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Poesie - in Worten baden
Verfasst: 02.08.2008, 15:11
von Anakina
hach, ich habe gerade in der Alnatura-Zeitschrift einen Artikel über Dichtung der Gegenwart gelesen und nun merke ich, wie sehr mir dieses "baden in Worten" fehlt! Wie tief das ein Bedürfnis meiner Seele ist!
In der 9. Klasse haben wir im Deutschunterricht ein Rilke-Gedicht interpretieren sollen - damit fing die Liebe an
"Herbstttag" war es, das weiß ich noch. Später habe ich die Duineser Elegien entdeckt - gerade die
1. Elegie berührt mich immer und immer wieder.
Die
Todesfuge von Paul Celan geht mir genau so direkt in die Seele wie die
Lebensstufen von Hermann Hesse oder aber auch die Galgenlieder von Morgenstern.
Ringelnatz nicht zu vergessen oder
Ottos Mops von Jandl
Wundervoll ist auch die Rhythmik des Zauberlehrlings *wallewalle*
ach, ich könnt hier ewig weiter machen
Welche Gedichte sprechen euch immer und immer wieder tief in die Seele? Gehen euch immer wieder zu Herzen? Ich bin gespannt

Verfasst: 02.08.2008, 18:10
von frostpfoetchen
och, so im großen und ganzen die selben
ausserdem englische, wie tennyson, wordsworth, shakespeare uvm.
ein liebslingsgedicht hab ich grad aber nicht
Verfasst: 02.08.2008, 19:43
von rosarot
Ohh mein Thema, ich liebe gedichte, einige hast du schon erwähnt, z.B die Todesfuge obwohl cih sie erst verstanden habe nachdem ich mal ein KZ besucht habe.
Sehr gerne mag ich auch. "Der Panther" von Rilke, und " Im nebel" von Hesse.
Verfasst: 02.08.2008, 19:47
von rosarot
mir fällt noch Erich Fried ein, das gedicht " Dich" war teil unserer Hochzeitseinladungen, und dann hab ich auch immer gerne Erich Kästern gelesen z. B. dieses hier :
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.
Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!
Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!
Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.
Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.
Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.
Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen
Verfasst: 02.08.2008, 20:35
von Nina
Bei mir ist es auch Hesse, aber nicht so sehr die Gedichte, vor allem die Romane. Mein Lieblinge sind Narziß und Glodmund und das Glasperlenspiel. Aber auch kurze Erzählungen von ihm. Ich liebe diese klare, schöne Sprache.
Beeindruckend fand ich auch immer Kafka.
"Der Panther" von Rilke - das finde ich auch total schön.
Ich liebe auchs ehr die Worte von Reinhard Mey (in Verbindung mit der Musiknatürlich), das finde ich auch immer sehr poetisch und vieles sehr anrührend.
Verfasst: 02.08.2008, 20:54
von Bara
Ich mag Rilke, Celan auch sehr gerne, mit Robert Gernhardt und z.B. Josef Guggenmos-Gedichten kann man auch als Nichtsänger (jedenfalls nur ungern in der Öffentlichkeit...) wunderbar Babys und Kleinkinder bei Laune halten

. Zu so ganz modernen Gedichten fehlt mir meist irgendwie der Draht.
Verfasst: 03.08.2008, 16:15
von BEcKa
Nina hat geschrieben:Bei mir ist es auch Hesse, aber nicht so sehr die Gedichte, vor allem die Romane. Mein Lieblinge sind Narziß und Glodmund und das Glasperlenspiel.
Ich liebe auchs ehr die Worte von Reinhard Mey (in Verbindung mit der Musiknatürlich), das finde ich auch immer sehr poetisch und vieles sehr anrührend.
Nina, wir haben was gemeinsam!
Fried mag ich auch sehr gerne!
Strauch mit herzförmigen Blättern
Sommerregen warm: Wenn ein schwerer Tropfen fällt bebt das ganze Blatt. So bebt jedes Mal mein Herz wenn dein Name auf es fällt
Erich Fried (1921-1988)
Verfasst: 03.08.2008, 19:56
von Altraia
Ina, ich muss Dich enttäuschen - Lyrik sagt mir so gut wie gar nichts... Seltsam, oder?
Einzig die Gedichte von Fried haben mich sehr berührt, aber nicht wegen der Sprache, sondern wegen der Aussage. Sprache selbst kann in mir nicht viel berühren, und das mir als Linguistin

.
Bei Gedichtinterpretationen habe ich immer nur gehofft, dass es schnell vorbeigeht. Dann noch lieber Grammatikklausuren

Verfasst: 03.08.2008, 20:23
von Anakina
Altraia hat geschrieben:Ina, ich muss Dich enttäuschen - Lyrik sagt mir so gut wie gar nichts... Seltsam, oder?

Das tut mir leid ... für dich

denn in meinen Augen verpasst du was
Interpretieren brauch ich auch gar nicht so dringend - da macht man manchmal viel kaputt, finde ich. Ich lasse lieber die Wörter und die Melodie auf mich wirken
Ulkig, dass hier so viele den "Panther" von Rilke nennen - der ging bislang nicht an mich

Ich habe ihn auf einer CD von Hans Paetsch gelesen - ich glaube, da höre ich ihn mir doch mal wieder an
Die Guggenmos-Gedichte kenne ich noch gar nicht, habe aber schon davon gehört. Muss ich mir auch mal raussuchen.
@Nina: die Hesse-Bücher - oh ja! Nur den Steppenwolf, den kann ich nicht mehr ertragen

Dabei fand ich den mit 17 soooo toll!
Kafkas Kurzgeschichten mag ich auch sehr!
Verfasst: 04.08.2008, 10:19
von Gewitterwölkchen
abo!