Seite 1 von 1

Basteln/malen mit 3-Jährigen

Verfasst: 02.11.2020, 12:20
von ArcaFi
Hallo Zusammen :)
Ich bin noch techt unerfahren was folgendes Thema betrifft. Meine Tochter ist 3 Jahre alt. Sie ist ein sehr bewegungsbedürftiges Kind, setzt sich aber durchaus auch mal hin um ein Buch anzuschauen oder zu malen.
2 Fragen:
- ich würde gern mit ihr basteln, aber es interessiert sie immer nur für paar Minuten bzw sie mag sich überhaupt nicht an die “Regeln” halten. zb beim malen, nicht in alle Farbtöpfe hintereinander tunken oder beim Filzbälle machen, die Wolle in der Hand rollen etc. Wenn ich versuche, sie trotzdem in diese Richtung zu lenken, steht sie auf und fängt etwas anderes an.
Ist sie mit 3 dafür noch zu klein? Oder ist so etwas eher Charakter-Sache? Oder sollte ich ihrer Kreativität eher freien Lauf lassen und die Augen zu machen, wenn alle Farben komplett vermischt werden und es am Ende kein Ball wird sondern ein wolliger Fussel?
- sie hat mit etwa 2,5 Jahren angefangen Kopffüßler zu malen. Auch schon mit knapp 2 geschlossene Formen. Dann kam der Übergang von Tagesmutter zu Kindergarten. In derEingewöhnung habe ich beobachtet, dass die größeren Kinder beim Malen viel wild gekritzelt haben, habe mir aber nichts dabei gedacht. Nur seit sie im KiGa ist, kritzelt sie selbst nur noch und nennt es Kritzel-Kratzel. Wenn ich sie frage ob sie Lust hat, zb eine Katze zu malen oder ein Gespenst oder was auch immer, woran sie früher mal Spaß hatte (ohne dass es tatsächlich wie eine Katze oder einGespenst ausgesehen hätte), schaut sie etwas... zweifelnd? Verzweifelt? Böse? Ich weiß es nicht genau. Und sagt dann: ich kann das noch nicht!
Ich habe das vielleicht 2-3 mal versucht, denn ich möchte nicht dass sie denkt, das was sie malt sei nicht gut genug für mich. Aber irgendwie hat mich das irgendwie überrascht, diese plötzliche Änderung, und ich mache mir Sorgen: warum denkt sie, sie könne das nicht?
Wenn ich mir beide Themen nochmal durchlese denke ich, dass ich mir vermutlich zu viele Gedanken mache und zu hohe Ansprüche an mein noch kleines Kind habe.

Re: Basteln/malen mit 3-Jährigen

Verfasst: 02.11.2020, 12:55
von dunlaith
Versuche doch mal das gemeinsame Basteln / Malen aus einer anderen Position zu betrachten.
So wie ich es lese, erwartest du ein "schönes" Ergebnis. Dieses Ziel ist den Kindern meist total fremd.
Für Kinder ist malen und basteln eher ein Spiel. Es geht um eine schönes Erlebnis, gemeinsam die Materialien zu erforschen, neugierig zu sein, was entsteht, total ergebnisoffen und absichtslos.
Vielleicht hilft es dir ja, dabei etwas zu entspannen, wenn "nichts" dabei rauskommen muss. Ähnlich beim Spielen mit Puppen oder beim Verkleiden. Da haben die Kinder auch einfach nur ganz viel Spaß, ohne, dass hinterher etwas gezeigt wird, was bewertet wird.

Was das vermischen der Farben angeht: wir haben immer für jede Farbe einen Pinsel benutzt. Sollte der beim Malen sehr mit anderen Farben vermischt worden sein, habe ich ihn kurz ausgewaschen. Und für mich gehört es auch dazu, dass die Kinder entdecken, dass alle Farben zusammen eben eine dunkle Farbe ergeben.

Re: Basteln/malen mit 3-Jährigen

Verfasst: 02.11.2020, 13:17
von Liaa
Ich sehe das wie dunlaith.

Malen und basteln machen wir hier nicht für ein hübsches Ergebnis, sondern als Zeitvertreib. Da darf alles gemacht, was nicht übermäßig Dreck macht.
Was objektiv "schönes" kommt selten dabei raus. Das hat aber wiederum den Vorteil, dass man ohne allzu schlechtes Gewissen ein Großteil der Basteleien wieder entsorgen kann...
Wassermalfarben dürfen hier ohne Pinselwechsel benutzt werden.

Beim Malen mit flüssiger Farbe gibt es von jeder Farbe ein dicken Klecks auf einen Pappteller. So werden nur die eigenen Farben vermischt und der Pappteller ist danach schnell entsorgt.

Re: Basteln/malen mit 3-Jährigen

Verfasst: 02.11.2020, 13:21
von Liaa
Ansonsten finde ich 3 Jahre auch noch relativ jung. Klar klappt es da bei einigen, aber bei vielen eben noch nicht.

Das Erfühlen von Farbe oder Wolle kommt z.B. bei meiner Tochter häufig vor. Es ist einfach ihre bevorzugte Art Sinne wahrzunehmen. Nach ein paar Minuten landen bei ihr immer die Finger in der Farbe und sie malt sich am Liebsten selber an. Sie ist übrigens gute 4.

Re: Basteln/malen mit 3-Jährigen

Verfasst: 02.11.2020, 13:29
von Grizelda
Hier ist beim Malen/Basteln auch eher "der Weg das Ziel". Will sagen, dass ich mittlerweile versuche, da ergebnisoffen heran zu gehen. Und der Maus die Materialien so bereit stelle, dass wir beide stressfrei damit arbeiten können. Das heißt bei Fingerfarben zum Beispiel, dass ich ihr von jeder Farbe etwas auf einen Teller gebe. So bin ich entspannter, weil ich keine Sorge habe, dass wir irgendwann nur noch einen undefinierbaren Farbton in den Töpfen haben, und meine Tochter kann ganz nach Lust und Laune mischen.

Seit ein paar Wochen hat sie die meisten Bastelmaterialien auch in ihrem eigenen Bastelkoffer zur freien Verfügung und nutzt das auch sehr ausgiebig. Auch da musste ich für mich erst einmal akzeptieren, dass Wackelaugen, Aufkleber und das bunte Papier halt Verbrauchsmaterial sind und es okay ist, wenn sie zwanzig Augen nebeneinander aufklebt. Es liegt dann an mir, wie viel ich ihr in den Bastelkoffer tue.

Zum Malen selbst kann ich nichts sagen, wir sind hier von Kopffüßler noch weit entfernt. Es gab eine lange Zeit, in der die Maus wollte, dass ich etwas für sie male ("Mama, mal doch mal ein Känguru mit Kind im Beutel" 😱😂), das hat aber komplett nachgelassen. Ich denke, dass es da - wie bei Vielem - auch einfach Phasen gibt. Und wenn die großen Kinder im Kindergarten Krikel-Krakel malen, ist die Orientierung an den Größeren doch auch altersentsprechend. Oder meinst Du, die anderen Kinder hätten ihre das eingeredet, dass sie "nur" Krikel-Krakel malt? Dann wäre es vielleicht eine Option, die Erzieher mal drauf anzusprechen.

Re: Basteln/malen mit 3-Jährigen

Verfasst: 02.11.2020, 22:47
von ArcaFi
Vielen lieben Dank für eure Antworten!! Ihr habt so recht, beim Basteln geht es um das Erlebnis und nicht um das Ergebnis, und ich fühle mich irgendwie schlecht meiner Tochter gegenüber, dass ich das missverstanden und so viel „erwartet“ habe :(
Danke für die Tipps mit der Farbe, ich werde mal versuchen das so zu handhaben. Ist ja auch irgendwie naheliegend :mrgreen:
Buntes Papier, Stifte und Schere liegen schon länger frei zur Verfügung und das klappt ganz gut :)

Was die Sache mit dem Kritzel-Kratzel habe ich versucht zu verstehen, was mir Sorgen macht. Ich denke es sind 2 Dinge.
Einerseits habe ich es quasi als Rückschritt in eine frühere Phase interpretiert und bin davon ausgegangen, dass es einen Auslöser gegeben haben muss, dass sie sich vielleicht nicht wohl fühlt. Meine Sorge liegt vielleicht daran dass ich wenig Ahnung habe, wie es in der KiTa läuft, da wir wegen Corona quasi keinen Kontakt zu den Erzieherinnen haben und in unserem Fall auch nur in der kurzen Eingewöhnung hatten. Ich werde versuchen das Gespräch zu suchen um mich diesbezüglich zu beruhigen.
Andererseits, und das ist eng mit dem ersten Aspekt verbunden, habe ich mich selbst schon im Kindergarten und später in der Schule nicht wohl gefühlt und wurde viel gehänselt. Vielleicht stelle ich mir deswegen vor, die größeren Kinder würden ihr so etwas einreden. Ist wahrscheinlich völlig irrational, vor Allem weil sie einen ganz anderen Charakter hat als ich damals und sehr selbstbewusst ist.
Werde mal schauen wie ich diese Befürchtung beiseite legen kann, das wäre gesünder für uns beide :)