder mehr nach meinem Gefühl gehe. DANKE :)
Und ja, ich hoffe ich habe bald mal 100 Beiträge beisammen, um ins LZS Forum reinzudürfen. Leider liegt mir das viele Beiträge verfassen ja nicht so im Blut.

;)

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 16:08
von tata
Daya hat geschrieben: Und ja, ich hoffe ich habe bald mal 100 Beiträge beisammen, um ins LZS Forum reinzudürfen. Leider liegt mir das viele Beiträge verfassen ja nicht so im Blut.

;)
Frag doch einfach mal die Modis, vll schalten sie dich frei?
Gruß

Re: Nachgeben bei 2 jährigem?

Verfasst: 14.04.2009, 16:54
von jusl
Ich find's immer so schade, wenn ich lese, dass offenbar viele Frauen dermaßen ausgeprägt Gegenwind spüren sobald es um das Stillen im Kleinkindalter geht. Dass dieser Gegenwind unser Verhalten beeinflusst - und damit ja die Gestaltung unserer Beziehung zum Kind.

Ich bin sehr glücklich darüber, dass mein Alltag völlig anders aussieht: fast alle in meinem Freundes-/Bekanntenkreis stillen länger als 1 Jahr, Kleinkindstillen wird als völlig normal angesehen, und ich stille auch nach wie vor gerne ohne Einschränkung in der Öffentlichkeit. Ich ernte allenfalls freundliches Lächeln, meistens gar nix (also "perfekt" :D ), noch nie was freches.

Und weil ich Stillen einfach nur normal finde, bzw. weil für mich Stillen bis zum natürlichen Abstillalter ein wichtiger Teil der Beziehung zu meinen Kindern ist, "gebe ich meinen fast-zweijährigen nicht nach", wenn sie stillen wollen, sondern "ich stille einfach" ;-) (und das meistens sehr gerne).

Mein ehrliches Mitgefühl mit allen, die gegen nervige Verwandte, besserwissende Ärzte, übereifrige Freundinnen und sonstige Windmühlen "anstillen" müssen :( - was kostet dies unnötige Kraft...

LG;
Julia