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Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 18:05
von caddi
Hallo,

unser Baby ist jetzt 4 1/2 Monate alt und ich versuche noch voll zu stillen, auch wenn mich und meine Familie dies die letzten Nerven raubt. :(
Unser Bub war ein Frühchen (6 Wochen zu früh) und lag zunächst noch für neun Tage auf der Kinderintensiv. Dort konnte ich leider nicht stillen, weil sie mich überhaupt nicht unterstützten und mir einredeten, unser Junge müsse zunehmen und dies klappe nur mit dem Fläschchen. Außerdem wäre er zu schwach zum Trinken. (Ich ließ mir das alles einreden,, weil ich ja selber so unsicher war und natürlich wollte, dass er zunahm.) Also pumpte ich fleißig ab, so dass er zumindest meine Muttermilch übers Fläschchen bekam. Zuhause kam dann die Hebamme zu mir und das Stillen klappte von diesem Moment an perfekt. Er trank ca. alle vier Stunden und wirkte immer zufrieden. Auch nahm er sehr gut zu. Seit einiger Zeit schläft er nachts durch, teilweise bis zu elf Stunden. :-) Ich lege ihn um ca. 20:00 Uhr hin und er schläft bis sechs oder sieben in der Früh. Damit ich ja nicht weniger Milch bekomme, pumpe ich vorm Schlafengehen, um ca. 0:00 Uhr, nochmals ab (max. 120 ml in einer halben Stunde von beiden Brüsten). Morgens wirkt er nach dem Trinken immer zufrieden, meine Brust ist gut gefüllt, aber nicht so, dass mir Milch auslaufen würde. Tagsüber ist es jedoch eine "Katastrophe" mit dem Stillen. Er möchte ca. alle halbe Stunde an die Brust und schreit sehr häufig. Er macht ein paar Züge und setzt dann wieder ab und weint. So geht es die ganze Zeit dahin. Ich komme zu nichts mehr und bin auch schon total verzweifelt. Wenn ich meine Brustwarze drücke, kommt auch so gut wie keine Milch. Ich gehe stark davon aus, dass er nicht genügend Milch bekommt, da er, wenn wir ihm nach dem Stillen noch ein Fläschchen geben, 200 ml (!) trinkt. Er muss doch noch Hunger haben, wenn er nach dem Stillen noch 200 ml trinkt. Ich bin hin- und hergerissen, weil ich so ungern zufüttern möchte, im Moment aber keine andere Möglichkeit sehe. Zunächst dachte ich, die Milchproduktion würde sich wieder steigern, wenn ich ihn ein paar Tage lang ständig anlege. Jedoch geht das inzwischen schon einen Monat und ich bekomme nicht mehr Milch und mein Baby wird nicht satt. Zudem kommen ständig Kommentare wie "Du musst zufüttern, der arme Junge bekommt nicht genug. Du quälst ihn ja. Wie willst du deinen Haushalt je in Schuss halten, wenn du nur für das Baby da bist und es nur den ganzen Tag an der Brust trinkt" usw. von Familienmitgliedern oder Bekannten. Das ist natürlich auch sehr belastend für mich, weil ich inzwischen selbst schon glaube, dass ich zufüttern muss und mein Baby nicht genug von der Brust bekommt. Kann das wirklich sein? Meine Hebamme meint immer, es kann nicht sein, das ich zu wenig Milch habe. Jedoch war sie noch nie da, als mein Baby ständig unzufrieden ist und schreit. Gestern habe ich ihm wieder NACH dem Stillen ein Fläschchen gegeben und er trank 210 ml (!)! Ich frage mich, wie wenig er dann von meiner Brust erwischt hat, wenn er anschließend noch so viel trinkt. Danach war er so richtig pappsatt und zufrieden und hat endlich wieder gelacht. Eigentlich lächelt er mich immer an, wenn er satt ist, doch dies macht er schon lange nicht mehr (an der Brust).
Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen. Vielen herzlichen Dank!

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 18:18
von Brianna
Herzlich Willkommen!
Hier wird dir bestimmt geholfen. Die Stillberaterin brauchen die Angaben aus diesem Thread http://www.stillen-und-tragen.de/forum/ ... 2&t=125451.
In der Linksammlung zum Stillwissen kann man auch ganz viel lernen.
Aus der Flasche trinken viele Babys, obwohl sie satt sind, da der Sauger den Saugreiz auslöst und sie einfach nicht aufhören können.
Gruß Brianna

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 18:24
von diefue
Herzlich Willkommen hier im Forum und herzlichen Glückwunsch zu Deinem Baby - Du wirst sicher bald Antwort der Stillberaterinnen hier bekommen.

Ich möchte Dir nur Mut machen, dass Du auf Dein Herz und nicht auf die wenig hilfreichen Kommentare der Mitmenschen hörst. Ganz ehrlich, das letzte Jahr war mir der Haushalt echt total egal. Manchmal war es tatsächlich unangenehm dreckig hier, dann haben mein Mann oder ich das nötigste geputzt. Ich habe trotzdem lieber gestillt, geschmust und mein Baby genossen. Jetzt wird der kleine Prinz morgen ein Jahr und seit etwa 10 Tagen kümmere ich mich wieder "richtig" um den Haushalt. Jetzt sind wir ein unschlagbares Stillteam, jetzt ist er stark genug und neugierig genug, die Welt auch ohne Mama zu entdecken. Jetzt erst liegt er auch mal 20 Minuten auf einer Decke. Zuvor hat er entweder gestillt oder wurde getragen. Und jetzt sagt mir jeder, wie freundlich er ist. Was ich damit sagen will, der Haushalt ist nicht wichtig. Und ja, stillen fand ich persönlich oft sehr sehr anstrengend - aber es kommt der Tag, da läuft es von selber und dann ist es einfach kuschelig, schön und richtig.

Und meine Schwiegermama fragt heute noch regelmäßig, ob da wirklich noch Milch kommt und fasst es nicht, dass der Prinz nach dem Stillen eine Milchschnute hat. Also die Beurteilung ob Du genug Milch hast, werden die Moderatorinnen hier gemeinsam mit Dir machen - und für das "Real Life" wünsche ich Dir einfach ein dickes Fell.

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 19:58
von Mutterhenne
((())) das klingt ja unglaublich anstrengend --- bei uns ist der Haushalt heute noch nicht so ganz in Schuss, und mein Kind ist mittlerweile fast 16 Monate alt :-D! Sicherlich wirst Du bald professionell beraten, aber eins vorweg: Viele Kinder trinken am Fläschchen quasi 'über den Hunger/Durst hinaus'; das hat etwas mit der starren Saugerform zu tun: der Sauger löst einen Schluckreflex aus, und was für uns Mütter/Väter wie gierig-hungriges Trinken wirkt, ist oftmals nur diesem Reflex geschuldet. Die Stillmods können Dir das sicherlich differenzierter erklären. Und: Wenn Dein Kind regelmäßig Fläschchen bekommt, ist das fürs Stillen nicht optimal. Hast Du mal stillfreundliche Zufüttermethoden probiert (Becher, Spritze etc.)? - Aber ob das Zufüttern überhaupt nötig ist, das werden die Stillmods mit Dir herausfinden! Erstmal alles Gute - und genieß Dein Baby :-D :-D, der Haushalt ist sowas von wurscht!!

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 20:03
von caddi
Vielen herzlichen Dank für die liebe Aufnahme hier und eure Antworten.

Nun schreibe ich gleich noch die benötigten Informationen auf:

- Ich füttere seit ca. einer Woche täglich zu, vorher nur hin und wieder. Der Großteil ist Muttermilch und wenn das nicht ausreicht, gebe ich ihm Aptamil Pre.
- Seit ca. einem Monat sieht unser Stillalltag so aus: morgens nach dem Aufstehen ca. eine gute halbe Stunde stillen (jede Brust ca. 15 Minuten). Dann nach 2 - 3 Stunden wieder eine halbe Stunde und ab dann ist er alle halbe Stunde bis Stunde an meiner Brust und ist immer sehr unzufrieden und knatschig. Er bekommt anscheinend nie genug, meine Brust fühlt sich auch total leer und "schlabbrig" an. Wenn ich ihm dann ein Fläschchen gebe, trinkt er das sehr schnell (ca. 200 ml).
- Wenn ich mit ihm einkaufen oder spazieren gehe, hält er länger durch, ca. drei Stunden.
- Er hat in jeder Windel einen Stuhlgang und viel Pippi. Auch nimmt er zu.

Ich weiß, dass wahrscheinlich viele sagen werden, da musst du durch. Ich hätte auch kein Problem, wenn das ein paar Tage oder Wochen lang so gehen würde. Jedoch geht das jetzt schon über einen Monat so. Mein Kind, mein Mann und ich sind total unzufrieden mit der jetzigen Situation. Ich kann nicht mal zur Rückbildungsgymnastik gehen und mein Baby dort bei der Kinderbetreuung abgeben (so wie es alle machen), weil er ständig weint, unzufrieden ist und Hunger hat. Natürlich weiß ich auch, dass der Haushalt daheim nicht so wichtig ist, doch mich nervt es schon ein wenig, wenn ich gar nichts mehr schaffe, nicht mal mehr zum Wäscheaufhängen komme ich. Und so macht mir das Stillen auch ehrlich gesagt keinen Spaß mehr, wenn mein Bub nicht satt wird und immer unzufrieden wirkt und weint. Wenn ich ihm dann das Fläschchen nach einer halben Stunde Stillen gebe, trinkt er mindestens 200 ml. Ich habe schon alles versucht, die Milchbildung wieder anzuregen. Ich trinke sehr viel (Säfte, Wasser, Karamalz, Weleda Stilltee), esse gut und gönne mir auch viel Ruhe. Deshalb weiß ich nicht, wieso das nicht klappt. Bei meiner Schwester klappte das mit dem Stillen so gut. Je älter sie wurden, desto weniger musste sie sie anlegen. Bei mir ist es genau andersherum. Zuerst musste ich ihn nur alle drei bis vier Stunden anlegen, und jetzt hängt er ständig an meiner Brust und bekommt nicht genug.

Ich freue mich riesig über Tipps, weil ich so gerne weiterstillen möchte.

Re: AW: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 20:25
von Teazer
Hallo Caddi,

bitte poste noch alle Gewichtsdaten, die Du hast. Dann meldet sich bald eine Stillberaterin. :)

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 11.01.2015, 23:08
von caddi
Die Gewichtsdaten:

04.09.: 1880 g
01.10.: 2470 g
14.10.: 2870 g
20.10.: 3110 g
28.10.: 3370 g
05.11.: 3620 g
18.11.: 4140 g
25.11.: 4380 g
10.12.: 4780 g
23.12.: 5380 g
09.01.: 5640 g

Re: AW: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 12.01.2015, 00:30
von Teazer
Hallo Caddi!
caddi hat geschrieben:Unser Bub war ein Frühchen (6 Wochen zu früh) und lag zunächst noch für neun Tage auf der Kinderintensiv. Dort konnte ich leider nicht stillen, weil sie mich überhaupt nicht unterstützten und mir einredeten, unser Junge müsse zunehmen und dies klappe nur mit dem Fläschchen. Außerdem wäre er zu schwach zum Trinken. (Ich ließ mir das alles einreden,, weil ich ja selber so unsicher war und natürlich wollte, dass er zunahm.) Also pumpte ich fleißig ab, so dass er zumindest meine Muttermilch übers Fläschchen bekam. Zuhause kam dann die Hebamme zu mir und das Stillen klappte von diesem Moment an perfekt.
Schade, dass Dein Stillwunsch im KH keine Unterstützung fand. Umso schöner, dass es zu Hause dann so toll klappte! :)
Er trank ca. alle vier Stunden und wirkte immer zufrieden. Auch nahm er sehr gut zu. Seit einiger Zeit schläft er nachts durch, teilweise bis zu elf Stunden. :-) Ich lege ihn um ca. 20:00 Uhr hin und er schläft bis sechs oder sieben in der Früh. Damit ich ja nicht weniger Milch bekomme, pumpe ich vorm Schlafengehen, um ca. 0:00 Uhr, nochmals ab (max. 120 ml in einer halben Stunde von beiden Brüsten).
Es wäre besser, wenn Du ihn zum Stillen weckst. Keine Pumpe ist so effektiv wie ein saugendes Kind. Das nächtliche Stillen hat einen großen Einfluss auf die Milchbildung des nächsten Tages. Daher solltest Du Deinen Sohn zum Stillen wecken: Wecktipps für schläfrige Babys.
Morgens wirkt er nach dem Trinken immer zufrieden, meine Brust ist gut gefüllt, aber nicht so, dass mir Milch auslaufen würde.
Das ist auch nicht nötig, denn der größte Teil der Milch wird während des Stillens gebildet.
Tagsüber ist es jedoch eine "Katastrophe" mit dem Stillen. Er möchte ca. alle halbe Stunde an die Brust und schreit sehr häufig. Er macht ein paar Züge und setzt dann wieder ab und weint. So geht es die ganze Zeit dahin. Ich komme zu nichts mehr und bin auch schon total verzweifelt. Wenn ich meine Brustwarze drücke, kommt auch so gut wie keine Milch. Ich gehe stark davon aus, dass er nicht genügend Milch bekommt, da er, wenn wir ihm nach dem Stillen noch ein Fläschchen geben, 200 ml (!) trinkt. Er muss doch noch Hunger haben, wenn er nach dem Stillen noch 200 ml trinkt.
Nein, dass ist kein Zeichen dafür, dass er zu wenig Milch bekommt. Wie andere schon schrieben: Der Sauger löst den Saugreflex aus. Da über"fressen" sich manche Babys regelrecht. Ein Baby im (angepassten) Alter Deines Sohnes trinkt bei einer Stillmahlzeit im Schnitt 50-100 ml. Du siehst den Unterschied? ;)

200 ml sind 20-30% des Tagesbedarfs Deines Babys. Kein Wunder, dass er pappsatt ist.
Ich bin hin- und hergerissen, weil ich so ungern zufüttern möchte, im Moment aber keine andere Möglichkeit sehe.
Dein Kind hat in den letzten 12 Wochen durschnittlich 230 g wöchentlich zugenommen. Das ist eine sehr gute Zunahme. Auch in den letzten zwei Wochen ist die Zunahme mit durchschnittlich 185 g wöchentlich völlig unauffällig. Die WHO gibt für sein Alter eine durchschnittliche Wochenzunahme von 110-330 g an.

Bei diesen Zunahmen und nach wochenlangem, problemlosen Vollstillen ist es ausgeschlossen, dass sein Verhalten an Deiner Milchmenge liegt. Zufüttern ist also völlig unnötig.
Zunächst dachte ich, die Milchproduktion würde sich wieder steigern, wenn ich ihn ein paar Tage lang ständig anlege. Jedoch geht das inzwischen schon einen Monat und ich bekomme nicht mehr Milch und mein Baby wird nicht satt.
Dein Baby bekommt definitiv genügend Milch.

Er wurde ja mit Flasche gefüttert. Sein Verhalten (morgens im Halbschlaf klappt's, tagsüber wach nicht) spricht für eine Saugverwirrung. Er versucht mit der Flaschentechnik an der Brust zu trinken. Das kann nicht klappen. Außerdem dauert es bis aus der Brust Milch kommt. Und dafür muss er selbst aktiv werden. Er versteht nicht, warum es nicht klappt, wird ungeduldig und beginnt zu weinen. Du fütterst mit Flasche zu und er versucht beim nächsten Mal wieder an Deiner Brust mit Flaschentechnik zu trinken usw. Ein Teufelskreis.

Daher wäre es wichtig, dass Ihr alle künstlichen Sauger (Schnuller, Flasche, Stillhütchen) weglasst. Solltet Ihr zufüttern - wofür ich keine Veranlassung sehe - macht dies bitte stillfreundlich.
Zudem kommen ständig Kommentare wie "Du musst zufüttern, der arme Junge bekommt nicht genug. Du quälst ihn ja.
Das ist nicht nur gemein, sondern auch noch die Unwahrheit. Du möchtest Deinem Baby das geben, was es braucht. Das ist keine Qual, sondern das Beste für Dein Kind (und Dich übrigens auch).
Wie willst du deinen Haushalt je in Schuss halten, wenn du nur für das Baby da bist und es nur den ganzen Tag an der Brust trinkt" usw. von Familienmitgliedern oder Bekannten.
Ihr hattet einen schweren Start, ihr habt so viel nachzuholen. Was sind dagegen Hausarbeiten? Ihr werdet nicht verwahrlosen, nur weil der Schwerpunkt aktuell wo anders liegt. Wer helfen will, soll keine Bemerkungen machen, sondern Dir eine warme Mahlzeit kochen, mal für Dich Durchsaugen, etc. DAS ist Hilfe. Nicht diese Sprüche. Ich weiß, es ist schwer, sich das nicht zu Herzen zu nehmen. ((()))
Das ist natürlich auch sehr belastend für mich, weil ich inzwischen selbst schon glaube, dass ich zufüttern muss und mein Baby nicht genug von der Brust bekommt. Kann das wirklich sein? Meine Hebamme meint immer, es kann nicht sein, das ich zu wenig Milch habe.
Da hat sie absolut Recht.
Jedoch war sie noch nie da, als mein Baby ständig unzufrieden ist und schreit.
Babys weinen aus vielen Gründen. Es ist nicht immer Hunger. Und pappsatt nach einer riesigen Flasche zu sein bedeutet, die nächste Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Das hilft Dir nicht, ganz im Gegenteil.
Gestern habe ich ihm wieder NACH dem Stillen ein Fläschchen gegeben und er trank 210 ml (!)! Ich frage mich, wie wenig er dann von meiner Brust erwischt hat, wenn er anschließend noch so viel trinkt.
Es kann sein, dass er eine normale Portion im Bauch hatte und die Flasche "oben drauf".
Danach war er so richtig pappsatt und zufrieden und hat endlich wieder gelacht.
Klar, seine Saugverwirrung sorgt dafür, dass er nach der Flasche zufrieden ist, die kann er ja auch leeren. Er kann aktuell nicht richtig aus Deiner Brust trinken, weil er nicht weiß wie es geht.

- Ich füttere seit ca. einer Woche täglich zu, vorher nur hin und wieder. Der Großteil ist Muttermilch und wenn das nicht ausreicht, gebe ich ihm Aptamil Pre.
Wieviel Milliliter fütterst Du in 24h?
- Seit ca. einem Monat sieht unser Stillalltag so aus: morgens nach dem Aufstehen ca. eine gute halbe Stunde stillen (jede Brust ca. 15 Minuten). Dann nach 2 - 3 Stunden wieder eine halbe Stunde und ab dann ist er alle halbe Stunde bis Stunde an meiner Brust und ist immer sehr unzufrieden und knatschig.
Wenn Du alle Sauger weglässt, hat Dein Sohn die Chance wieder einen normalen Rhythmus zu bekommen und sich wieder an normale Mahlzeitengrößen zu gewöhnen.

Dazu macht es Sinn eine zeitlang in einem festen Rhythmus zu stillen: tagsüber alle 2h, nachts alle 3h. Hat er vorher Hunger selbstverständlich früher. :) Die Stillabstände werden von Stillbeginn zu Stillbeginn gerechnet.

Eine Stillmahlzeit sollte 20-30 min Dauern. Den Milchfluss kannst Du entweder durch Brustkompression oder Wechselstillen am Laufen halten. Es ist wichtig, dass Dein Kleiner bei der Stillmahlzeit am Ball bleibt. Danach ist für ca 1,5 bzw. 2,5h Pause.

Sollte er nach der Mahlzeit weinen, versuche, ihn anders zu trösten als mit der Brust. Nehme ihn z.B. ins Tragetuch oder biete ihm zum Nuckeln den kleinen Finger an.
Er bekommt anscheinend nie genug, meine Brust fühlt sich auch total leer und "schlabbrig" an.
Das ist völlig normal. Nach den ersten Wochen hat sich Deine Milchbildung auf den Bedarf Deines Babys eingependelt. Dass Deine Brust weich ist, ist also ein gutes Zeichen. :)
Wenn ich ihm dann ein Fläschchen gebe, trinkt er das sehr schnell (ca. 200 ml).
Er kann nicht anders: Das Saugen ist ein Reflex und dieser wird durch die Form des Flaschensaugers ausgelöst. Beim Stillen muss das Babys selbst die Brust einsaugen um den Reflexpunkt zu stimulieren. Die Flasche macht das ohne eine Aktion Deines Babys.
- Wenn ich mit ihm einkaufen oder spazieren gehe, hält er länger durch, ca. drei Stunden.
Das ist ganz normal. Du kannst Dir das zunutze machen, wenn Du an Eurem Stillrhythmus arbeitest.
- Er hat in jeder Windel einen Stuhlgang und viel Pippi. Auch nimmt er zu.
Wenn es 4-6 Windeln sind, zeigt es klar, dass er gut versorgt ist.
Ich weiß, dass wahrscheinlich viele sagen werden, da musst du durch. Ich hätte auch kein Problem, wenn das ein paar Tage oder Wochen lang so gehen würde. Jedoch geht das jetzt schon über einen Monat so. Mein Kind, mein Mann und ich sind total unzufrieden mit der jetzigen Situation. Ich kann nicht mal zur Rückbildungsgymnastik gehen und mein Baby dort bei der Kinderbetreuung abgeben (so wie es alle machen), weil er ständig weint, unzufrieden ist und Hunger hat.
Nein, Du/Ihr müsst durch gar nichts durch. Es ist bloß wichtig, dass Ihr zu einen normalen Stillrhythmus findet und von der Saugverwirrung wegkommen.

Ob es dann mit der Babybetreuung klappt, weiß ich nicht. Meine drei haben mich nie turnen lassen und ich war nie die einzige Mama, die anstelle ihre Übungen zu machen stillend auf dem Sofa saß. ;) Meine Babys woll(t)en immer nur bei ihrer Mama (oder ihrem Papa) sein. Und so ist es mit den meisten Babys, denn sie sind genetisch darauf programmiert.
Ich habe schon alles versucht, die Milchbildung wieder anzuregen. Ich trinke sehr viel (Säfte, Wasser, Karamalz, Weleda Stilltee), esse gut und gönne mir auch viel Ruhe. Deshalb weiß ich nicht, wieso das nicht klappt.
Es klappt ja eigentlich, Dein Baby ist nur saugverwirrt. Das bekommen wir gemeinsam in den Griff.

Trinken solltest Du übrigens nur so viel wie Du durstig bist. Zu viel Flüssigkeit kann sich auch nachteilig aufs Stillen auswirken. Und Malzbier und Stilltee kannst Du trinken, wenn sie Dir schmecken. Notwendig für die Milchbildung sind sie nicht. ;)
Bei meiner Schwester klappte das mit dem Stillen so gut. Je älter sie wurden, desto weniger musste sie sie anlegen. Bei mir ist es genau andersherum. Zuerst musste ich ihn nur alle drei bis vier Stunden anlegen, und jetzt hängt er ständig an meiner Brust und bekommt nicht genug.
Nein! Die Stillabstände waren anfangs ungewöhnlich lang. Die lange Stillpause in der Nacht ist nicht gut und wegen der Flasche (evtl. auch Schnuller, falls er einen hat), kann Dein Baby die vorhandene Milch nicht abrufen.

Zum Überprüfen, dass er auch weiterhin gut zunimmt, brauche ich täglich sein Gewicht, die Stillfrequenz, ggf. Zufüttermenge und die Windelzahl. Bitte besorge Dir eine Babywaage, die man in der Apotheke ausleihen kann. Wichtige Informationen rund ums Wiegen findest Du in der Grundinfo Gewichtsentwicklung - Gedeihen - Gewichtskontrolle.

Bitte ergänze Deine Gewichtsliste noch mit der Info, wer gewogen hat (KH, KiA, Hebamme). Danke.

Die Weiterführung der Liste sollte so aussehen:
12.01. 5650 g, 11x gestillt, 0 ml PRE, 0 ml MuMi, 5x Pipi, 0x Stuhl

Eine Stuhlwindel ist jede Windel mit Stuhl, egal ob mit Pipi oder ohne. Reine Pipi-Windeln werden als Pipi gezählt.

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Puh, das ist jetzt lang geworden. :mrgreen: Meine Empfehlungen nochmal zusammen gefasst:

- mindestens 10-12 x stillen in 24 h
- tags alle 2h, nachts alle 3h (dazu auch wecken: Tipps für schläfrige Babys)
- Stillmahlzeiten von 20-30 min
- Wechselstillen
- Brustkompression
- keine künstlichen Sauger
- keine anderen Flüssigkeiten

Was sagst Du dazu?

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 12.01.2015, 10:22
von caddi
Hallo Teazer,

vielen lieben Dank für deinen langen ausführlichen Bericht mit den vielen Tipps.
Ehrlichgesagt möchte ich meinen Buben nur sehr ungern nachts wecken. Schlaf ist doch so wichtig! Er ist auch die ersten Wochen nach der Geburt max. einmal pro Nacht gekommen, d.h. er hat von Anfang an sehr gut in der Nacht geschlafen. Und für mich ist die Nacht auch die einzige Ruhephase, die ich habe, weil ich mal durschlafen kann. Ich weiß nicht, ob das vielleicht etwas egoistisch ist, aber ich bin so froh, dass ich zumindest nachts ruhig schlafen kann, wenn ich tagsüber keine ruhige Minute habe. Meine Hebamme hat mir auch total davon abgeraten, ihn zu wecken. Ich solle so froh sein, dass er durchschlafe und dies zeige mir, dass er genügend Milch bekommt. Aber wie gesagt, tagsüber klappts einfach nicht. Die Brust müsste ich doch normalerweise auf den Rhythmus einstellen, oder? Also nachts nichts und tagsüber mehr produzieren. Oder sehe ich das falsch. Die Kinder meiner Schwester haben nachts immer mindestens 8 - 9 Stunden geschlafen und tagsüber alle 4 Stunden getrunken. Es heißt doch auch, je älter die Babys werden, desto weniger muss man sie anlegen?
Wechselstillen mach ich sowieso tagsüber. Das heißt, wenn er nach ca. 5 Minuten an einer Brust weint und ständig abdockt, wechsle ich die Brust. Hier geht es dann auch für ca. fünf Minuten gut und dann weint er wieder. Soll ich dann wieder und wieder wechseln? Ich befürchte halt, dass dies ein Teufelskreis ist und er dann noch mehr weint und sich gar nicht mehr beruhigt.
Ich gebe ihm schon einen Schnuller, vor allem wenn er nachts vorm Einschlafen weint oder eben wenn er tagsüber sehr unruhig ist und weint. Das ist für ihn und auch für mich beruhigend. Was soll ich ihm dann anstatt dem Schnuller geben? Wieder die Brust?
Es tut mir leid, dass ich schon wieder so viele Fragen habe, aber mittlerweile kenn ich mich gar nicht mehr aus, weil jeder irgendwas anderes sagt. Das mit dem Aufwecken in der Nacht verunsichert mich am meisten. Was mich auch noch sehr beunruhigt, ist die Tatsache, dass ich tagsüber außer Stillen überhaupt nichts mehr schaffe. Wie soll das denn gehen, wenn ich ein zweites Kind habe? Ich stelle mir halt einfach die Frage, wie das andere Mütter machen, die ein zweites kleines Kind haben, das auch viel Aufmerksamkeit benötigt. Es geht ja nicht, dass ich den ganzen Tag stille und zu nichts anderem mehr komme. Ich hätte halt gehofft, dass sich das mit der Milch alles wieder einpendelt, wenn ich ihn einfach ganz oft anlege. Das hab ich auch gemacht - auch habe ich keine Flasche dazu gegeben. Und wenn er dann nach 15 Minuten Stillen wieder schrecklich geweint hat, habe ich ihn rumgetragen, beschäftigt und getröstet. Das konnte ich aber nicht länger als ein paar Wochen machen, weil ich und auch mein Mann nervlich fertig waren. Mein Mann hat dann gemeint, so könne das nicht weitergehen. Dann haben wir es halt mal mit einem Fläschchen versucht und unser Junge war total zufrieden und lächelte wieder. Das war für uns das Schönste und Wichtigste, dass es ihm gut geht.

Liebe Grüße

Re: Verzweiflung beim Stillen

Verfasst: 12.01.2015, 10:59
von Lösche Benutzer 7240
Liebe Caddi, nur ganz kurz zum zweiten Kind und wie das alles gehen soll. Bist Du denn schwanger? Selbst dann hättest Du ja noch ein paar Monate Zeit ;) Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Du noch nicht wieder schwanger bist, und dann gilt doch: Bis das zweite Kind dann irgendwann mal auf der Welt ist, bis dahin vergehen ja wohl mindestens noch 10 Monate, vielleicht auch noch drei Jahre, wer weiss das schon. Massig Zeit, in der Dein Bub sich entwickeln wird und seinen Schlaf- und Still- und jeden anderen Rythmus noch zigmal ändern wird. Es bringt also nicht viel, sich da heute schon einen Riesenkopf zu machen. Die Stillsituation ist doch jetzt, heute, in diesen Wochen so belastend für dich - in ein paar Wochen kann es schon wieder ganz anders sein!