Seite 1 von 2

Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 12.07.2018, 13:45
von Nerina
Hallo zusammen!

Vorweg: ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Frage in diesem Forum richtig ist oder eher ins Krankheiten-Forum gehören würde. Allerdings geht es mir tatsächlich um den Zusammenhang mit dem Stillen...

Aber von vorne: meine im Juni 2 Jahre alt gewordene Tochter musste zur Abklärung rezidivierender Petechien zum Hämatologen. (Dabei ist eine leichte Thrombozytenfunktionsstörung diagnostiziert worden, um die geht es mir aber gerade gar nicht.) In diesem Zuge stellte der Hämatologe eine Eisenmangelanämie fest und äußert den dringenden Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel. Beides empfiehlt er zu substituieren. So weit, so gut.
Ich frage mich allerdings jetzt, inwiefern diese Mangelerscheinungen mit dem Stillen zusammenhängen können? Meine Tochter ist ein absoluter Stillfan und ein wenig begeisterter Esser. Mit 6 Monaten habe ich angefangen, Beikost anzubieten, die sie zwar interessiert zermatscht, aber seltenst gegessen hat. Brei ging gar nicht, nie. Der wurde angewidert ausgespuckt. Im ersten Lebensjahr sind nur mikroskopische Mengen fester Nahrung in diesem Kind gelandet, und auch zumindest in der ersten Hälfte des zweiten Lebensjahres war das Stillen Hauptnahrungsquelle. Seit sie etwa 1,5 ist, geht essen besser, aber sie ist sehr wählerisch. Obst geht gut, Brot nicht so. Eine Weile hat sie nur Wurst und Fleisch gegessen, im Moment hat sie eine Nudel-Phase. Wenn ihr das Essen nicht passt, verweigert sie es kategorisch :roll: und isst dann einfach auch gar nix. Dann stille ich natürlich, damit IRGENDWAS ins Kind geht.
Ich habe natürlich einen Gesprächstermin mit unserem Kinderarzt, würde mich aber vorab gerne schon ein bisschen schlau machen. Ich mache mir gerade halt sehr große Vorwürfe, weil ich das Gefühl habe, mein Kind nicht richtig ernährt zu haben. Hätte ich das Stillen drastischer begrenzen müssen, um sie so zum Essen zu "zwingen"? Sollte ich jetzt Abstillen, damit sie besser isst? Sie stillt auch tagsüber noch häufig, da allerdings meist nur noch seeeehr kurz. Da habe ich das Gefühl, es geht mehr ums Mamatanken. Nachts dagegen trinkt sie noch richtig. Seit Anfang Juni geht sie in die Krippe und wird da auch Mittagessen. Ich hoffe, dass dadurch einfach auch das Essproblem kleiner wird.
Aber die Frage ist trotzdem: sollte ich baldmöglichst abstillen, damit sie gezwungen ist, sich über feste Nahrung das zu holen, was sie braucht?

Ratlose Grüße,
Nerina

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 12.07.2018, 13:53
von pqr
Bei Eisenmangelanämie bringt Eisen übers Essen bei Kindern nicht schnell genug Erfolg. Da sind die Tropfen angesagt.
Ich denke nicht, dass das Stillen die Eisenangelanämie ausgelöst hat, sondern, dass Dein Kind die für Eisemangelanämie typische Appetitlosigkeit gezeigt hat. Da diese Kinder oft weiter stillen und deshalb im Gegensatz zu den abgestillten Kindern nicht unbedingt ins Untergewicht rutschen, fällt die Anämie oft recht spät auf.
Es gibt im Kranksein Forum auch noch einen Thread zu Eisemangel.

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 12.07.2018, 15:16
von Mondenkind
Hallo, nur kurz, später ausführlicher: ernährt ihr euch irgendwie besonders oder esst ihr fast alles? In welcher Schwangerschaftswoche wurde dein Kind geboren und wie wurde sie geboren?

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 12.07.2018, 17:11
von Nerina
Wir essen alles! Sie ist bei 38+2 spontan, schnell und komplikationslos zur Welt gekommen.

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 13.07.2018, 09:42
von Nerina
So, jetzt nochmal ausführlicher, gestern hatte ich kaum Zeit.

Danke für deinen Beitrag, pqr, wenn es so wäre, würde ich mich nicht ganz so schlecht fühlen... Tropfen soll sie auf jeden Fall bekommen, ich habe nächste Woche einen Termin bei unserem Kinderarzt, um das zu besprechen. Aber generell muss sie ja mal richtig essen, daher meine Überlegung, ob ich dazu nun Abstillen sollte.

Mondenkind, wie oben schon geschrieben, wir ernähren uns "normal", essen Fleisch und Fisch und generell einigermaßen ausgewogen und gesund. Was mich auch irritiert ist, dass sie überhaupt keine dieser typischen Anzeichen für solche Mangelerscheinungen hat: sie ist NICHT müde oder antriebslos, schläft eh schon relativ wenig und ist fit, agil und fröhlich. Sie ist auch nicht auffällig blass.

Sie hat Essen immer angeboten bekommen, aber sehr oft war es einfach so, dass sie tatsächlich so gut wie nix gegessen hat. Tage mit einem Stückchen Käse und ein paar Weintrauben waren durchaus nicht selten... Wobei sich das in den letzten Monaten geändert hat, da isst sie besser, auch wenn sie mengenmäßig weit von dem entfernt ist, was der große Bruder in dem Alter gegessen hat. Aber in den letzten Tagen hat sie beispielsweise zweimal täglich warm gegessen.

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 13.07.2018, 09:45
von pqr
Es ist oft so, dass der Appetit auf Essen kommt, wenn durch die Tropfen der Eisenwert ansteigt.
Von daher würde ich Eisentropfen geben und abwarten ( und natürlich Essen anbieten.)

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 13.07.2018, 13:08
von Reike
Bei meinem Großen wurde mit einem Jahr ein starker Eisenmangel festgestellt. Wir haben dann mit Tropfen und zusätzlich Schüßler Salzen supplementiert. Nach 6 Wochen war der Wert wieder im Normalbereich und er fing an zu essen, ohne dass ich irgendwas am Stillen geändert hätte. Das Essen kam einfach dazu. Vorher bestand eine normale Mahlzeit auch nur aus 5 halben Heidelbeeren oder 3 Nudeln.
Ich würde auch die Tropfen geben, Essen anbieten und ansonsten abwarten. Das Stillen einschränken kannst du dann immer noch. Aber das ist bestimmt gar nicht notwendig.

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 13.07.2018, 22:57
von Mondenkind
Nerina hat geschrieben: 12.07.2018, 17:11 Wir essen alles! Sie ist bei 38+2 spontan, schnell und komplikationslos zur Welt gekommen.
Ok, damit hattet ihr keine Risiken für einen Eisenmangel ab Geburt.
Nerina hat geschrieben: 12.07.2018, 13:45 Aber die Frage ist trotzdem: sollte ich baldmöglichst abstillen, damit sie gezwungen ist, sich über feste Nahrung das zu holen, was sie braucht?
Nein. Muttermilch enthält gut verfügbares Eisen und hemmt nicht die Eisenaufnahme aus der Nahrung. Es gibt keinen Grund, abzustillen.

Manchmal passiert es einfach, dass sich ein Eisenmangel entwickelt, ohne dass man genau sagen kann, woran es lag. Daran hat niemand Schuld und es ist gut zu behandeln- aber über die Zufuhr von künstlichem Eisen, nicht über die Nahrung allein. Also über Eisentropfen oder -tabletten.

Still ruhig weiter nach Bedarf, gib ihr die Tropfen und biete ihr abwechslungsreiche Mischkost an. Hast du schon in die Linksammlung geschaut, dort findest du auch Threads zu dem Thema.

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 14.07.2018, 09:45
von NIN
Ich habe auch 2 sehr dünne Kinder und habe mich auch immer gefragt "würden sie mehr essen, wenn ich abstillen?" und wäre das nicht besser...
Den großen habe ich dann mit ca 1,5 Jahren abgestillt. Eigentlich hauptsächlich wegen der katastrophalen Nächte. Auf Nächte und essen hatte es kaum Einfluss, ausser, dass er eine Zeit lang um 4Uhr Banane oder Müsli wollte...
Meine Tochter habe ich einfach weiter gestillt. Da kann dann die nächste Schwangerschaft und wegbleibende Milch mit ca 1 3/4 J. Auch sie hatte dann oft nachts Hunger, wenn das Abendessen karg ausfiel. Ich glaube manche Kinder schaffen es einfach später genug Kalorien über feste Nahrung aufzunehmen. Jedenfalls hatte ich bei meiner Tochter sehr lange das Gefühl eine zwischenmahlzeit muttermilch bringt mehr Kalorien ins Kind als das was sie am Tisch mit isst.
Bei uns wurden die Mengen ab 2 irgendwann mehr, allerdings weiter kein Vergleich zu anderen Kindern.
Mit dem eisenmangel hast du jetzt ja etwas, das du angehen kannst. Wurde der b12 Mangel nur vermutet oder schon im Labor bestimmt?

Re: Eisenmangelanämie und Vitamin-B12-Mangel bei älterem Stillkind

Verfasst: 14.07.2018, 10:27
von Nerina
Vielen Dank euch allen! Wir haben nächste Woche den Termin beim Kinderarzt um alles zu besprechen. Ich bin sehr gespannt, was die sagen. Es ist eine Gemeinschaftspraxis, und obwohl ich beide Ärzte eigentlich sehr schätze, klammere ich zumindest mit einem der beiden das Thema Stillen immer aus, weil seine Ansichten da etwas veraltet sind. (Beim Großen meinte er mit 10 Monaten, ich solle jetzt nachts dringend Abstillen, das brauche das Kind nicht mehr. Sah mein Sohn anders :lol:) Der andere Arzt ist da sehr entspannt, und hat das lange Stillen bisher immer nur kommentarlos abgenickt.