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Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 06:27
von Pupu
Gleich vorangestellt: es geht nicht um mich
Ich wohne in Finnland und habe hier gerade eine Dame kennengelernt, Anfang-Mitte 50, verschiedene gesundheitliche Probleme. Sie ist ein wenig blauäugig hergezogen und steht nun vor dem Problem, dass sie weder finnisch noch englisch spricht und gar niemanden hat, der ihr bei Behördengängen, Kommunikation mit dem Vermieter etc helfen kann. Ich wohne leider auch gar nicht in ihrer Nähe. Langfristig denke ich also, dass ein Rückzug nach Deutschland für sie die bessere Option sein könnte. Allerdings muss ich feststellen, dass ich das deutsche Sozialsystem halt einfach gar nicht kenne, weil ich da ja eben nicht wohne. Beim Googeln hab ich eben ein Dokument gefunden, das nannte sich "das Sozialsystem im Überblick" oder so ähnlich - das ist 128 Seiten lang

Meine Definition von Überblick wäre erstmal eine Art Diagramm oder sowas gewesen. Mir raucht grad der Kopf, deshalb frag ich jetzt einfach mal ganz planlos hier.
Also soweit ich das verstanden hab, gibt es Arbeitslosengeld II, das nennt sich Bürgergeld. Das ist für Leute, die theoretisch arbeiten können. Richtig? Wie wird das interpretiert? Wenn die Dame rein theoretisch einen Beruf ausüben könnte, wo man sitzend und mit Seheinschränkungen irgendeiner Beschäftigung nachgehen könnte, hätte sie dann Anspruch darauf? Auch wenn es in der Praxis solche Stellen wohl eher selten bis gar nicht gibt?
Und wenn sie praktisch nicht mehr fürs Berufsleben taugt, weil sie zu viele körperliche Einschränkungen hat, was beantragt man dann? An wen wendet man sich? Muss man bei irgendeiner Pflegestelle erst irgendwas beantragen? Welche Atteste braucht man möglicherweise?
Ideal wäre es, wenn man halt vorher irgendwie schon alles klären könnte, ehe sie zurückkehrt, so dass es einen festen Plan gibt. Sie hat nämlich große Angst davor, ins Obdachlosenheim zu kommen und auf der Straße zu landen. Aber irgendwie muss es ja möglich sein, nach Deutschland zurückzuziehen, ohne obdachlos zu werden - auch wenn man keine Ersparnisse oder Angehörige hat und aufs Sozialwesen angewiesen ist. Oder?
Aber das herauszufinden, wie man das anstellt, gestaltet sich grad etwas schwieriger als gedacht. Und wenn ich schon den Überblick verliere, wie geht es dann erst jemandem ohne Computer?
Deshalb hoffe ich ein wenig, dass vielleicht jemand etwas Licht ins Dunkel bringen kann, wie Deutschland heutzutage so funktioniert. Vielen Lieben Dank schonmal

Ich google natürlich parallel auch selbst noch weiter, weiß aber jeden Wegweiser zu schätzen.
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 11:01
von Amber
Mitm Sozialsystem kenn ich mich nicht so aus, aber für die Krankenkasse gibt es eine strikte Altersgrenze: in die GKV kommt man - auch bei Zuzug aus'm Ausland - nur rein, bis man das 55. Lebensjahr vollendet hat . Danach muss man sich privat versichern. Wenn die Dame fast Mitte 50 ist muss sie schnellstmöglich zurück nach D. Die private Krankenversicherung ohne vorherige Altersrückstellungen ist fast unbezahlbar...
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 11:13
von Yadela
Ich kann dir da nicht viel Hoffnung machen.
Wir hatten den Fall in der Verwandtschaft und es hat 1,5 Jahre gedauert bis alles geklärt war und die Krankenversicherung griff.
Da half nur kostenlose Unterkunft in der Familie und hoffen, dass man nicht krank wird.
Ausländische Bescheinigungen waren nur gültig wenn sie über die Botschaft angefordert und dort übersetzt wurden. Teuer und langwierig.
Wenn kein Rentenanspruch wegen Vorversicherungszeiten vorliegt hat sie quasi keine Chance.
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 11:34
von Kaba
Wie lange lebt die denn schon in Finnland, was hat sie davor in Deutschland gemacht? Und will sie selbst auch zurück nach Deutschland?
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 11:52
von Mäusebaby
Spricht sie nur Deutsch? Wie ist sie denn dann überhaupt nach Finnland gekommen und dort bisher klargekommen? Können dieselben Leute/Stellen nicht bei der Rückkehr helfen?
Finnisch oder Englisch lernen ist keine Option?
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 14:04
von Pupu
Familie hat sie keine. Ich versuche nach wie vor, aus den Hintergründen schlauer zu werden. Anfangs war wohl eine andere Person im Spiel (?) die ihr wohl etwas geholfen hat beim Herzug, zu der mittlerweile aber wohl kein Koktakt mehr besteht. Ob das eine Bekannte war, oder ob da eine Liebesgeschichte dahintersteckt - keine Ahnung, geht mich im Grunde ja auch nix an. Aber aktuell hat sie halt niemanden, weder hier, noch in Deutschland. Englisch kann sie nicht, Finnisch lernt sie grad, aber ihre Sprachkenntnisse sind halt auf Anfängerniveau. Genug, um im Supermarkt an der Kasse nicht völlig ratlos zu sein, aber eben längst nicht genug, um mit Behörden klarzukommen - das ist ja schon in der eigenen Sprache nicht ganz einfach
Die Dame ist auch allgemein sehr melodramatisch in ihrer Art, drohte schon mehrfach mit Selbstmord, weil sie nicht mehr weiter weiß. Einerseits kann ich das total nachfühlen, sie ist total am Boden und das merkt man ihr an. Andererseits kann ich halt auch nicht einfach alles fallenlassen - die Kinder haben Ferien und sind alle daheim, ich hab eh schon die Hände voll, und sie wohnt 120km weit weg. Ich kann weder sofort zu ihr, noch kann ich sie langfristig begleiten, dafür reichen meine Kapazitäten gar nicht.
Auf kurze Sicht kann ich ihr bei einem Problem helfen (Versicherungsantrag ausfüllen), aber auf lange Sicht sehe ich irgendwie gar keine rechte Perspektive für sie hier. Dass sie vor 55 zurück nach D sollte, wenn sie zurückkehren will, ist schonmal ein guter Stichpunkt. Sie hat halt eben im Kopf, dass sie nicht nach D zurück kann, weil man sie dann 10 Tage ins Obdachlosemheim steckt ("mit Alkoholikern und Drogensüchtigen!") und sie danach auf der Straße landen würde. Ich denke halt, wenn ich ihr da möglicherweise eine andere Perspektive aufzeigen könnte, dass es eben nicht zwangsweise so ist, dass man sich vorher organisieren kann und direkt irgendwo einziehen kann, dann wäre das für sie langfristig vermutlich die beste Lösung. Ob sie das dann annimmt, ist natürlich eine andere Geschichte. Aber halt so generell - selbst wenn man auf Sozialleistungen angewiesen ist, muss es doch irgendwie Wege geben, nach Deutschland zurückzukehren, ohne obdachlos zu werden.
Ich bin generell etwas im Zwiespalt mit der ganzen Situation. Die Dame ist nicht besonders angenehm in ihrer Art, will auch am besten jetzt sofort Hilfe (die ich ihr jetzt sofort nicht geben kann), ist melodramatisch, leicht hysterisch und sehr fatalistisch. Im Prinzip ist sie eine Wildfremde und ich schulde ihr nichts. Andererseits hat sie schon so vieles allein versucht, sich selbstatändig schon an so viele Instanzen gewendet, aber keiner konnte helfen und sie weiß nun einfach nicht mehr weiter. Es ist halt einfach ein deutlich verzweifelter Schrei nach Hilfe grad, den ich dann auch nicht einfach ignorieren kann/will. Und wenn man komplett am Boden ist, dann denkt man halt nunmal nicht klar und logisch, also ich versuche da auch, über vieles hinwegzusehen. Seufz. Aktuell kommunizieren wir über Sprachnachrichten, und so gibt es halt einige Sachen, die sich vor Ort besser klären lassen (z.B. Schriftverkehr, den sie nicht versteht, den ich von hier aus aber nicht einsehen kann) und auch Sachen, die man vielleicht im persönlichen Gespräch besser anbringen kann als mit Fremden per Sprachnachricht im Internet. Ist irgendwie alles nicht so leicht, aber wenn ich wenigstens ein Bisschen helfen könnte, wäre das ja schonmal ein Anfang.
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 14:45
von Dorkas
Wovon lebt sie denn momentan?
Ganz ohne Bekannte und Ersparnisse (?) in ein anderes Land zurückzuziehen, stelle ich mir äußerst schwierig vor. Irgendwie muss sie ja wissen, wo sie überhaupt hin muss. Sie kann ja schlecht einen Flieger „nach Deutschland“ buchen und dann gucken, was sie macht.
Wo hat sie denn früher gewohnt? Meine Idee wäre, in der Stadt, wo sie gewohnt hat, mal anzurufen (in dem Amt, das für Sozialleistungen zuständig ist) und die Situation zu schildern. Ich habe keine Ahnung, ob man sich als Bürgergeld-Empfänger selber eine Wohnung suchen muss, oder ob das Amt das übernimmt?
Zum Bürgergeld als solches kenne ich es so, dass das das Auffangnetz ist, das jeder bekommt. Also alle Menschen ohne Job, oder zum Aufstocken diejenigen, deren Job/Rente zu klein zum Leben ist. Aber auskenne tu ich mich damit nicht.
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 15:26
von Mau
Obdachlos muss in Deutschland niemand sein. Zumindest niemand mit Staatsbürgerschaft… Die Stelle dafür ist das Wohnungsamt, die sind verpflichtet einen irgendwo unterzubringen. Kann erstmal eine WG sein mit Menschen, die vorher aufgrund der üblichen Probleme obdachlos waren, das kann natürlich schwierig sein. Gibt aber auch viele Apartments und Wohnungen, die die Stadt angemietet hat, die ok sind. Sich vorher informieren und kümmern wäre natürlich viel besser, aber im Zweifel gibt es irgendeine Lösung. Ob man noch im Ausland wohnhaft Bürgergeld beantragen kann, weiß ich nicht… Auch wenn sie nicht arbeitsfähig ist, könnte sie das erstmal beantragen und dann versuchen, in die Grundsicherung (wenn das noch so heißt) für nicht arbeitsfähige Menschen zu kommen.
Klingt aber fast unmöglich da zu helfen…
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 15:28
von Mäusebaby
Wieso genau sucht sie sich keine Arbeit und eine Wohnung in Deutschland und zieht dann um? Vielleicht bin ich naiv, aber ich habe das mehrmals in verschiedene Richtungen, größtenteils innerhalb der EU, gemacht. Ich war nie im Obdachlosenheim. Höchstens in Jobs oder Wohnungen, die ich dann vor Ort in bessere tauschen musste. Aber da ich dann schon mal dort war, ging das einfacher.
Ist die Dame gesund und arbeitsfähig und -willig? Also ihren Charakter schilderst du jetzt nicht so positiv, aber ist da noch mehr im Argen?
Re: Rückzug nach Deutschland - wie geht das?
Verfasst: 22.02.2026, 16:08
von Mäusebaby
Ich merke gerade, dass meine Art, etwas diplomatisch ausdrücken zu wollen, so wirkt, als habe ich deinen Text nicht gelesen. Ich meinte mit „gesund" psychisch gesund, normaler IQ, keine einschränkende Neurodivergenz etc. Weil das alles für eine erwachsene Frau schon ein wenig komisch klingt.