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"Der Papa/die Mama soll das machen!!"
Verfasst: 18.02.2017, 20:50
von PaleFire
Zur Zeit ist das bei unserer Vierjährigen wieder ganz extrem: sie will absolutes Bestimmungsrecht darüber, wer von uns ihr beim Anziehen/Klogang/Essen machen hilft...Liste beliebig erweiterbar. So weit, so nervig, aber sie treibt es dann oft auf die Spitze, indem sie sich innerhalb einer Situation beliebig oft umentscheidet ("nein, das soll doch der Papa/die Mama machen!"). DAS treibt uns dann echt regelmäßig in den Wahnsinn und führt leider auch oft zu total eskalierten Situationen, aus denen wir ganz schlecht wieder raus kommen.
Natürlich versuchen wir, ihr zu vermitteln, dass wir ihr zwar beide gerne helfen, aber dieses Hin und Her nicht in Ordnung ist. Nur leider mit absolut null Erfolg. Sie macht einfach weiter und steigert sich immer mehr rein. Man merkt richtig, wie sie selbst in so einer Situation leidet, aber sie lässt dann auch keine Hilfe zu...
Kennt das jemand? Wie geht man denn am besten damit um bzw. was hat Euch geholfen?
Re:
Verfasst: 18.02.2017, 22:24
von anirahtaK
das kennen wir auch - wir erfüllen ihre Wünsche wenn wir beide da sind, soweit möglich und praktikabel. Dieses Hin- und Herentscheiden gabs eine Weile, wir haben dann anfangs mitgemacht, mit dem Hinweis, dass wir das nicht wollen und sie sich vorher entscheiden soll, wer was macht, dass wir sie ernstnehmen, aber nur solang sie kein Spiel daraus macht. Nach einer Weile sind wir dann auf ein Umentscheiden nicht mehr eingegangen, haben nur wiederholt "du wolltest, dass Papa/Mama das macht" und dann hat derjenige das auch gemacht - oder gar nicht. Das hat teilweise zu längeren Kreisch/Heulorgien geführt, die wirklich hart waren, läuft aber inzwischen meistens recht gut.
Wir haben ihr eben immer wieder gesagt/gezeigt, dass wir sie ernst nehmen, in dem was sie möchte - aber dass solche Spielchen nicht drin sind.
Ich würde behaupten, dass das bei Euch auch genauso funktioniert, sie weiß ja, dass sie ernst genommen wird - und da ich Euren willensstarken Sonnenschein ja auch ein kleines bisl kenne, vermute ich mal, dass es Euch wirklich eine ordentliche Portion Nerven kosten wird.
... wobei das ja eigentlich merkwürdig ist, weil sie ja weiß, dass ihr sie ernst nehmt. Vielleicht ist das auch wieder so ein Geschwisterding, und sie braucht grad die Rückversicherung, dass ihr immer noch alles auch für sie tut, und nicht nur für ihre Schwester...?
Re: "Der Papa/die Mama soll das machen!!"
Verfasst: 18.02.2017, 22:25
von 7buchstaben
Ich lese gern mit. Kind erst 3,5 und grade wohl in der Vorstufe dazu?! Also erst sowas wie "einer soll mir den po abwischen" oder "gibt mir bitte einer einen löffel" und dann -meist egal wer reagiert- großes Theater, weil doch die mama/ der papa das machen soll. (Und danach, weil man das Papier falsch abgerissen hat, den falschen löffel gewählt usw hat...) Entscheidungen treffen ist echt schwer. Manchmal tut sie mir wirklich leid, wenn sie ganz viel will und sich immer weiter rein steigert und wir einfach alles falsch machen - und sie ja damit quasi überhaupt nicht zu verstehen scheinen :-/
Liebe Grüße von den 7buchstaben mit Minimaus 07/2013
Re:
Verfasst: 18.02.2017, 22:58
von anirahtaK
mir fällt grad noch was dazu sein:
ich hab irgendwo gelesen, dass Kinder im Spiel so auf ihre eigenen Regeln bestehen, weil das die einzige Möglichkeit ist, dass es mal nach ihrem Willen geht. Finde ich etwas krass, weil Madame wird hier schon für voll genommen und ich mach schon auch was sie möchte - aber gut.
Seit ner Weile können wir gut Brettspiele machen, und wenn es ein neues Spiel gibt, dann spielen wir immer 2-3 Durchgänge nach den "richtigen" Regeln, und danach stellt dann meist Kind eigene Regeln auf. Da spiele ich dann auch mit, egal wie abstrus die Regeln sein mögen - nur wenn sie im Spiel dann meint, ne Regel ändern zu müssen, steig ich aus:
"ich spiele gerne nach deinen Regeln, aber die müssen am Anfang vorgegeben werden, und können nicht einfach zwischendrin geändert werden".
Ich habe so das Gefühl, dass ihr das auch hilft zu sehen, dass wir sie ernst nehmen wenn sie was möchte, aber dass sie sich dann auch selber dran halten muss...
Re:
Verfasst: 19.02.2017, 09:05
von Takinna
Mein Kleiner ist zwar erst 2,5 Jahre alt aber das haben wir hier auch. Vor allem auch mit Dingen wie " ich möchte Findus lesen, nein doch Baustelle" oder " ich will ein Brot mit Butter, nein doch Käse etc.
Wir haben uns darauf geeinigt immer einmal eine Rückfrage zu stellen oder zu wiederholen also z.B. alles klar, dann lesen wir Findus" . Und sobald dies bestätigt wurde gibt es kein Umentscheiden mehr. Das klappt mittlerweile immer besser.
Kind ernstnehmen finde ich sehr wichtig aber uns ist gleichzeitig auch wichtig, dass er die Grenzen kennt und lernt dass Entscheidungen auch Konsequenzen nach sich ziehen. Also natürlich im für das Alter entsprechende Maße.
Lg
Re: "Der Papa/die Mama soll das machen!!"
Verfasst: 19.02.2017, 20:23
von PaleFire
Ja...das mit dem konsequent sein...das haben wir wohl tatsächlich verpasst. Wir haben dieses Hin und Her einfach relativ lange mitgemacht, weil sie tatsächlich einen unglaublich starken Willen hat und mit "wir machen das jetzt so und basta" echt nicht viel zu holen ist bei ihr. Was einfach nervt ist, dass es ihr oft nicht um die Sache an sich zu gehen scheint, sondern um den "Machtkampf". D.h. es ist ihr kein *echtes* Bedürfnis, dass Mama oder Papa das jetzt machen, sondern das Bedürfnis scheint vorrangig das zu sein, dass sie "über uns" bestimmen kann...
Geschwister-Ding: zum Teil vielleicht, allerdings hat sie das auch schon vor der Geburt relativ oft gemacht.
Mein Mann und ich wollen jetzt mal das Gegenteil von dem versuchen, was wir bisher gemacht haben: und zwar kommentarlos den Wunsch nach einem von uns bzw. dann auch Wechsel zu akzeptieren, um ihr vielleicht einfach etwas diesen Reiz des Machtkampfes zu nehmen. Vielleicht wird es ja uninteressant, wenn sie merkt, dass es uns nicht juckt? Mal sehen...[emoji6]
Re:
Verfasst: 26.02.2017, 01:51
von Unilein
Bei meiner Tochter gibt es diese Szenen noch nicht, aber ich würde mich auf solche Spielchen überhaupt nicht einlassen. Sie dürfte maximal einmal ihre Entscheidung ändern (wenn ich gut drauf bin

)und dann nicht mehr. Was ich aber total wichtig fände: Ich würde dann nicht sagen: "Du hast dich so entschieden und darum machen wir das so", weil ich finde, das hebt die Szene erst in den Status Machtkampf. Man gibt ihr die Schuld für ihre schlechte Laune, dabei ist dieses Ausprobieren, wie viel Einfluss sie ausüben können, ja ein natürliches Verhalten, das sie sich nicht aussuchen.
Ich würde stattdessen direkt trösten und sagen: "Du möchtest so gerne, dass Papa das macht, aber jetzt macht die Mama das ...

"
Re: Re:
Verfasst: 26.02.2017, 23:18
von anirahtaK
Unilein hat geschrieben:Bei meiner Tochter gibt es diese Szenen noch nicht, aber ich würde mich auf solche Spielchen überhaupt nicht einlassen. Sie dürfte maximal einmal ihre Entscheidung ändern (wenn ich gut drauf bin

)und dann nicht mehr. Was ich aber total wichtig fände: Ich würde dann nicht sagen: "Du hast dich so entschieden und darum machen wir das so", weil ich finde, das hebt die Szene erst in den Status Machtkampf. Man gibt ihr die Schuld für ihre schlechte Laune, dabei ist dieses Ausprobieren, wie viel Einfluss sie ausüben können, ja ein natürliches Verhalten, das sie sich nicht aussuchen.
Ich würde stattdessen direkt trösten und sagen: "Du möchtest so gerne, dass Papa das macht, aber jetzt macht die Mama das ...

"
das kann ich nicht nachvollziehen, ich empfinde das als: du willst A, wir machen aber einfach B, egal was du willst.
warum ergibt sich aus der Begründung "du wollstet A, also machen wir das" ein Machtkampf?
Re: "Der Papa/die Mama soll das machen!!"
Verfasst: 26.02.2017, 23:56
von sanilii
Hmmm, wäre es vllt eine möglich zu sagen "du wolltest dass Mama das macht, deswegen macht Papa jetzt was anderes und kann nicht kommen um dir dabei zu helfen"?
getapatalkt
Re:
Verfasst: 27.02.2017, 01:29
von Unilein
Ich habe das schon irgendwie gemerkt, dass man mein Geschriebenes wahrscheinlich nicht so nachvollziehen kann. Ich tröste viel nach der CALM-Technik von Jennifer Kolari, da kommt es weniger auf das Gesagte an als mehr darauf, dass man die Stimmung des Kindes spiegelt (im eigenen Gesicht). Das habe ich versucht, durch den traurigen Smiley darzustellen, ist aber nicht so deutlich rübergekommen. Meine Tochter ist ja noch sehr klein, da benutze ich nur sehr kurze Sätze. Wie gesagt, es ist wichtiger, die Gefühle zu transportieren.
Genau wie bei dem Satz, den ich sage, kommt es wahrscheinlich bei dem von mir angeprangerten Satz enorm auf die Betonung und was unterschwellig mitschwingt an. Es kann schon gut sein, dass jemand von euch den Satz "Du hast dich so entschieden, deshalb machen wir das so" tröstend und liebevoll rüberbringen könnte. Ich habe halt irgendwie so ein "Ätsch, hättest du dich mal gleich anders geäußert, wenn du jetzt was anderes willst" dabei im Ohr, wenn ich mir diesen Satz vorstelle.
Ich versuche mich nochmal in die Situation hineinzuversetzen: Der Papa macht etwas mit dem Kind (und nach Xmal umentscheiden soll es auch dabei bleiben). Das Kind weint und will Mama. Sage ich jetzt zu dem Kind (in welchen Worten auch immer) "Du Armes. Du hättest so gerne die Mama, aber jetzt musst du mit dem Papa vorlieb nehmen. Das ärgert dich jetzt sehr, das verstehe ich." oder sage ich "Erinnere dich daran: eigentlich wolltest du gerne den Papa haben und nun ist er für dich da. Freue dich doch darüber."
Für mich fühlt sich ersteres einfach stimmiger an.