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Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 06.02.2015, 02:10
von Sherlockline
Hallo, ich brauche Mal etwas Rat und ein paar Erfahrungen.

Mein Sohn wird nächsten Do 2 Jahre und hat während einer Erkrankung bis vor ein paar Tagen das Stillen auf Null reduziert. Ich denke es lag an der verstopften Nase, was ich leider trotz Pariboy nicht beheben konnte. Seitdem verweigert er die Brust komplett. Geht maximal kurz mit den Zähnen hin und sagt dann Neinei schüttelt den Kopf und mag dann nicht mehr.
Er hat immer komplett nach Bedarf gestillt auch noch viel tagsüber, daher bin ich jetzt sehr verwirrt.
Ich habe schon abgepumpt und ausgestrichen und per Glas etc. angeboten. Auch im Halbschlaf probiert, massiert und gewärmt.
Gestern bin ich sogar zu Vivian Weigert in die Stillgruppe gefahren, weil ich einfach noch nicht damit umgehen kann.
Meine Tochter hat sich mit 17 Monaten um die 20. Schwangerschaftswoche abgestillt womit ich auch ewig zu kämpfen hatte und auch noch lange angeboten habe. Konsequente Ablehnung und Geschmack wurde negativ kommentiert etc.

Ich bin selbst AFS Beraterin jetzt und es hilft mir grad nicht wirklich. Es geht mir zu nah und ich kann gerade nicht abgrenzen, ob es ein Problem gibt, Stillstreik etc. oder ob es wirklich seine Entscheidung ist und somit mein Problem, dass ich mich eher auf 3 bis 4 Jahre Stillzeit eingestellt hatte.
Er nutzt weder Daumen noch Schnuller seit Geburt und ich habe wohl etwas Angst vor Alternativen. Seine Schwester schnullert zum Schlafen und hat ihre Hand im Pulli (das kam beim Abstillen) was sie bei mir machen wollte zuerst, aber eher ein kratzen und zwicken war. Er hat das auch gerade öfter versucht daher der Gedanke.

Danke fürs Lesen und Tipps

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 06.02.2015, 02:35
von tania
per definition ist es ein stillstreik, wenn das kind nicht das stillen langsam ausschleicht, sondern abrupt das stillen verweigert, wie in deinem fall.

nur - was folgt daraus? um das stillen wieder anzufangen braucht es nicht "nur" eine mutter die willens ist und nicht aufgibt. je aelter das kind, desto weniger hast du es in der hand. und selbst bei einem kind das erst zehn monate alt ist und das stillen in jeder hinsicht noch braucht und will - selbst da kann ein stillstreik irreversibel sein.

will heissen: du kannst nicht mehr machen ausser es ihm anzubieten. wenn du ihn damit aber stresst - ja was dann? ist es dann nicht vielleicht egal ob es ein stillstreik ist oder nicht? meinst du nicht, dass er zum stillen zurueckfinden wuerde, wenn es noch noetig waere?

es tut mir sehr leid fuer dich. ich wuerde es ganz schrecklich finden, wenn mein kind jetzt ploetzlich nicht mehr stillen wuerde. ihr muesst beide neue wege finden. da gehoeren fuer dein kind vielleicht auch ersatz nuckeln dazu, haare kauen, aermel lutschen oder aehnliches. worin liegt da deine sorge?

aber auch ein stillstreik - zumal in dem alter - kannst du nicht auch den als entscheidung deines kindes lesen? vielleicht hilft es, dir die situationen in denen er vor kurzem noch stillte genau anzuschauen. erkennst du alternative wege die er gefunden hat oder am finden ist ohne stillen in diesen situationen umzugehen? wie geht es in klassischen stillmomenten (einschlafen, weh getan usw)?

ich persoenlich wuerde in einer derartigen situation wohl noch weiter ein bisschen dranbleiben, im halbschlaf vor allem und wirklich drauf achten ihn nicht zu stressen (also die klassische stillstreik-therapie - mit nacktem oberkoerper rumlaufen - das faende ich fuer mich in dem alter unpassend. aber das kannst du auf jeden fall am besten entscheiden.

aber allein, dass du deine brust beim runterfahren unerstuetzen musst, zeigt ja, dass es kein graduelles selbststaendiges abstillen ist.

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 06.02.2015, 03:55
von Sherlockline
tania hat geschrieben:per definition ist es ein stillstreik, wenn das kind nicht das stillen langsam ausschleicht, sondern abrupt das stillen verweigert, wie in deinem fall.
Genau so seh ich das bisher auch, das war einfach zu abrupt.
nur - was folgt daraus? um das stillen wieder anzufangen braucht es nicht "nur" eine mutter die willens ist und nicht aufgibt. je aelter das kind, desto weniger hast du es in der hand. und selbst bei einem kind das erst zehn monate alt ist und das stillen in jeder hinsicht noch braucht und will - selbst da kann ein stillstreik irreversibel sein.
Das ist dann der zweite Punkt, einerseits denke ich, dass es zu schnell und abrupt ist und krankheitsbedingt ausgelöst, andererseits nützt mir das Wissen nichts, weil ich es schlichtweg nicht in der Hand habe.
will heissen: du kannst nicht mehr machen ausser es ihm anzubieten. wenn du ihn damit aber stresst - ja was dann? ist es dann nicht vielleicht egal ob es ein stillstreik ist oder nicht? meinst du ncht, dass er zum stillen zurueckfinden wuerde, wenn es noch noetig waere?
Ich habe anfangs immer wieder angeboten und wohl auch etwas zu viel Druck ausgeübt, habe es also von meiner Seite aktiv angeboten zum Schlafen, zum trösten und als erstes, wenn ich gemerkt habe, dass er Hunger hat. Daran habe ich gearbeitet nach der Stillgruppe am Mi morgen, und ich lasse das jetzt sein. Ich denke, wenn er wirklich mag, bin ich bereit und versuche es in seine Hände zu geben.
es tut mir sehr leid fuer dich. ich wuerde es ganz schrecklich finden, wenn mein kind jetzt ploetzlich nicht mehr stillen wuerde. ihr muesst beide neue wege finden. da gehoeren fuer dein kind vielleicht auch ersatz nuckeln dazu, haare kauen, aermel lutschen oder aehnliches. worin liegt da deine sorge?
Mit Stillen komm ich gut klar, weil es für mich normal ist und dazu gehört auch bei älteren Kindern. Aber ich hasse den Schnuller. Und ich habe mittlerweile ein großes Problem damit, wenn ich körperlich durch zwicken, hauen etc. oder einfach dieses Kratzen an der Haut bzw. an der Brust (bin da wohl nochmal empfindlicher als es mich sonst stört, er ist verbal noch nicht weit, aber dafür gerade in der Phase wo er körperlich viel probiert) direkt miteinbezogen werde. Damit kann ich nicht gut umgehen, mit Stillen eben schon, daher ist mir das lieber als Alternativen. Grundsätzlich finde ich es ok. Meine Tochter darf den Schnuller behalten, sie kann ja nichts dafür, dass es mich nervt. Vor allem, wenn sie damit spricht und tagsüber rumläuft (da geht es ja nicht ohne Sprechen bei ihr :) ) oder wir wieder suchen müssen etc. So ne Brust ist halt immer dabei, die geht nicht so leicht kaputt oder verloren :)
aber auch ein stillstreik - zumal in dem alter - kannst du nicht auch den als entscheidung deines kindes lesen? vielleicht hilft es, dir die situationen in denen er vor kurzem noch stillte genau anzuschauen. erkennst du alternative wege die er gefunden hat oder am finden ist ohne stillen in diesen situationen umzugehen? wie geht es in klassischen stillmomenten (einschlafen, weh getan usw)?
Wie gesagt, es ist wohl eher mein Problem, er leidet nicht wirklich. Er hat tagsüber oft aus Langeweile, zum Runterkommen, Nähe etc. gestillt, das braucht er scheinbar gerade nicht. Zum Einschlafen liegt er jetzt neben mir und macht das komplett alleine, max. Hand halten. Er hat das über Weihnachten wochenlang versucht, da war es aber viel Geschrei, Gezappel, Gewälze und er ist wieder zum Einschlafstillen zurückgekehrt, was für uns alle angenehmer war. Vor allem auch für die Große, die sonst ewig warten musste, bis er geschlafen hat, weil sie im Zimmer also im Bett auch getreteten, drübergekrabbelt etc. wurde, was sie gar nicht mag und dann ist noch mehr Unruhe und keiner kann mehr schlafen. Er hat scheinbar durch das Fieber (viel Schlafen) gelernt, wie es ganz alleine geht und behält das jetzt bei. Er wacht auch immer weniger auf, teilweise ist trotz trinken (das will er dann nachts schon ab und an, Milch verweigert er dann an der Brust nach ab und zu kurzem Versuch wie vor 2 Stunden, genauso wie aus einer Trinkflasche) die Windel morgens trocken, er bevorzugt wie die Schwester damals und heute noch Wasser.
Richtig doof ist es unterwegs, wenn wir nicht im Auto oder Kiwa sind, dann würde er sonst an der Brust schlafen können, weil Tragen für mich immer problematischer wird, am So hat das der Papa übernommen, aber der ist im Alltag nicht verfügbar. Somit schränkt uns das etwas ein, aber dafür finden wir dann schon auch Lösungen. Ich kämpfe damit eigentlich auch noch, weil ich es nicht geschafft habe, meinen Körper soweit zu festigen, dass ich länger und mehr tragen kann. Aber das ist ne andere Baustelle.
ich persoenlich wuerde in einer derartigen situation wohl noch weiter ein bisschen dranbleiben, im halbschlaf vor allem und wirklich drauf achten ihn nicht zu stressen (also die klassische stillstreik-therapie - mit nacktem oberkoerper rumlaufen - das faende ich fuer mich in dem alter unpassend. aber das kannst du auf jeden fall am besten entscheiden.
Das sehe ich auch so. Ich streiche oder pumpe in seiner Gegenwart, er kann also interessiert gucken, was er meist gerne tut. Fürs Wochenende ist auch wieder baden angesagt (hab hier nur ne Dusche) und sonst sieht er ja beim Umziehen auch die Brust und er kuschelt sich dran, steckt seine Hand in den Ausschnitt usw. Im Halbschlaf sagt er weiter Rundada (heißt so viel wie T-Shirt weg, das Stillzeichen kann er nutzt er aber nicht wirklich, hat er auch nur selten gemacht, es ist aber leider nicht eindeutig, ob er kuscheln will oder ob er Milch bestellen mag)
aber allein, dass du deine brust beim runterfahren unerstuetzen musst, zeigt ja, dass es kein graduelles selbststaendiges abstillen ist.
Unterstützen muss ich nicht, ich mache es nur, weil es mir hilft und eben für ihn eine Chance bedeuten kann. Wie schnell es ohne Pumpen, Ausstreichen (derzeit einmal am pro Tag) ausbleiben würde, weiß ich nicht. Es gibt mir Sicherheit und hilft mir beim Loslassen. Vivian Weigert meinte auch, dass ich damit die Milchbildung aufrecht erhalten kann, selbst wenn beim Pumpen/Ausstreichen nicht viel kommt, einfach eine gewisse Zeit zum Anregen (kennen wir ja alle mit Angebot/Nachfrage), sie meinte auch ähnliches wie du schreibst. Und schlug sonst noch ein Ritual zum Loslassen vor.

Er wird nächsten Do 2 Jahre alt, bis dahin wollte ich uns beiden noch Zeit geben, und vielleicht den Geburtstag als Zeichen nehmen, in die eine oder andere Richtung.

Vielen Dank für deine Worte.

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 09.02.2015, 23:14
von Sherlockline
Also pumpen und ausstreichen war mir zu mühsam, weil frustrierend. Das hat mir nicht so gut getan. Immer wieder das Thema aufzurollen.

Baden hat ihn auch wenig interessiert. Er drückt nur mit den Fingern rum und lacht .

Ein paar wenige Male ist er noch mit dem Mund hin, davon hat er es zwei Mal versucht aber er mag wohl wirklich nicht mehr.

Schade. Ich schließ jetzt damit ab und lass es zu, dass ich traurig bin. Ganz für mich allein. Ich hab ein paar Tropfen noch evtl. sammel ich noch was, für ein Amulett. Ich frier es erstmal ein, bis ich klar bin, ob ich das brauche.

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 09.02.2015, 23:40
von tania
((()))

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 10.02.2015, 09:53
von Snakedreadkitty
Mellie, ich drück dich mal solidarisch. Hier lief es grade ähnlich...wobei ich es schon aktiv angeboten habe, das Stillen und A. es dann auch annimmt... Aber mir kam da auch der Gedanke: "Uah, stillt er sich jetzt vielleicht ab, wenn ich es zulasse, also nicht mal anbiete? Und: bin ich dazu bereit?"
Ich mag mir nun ein Beispiel an dir nehmen und es einfach akzeptieren, was kommt.
*umärmel*

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 10.02.2015, 15:05
von Sherlockline
Danke Euch. Ich fange jetzt an darüber zu reden und das ist ein gutes Zeichen. Do hat er Geburtstag und vormittags ist Stillgruppe das wird nochmal hart werden.

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 13.02.2015, 15:24
von tania
ich hab mit den anderen stillmods nochmal gesprochen und es gibt einige, deren kinder in dem alter recht ploetzlich einfach nicht mehr stillten. es gab keine ersatznuckeleien, keine unzufriedenheit - es war einfach genug. das muss natuerlich nicht immer mit dem beduerfnis der mutter zusammenpassen, aber das tut es ja eigentlich eh selten, oder? also beide meine kinder haben phasenweise deutlich UEBER meinen bedarf gestillt ;-)

will heissen: meine definition von stillstreik oben gilt nur fuer kinder, die sich noch hauptsaechlich von milch ernaehren. bei aelten kindern kann es durchaus auch abruptes selbststaendiges abstillen geben - und ist auch gar nicht so selten. und auch das kann natuerlich durch aeussere faktoren angestossen werden, wie bei euch evtl durch die krankheit.

vielleicht schmerzt auch der abschied vom stillen generell? haettest du gerne noch ein drittes kind? oder findest du es auch fuer dein kind "zu frueh"? wir muessen uns immer wieder von dingen verabschieden, die wir fuer unser kind fuer richtig erachten. aber es ist ja wirklich toll, dass sie in der lage sind, selbststaendig ihre beduerfnisse zu erkennen und entsprechend zu handeln.

wie sieht es denn mit ersatznuckeln aus?

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 17.02.2015, 11:45
von Sherlockline
Danke Tania, das ist sehr lieb von dir.

So sehe ich das auch, die Bedürfnisse passen ja in allen Dingen nicht immer wirklich zu denen der Eltern, also wieso so soll es beim Stillen anders sein. ;)

Wahrscheinlich ist es auch für mich einfach das Ende der Stillzeit allgemein. Ein drittes Kind ist nicht in Planung, weil es derzeit einfach nicht passt, wir haben genug mit den beiden zu tun, und ich komme ständig weit über meine Grenzen. Durch die Stillberater Arbeit schmerzt das natürlich noch mehr, gerade wenn es um Abstillen usw. geht, bei viel kleineren Kindern, am besten noch unter einem Jahr, die ja noch auf Milch in irgendeiner Form angewiesen sind. Das berührt mich dann natürlich noch mehr gerade. Für ihn selbst finde ich es wohl auch einfach so zu früh, er ist einfach noch so klein und ich sehe ihn mehr als Baby/Kleinkind mit seinen 2 Jahren. Hier passiert genau das Gegenteil, die Große sehe ich immer viel zu erwachsen und erwarte zu viel.

Ersatz hat er nicht. Er hatte in letzter Zeit immer an den Schnullern der Großen Interesse, die wurden gerne aus dem Mund geklaut, wahrscheinlich auch weil das so lustig ploppt, er hat sie dann aber meist wieder reingesteckt. War also eher Spiel. Hände, Daumen, Kleidung etc. nuckelt er gar nicht an. Er scheint also wirklich das Saugbedürfnis gestillt zu haben und bis auf Ausnahmen schläft er jetzt sehr gut. Ab und an sogar komplett durch. Einschlafen ist sehr ruhig geblieben, auch Mittagsschlaf legt er sich einfach neben mich in seine Stillkissen-Ecke und schläft ganz ruhig und alleine ein. Das war wohl meine Angst, dass wir da keine gute Lösung finden.

Danke fürs Zuhören (bzw. Lesen) das hat mir sehr geholfen.

Re: Selbstabstillen vor dem 2. Geburtstag

Verfasst: 17.02.2015, 12:21
von tania
es klingt wirklich schoen und stimmig :D