Von elastischen Tüchern raten wir ab, ausser man hat ein Kind zu tragen, das massivst blockiert ist.
Natürlich ist ein Jerseytuch weich - aber das geht einfach auf Kosten der optimalen Stützung. Jersey ist ein Material, das in alle Richtungen elastisch ist. Jersey ist und bleibt elastisch, selbst wenn ich es festziehe - man könnte immer noch mehr, das liegt einfach am Material und seiner Fertigung (Wer sich dafür interessiert, möge das
in diesem Thread nachlesen). Weil das Material per se elastisch ist, geht die ganze Festigkeit, die man durch das Festzeihen erreichen möchte, wieder weg - denn auch die Nähte sind elastisch und nicht umgenäht, so geht die ganze Festigkeit, die ohnehin schwer in das elastische Material zu bekommen ist, am anderen Ende wieder raus.
Dass diese Tücher nicht genügend Halt geben, ist sogar den Herstellern bekannt.
Die meisten Hersteller von Jerseytüchern geben nämlich an, dass man diese Tücher nicht bei Kindern mit tiefer Körperspannung (hypoton) anwenden soll. Ganz einfach daher, weil sie dann zu wenig Halt geben.
Aber was ist dann mit einem gesunden schlafenden Kind? Richtig - auch das hat eine geringe Körperspannung! Aber gerade im Schlaf, wenn der Tonus tief ist, genau dann brauchen die Kleinen eine gute Stütze, damit sich der Rücken mit den noch unreifen Bandscheiben optimal entwickeln kann...(vergl. dazu
hier)
Immer wieder werden diese Tücher für Frühchen empfohlen, weil sie weich sind. Die allermeisten Frühchen aber sind hypoton, haben eine zu geringe Körperspannung. Warum aber geben dann die Hersteller an, diese Tücher wären für Frühchen geeignet, nicht aber für hypotone Kinder?
Um ein Jerseytuch wirklich fest (beziehungsweise so fest, wie es der Jersey zulässt) zu binden, braucht es
mindestens so grosse Sorgfalt wie mit einem gewebten Tuch. Ich kann daher auch nicht verstehen, warum man uns weismachen will, ein Jerseytuch wäre rasch und einfach gebunden. Wird es rasch gebunden, womöglich noch in WKT mit Aussensack, die oft als "einfach" für Anfänger dargestellt wird, dann ist und bleibt es - entschuldigt bitte meine Wortwahl - laberig und das Baby findet keinen Halt, und die Anhock-Spreizhaltung ist unbefriedigend. Noch dazu begünstigt durch die einzige damit mögliche Bindeweise, die Wickelkreuztrage, die das Kind so oder so tendenziell flach drückt, bei der die Gefahr des übermässigen Abspreizens besteht!
Wenn ein Jerseytuch angewendet wird, dann Wickelkreuztrage mit innenliegender Querbahn, wählen - identisch zu einer Wickelkreuztrage mit einem gewebten Tuch. Nicole hat eine gute Anleitung als Video eingestellt. Diese Version der Wickelkreuztrage kann zwar nicht vorgebunden werden, aber man bekommt das Tuch doch viel fester um das Kind herum. Die Wickelkreuztrage mit Aussensack ist kaum festzuziehen, das gilt sowohl für Jersey- als auch für gewebte Tragetücher.
Wer ein Jerseytuch binden kann, schafft es normalerweise locker mit einem gewebten Tuch - und erzielt erst noch mehr Komfort für sich und das Kind, da fester gebunden werden kann!
Es mag ja sein, dass ein wirklich fest gebunenes Tragetuch für den Anfang geht, wenn das Baby noch klein ist und nicht mehr als 5 oder 6 Kg. wiegt. Aber wer bindet schon wirklich fest? Das Festziehen des Jerseytuches ist eher schwieriger als das Festziehen eines gewebten Tuches....
Daher erlaube ich mir die ketzerische Frage: Wozu dann also viel Geld ausgeben? Wenn man das Teil ohnehin nur in den ersten Wochcen brauchen kann?
Es wäre aber nicht richtig, die Jerseytücher generell schlecht zu machen. Es gibt nämlich durchaus Situationen, in denen die Anwendung eines Jerseytuches durchaus sinnvoll, ja sogar segensreich sein kann!
Möchte man beispielsweise ein Kind mit KISS / Blockaden oder anderen Krankheiten oder Trauma, bei denen die Kinder ein enges Eingebundensein nicht tolerieren (z.B. Nabelschnur um den Hals während der Geburt), tragen, ist ein Jerseytuch oft die erste Wahl. Oder bei Kindern mit hohem Muskeltonus (hyperton), die dazu tendieren, eine Ausgleichshaltung einzunehmen. Hier kann ein Jerseytuch ein Segen sein.
Es gibt in unseren Augen ein einziges Jerseytuch, das wir empfehlen können, weil es anders gewirkt ist als herkömliche Jersey-Tücher und dadurch deutlich fester ist. Ausserdem hat dieses als einziges uns bekanntes Jerseytuch umgenähte Kanten, woduruch man zusätzliche Festigkeit in der Bindung erreicht.
Es geht nun nicht darum, Werbung für eine Firma zu machen, sondern darum, Ratsuchenden gute Informationen aus unserer Sicht zu geben. Es wäre schön, wenn es mehr Auswahl an Jerseytüchern dieser Qualität gäbe. Weil es jedoch momentan nur eine einzige Marke gibt, die ein Jerseytuch mit diesen eben geschilderten Eigenschaften herstellt, kommen wir nicht umhin, einen Namen zu nennen. So erlauben wir uns zu schreiben: Wenn schon Jersey, dann Didymos.
Herzlich
Dorothea