Cooler Papa, strenge Mama?
Verfasst: 14.07.2019, 17:29
Ich bin grad etwas gefrustet. Gut, vielleicht ist der Titel für das Alter meiner Kleinen etwas überspitzt formuliert, aber im Grunde drückt er meine Bedenken aus, und es geht ja auch noch jahrelang weiter. Mich würde mal interessieren, ob ihr solche Gedanken auch habt, oder eher gar nicht ... ob ich übertreibe mit Sorgenmachen?
Also, da ich klassischerweise in Elternzeit bin (mein Mann hatte nur die 2 Monate, für die es dann noch Geld gab), bin ich natürlich mehr mit unserem Kind zusammen. Was ich ja auch sehr schön finde, das möchte ich nicht abstreiten, auch wenn ich mich auf die Teilzeitarbeit im Herbst auch wieder sehr freue. Dadurch absolviere ich natürlich viel mehr "Pflichtprogramme" mit der Kleinen als ihr Papa. Außerdem kommt dazu, dass ich dadurch halt in einigen Dingen (z. B. beim Essenmachen fürs Kind) geübter bin und schneller daran denke, was jetzt wieder gemacht werden muss, während er da so etwas in den Tag hineinlebt. Der typische mental load bei vielen Frauen halt, darüber könnte man natürlich auch noch seitenweise Threads schreiben, aber darum soll es jetzt gar nicht gehen, sondern darum, wie das für das Kind ist.
Ich hab nämlich Angst, dass ich für die Kleine, obwohl ich ja unterm Strich mehr für sie tue bzw. vor allem mir mehr Gedanken mache (auch wenn sie das jetzt noch gar nicht verstehen kann), dann trotzdem eher "die Böse" bin, die oft negativ besetzte Dinge tut (u. a. so nerviges Zeug wie wickeln, umziehen, Zähneputzen, Medikamente geben und so), während der Papa lustig und locker rüberkommt und für mehr Spaß zuständig ist als ich. Noch ein paar Beispiele:
- Ich fahre dank Elternzeit mit der Kleinen zu allen Impfterminen und "liefere sie den fremden Menschen und der Spritze aus".
- Ich werde die Eingewöhnung in die Krippe übernehmen und "verlasse sie" (immer öfter und irgendwann ganz für bis nach dem Mittagschlaf
).
- Ich schnappe das Kind, wenn ich feststelle, es ist Essenszeit oder es ist müde und "entreiße es dem schönen Spiel".
- Ich wechsle eine unüberriechbare Windel, während der Papa meint, "och, jetzt doch noch nicht, sie spielt grad so schön" (aber sie will ja sowieso NIE gewickelt werden, irgendwann muss es ja eh sein).
- Ich habe, wenn ich mit ihr die 8 Stunden allein bin, zeitweise wenig Aufmerksamkeit für sie, weil ich ja nebenbei einige Haushaltsdinge erledigen muss, zuallermindest ihr etwas zu essen machen (wenn der Papa "Tochterzeit" hat, macht er so was nebenbei eher nicht, weil er ja sowieso weniger Zeit mit ihr verbringt, außerdem bin ja dann meist auch noch ich da und kann den Rest erledigen).
- Ich lege irgendwann ein Veto ein, wenn die Kleine vom Papa das dritte Stück Crepe mit Schokocreme oder außerplanmäßig Eis, Pudding o. ä. zugesteckt bekommt (unter anderem auch tatsächlich ein bisschen, um sich beliebt zu machen, wie er sagt, denn "du kannst ja stillen" -- wie man hier unschwer erkennt, denke ich aber gar nicht, dass er so was nötig hat, um beliebt zu sein).
- Ich bin die, die "Nein!" ruft und einschreitet, wenn das Kind sich einen verbotenen Gegenstand schnappt, während eigentlich gerade Papa zuständig ist, darauf aufzupassen, dass der nicht geschnappt wird (weil er das Kind kurzfristig unnötigerweise in die Nähe des Gegenstandes setzt und die "Gefahr" nicht sieht).
- ......
Später wird das wohl so weitergehen, indem ich z. B. das Kind zu den Hausaufgaben drängen muss, weil der Papa ja gar nicht dabei ist nachmittags, und wahrscheinlich noch ganz viele Dinge, die ich jetzt noch gar nicht auf dem Schirm habe, weil sie ja jetzt noch so klein ist. Vielleicht z. B.: was Vernünftiges/Sauberes in die Schule anziehen, während der Papa wahrscheinlich täglich dieselben Lieblingsklamotten erlauben würde, einfach weil es ihm wurscht ist und er über so was auch bei sich selbst nicht so viel nachdenkt (hat auch Glück mit seinem Job, kann da aussehen wie er will).
Das ist natürlich alles nix großartig Neues (und ich merke, dass es leider ein bisschen achtzigermäßig - oder noch älter - klingt, wenn der Papa hauptsächlich als großzügiger Spielkamerad rüberkommt). Also, mein Mann ist mehr für die Kleine verfügbar als es mein Vater damals für mich war, schon weil er andere Arbeitszeiten hat (mein Vater kam oft erst heim, wenn ich schon im Bett war, mein Mann kommt gegen 16 Uhr), und trotzdem ... es ist ja ungleich, und vor allem macht sich mein Mann halt weniger Gedanken und legt den Fokus mehr auf Spaß - würde ich ja auch gern, aber das kann ich halt nicht machen, bei allem, was noch nötig ist, wenn ich allein daheim bin. Ich erinnere mich, dass ich als Kind meine Mutter ziemlich streng fand und dass ich immer viel "sollte" bei ihr. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, merke ich, wie unrecht ich ihr wahrscheinlich getan habe, aber das zeigt halt, dass Kinder so was WIRKLICH nicht verstehen können und dass für Kinder eigentlich anderes wichtig ist (zwar auch nur, solange die Rahmenbedingungen stimmen, also solange man nicht krank ist, kaputte Zähne hat, in der Schule sitzenbleibt o. ä., aber so was wird ja als Kind je nach Alter selbstverständlich genommen). Ich kann mich kaum an Spiele mit meiner Mutter erinnnern, mit meinem Vater am Wochenende aber ausgiebig. Auch bei uns ist es so, wenn wir beide zu Hause sind, dann kümmere ich mich mehr um den Haushalt und er sich mehr ums Kind - ergibt sich einfach so, weil ich halt an mehr denke.
Ich will für mein Kind nicht die strenge Pflichtmama sein. Zumal ich mir ja WIRKLICH mehr Gedanken mache als der Papa. Kennt ihr die Befürchtung? Oder gar Lösungen, und sei es nur ein innerliches Umdenken?
Danke fürs Lesen meines langen Textes!!
Also, da ich klassischerweise in Elternzeit bin (mein Mann hatte nur die 2 Monate, für die es dann noch Geld gab), bin ich natürlich mehr mit unserem Kind zusammen. Was ich ja auch sehr schön finde, das möchte ich nicht abstreiten, auch wenn ich mich auf die Teilzeitarbeit im Herbst auch wieder sehr freue. Dadurch absolviere ich natürlich viel mehr "Pflichtprogramme" mit der Kleinen als ihr Papa. Außerdem kommt dazu, dass ich dadurch halt in einigen Dingen (z. B. beim Essenmachen fürs Kind) geübter bin und schneller daran denke, was jetzt wieder gemacht werden muss, während er da so etwas in den Tag hineinlebt. Der typische mental load bei vielen Frauen halt, darüber könnte man natürlich auch noch seitenweise Threads schreiben, aber darum soll es jetzt gar nicht gehen, sondern darum, wie das für das Kind ist.
Ich hab nämlich Angst, dass ich für die Kleine, obwohl ich ja unterm Strich mehr für sie tue bzw. vor allem mir mehr Gedanken mache (auch wenn sie das jetzt noch gar nicht verstehen kann), dann trotzdem eher "die Böse" bin, die oft negativ besetzte Dinge tut (u. a. so nerviges Zeug wie wickeln, umziehen, Zähneputzen, Medikamente geben und so), während der Papa lustig und locker rüberkommt und für mehr Spaß zuständig ist als ich. Noch ein paar Beispiele:
- Ich fahre dank Elternzeit mit der Kleinen zu allen Impfterminen und "liefere sie den fremden Menschen und der Spritze aus".
- Ich werde die Eingewöhnung in die Krippe übernehmen und "verlasse sie" (immer öfter und irgendwann ganz für bis nach dem Mittagschlaf
- Ich schnappe das Kind, wenn ich feststelle, es ist Essenszeit oder es ist müde und "entreiße es dem schönen Spiel".
- Ich wechsle eine unüberriechbare Windel, während der Papa meint, "och, jetzt doch noch nicht, sie spielt grad so schön" (aber sie will ja sowieso NIE gewickelt werden, irgendwann muss es ja eh sein).
- Ich habe, wenn ich mit ihr die 8 Stunden allein bin, zeitweise wenig Aufmerksamkeit für sie, weil ich ja nebenbei einige Haushaltsdinge erledigen muss, zuallermindest ihr etwas zu essen machen (wenn der Papa "Tochterzeit" hat, macht er so was nebenbei eher nicht, weil er ja sowieso weniger Zeit mit ihr verbringt, außerdem bin ja dann meist auch noch ich da und kann den Rest erledigen).
- Ich lege irgendwann ein Veto ein, wenn die Kleine vom Papa das dritte Stück Crepe mit Schokocreme oder außerplanmäßig Eis, Pudding o. ä. zugesteckt bekommt (unter anderem auch tatsächlich ein bisschen, um sich beliebt zu machen, wie er sagt, denn "du kannst ja stillen" -- wie man hier unschwer erkennt, denke ich aber gar nicht, dass er so was nötig hat, um beliebt zu sein).
- Ich bin die, die "Nein!" ruft und einschreitet, wenn das Kind sich einen verbotenen Gegenstand schnappt, während eigentlich gerade Papa zuständig ist, darauf aufzupassen, dass der nicht geschnappt wird (weil er das Kind kurzfristig unnötigerweise in die Nähe des Gegenstandes setzt und die "Gefahr" nicht sieht).
- ......
Später wird das wohl so weitergehen, indem ich z. B. das Kind zu den Hausaufgaben drängen muss, weil der Papa ja gar nicht dabei ist nachmittags, und wahrscheinlich noch ganz viele Dinge, die ich jetzt noch gar nicht auf dem Schirm habe, weil sie ja jetzt noch so klein ist. Vielleicht z. B.: was Vernünftiges/Sauberes in die Schule anziehen, während der Papa wahrscheinlich täglich dieselben Lieblingsklamotten erlauben würde, einfach weil es ihm wurscht ist und er über so was auch bei sich selbst nicht so viel nachdenkt (hat auch Glück mit seinem Job, kann da aussehen wie er will).
Das ist natürlich alles nix großartig Neues (und ich merke, dass es leider ein bisschen achtzigermäßig - oder noch älter - klingt, wenn der Papa hauptsächlich als großzügiger Spielkamerad rüberkommt). Also, mein Mann ist mehr für die Kleine verfügbar als es mein Vater damals für mich war, schon weil er andere Arbeitszeiten hat (mein Vater kam oft erst heim, wenn ich schon im Bett war, mein Mann kommt gegen 16 Uhr), und trotzdem ... es ist ja ungleich, und vor allem macht sich mein Mann halt weniger Gedanken und legt den Fokus mehr auf Spaß - würde ich ja auch gern, aber das kann ich halt nicht machen, bei allem, was noch nötig ist, wenn ich allein daheim bin. Ich erinnere mich, dass ich als Kind meine Mutter ziemlich streng fand und dass ich immer viel "sollte" bei ihr. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, merke ich, wie unrecht ich ihr wahrscheinlich getan habe, aber das zeigt halt, dass Kinder so was WIRKLICH nicht verstehen können und dass für Kinder eigentlich anderes wichtig ist (zwar auch nur, solange die Rahmenbedingungen stimmen, also solange man nicht krank ist, kaputte Zähne hat, in der Schule sitzenbleibt o. ä., aber so was wird ja als Kind je nach Alter selbstverständlich genommen). Ich kann mich kaum an Spiele mit meiner Mutter erinnnern, mit meinem Vater am Wochenende aber ausgiebig. Auch bei uns ist es so, wenn wir beide zu Hause sind, dann kümmere ich mich mehr um den Haushalt und er sich mehr ums Kind - ergibt sich einfach so, weil ich halt an mehr denke.
Ich will für mein Kind nicht die strenge Pflichtmama sein. Zumal ich mir ja WIRKLICH mehr Gedanken mache als der Papa. Kennt ihr die Befürchtung? Oder gar Lösungen, und sei es nur ein innerliches Umdenken?
Danke fürs Lesen meines langen Textes!!