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Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 27.01.2009, 20:51
von Thistle
Heute war ich mit Soph bei unserem Kinderarzt. Vor etwa drei Wochen war ich bei meinem Internisten und hab' mich zum ersten Mal nach der Schwangerschaft durchchecken lassen (bis auf einen Eisenmangel ist alles ok). Soph war auch bei diesem Arztbesuch dabei - mein Internist schaute sie an und meinte, dass sie doch sehr arg 'blässlich' aussehe. Daher der heutige Kinderarztbesuch - ich wollte wissen, ob mit Soph alles ok ist.

Sowohl ich als auch Jamie sind sehr hellhäutig, Soph wird das wohl auch von uns haben. Unter anderem hat der Kinderarzt das heute auch gesagt. Er schaute sich dann ihre Augen (bzw. die Bindehaut), ihre Fingerspitzen und ihren Rachen an. Nach einer schweren Anämie sähe es ihm nun nicht aus, aber er fand, es könnte schon alles noch ein bisschen rosiger sein. Er fragte mich dann nach ihrem Essverhalten und war etwas erstaunt, dass sie bisher eigentlich nur ihren Abendbrei isst.

Wir hatten dann ein Gespräch über Soph's Ernährung, aber das gehört wohl eher in die Beikostecke. Jedenfalls fragte der Kinderarzt mich irgendwann, wie denn ihr Trinkverhalten sei. Als ich ihm sagte, dass sie seit ihrer Geburt im Mai letzten Jahres etwa alle zwei Stunden stillt (bzw. zu Beginn die Flasche bekam), war er etwas...perplex, würde ich sagen. Er sagte zu mir, dass ich ihr die 'blöde Angewohnheit' (denn nichts anderes wäre es), nachts zu stillen, sozusagen austreiben müsste. Zum einen würde ich ja so kaum mal 'auftanken' können und zum anderen bräuchte sie das Stillen nachts nun nicht mehr. Soph müsste mit den fünf Mahlzeiten am Tag, die Ernährungsphysiologen vorgeben, auskommen und ich stünde in der Verantwortung, sie davon abzuhalten, ihren Magen immer nur halb zu füllen und dann eben oft zu kommen, weil sie es sich so angewöhnt hat. Ansonsten würde sie noch jahrelang nicht durchschlafen und eben keine volle Mahlzeiten zu sich nehmen.

Unabhängig davon, wie ich die Beikosteinführung gestalte, denke ich mir immer, dass Soph ja noch so klein ist und mich nur eine verhältnismässig kurze Zeit in ihrem Leben so intensiv und nah brauchen wird, wie es im Moment der Fall ist. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich ihr alle Nähe und auch alle Milch geben will, die sie augenscheinlich braucht. Abgesehen davon geniesse ich auch das Stillen (vielleicht erinnert Ihr Euch, wie sehr Soph und ich zu Beginn gekämpft haben). Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht übermüdet und vermindert leistungsfähig bin, weil ich eben nur noch 2 Stunden am Stück schlafen kann. Aber ich nehme diesen Umstand eigentlich gern in Kauf, weil ich mir denke, dass Soph eben das bekommt, was sie braucht, solange sie es braucht.

Nur ist es jetzt so, dass ich irgendwie auch nichts falsch machen will. Glücklicherweise hab' ich Euch und das SuT, daher nehme ich zumindest die Kinderarztpredigt nicht als die einzige Wahrheit hin. Trotzdem bin ich etwas verunsichert und würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir vielleicht sagen könntet, wie Ihr zu diesem Thema steht. Entschuldigt bitte den Roman :oops:

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 27.01.2009, 20:59
von zwieback
ICH würde sagen, solange keine Mängel an nährstoffen bei ihr fesgestellt wurden/werden still sie soviel und so oft IHR es mögt.
es gibt auch flashen und brei kinder die nachts ständig wach werden.

es wird weniger
versuchen sie länger zu stillen kannst du ja
aber ob es was bringt.
evtl ist es ach nur das beruhigungs stillen und keine Nahrungsaufnahme die sie nachts macht.
ich finde sie ist noch klein.
wäre sie 18monate würde ich da evtl etwas mehr Gedanken mir machen aber nur etwas :lol:

lg

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 27.01.2009, 22:51
von maralala
Huhu!

Also, Leni ist einen Monat älter als Deine Maus.

Unser Kinderarzt hat bei der U5 nach dem Schlafverhalten gefragt und als ich ihm sagte, dass Leni alle 2 bis 3 Stunden, manchmal auch häufiger stillt, sagte er mir auch, dass sie nachts keinen Hunger haben kann und ich solle ihr Abends Brei geben.

Haben wir nicht gemacht, weil ich es viel zu früh für Mittagsbrei und Abendbrei fand und Leni es sowieso nicht wollte. Sie hat erst mit 8 Monaten angefangen mehr als 2 Löffel zu essen.

Ich finde auch, dass man machen sollte, was man selbst für richtig hält. Außerdem kann es ja auch sein, dass die kleinen Durst haben oder kuscheln wollen. Stillen ist ja soviel mehr als Essen.

Sollte im April bei der U6 das Thema aufkommen, gebe ich mich da keiner Diskussion hin. Mich stört es nicht, dass mein Baby so oft nachts stillt, dann sollte es den Kinderarzt auch nicht stören.

Hör auf Dein Bauchgefühl.... das wird Dich schon richtig leiten.

Liebe Grüße
*mara*

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 13:43
von Thistle
Hmm...So wie Du werd' ich's wohl auch halten, mara. Bei der U im April werd' ich da auch nicht diskutieren, ich kenn' ja nun seine Einstellung. Nur frage ich mich halt (unter anderem) auch, inwieweit der Arzt recht damit hat, dass ich aktiv das Stillen verringern soll, auch wenn sie isst. Bisher dachte ich halt, sie wird essen, so viel sie möchte und sich den eventuellen Rest dann noch durch das Stillen holen - bis sie dann irgendwann von allein eine komplette Mahlzeit ersetzt. Nur 'erziehe' ich ihr da wirklich eine 'blöde Angewohnheit' an, wenn ich zum Beispiel nach dem Essen das Stillen immer noch zulasse? Ich bin etwas unsicher...

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 14:00
von Nudelsuppe
Oh man, sie ist doch noch klein. Ich finde es unsinnig Kinder in dem Alter nachts abzustillen, sie wachsen so sehr und entwickeln sich rasend. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass siech gerade nachts die Synapsen im Gehirn bilden, das Kind körperlich und auch im Kopf wächst.
Ich finde, dass ihr auf jeden Fall weiter nach Bedarf Stillen solltet.
Höre auf dein Bauchgefühl und schon machst Du alles richtig.

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 14:05
von jusl
Vielleicht beruhigt Dich das hier ein bisschen:

In keiner einizigen Veröffentlichung zum Thema Beikost und Kleinkindernährung, die von Stillexperten(!) geschrieben wurde, wird empfohlen das Stillen aktiv zu reduzieren. Sondern hierin wird erklärt, welch hohen Nährwert Muttermilch auch für ältere Babys und Kleinkinder hat, und dass alle Kinder sich irgendwann selbst abstillen (aber nicht im ersten Lebensjahr). Muttermilch soll ausdrücklich mit fester Nahrung ERGÄNZT werden, nicht ERSETZT. Dabei kann man ruhig individuell aufs Kind eingehen, denn die Kinder sind nun mal verschieden. Nächtliches Stillen fördert nachgewiesen die Entwicklung und Gesundheit des Babys und erleichtert die nächtliche Babybetreuung.

In jeder mir bekannten Veröffentlichung zum Thema Beikost und Kleinkindernährung, die von Interessenvertretern der Nahrungsmittelindustrie geschrieben wurde, wird empfohlen, möglichst schnell Muttermilch durch feste Nahrung zu ersetzen. Dabei sollte man "liebevoll aber konsquent" vorgehen und die Menge zügig steigern. Besonders oft erwähnt werden Begriffe wie Angewohnheiten, Rhythmus und Konsequenz. Die Vorteile, dass "endlich auch der Papa füttern kann" und "die Mama nicht mehr so angebunden ist" stehen im Vordergrund. Vermittelt wird das Bild, dass letztlich ALLE Kinder diesem Muster folgen sollten, sonst droht irgendein gesundheitliches, erzieherisches, persönliches,... Problem.

LG;
Julia

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 21:29
von Thistle
Julia, vielen, vielen Dank! Das hilft mir wirklich weiter. Es stimmt im übrigen völlig, was die Babybetreuung nachts angeht. Soph kuschelt, trinkt und schläft danach sofort weiter.

Der Kinderarzt hat mir vermittelt, dass die Milch nachts vollkommen unnütz und nur eine schlechte Angewohnheit ist und dass sie tagsüber schlicht das nicht enthält, was Soph nun braucht. Die von Dir im zweiten Teil Deines Posts aufgezählten Konsequenzen sind eben die, die er mir auch prophezeit. *seufz*

Nochmal vielen lieben Dank dafür - auf Deinen Input habe ich gehofft, weil Du für mich (in an andere gerichtete Posts) schon so einiges klarer gemacht hast, wenn's ums Stillen geht.

@Nicole: Danke! Das war mir so auch noch irgendwie im Kopf. Abgesehen davon käme es mir ehrlich gesagt im Moment etwas brutal von mir vor, wenn ich Soph das nächtliche Stillen jetzt nehmen wollte.

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 21:35
von jusl
:10:

(den Smilie wollt ich schon immer mal nehmen :lol: )

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 21:57
von Thistle
*lol* Ich bezweifle zwar, dass ich dabei nachts derartig grinse, aber ansonsten passt's :D

Re: Der Kinderarzt und das Stillen

Verfasst: 28.01.2009, 22:03
von Lösche Benutzer 1828
Julias Ausführungen - wie immer ;-) - nichts hinzuzufügen.

Simon stillt nachts auch noch total viel - tagsüber auch. Ich würde mal sagen, er ernährt sich zu 80-90% noch von Muttermilch. Er wird es am besten wissen, davon gehe ich aus.
Zur Zeit bin ich etwas angenervt - er ist so oft krank, klammerig und die Großen auch krank. Und dann mag ich nicht alle Stunde auf dem Sofa sitzen - aber das hat mit meiner Verfassung zu tun, nicht mit dem Stillen an sich.

8 Monate ist noch so jung - lass Ihr die Zeit.