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Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 05.10.2015, 13:54
von wewo
Hallo.

Meine Große startet jetzt mit 3 in den Kindergarten und freut sich auch sehr. Gleichzeitig fällt ihr das Loslassen und Verabschieden von mir gerade sehr schwer.

Heute war der erste Tag (ein Schnuppertag letzte Woche). Die Erzieherin meinte morgens, dass ich evtl. Morgen schon zeitweise gehe. Beim Gehen am Mittag allerdings sagte sie, dass die Räuberprinzessin noch oft nach mir guckt und fragt, also wohl besser nicht. War ich erleichtert, weil das auch mein Eindruck ist.

Ich möchte ihr die Zeit geben, die sie braucht. Aber wie ist es nach der Eingewöhnung. Ich habe sie so gut wie nie weinen lassen. Oft heißt es ja, das Kind weint beim Abschied und beruhigt sich dann aber schnell und spielt zufrieden. Je mehr ich darüber nachdenke, umso blöder finde ich allerdings den Gedanken ein weinendes Kind zurückzulassen. Hört sie dann wirklich auf, weil es eigentlich nicht schlimm ist? Oder hört sie auf, weil weinen ja nichts bringt (Mama ist ja eh weg)?

Wie macht ihr das? Weinen lassen passt irgendwie nicht in meine bedürfnisorientierte (Nicht)Erziehungswelt. ;)

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 05.10.2015, 14:20
von kerstins
Ich habe jetzt leider schon die vierte Eingewöhnung mit meinem Sohn machen müssen (Umzug, Tagesmutter etc.) und die beiden Eingewöhnungen (1. und 4.) bei denen ich ihm und mir Zeit gelassen habe und mindestens zwei Wochen komplett da war liefen problemlos und ich bin davon sehr überzeugt. In der Krippe hieß das damals Münchner Modell und im jetzigen Kindergarten habe ich schon bei den Vorgesprächen meinen Standpunkt vertreten können weil ich wüsste was meinem Kind gut tut. Bei ihm ist es definitiv so, dass er sich sicher gefühlt hat und die Leute kannte als ich dann weg war. Das war dann gleich lange, aber das war egal weil er die Erzieherinnen kannte und sich bei ihnen und in der Gruppe wohl fühlte.
Ich denke also, wenn ihr es hinbekommt, dass du erst gehst wenn deine Tochter angekommen ist in der neuen Situation dann kann nicht viel schief gehen. Ich drücke die Daumen!

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 05.10.2015, 14:26
von wewo
Danke. :)
Meine Große ist nach außen oft selbstsicher und möchte bzw. fordert lautstark irgendwas. Wenn sie allerdings verunsichert ist, dann zeigt sie es nur durch Nichtreden (= ruhig sein). Ich habe ein bisschen "Angst", dass sie sich in dieser Umgebung dann bspw. auch nicht weinen traut oder sagt, wenn sie zu mir will (ich werde dann angerufen).

Das Verweigern des Aufräumens zieht sie allerdings auch in der Kita knallhart durch. :D

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 05.10.2015, 15:36
von Capesider
Wir machen auch gerade Eingewöhnung nach Berliner Modell, und ich habe von Anfang an klar gestellt, dass ich mein Kind nicht weinend zurücklassen möchte, weil ich damit bei meiner Großen schlechte Erfahrungen gemacht habe (wurde damals durch die Erzieherin forciert, ich habe mich überrumpeln lassen und das läuft mir heute noch nach...).
Die Erzieherin fand das total gut und begrüßt es auch, Eingewöhnung ohne Weinen zu machen.
Mal sehen, wie es bei uns letztendlich abläuft.

Wir waren jetzt 1 Woche da (unterbrochen wegen der ersten Kita-Erkältung..., zur Zeit auch zu Hause) und er spielt ganz toll mit den Erzieherinnen und mit den anderen Kindern, auch im angrenzenden Ruheraum, ohne mich. Aber rausgehen darf ich nicht, da wird er sofort ängstlich und will mit.

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 05.10.2015, 16:05
von 08u11
Ich kenne beides. Bei meinem Großen war lange dabeibleiben das Mittel der Wahl. Der hat die Sicherheit gebraucht und hätte sich sonst nicht beruhigt. Beim kleinen Großen war das ganz anders: Bei dem ist das Klammern immer schlimmer geworden, je länger ich geblieben bin. Und ich hatte durchaus das Gefühl, lieber Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende :shock: . Ging bei uns aber auch nur, weil ich a) wusste, es geht ihm dort gut und ich b) im Zweifelsfall auch sofort wieder dagewesen wäre (habe zu Hause freiberuflich gearbeitet, war also im Normalfall flexibel und die TaMu nur im Haus nebenan). Ich habe aber auch dann kurz vor der Tür gewartet und wusste, dass die TaMu anrufen würde, wenn es wirklich nicht geht.
Insofern: das kann von Kind zu Kind sehr verschieden sein. Und es gibt tatsächlich den Fall, dass ein kurzes Weinen die bessere Lösung ist. Ich selbst hasse lange Abschiede und finde insofern das Modell kurz verabschieden und dann gehen sehr sympatisch :D . Aber das muss passen und klappt nur, wenn genügend gegenseitiges Vertrauen da ist. Im Zweifelsfall würde ich immer lieber da oder zumindest abrufbar in der Nähe bleiben. Eure Erzieherin scheint da ja auch sensibel zu sein, sonst hätte sie Dich mittags auch einfach gehen lassen.

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 07.10.2015, 15:39
von mavie
Bezüglich deiner Sorge, man könnte ihr evt. dort gar nicht anmerken, ob sie Angst hat oder nicht: Ich denke, du würdest ihr zu Hause dann anmerken, dass es ihr dort nicht gut geht, weil sie sich bei dir ja trauen würde, angestaute Angst rauszulassen. Aber wenn ihr behutsam vorgeht - und die Erzieherin klingt ja einfühlsam nach dem, was du schreibst -, wird sicher alles gut gehen.
Mir gefällt das mit dem Weinen auch nicht, da müsste schon alles so stimmen, wie du schreibst, 08u11. Ansonsten würde ich auch befürchten, das ist nur eine Anpassungsleistung. Das Kind merkt ja, dass es nichts mehr bringt, seinen Kummer zu zeigen, und fügt sich der Situation. Wie es sich dabei fühlt, ist aber eine andere Sache. Und selbst wenn es seinen Kummer mal vergisst, fühlt es sich vielleicht doch latent unsicher und traurig. González bringt da in seinem Buch das Beispiel einer Beerdigung. Dort weine man in der Regel auch nicht durchgehend, trotzdem gehe es einem nicht gut...

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 07.10.2015, 16:48
von 08u11
Hm, das mit der Anpassungsleistung ist so ne Sache. Da sind Menschen einfach auch sehr verschieden. Ich hatte es bei meinem eher so interpretiert: Gott sei Dank, ich muss nicht mehr weinen. Die Mama ist weg, ich kann mich jetzt wieder auf was anderes konzentrieren :D . Tatsächlich hätte weiter weinen ja was gebracht - ich habe im Flur gewartet und war auch nacher nur im Nachbarhaus - bei tatsächlichem Kummer wäre ich schnellstens wieder dagewesen. Ich kenne das eben von mir selbst auch: wir fahren nächste Woche zu meinen Eltern (wohnen 500km weit weg und ich sehe sie eher selten). Ich hasse die Situation beim Wegfahren und auf dem Bahnhof und ja, ich könnte da heulen (zumal seit meine Großeltern sehr alt und gebrechlich geworden sind). Aber das wird nicht besser, wenn wir's rauszögern und in Wahrheit will ich nach ein paar Tagen auch wieder in meine eigenen Wohnung und sobald der Zug losgefahren ist, ist es gut:D .
Allerdings ist mir im nachhin aufgefallen: das Kind von dem ich hier geschrieben habe war ca. 1 Jahr alt - das von dem die TS schreibt ist 3 - insofern ist das nicht ganz vergleichbar. bereits mit 2,5 ist dassselbe Kind freudestrahlend in die Kita maschiert, ohne eine Träne. Ob ich ihn in dem Alter dort noch weinend zurückgelassen hätte, weiß ich nicht.

Re: Kita-Start. Eingewöhnung/Weinend zurücklassen.

Verfasst: 07.10.2015, 17:33
von 08u11
Ach so, das, was Gonzales da beschreibt, kenne ich auch. Aber eben NICHT von diesem Kind, sondern von unserem sensiblen Großen. Und den haben wir, aus eben diesem Grund, lange und intensiv begleitet :D . Aber klar: ob ein Kind traurig/unsicher ist oder nicht, hat eben nicht nur damit zu tun, ob es beim Abgeben weint.
Ich denke, als Mama merkt man eigentlich ganz gut, was passt und was nicht. Wobei selbst ich denke, bei den doch schon recht großen Kindergarten-Kindern sollte Weinen doch eher die Ausnahme bleiben