Seite 1 von 3

Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 09.03.2016, 18:17
von Resline
Hallo,
ich habe schon oft in diesem tollen Forum gestöbert und mir schon oft Mut geholt weiter zu stillen. Ich entschuldige mich schon mal das der folgende Text etwas länger wird... aber ich muss ganz schön ausholen...
20 Tage früher als gedacht hatte ich plötzlich mitten im Wohnzimmer einen Blasensprung und 4 Stunden später meinen goldigen Floh im Arm. Ich hatte eine schöne Geburt. Nur mit dem Stillen wollte es nicht so recht klappen. Er blies immer in die Brust anstatt zu saugen. Nach 2h hatte er es dann endlich etwas raus. Dennoch hatten wir einen holprigen Stillstart. Erst verlor er an Gewicht, dann nahm er etwas zu und langsam ist er ein echt propper Floh geworden.
Zwischendurch bin ich echt am verzweifeln gewesen, da er immer sehr unruhig beim Stillen war. Er hat mir regelmäßig das Dekolletee zerkratzt und hat 4 Wochen lang fast ununterbrochen getrunken (aller 30/60 min), sowohl tags als auch nachts. Den meisten Stress hat er an der rechten Brust gehabt, hat aber in allen Stillpositionen getrunken. Nachdem ich fast am verzweifeln war habe ich etwas über KISS gelesen und dachte mir, dass das irgendwie passt. Er lag auch immer in der C Position mit überstrecktem Kopf da. Ich litt vor allem darunter, dass er nie Augenkontakt zu mir aufnahm. Im Nachhinein weiß ich wieso. Er konnte mich in seiner Zwangslage ja nie anschauen. Nach dem Blockaden lösen (er hatte noch zwei weitere) ging es uns auch viel besser. Die Nächte wurden ruhiger und er war auch einfach wieder entspannt und schlief einfach so auf meinem Arm ein.
Ein Schreikind ist und war er nie. Ich muss ihn nur am Körper tragen (und das aufrecht) oder im TT und alles ist gut. Er ist dennoch ein unruhiger Zeitgenosse: immer mit den Händen fuchteln, hechel-artiges Atmen und überall am besten zeitgleich hinschauen. Ich glaube fast er kommt mit seiner Umwelt nicht klar und kann das alles nicht verarbeiten. Im Kinderwagen hat er panische angst und schreit. Auch wenn ich ihn hoch nehme und hin lege (über die Seite und möglichst abwechselnd) macht er sich steif, überstreckt sich nach unten und krallt sich fest. Obwohl ich ihn schon fast in der Umarmung dabei nehme. Einmal abgelegt schlingert er bis er einigermaßen sicher liegt.
Da ihn alles unheimlich interessiert findet er natürlich auch schlecht in den Schlaf. Tagsüber geht es nur im KiWa nach 5-10 min dauergebrüll, oder im Tuch auf dem Ball hüpfend. Wenn ich auch nur den Versuch wage ihn die Mütze aufzusetzen wird er unruhiger und atmet noch schneller und schreit. Draußen schläft er auch nicht so entspannt und ist immer total müde wenn er aufwacht (im KiWa wacht er unter dauergebrüll auf). Aber irgendwie will ich ja nicht den ganzen Tag in der Wohnung hocken. Abends klappt es einigermaßen gut. Er wird gepuckt, die Spieluhr angemacht und dann in den schlaf gestillt oder nach dem Stillen in den Schlaf getragen und dann ins Bett gelegt (er schläft mit bei uns). Die erste Nachthälfte schläft er 5-6 h (seit 3 Tagen) und kommt dann aller 1-2 h. Wobei ich mir manchmal nicht sicher bin, ob er wirklich Hunger hat, oder ob ihm Verdauungsprobleme plagen. Er beginnt noch im Tiefschlaf die Beine hoch zu reißen, Kampfgeräusche zu machen und dann unter Brüllen aufzuwachen. Da hilft nur rumtragen und dann die Brust. Oder aber ich wache mal auf und er schaut mich einfach nur an und will dann nuckeln. Am Morgen sind wir beide gerädert und sobald es hell wird kann er nicht mehr einschlafen. Und ich quasi auch nicht mehr. Um 08:00 Uhr packe ich ihn mir dann das erste mal ins Tuch, nachdem er unzufrieden aufgewacht ist. Tagsüber krümmt er sich auch oft zusammen, kämpft und muss am Ende pupsen.
Ich komme nicht mehr zur Ruhe und habe meist ein überreiztes Baby (wobei ich unseren Tagesablauf auf Minimum reduziert habe). Ich stille nach Bedarf und wenn er am Busen einschläft, darf er da auch gerne so lange pennen wie er will. Der einzige Programmpunkt ist das wickeln. Auf dem Tisch verausgabt er sich mit strampeln, brabbeln, mich anschauen und alles genau betrachten. Da ist er immer total begeistert. Wenn ich merke dass die Stimmung kippt, kommt die Windel dran und dann laufen wir etwas durch die Wohnung und zack ist er todmüde und kommt nicht zur Ruhe. Da heißt es dann im halbdunklen Schlafzimmer umherlaufen und auf dem Ball hüpfen bis er im TT pennt.
Letzte Woche war ich dann bei der KA. Hatte zwei Nächte mit wenig Schlaf hinter mir (3h insgesamt ) und die Tage waren auch nicht besser. Nach 3h warten (der Floh hat natürlich nicht geschlafen) meinte Sie er hätte vermutlich einen leichten Magen-Darm-Infekt, aber viel beunruhigender wäre seine Haltung :shock: . Wir sollten dringend zur Physiotherapie. Zuhause habe ich mir das Rezept angeschaut und da drauf stand die Diagnose Regulationsstörung :shock: .
Das musste ich dann erstmal googeln und was ich da gelesen habe hat mich doch ziemlich geschockt! Vor allem da auf dem Rezept steht, dass er bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres in Kontrolle bleiben müsse :?
Ich finde dafür, dass er mich erst seit drei Wochen überhaupt auf dem Wickeltisch anschauen kann (nach KISS-Behandlung) hat er super aufgeholt (er ist ja auch 20 Tage zu früh gekommen).
Bei der Physiotherapie waren wir auch 1x und werden das erstmal lassen.... er war danach so durch! Bei einigen Übungen hatte er sichtlich schmerzen (alle Blockaden sind wohl doch nicht weg - neuer Termin beim Orthopäden habe ich schon gemacht) und der Rest des Tages und die folgende Nacht waren ziemlich anstrengend. Wie gesagt, er brüllt nicht über Stunden, er ist einfach unruhig und zappelig, unzufrieden, müde, quengelig und unausgeglichen und das am Tag und in der Nacht ...
Ach ja einen Schnuller will er absolut nicht - ich habe alle durchprobiert (Nuckeln an der Brust und dann kommt Milch raus wird mit Gebrüll und Gekratze quittiert).

Kennt das jemand?
Was könnte ich tun um ihn "zu entspannen"?
Ist es normal das man mehr in der zweiten Nachthälfte stillt und das Baby so unruhig ist?
Könnte es doch an meiner Ernährung mit liegen? (Ich verzichte seit neustem auf Milchprodukte und Eier)
Muss man wirklich bei einem kleinen Baby so ein Tram Tram machen? Mit all der Physio und am besten noch die ganzen Übungen täglich wiederholen?

Mhhh... das war sehr viel ... ich hoffe ihr blickt noch durch ... und danke euch schon mal für eure Ideen / Tipps
Viele liebe Grüße von der auf dem Ball hüpfenden Resline mit dem Floh vorne dran

Achja seine Gewichtszunahme:
09.12.2015 - 3080 g
12.12.2015 - 2790 g
17.12.2015 - 2870 g
27.12.2015 - 3220 g
02.01.2016 - 3380 g
09.01.2016 - 3740 g
27.01.2016 - 4600 g
06.02.2016 - 5100 g
16.02.2016 - 5500 g
26.02.2016 - 5980 g

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 09.03.2016, 19:19
von pqr
Hallo

Ich kenne die Diagnose Regulationsstörung jetzt eher für Schreihbabies evtl. In Kombination mit Schlafstörungen.
Wobei mir dann die Beobachtung bis zum 18. Lebensjahr unklar ist, viele Schreihbabies bessern sich ja nach ca. 4 Monaten.

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 09.03.2016, 19:23
von pqr
Das Schlaf- und Stillvrrhalten nachts finde ich jetzt nicht ungewöhnlich.
Die erste Schlafphase war bei uns auch die längste und in dem Alter wurde nachts auch viel gestillt.

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 09.03.2016, 19:46
von pqr
Zum Thema Entspannen
Bei uns war Babymassage gut ( oder auch Ballhüpfen).
(bin aber nur Mama und Laie.)

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 09.03.2016, 20:48
von Hermine12
Huhu Resiline, das was du über dein Baby schreibst, könnte auch von meinem sein. Er war auch sehr zappelig, aufmerksam, unruhig usw. Allerdings hatte er kein Kiss oder sonstige Auffälligkeiten.

Ich an deiner Stelle würde den Kinderarzt nochmal anrufen und ihm deine Fragen stellen. Er kann dir am besten erklären, was er gemeint hat und warum genau Physio wichtig ist. Ggf. würde ich noch eine Zweitmeinung einholen.

Was das Stillen betrifft, das klingt für mich ganz normal. War hier ähnlich anstrengend, aber es gibt sich mit der Zeit.

Auch das Schlafen und mit dem Kiwa kenne ich von meinem Wusel, deshalb wurde er fast ausschließlich getragen. Gerade die ersten Monate prasselt so viel neues auf die kleinen Babies ein, sie müssen das Stillen und Verdauen lernen, Umstellung Tag/Nachtrhythmus, Einschlafen usw. Das alles brauch seine Zeit bis sie sich daran gewöhnen. Am besten klappt es mit ganz viel Geduld, Tragen und Kuscheln.

Ich wünsche euch alles Gute :)

PS. Bin nur Mama, kein Stillmod.

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 09.03.2016, 21:33
von halunkehexe
Ich denke, dass du das mit dem bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres falsch verstanden hast. Er wird vermutlich mit einer Therapiemethode behandelt die mit bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres als Abrechnungsposition bei der KK angegeben wird, deshalb steht das auch auf dem Rezept, das bedeutet nicht, dass du mit ihm bis dann Krankengymnastik machen musst. Nach dem 18. Lebensjahr wird diese Behandlung nämlich anders vergütet. Ich hoffe das ist verständlich.
Die Physio kann übrigens auch unterstützen was die Verspannung bzw. Unruhe deines Kindes betrifft...
Insbesondere in Bezug auf die Wahrnehmung halte ich es für wichtig hier dran zu bleiben, allerdings sollte sich dein Kind dabei eigentlich eher wohlfühlen...

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 10.03.2016, 13:41
von muggel
Resline, lass dich drücken. Ich hatte auch ein Kind mit Blockaden die ihn einen Monat lang zum Schreibaby machten. Als diese gelöst waren, wurde es besser. Aber anstrengend ist es immer noch mit ihm.
Er ist nun bald 4 Monate alt und er kämpft immer wieder mit Bauchweh attacken. Besser wurde es durch Bigaia tropfen. Aber immer noch gibt es Nächte wo ich den Bauch massieren muss und ihn in abhalte position bringen damit die Pupse rauskommen.

Wieso nimmst du ihn nicht ins Tragetuch wen du rausgehst? Mein kleiner ist auch ein Kinderwagen verweigerer und ich trage ihn halt draussen. Jetzt immer wieder auf dem Rücken, da ist er am glücklichsten.

Und der kleine saugt auch alles auf, schläft sehr wenig und ist oft unruhig und unzufrieden und evtl. Auch überreizt. Aber da ich noch einen grossen Bub habe, kann ich ihn nicht die ganze Zeit von Reizen abschirmen. Auch das einschlafen ist meistens mit Gebrüll verbunden, dass aufwachen sowieso.
Aber es wird besser, nun von Tag zu Tag. Als er 3 Monate alt war hatte ich die totale Krise weil mir alle sagten, dann wird es besser. Bei uns ging es ein paar Wochen länger. Aber ich habe auch meine Einstellung dazu geändert. Ich tiegere nicht mehr stundenlang durch die Wohnung. Entweder er schäft in kurzer zeit oder der Schlafdruck ist noch nicht so hoch, dann spiele ich noch mit ihm oder er kommt in den Sling und ich mache Haushalt oder so. Dann starte ich später den 2te versuch.

Zu deinen Fragen.
Ich glaube du kannst nicht so viel tun um ihn zu entspannen, du machst schon sehr viel. Alles was nützt weiter machen also viel tragen, stillen nach Bedarf etc.

Ja die 2te Nachthälfte ist bei uns auch unruhiger und er stillt sicher alle 1 1/2 h eher mehr. Und oft ist es einfach ein kurzes Nuggeln. ( er verweigert auch Schnuller)
und ich glaube nicht das er an der Ernährung liegt.

Lass ihn nochmals wegen Blockaden durchchecken. Die können wieder kommen.

Du machst es gut. Es gibt halt anstrengendere Kinder . Mein grosser war das Gegenteil,vom kleinen.
(Und während ich dir hier geschrieben habe ist der kleine neben mir auf der Spieledecke eingeschlafen, hat es noch nie gegeben, ich bin platt. Muss gleich ein foto machen vom historischen Moment)

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 10.03.2016, 13:50
von Kleine
was für eine Physiotherapie hat er denn verschrieben bekommen? Bobath oder etwas anderes? Vielleicht ist es auch nur der falsche Therapieansatz? Bei uns hat die Physio so vieles verbessert und Tränen gab es nicht einmal dort... Das hätte ich auch nicht ausgehalten...

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 10.03.2016, 18:34
von Resline
Vielen Dank für die vielen Tipps und Kommentare.
Ich bin erstmal beruhigt, dass der nächtliche Hunger normal ist. Ich bin ja schon manchmal ganz schön genervt, wenn ich mich rechtfertigen muss wieso mein Baby immer noch nicht durchschläft. Aber es beruhigt mich dass ich mich auf mein Gefühl verlassen kann. Und der kleine Floh soll und darf auch soviel nuckeln wie er will :).
Ich trage ihn immer wenn ich kann, aber manchmal bin ich so verspannt, dass ich ihn dann in den Kiwa packe - und siehe da, heute hat es echt gut geklappt.
Physiotherapie haben wir Bobath verschrieben bekommen, aber bei einer Übung die aussah als würden wir die stabile seitenlange üben hat er richtig angefangen zu brüllen und dann war es aus. Ich hätte echt mitheulen können.... Zuhause mache ich auch einmal am Tag eine Babymassage und kuschel sehr viel - was ja für uns beide toll ist :)

@ muggel: ich freue mich riesig mit für dich! Einfach so eingeschlafen! Das ist toll, vielleicht klappt das jetzt ja öfter :)

Re: Unruhe-Dauerstillen-KISS-angebliche Regulationsstörung

Verfasst: 10.03.2016, 18:45
von koalina
Wir haben hier auch einen Tragling. Ablegen ging die ersten 6 Monate fast gar nicht. Der Kiwa wurde verschenkt, da darin nur geweint wurde... Hast du Tragetuch und/ oder Ringsling? Das hat uns das Leben sehr erleichtert.
Nachts xx mal trinken machen viele Still-Kinder und das ist wirklich normal. Irgendwer schrieb mal, das die Kinder nachts die Milch für den Tag "bestellen" ;)
Alles Gute euch!
koalina