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Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 09.11.2017, 23:29
von Carraluma
In allen (bisher von mir gelesenen) Artikeln über Medienkonsum von Kindern ging es immer nur um "Bildschirm"-Medien (TV, Computer, Smartphone ...). Für diese gibt es Empfehlungen über die tägliche Maximaldauer (wobei das natürlich auch alles andere als wissenschaftlich ermittelte Werte sind), wie beispielsweise von 3 bis 7 Jahren max 30 min/Tag.

Was ist nun mit anderen Medien? Als wichtige Medien fallen mir noch Bücher und Zeitschriften und Radio und andere Audiomedien ein. Lesen wird ja allgemein als besonders wichtig und fördernswert betrachtet. Und solange es nicht so extrem wird, dass anderes Wichtiges vernachlässigt wird, spricht wohl nichts dagegen. Naja, Bewegung und draußen sein, sollte aus gesundheitlichen Gründen wohl auch noch stattfinden, oder?

Aber was ist mit Audiomedien wie Hörspielen? Wie wirken sich die auf die Entwicklung unserer Kinder aus? Beschränkt ihr die Hörzeit eurer Kinder? Glaubt ihr, dass oft Hörspiele hören negative Auswirkungen hat (verglichen mit Büchern?) Ist das auch ein "ruhig stellen" wie mit dem Fernsehen (der mMn Kinder oft komplett erstarren lässt)?

Meine Große (knapp 5 J.) hört momentan geschätzt oft etwa 4 Hörspiele am Tag (etwa 2 Stunden) und malt teilweise dabei. Wie ist das bei euch?
Naja auf dem Tablett erscheint immer noch das Cover der Folge, die gerade läuft. Das schaut sie auch gerne an. Sollte ich das verhindern? Ist das mit Fernsehen vergleichbar? Was meint ihr?
Vielen Dank im Voraus für eure Antworten.

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 08:51
von 7buchstaben
Nur schnell und kurz: es gibt sie KIM- Studie und auch Mini-KIM. Dort wurden Und werden Daten zur Mediennutzung erhoben, ausgewertet und zum Teil genauer beleuchtet. Also alles, auch bücher und hörbücher
Vllt gibt's auf der Internetseite auch so noch wissenswertes für dich? Materialien sind zum downloaden und / oder kostenlos bestellen.

Liebe Grüße von 7buchstaben mit minimaus07/2013 und baby03/2017


Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 10:00
von Elena
Ich begrenze Hörspiele/Hörbücher nicht aktiv, aber ich rege meine Kinder auch nicht an, sie zu hören. Ich sehe die nämlich schon ein bisschen kritisch. Meine Mittlere, die ziemlich empfindlich ist, was akustische Reize und "Trubel" allgemein angeht, reagiert zum Beispiel total aggressiv auf Ritter Rost-Hörspiele. Sie flippt da richtiggehend aus. Die Bücher mag sie! Wenn ich Hörspiele mit "Kinderohren" höre, finde ich sie oft zu schnell, zu laut, zu trubelig. Ähnlich wie Trickfilme. Je älter die Kinder werden, umso eher habe ich das Gefühl, dass sie bei den Geschichten auch wirklich mitkommen. Beim Vorlesen fragen sie ja auch mal nach, machen mal eine Bemerkung. Das fällt bei Hörbüchern/Hörspielen weg... in den meisten Fällen würde ich gerade bei kleinen Kindern Hörbücher (ungekürzte Fassungen) gegenüber Hörspielen bevorzugen, weil das Erzähltempo und die Geschichte insgesamt ruhiger sind. Ich bin aber auch selbst sehr empfindlich, was akustische Reize angeht. Ich hasse es z.B. mit jemandem zu reden, während dazu Musik läuft.

Meine 6jährige und meine 8jährige hören gerne 5 Freunde und Hanni und Nanni zum Basteln dazu. Auch mal 2 Stunden am Stück, wobei das so exzessiv nicht häufiger als 1-2mal pro Monat vorkommt. Typischerweise hören wir Hörspiele beim Autofahren, sonst nur selten.

Und dann gibt es aber auch Hörbücher oder Hörspiele, die einfach richtig toll sind, weil sie wahnsinnig gut gesprochen sind und dadurch vielleicht gegenüber dem Buch auch noch gewinnen. Zum Beispiel "Sultan und Kotzbrocken" oder "Harry Potter".

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 10:03
von Elena
Carraluma hat geschrieben: 09.11.2017, 23:29 Glaubt ihr, dass oft Hörspiele hören negative Auswirkungen hat (verglichen mit Büchern?) Ist das auch ein "ruhig stellen" wie mit dem Fernsehen (der mMn Kinder oft komplett erstarren lässt)?
Ich würde die Gefahr bei Hörspielen eher nicht darin sehen, dass das Kind ruhiggestellt wird, sondern und er akustischen Reizüberflutung. Dadurch, dass Kinder dabei häufig noch etwas anderes machen, hätte ich Bedenken, dass sie sich weniger auf eine Sache konzentrieren. Neben dem Hörspiel her malen geht ja noch ganz gut, aber nebenher Lego bauen (was Kompliziertes mit Anleitung) oder sogar gemeinsam spielen finde ich schon schwierig.

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 19:42
von zilpzalp
Soweit ich weiß gibt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung was über die Nutzung von Medien, wo auch Hörbücher und so Erwähnung finden. Da werden Hörbücher etc den visuellen Medien gleichgesetzt, also auch nur eine halbe Stunde pro Tag, wobei da auch gesagt wird, dass man immer das Kind im Blick haben sollte. Manche vertragen deutlich mehr, während diese Zeit für andere schon zu viel ist.

Vom lesen wurde übrigens auch mal gesagt, dass man nicht so viel lesen solle, weil das schädlich sein soll. Der Grund, weswegen ich als Kind soviel Fernsehen schauen durfte wie ich wollte, da meine Mutter solchen Empfehlungen nicht mehr geglaubt hat.

Bei unseren Kindern handhaben wir es nicht ganz so freizügig bisher, aber sie schauen schon deutlich länger als die empfohlene Menge...

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 19:48
von Sakura
Ich dachte früher auch immer, "nur" Fernsehen/Tablet wäre "böse" und sollte begrenzt werden. Mittlerweile und aus Erfahrung sage ich persönlich für uns: es sind alles nur Medien, mit dem gleichen Effekt. Meine Kinder sitzen wie hypnotisiert, egal ob sie Hörspiel hören, Fernsehen, oder die Oma stundenlang vorliest. Daher begrenze ich jetzt alles, auch das Vorlesen durch die Oma. Klingt hart, die Oma versteht das gar nicht, aber ich sehe, dass es auf meine Kinder den gleichen Effekt wie Fernsehen hat. Es gibt ein Zuviel. Und wenn ich daran zurück denke, wie ich als Kind gelesen habe.... absolut hypnotisiert, unfähig, aufzuhören, heimlich mit der Taschenlampe im Bett.... JEDE, und ich meine wirklich JEDE freie Minute habe ich gelesen.

Grundsätzlich dürfen meine Kinder alle Medien konsumieren, aber ich achte darauf, wann es ihnen zuviel wird.
Dann rege ich eine andere Aktivität an, und nehme dafür auch mal Protest in Kauf.


7buchstaben, in die Studien schaue ich gleich mal rein, danke für den Tipp-

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 20:08
von Elena
Sakura hat geschrieben: 10.11.2017, 19:48Es gibt ein Zuviel. Und wenn ich daran zurück denke, wie ich als Kind gelesen habe.... absolut hypnotisiert, unfähig, aufzuhören, heimlich mit der Taschenlampe im Bett.... JEDE, und ich meine wirklich JEDE freie Minute habe ich gelesen.
Und das hast du in schlechter Erinnerung??? Oder verstehe ich das jetzt falsch? Ich habe auch so exzessiv gelesen wie von dir beschrieben, und es ist eins der Dinge, die ich meinen Kindern am meisten wünschen würde. Wissen, wie es sich anfühlt, völlig in Geschichten abzutauchen, selbst Geschichten zu erfinden...

Ich habe zu machen Zeiten tatsächlich jede freie Minute mit einem Buch im Bett gelegen. Wobei man jetzt "freie Minute" definieren muss: Ich war in der Kirchengemeinde engagiert, bin 4mal pro Woche geritten, habe intensiv zwei Instrumente gespielt. Den Rest der Zeit lag ich mit einem Buch im Bett. Meine Eltern haben dann manchmal nach ein paar Stunden genervt gefragt, ob ich nicht mal was Sinnvolles machen will. Das ist so ziemlich das einzige an ihrer Erziehung, das ich ihnen übel nehme. Und ich verstehe es bis heute nicht. Ich glaube, darauf muss ich sie mal ansprechen. Meine Mutter liest selbst mindestens 6 Bücher pro Monat, fährt auf Literaturseminare, hat einen privaten Literaturkreis, betont immer, wie wichtig sie lesen findet. Vielleicht war ihr mein Abtauchen auch irgendwie unheimlich? Aber ich habe ja nicht mal Schrott gelesen (oder zumindest eher selten :lol: )! Da kann ich eine Begrenzung ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Wenn es so weit geht, dass sich ein Kind nicht mehr bewegt oder keine Sozialkontakte hat, okay. Aber ehrlich gesagt kenne ich kein Kind, das extrem viel liest und ansonsten gar keine Hobbys hat. Ich kenne aber sehr wohl viele Kinder, die viel Fernsehen/Computer spielen, und ansonsten keine Hobbys haben. Rein instinktiv und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sehe ich einen gewaltigen Unterschied zwischen Fernsehen und lesen. Wobei ich aber auch nicht ausschließen will, dass es tatsächlich Kinder gibt, denen man "zuviel" vorlesen kann...

Wieviel ist denn in dem Fall zuviel? Wir lesen meist dreimal täglich ca. 30 min vor, öfter auch mal 60min. Ich empfinde das als viel (für uns Eltern :lol: ), aber noch lange nicht als zuviel für die Kinder.

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 20:22
von Kinsale
Elena, ich habe so eine Dauerleserin (also so wie du das beschreibst, nicht ausschließlich). Und ich war auch so und ich finde wunderbar, dass sie sich in den Geschichten verlieren kann. Trotzdem nervt es mich, wenn sie nach 20 Mal rufen mit Buch vorm Gesicht zum Essen kommt oder so. Und dann sage ich was und weiß gleichzeitig wie sehr mich das als Kind genervt hat😉 Vielleicht ging es deinen Eltern ähnlich?

Nachtrag: ich habe mich anfangs übrigens echt mal gefragt, ob es auch zu viel sein kann. Als der „Leseknoten“ geplatzt war und sie das so richtig konnte, hat sie zu hause teilweise nichts anderes mehr gemacht und sie hatte dann auch keine Lust sich zu verabreden, weil sie lieber lesen wollte. Nach einiger Zeit hat sich das dann aber normalisiert.

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 22:05
von Carraluma
Danke für eure Anregungen.

Ich habe nun bei der BZgA die Medienkonsum-Übersicht gefunden und da steht 3-6 Jahre max. 45 min täglich Hörmedien.
Für Lesen steht da aber keine Maximaldauer, sondern nur eine Empfehlung.
Ich werde es bei uns erstmal weiter beobachten und auf die Uhr schauen. Vielleicht ist es nur eine Phase. Und wenn man gedanklich die halbe Stunde Fernsehen (die wir selten nutzen) durch Hören ersetzt, sind wir möglicherweise gar nicht so viel drüber. Weiterhin werde ich darauf achten, dass es nicht beim phantasievollen Spielen nebenbei läuft.

Ich w äre aber schon noch gespannt auf Meinungen und Erfahrungen von euch.

Re: Medienkonsum außer TV, Computer, Smartphone und Co

Verfasst: 10.11.2017, 22:20
von Lösche Benutzer 24346
Für mich besteht der Unterschied im Prinzip darin, wie sehr sie das Kind in der Förderung der Fantasie/Kreativität fördern oder behindern. Bei "Bildschirmmedien" wird nicht nur die Handlung vorgekaut, sondern auch mit Geräuschen und Bildern quasi ALLES abgenommen. Der Kopf schaltet dabei komplett auf Standby, man lässt sich komplett berieseln.
Bei Hörspielen fehlen gegenüber dem Fernsehen oder daddeln die Bilder, Geräuschkulisse und Handlung werden vorgegeben, auch dabei besteht in meinen Augen Überforderungs- oder Überflutungspotenzial.
Bei Hörbüchern ist es so, dass die Handlung vorgelesen wird, Geräusche, verschiedene Stimmen und Settings müssen aber selbst ersonnen werden. Das heißt, man taucht in eine Fantasiewelt ab und lauscht wie beim Vorgelesen bekommen nur der Handlung, während der Rest ersonnen wird. Dabei ist das Reizüberflutungspotenzial deutlich geringer.
Und beim Lesen ist die Abstufung dementsprechend, wobei ich noch ein bisschen differenziere in Comics, Schrott und Literatur.. Comics begrenze ich mitunter auch, da sie ebenfalls dazu einladen, sich berieseln zu lassen und dann nach zwei Stunden oder so taucht das Kind aus Entenhausen oder irgendeiner Mangawelt ziemlich übellaunig auf, weil es doch mit Bildern überflutet ist und der Kopf voll aber unausgelastet ist.
Bücher, die zu großen Teilen aus wörtlicher Rede bestehen, scheinen den Kopf manchmal auch in Grütze zu verwandeln, aber da haben die Kinder recht früh schon die Möglichkeit, zu merken, dass es ihnen reicht.
Und bei Literatur gibt es meiner Meinung nach kaum ein Reizüberflutungspotenzial. Klar isses mal so spannend, dass man nicht aufhören will, oder man hat mal keine Lust, irgendwas anderes zu tun, aber das hat für mich eher was mit Leseflow als mit Überlastung zu tun.

Bei uns ist das Fernsehen, smartphonieren, daddeln und Hörspiele hören begrenzt. Manga und Comics in gewissem Umfang auch.
Bei Hörbüchern gilt, dass es nicht "nebenbei" in Dauerschleife laufen kann, während anderes gespielt wird. Dabei Perlen fädeln, puzzlen oder malen geht allerdings klar.

Ich käme irgendwie auch nicht auf die Idee, das Vorlesen aus anderen als Selbstschutzgründen zu begrenzen.. wenn ich keine Lust mehr habe, dann sag ich das. Wenn ich das Gefühl hab, die Aufmerksamkeit ist over, dann sag ich das auch, denn man merkt ja, ob das Kind noch dabei ist (anders als beim Fernsehen, da sind die Kinder ja echt wie paralysiert)..
Wobei die Kinder das meiner Meinung nach auch selbst merken. Sie sagen sowohl bei Hörbüchern als auch beim Vorlesen oder Selbstlesen irgendwann, dass es reicht.