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Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 13.06.2016, 01:42
von knöpfle
Hi ihr,

was würdet ihr machen, wenn ihr ein Kind kennt (jetzt ein Jahr alt geworden), dem Essen vorenthalten wird? Also ich meine jetzt nicht Gebäck und sonstige Süßigkeiten, sondern normales Essen. Die Mutter ist davon überzeugt, dass ihr Kindlein den ganzen Tag essen würde, wenn sie es nicht einbremsen würde und hat Angst, dass es zu dick wird (es ist aber vollkommen normalgewichtig und nicht einmal ansatzweise fett).

Es gibt z.B. kein Essen, weil es vor einer Stunde ein Ei oder Obst gegessen hat. Das Kind ging bis vor wenigen Wochen aktiv zu den Menschen in seiner Umgebung hin, wenn diese beim Essen waren und wollte etwas abhaben. Mittlerweile starrt es nur noch auf die Teller, da es eh ignoriert wird, wenn die Mutter entschieden hat, dass es schon genug gegessen hat. Es darf in solchen Momenten grundsätzlich dabei zuschauen, wie andere sich den Bauch vollschlagen, während es selbst nichts bekommt. Hungerbekundungen werden nicht ernstgenommen (da es eh den ganzen Tag essen würde, wenn sie es ließe).

Achja die Pulvermilch wird nicht nach Packungsangabe angemischt, sondern schon lange verdünnt. Schlafen tut es sehr schlecht und wacht tlw. 10-15 mal in der Nacht auf und will jedesmal Milch.


Gibt es hier vielleicht irgendwelche Experten die evtl. sogar ärztliche bzw. wissenschaftliche Argumente parat haben, dass ein so kleines und vorallem ein von früh bis spät höchstaktives(!) Kind soviel Essen sollte wie es das selbst möchte (sofern es keine Süßigkeiten sind)? Per Suchmaschine bin ich nicht fündig geworden. Mir scheint, dass es zu diesem Thema nicht wirklich viel gibt...

Mein Mann und ich sind jedenfalls sehr traurig, wenn wir diesen kleinen Zwerg sehen, dem ständig Essen vorenthalten wird. Würden so gerne helfen. :cry:

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 13.06.2016, 06:50
von kerstins
Also wissenschaftlich habe ich nichts, aber ich würde sagen, genau damit züchtet sie eine Essstörung heran. Heisshungerattacken.
Und zudem ist in diesem Alter die hirnentwicklung in vollem Gange. Und rate mal was nicht passiert, wenn der restliche Körper nicht genug versorgt wird... Und dazu kommt auch das Wachstum. Kinder wachsen nicht genug mit unzureichenden Nährstoffen (und Nahrung). Also, insgesamt nichts wissenschaftliches aber logische Argumente. Ich habe hier auch einen viel und dauernd Esser, so langsam Schränke ich das auf die Hauptmahlzeiten ein. Aber auch das sind noch mindestens vier am Tag, eher fünf.

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 13.06.2016, 07:12
von Peppa
Wie schätzt ihr denn die Mutter ein? Ist sie sehr auf Gewicht /Aussehen fixiert? Macht selbst regelmäßig Diäten /Kuren? Oder ist sie selbst übergewichtig und leidet darunter?
Ich denke, es gibt seltene Fälle von solchem Verhalten (so ähnlich wie Münchhausen -by-proxy) bei eigenen Eßstörungen der Mutter, vielleicht aus der (irrationalen ) Angst, das Kind würde dick....dann wäre es allerdings nichts, wo man von außen so einfach eingreifen könnte. ...das müsste bei vermuteter Kindswohlgefährdung wohl über JA und ähnliches laufen. Da kenne ich mich allerdings nicht so aus. ...wäre so eine Konstellation möglich.
Wenn das Kind jetzt nicht untergewichtig ist und vernachlässigt (was ja hoffentlich auch ein KiA merken würde) und sich normal entwickelt, wäre ich sehr vorsichtig mit der Sache. Man weiß nie, wie es wirklich zu Hause ist und es gibt z.b. durchaus Kinder, die durch unterschiedliche Syndrome / Verhaltensaiffälligkeiten kein ausreichendes Sättigungsgefühl haben (ich nenne als Extrembeispiel das Prader-Labhart-Willi - Syndrom). Da müssen die Eltern einschränken. Das wird bei dem o.g. wohl nicht vorliegen, aber wie gut kennt ihr die Familie denn? Ist es zu Hause auch so? Das Kind ist ja noch sehr klein, es wird sich nicht mehr lange so "einfach" von Mitessen fernhalten lassen. Ich finde die Situation schwierig, weil ich es einerseits ablehne, so ein kleines Kind beim Essen von (gesunden) Sachen zu reglementieren. ...es andererseits aber wohl unter Erziehungsfreiheit der Eltern läuft, solange es körperlich gesund ist (ich lehne auch Ferbern ab, aber dennoch ist es kein Grund zum Eingreifen und würde wohl bei entsprechender Einstellung einfach nichts außer Abwehr der Eltern bringen).
Artikeltechnisch kann ich leider nichts beitragen :-(
Ich denke, das Kind könnte später bei so einem Verhalten erst recht Übergewicht entwickeln, da es die Erfahrung selbstwahrgenommener Sättigungssignaĺe schlecht machen kann. Zudem kann vielleicht schon so früh eine "Sollwertverstellung" des Stoffwechsels auf "Notverbrauch " passieren, was später bei "unreglementiertem" Essen erst recht zu übermäßiger Zunahme führt (ich verdanke dem Jo-Jo-Effekt z.b. die Hauptmasse meines Übergewichts). Das könnte man z.b so allgemein ansprechen. ...und die Mutter vielleicht fragen, WARUM sie eine so große Angst vor dem unreglementiertem Essen hat.
Schwierig, schwierig...

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Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 13.06.2016, 09:15
von 7buchstaben
Ich habe eben kurz überlegt, ob wir die gleiche Mutter kennen :-/ ich kenne auch so eine ähnliche Mutter-kind-geschichte. Und das Kind ist sogar (wie die Mutter) sehr klein und zart. Ich finde es immer schwer auszuhalten, wenn Kindern essenszeiten vorgeschrieben werden und alle vorherigen Hungerbekundungen ignoriert werden. Was soll denn passieren, wenn das Kind ein Stück Apfel isst? Oder halt Reiscracker oder so... Süßigkeiten gibt's ja bei unserem Treff auch gar nicht.
Sie geht dann immer pünktlich 30min vor Ende, weil es dann zu hause Mittag gibt... vorher aber bereits 1,5h Kind "unterdrückt"

Liebe Grüße von den 7buchstaben mit Minimaus 07/2013

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 20.06.2016, 09:21
von nifty
knöpfle hat geschrieben: Mein Mann und ich sind jedenfalls sehr traurig, wenn wir diesen kleinen Zwerg sehen, dem ständig Essen vorenthalten wird. Würden so gerne helfen. :cry:
Ach herrje, ich werde ja schon vom lesen selber traurig... :-|

Vielleicht darüber argumentieren, dass in dem Alter Selbstregulationsmechanismen noch sehr gut greifen, das Kind selbst spürt, was/wieviel es braucht (solange man gesunde Kost anbietet) und man dieses an sich positive Verhalten durch Bestärken des Kindes darin eher fördert? Oder erwähnen, dass Kinder in dem Alter eher Gefahr laufen, zu wenig Kalorien zu sich zu nehmen, weil sie körperlich so aktiv sind? Sollte es sich zeigen, dass das Kind doch nur mal abbeißen und das Essen dann liegen lässt, kann immer noch eingegriffen werden. Bei einem Kind in dem Alter gehe ich aber zunächst mal davon aus, dass es wirklich Hunger hat, wenn es dies äußert.

Ich weiß ja nicht, wie nahe ihr euch steht, aber für mich schrillen hier auch alle Alarmglocken bzgl. Essstörung der Mutter... auch das Pulvermilchverdünnen, obwohl das Kind nachts zig mal vor Hunger (!!!) aufwacht, spricht für mich dafür.

Und ja, mit solchem Verhalten kann man eine Essstörung beim Kind heranzüchten. Bei mir fing das mit dem beim Essen durch die Mutter getriezt werden erst im späteren Kindes- bzw. Jugendalter an, aber ich hatte lange mit dem Kreislauf Hungern/Fressattacken zu kämpfen und kann auch heute noch eher schlecht intuitiv essen.

Ich kenne auch ganz streng reglementierte Kinder, die haben sich dann bei jeder Gelegenheit, die sich bot, mit den "verbotenen" Lebensmitteln überfressen, wenn die Mutter ihre Kontrolle mal nicht so ausüben konnte.

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 24.06.2016, 17:53
von AnnieMerrick
Ich kenne auch so eine Mama die ihrer 2.5 jährigen erklärt, dass sie dick wird und sie niemand mag wenn sie viel isst. Viel im sinne von 2 kleinen schnitten zum abendbrot. Die bosen Kohlehydrate und so.
Ich finde die perfekte Grundlage für essstörungen.

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 25.06.2016, 14:45
von vivi
Also als Argument würde ich sagen: das Kind soll selbst lernen , wie sich Hunger und Sattgefühl anfühlen. Die Mutter wird nicht immer dabeisein , wenn das Kind älter wird, in die Kita geht, zu Freunden oder in die Schule kommt. Es sollte ein ungezwungenes , positives Gefühl zum Essen entwickeln können ohne Kontrolle ( bei einer gesunden Auswahl der Kost)
Für mich klingt das, was die Mutter macht zwanghaft, nach Kontrollzwang. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man da mit Argumenten einfach so etwas erreicht. Könnte mir vorstellen, dass sie selbst ein gestörtes Verhältnis zum Essen hat. Ob man da als Freundin einfach so etwas erreichen kann? Vielleicht muss da eine Respektperson her. Aber wenn die Mutter nichts ändern möchte, wird es sehr schwer etwas zu erreichen.

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 25.06.2016, 18:53
von EUHswFu
Hallo
Oh je, beim lesen könnte ich weinen. :-( Das ist doch eine Grundlage für eine Essstörung.
Das Kind lernt so nie ein Sättigungsgefühl kennen, es kann sich nicht optimal entwickeln, das Gehirn wird nicht entsprechend versorgt, der Körper stellt sich nur noch auf das notwendigste ein, Wachstum wird verlangsamt, Knochen können brüchiger werden, allgemeiner Vitamin-Mangel.

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 22.08.2016, 15:01
von knöpfle
Oje, ich hatte total vergessen mich hier nochmal zu melden... :oops:

Ja, die Mami hat selbst zu kämpfen mit ihren noch übrig gebliebenen Pfunden von der Schwangerschaft und sie war auch ziemlich dick früher als Kind. In der Jugend hatte sie dann extrem abgenommen...

Aktuell sieht es so aus, dass nicht mehr reglementiert wird. Jetzt macht sie sich sorgen, dass ihr Kindlein nicht genügend isst und bekommt eigentlich ständig und überall was. Ich verstehe die Welt nicht mehr, wie sich das jetzt alles so ins Gegenteil verkehren konnte..
Vielleicht hat es doch ein wenig gebracht, dass ich und andere immer wieder mal kurz das Thema angeschnitten hatten? Kann es nicht genau sagen woran der Sinneswandel schlussendlich lag, aber wenigstens kein hungern mehr.

Das mit dem Schlafverhalten hat sich in der Zwischenzeit insgesamt auch sehr gebessert. 2-3 Mal noch. :)

Re: Kind wird Essen vorenthalten - suche Argumente

Verfasst: 22.08.2016, 15:12
von EhMibima
Oje, es klngt so traurig. Kann es sein daß die Mutter selbst eine gewisse Störung hat? Also nicht daß sie nur eine verquere Meinung hat sondern eine "krankhafte" Geschichte da an ihrem Kind auslebt? Daher dann auch diese unlogische Wendung?!
ich bin aber auch absolut kein Experte.