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Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 16:57
von hesa1985
Hallo zusammen,
ich habe derzeit wohl große SuT-Fragephase.
Ich war heute bei meiner Psychologin, bei der ich seit einigen schweren Schicksalsschlägen und Lebensphasen immer mal wieder in Therapie war.
Nun habe ich ja auch immer noch ein Problem mit meiner verkürzten Schwangerschaft und schnellen Geburt, und obschon meine Tochter kerngesund ist und sich gut entwickelt, kämpfen wir ja seit jeher nachts mit starken Blähungen und Unruhe.
Meine Angstzustände werden leider immer schlimmer und es "gesellen" sich Panikattacken hinzu.
Heute nacht hat meine Tochter zum ersten Mal vier Stunden am Stück geschlafen, in der Zeit lag ich dann wach, habe mir Sorgen gemacht wie mein Leben in 20 Jahren aussieht, wenn sie aus dem Haus ist, und wie es sein wird, wenn ich mal tot bin.
Meine Therapeutin sagt, es sei nun doch einmal an der Zeit für medikamentöse Unterstützung. Sie sprach von Abstillen, war aber sofort "auf Spur", als ich von diesem Forum und stillfreundlichen Varianten erzählte.
Ist hier jemandem ein konkretes Medikament bekannt?
Obschon sie ansonsten stillfreundlich ist, meinte sie, ob ich nicht zugunsten des Schlafes dennoch abstillen wollte, da dieser Schlafentzug doch einiges an meiner Situation ausmachen würde.
Da bin ich aber noch nicht ganz einverstanden.

Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 17:25
von Mondenkind
hesa, ich melde mich heute Abend nach dem Yoga, kann also etwas später werden.
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 18:05
von SandraKoeln
Nur ein kleiner Gedanke bzgl. Schlafentzug. Ich kann auf dem Handy nicht erkennen, wie alt dein Stillkind ist. Aber bevor du ganz abstillen in Erwägung ziehst, wäre nachts abstillen vielleicht eine Option?
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 18:32
von Lösche Benutzer 22277
Kennst Du Embryotox? Ich bin selbst chronisch krank und nehme Psychopharmaka ein, habe mich vor meiner Schwangerschaft intensiv über die Verträglichkeit meines Medikaments informiert, unter anderem per Telefonberatung durch Embryotox. Es gibt einige Mittel, die mit Schwangerschaft und auch mit dem Stillen kompatibel sind!
Schlafmangel ist heftig, ich kann gut verstehen, dass es Dir damit schlecht geht. Kannst Du Dich tagsüber hinlegen, wenn Dein Kind schläft?
Liebe Grüße
Raya
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 18:35
von ixcacienfuegos
Außerdem werfe ich in den Raum, dass Abstillen für das schlafen vielleicht gar nix bringt. Minikind wird seit 8 Monaten nachts nicht mehr gestillt und schläft seit drei Monaten in seinem eigenen Zimmer. An seinem Schlafverhalten hat sich null Komma nix geändert....
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 19:32
von suttine
Hesas Motti ist im März geboren laut Signatur.
Wenn du nachts abstillst, könnte dein Partner die Nächte übernehmen? Zumindest teilweise?
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 20:37
von AnnaH85
Ich verzehre mich auch nach dem nächtlichen abstillen, ganz ohne Depressionen die die Einnahme von Psychopharmaka veranlassen würden. Schlafentzug ist Folter. Ich habe dazu im schlafforum unlängst gepostet und mir wurde nahegelegt, dass nächtliches Abstillen gar nicht unbedingt zu einer Verbesserung des Babyschlafs führen muss. Kann, muss aber nicht. Mein Baby ist übrigens ähnlich alt wie deines.
Oder hat dein nächtlicher Schlafentzug gar nichts mit dem Schlafvethalten deines Babys zu tun, sondern nur mit den Gedanken die da in deinem Kopf schwirren?
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 21:08
von hesa1985
Oh Mondenkind, toll, dass du dich hier meldest!
Freue mich auf deine Infos!
Embryotox kenne ich, ich wollte nur parallel auch hier einmal konkret nachfragen
Ich bin auch kein Freund der "Ruhige Nächte durch Abstillen" Theorie.
Zumindest was den Hunger angeht. Ich glaube, dass bei uns viel Troststillen aufgrund der starken Blähungen da ist.
Damit kämpft sie seit ihrer Geburt. Die ersten zwei Wochen hat sie nur "einfach so" gepupst, dann begann das Quälen.
Aber auch meist nachts. Ich habe jetzt eine tolle neue Hebamme, da versuchen wir es mit Akupunktur.
Aber wenn auch Kinder, die dann schon im eigenen Zimmer schlafen, noch ein schwieriges Schlafverhalten haben, ist die Theorie ganz dahin für mich.
MOtti hat jetzt mit Flasche mal besser geschlafen, ich glaube aber, dass sie da ruhiger trinkt. Nachdem wir das einschlafen beim stillen, die Mastitis, den Milchrückgang, das Zufüttern und die Rückkehr zum Vollstillen hinter uns hatten ,wurde sie nämlich zu einer absolut hektischen Trinkerin, nur nachts ist es ab und zu besser,
Zum Schluss des Vollstillens und dann mit beginnender Beikost waren wir bei halbstündlichen bis stündlichen Abständen.
MIt dem Abendbrei wurde es auch noch einmal schlimmer, jetzt hat sich (ich sage es mal besser nicht zu laut) eingespielt. Aber nachts quält sie sich immer noch.
Dazu schläft sie auch super unruhig ein. Die ersten Stunden lege ich sie immer in ihr ZImmer in einer Nonomo Wiege, damit ich etwas Zeit für mich habe.
Aber auch das funktioniert nicht immer.
HInlegen wenn sie schläft kann ich mich schlecht. Manchmal klappt der Mittagsschlaf recht gut in der Nonomo, dann will ich aber auch was geschafft bekommen. Ich brauche eine gewisse Grundordnung im Haus, sonst fühle ich mich auch einfach nicht wohl.
Ja, das Hauptproblem ist schon, dass ich nicht mehr schlafen kann, wenn sie dann nachts wieder ruhig ist, dann beginnt das Gedankenkarussel. Am schlimmsten zur Zeit der Gedanke an die verrinnende Zeit, was mache ich, wenn sie mich nicht mehr braucht, warum müssen wir sterben, wie kann ich in so einer dunklen Ewigkeit ohne sie sein. Ich weine jetzt schon wieder, wenn ich daran denke. Und ich dachte, dass diese trüben Gedanken, die ich seit dem Unfall, der Komazeit und dem Tod meines Vaters habe, mit Kind besser würden. Dass ich allem einen Sinn geben würde. Und nun ist es noch viel schlimmer.
ZUm Glück habe ich recht früh die Reißleine gezogen, sie bei mir schlafen lassen und um das stillen gekämpft. Meine Hebamme ist kein Freund von beidem und wenn ich noch gemeint hätte, an dieser Einstellung festhalten zu müssen, hätte ich noch mehr Nähe verpasst.
Ich werde jetzt ein wenig die Beistellbett-Situation umbauen, so dass wir auf einer Höhe liegen. Bis dato ist alles durch meinen Nachttisch noch verschoben.
Jetzt habe ich ein Bettasche für mein Kopfteil und eine Klemmleuchte bestellt und eine Liebesbrücke für den Spalt zwischen unseren Betten.
Ich hoffe, dass ich sie dann auch mal etwas mehr "abschieben kann" und zumindest vom Körpergefühl her leichter in den Schlaf finde.
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 22:03
von Mondenkind
hesa1985 hat geschrieben:ZUm Glück habe ich recht früh die Reißleine gezogen, sie bei mir schlafen lassen und um das stillen gekämpft. Meine Hebamme ist kein Freund von beidem
Das macht mich richtig wütend zu lesen! Gut, dass du auf deine Intuition gehört hast und so viel daraus schöpfen konntest. Du siehst daran doch auch, wie gut und richtig deine Gefühle sind, da auf euch zu achten. Auch hier:
hesa1985 hat geschrieben:Meine Therapeutin sagt, es sei nun doch einmal an der Zeit für medikamentöse Unterstützung. Sie sprach von Abstillen, war aber sofort "auf Spur", als ich von diesem Forum und stillfreundlichen Varianten erzählte.
Du sorgst so gut für dich und dein Kind und eure Beziehung. Da kannst du stolz drauf sein!
hesa1985 hat geschrieben:Ja, das Hauptproblem ist schon, dass ich nicht mehr schlafen kann, wenn sie dann nachts wieder ruhig ist, dann beginnt das Gedankenkarussel. Am schlimmsten zur Zeit der Gedanke an die verrinnende Zeit, was mache ich, wenn sie mich nicht mehr braucht, warum müssen wir sterben, wie kann ich in so einer dunklen Ewigkeit ohne sie sein.
Das klingt schon sehr belastend und ist ja auch nicht durch "tagsüber mit hinlegen" gelöst. Denn die Nächte bleiben ja schlimm.
Es gibt sehr sehr viele Antidepressiva, die in der Stillzeit (auch in der Schwangerschaft) anwendbar sind, derzeit ist Sertralin das Mittel der 1. Wahl, meine ich. Auch Paroxetin, Citalopram, Amitryptilin und Nortryptilin kommen in Frage (Quelle Schäfer, Spielmann, Vetter, Weber-Schöndörfer, aktuelle Auflage Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit). Man sollte eine Monotherapie anstreben, also nach Möglichkeit nicht mehrere Mittel kombinieren. Dein Kind ist schon "groß", also kein vollgestilltes Neugeborenes mehr, das macht vieles leichter.
Nur Mut- ich denke, wenn deine Therapeutin das auch so sieht, dann geh das an. Vielleicht hilft ihr und dir ja diese Empfehlung der Academy of Breastfeeding Medicine:
Antidepressive Therapie bei Stillenden. Welches Antidepressivum das richtige für dich ist, muss eine Ärztin oder ein Arzt entscheiden, der oder die dich kennt, aber die Auswahl ist wirklich groß. Die Wirkungen sind z.T. unterschiedlich gelagert, manche sind v.a. stimmungsaufhellend, andere zusätzlich Antrieb steigernd, wirken besonders gegen kreisende Gedanken usw. Günstig ist es, ein Antidepressivum zu wählen, dass du auch im Fall einer erneuten Schwangerschaft weiter nehmen könntest.
Bei Fragen stehe ich natürlich gern zur Verfügung.
Liebe Grüße, Mondenkind, Modteam Stillberatung
Re: Stillfreundliche Antidepressiva
Verfasst: 15.11.2016, 22:57
von spacerabbit
Liebe hesa1985, erstmal ist es total klasse, dass Du Deine Tochter trotz Deiner ganzen Belastungen weiter gestillt hast. Paroxetin ist tatsächlich das Antidepressivum der ersten Wahl beim Stillen, was auch von Embryotox empfohlen wird. Bei den anderen sog. SSRI gibt es, so weit ich weiß, noch keine ganz sicheren Daten in Bezug auf die Sicherheit in der Stillzeit. Aber wie wäre es, wenn Du Dich direkt an einen niedergelassenen Psychiater / Psychiaterin wendest? Auch Johanniskraut kann bei einer leichten Depression gut helfen, und vielleicht würde Dir auch Baldrian hochdosiert zum Schlafen helfen, Bachblüten Rescue - Tropfen haben mich oft auch über schwierige Zeiten gerettet. Aber wichtig ist, dass Du dies mit einem Facharzt / Fachärztin besprichst, um genau abzuschätzen, was genau Deine Symptome sind und wie Dir konkret, vielleicht auch mit einem Medikament, geholfen werden kann. Zusätzlich gibt es zum Beispiel auch über Deine Krankenkasse die Möglichkeit, dass Du Dir Hilfe im Haushalt oder zum Babysitten holst, dass Du so oft wie möglich Ruhephasen zwischendurch hast. Und es gibt in größeren Städten Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Mütter mit psychischen Problemen. Wie lange kennst Du Deine Therapeutin schon? Konnte Sie Dir bisher gut helfen? Aus eigener Erfahrung kann ich Dir EMDR gerade bei traumatischen Erlebnissen empfehlen. Auf jeden Fall wünsche ich Dir für diese Nacht viel Kraft, ein gut schlafendes Baby und gute Gedanken!