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Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 10:12
von jali
Die Frage steht eigentlich schon oben.

Vorweg: Meine Tochter isst sehr gerne, von Anfang an. Sie hat dementsprechend mit Beikoststart (wir haben BWL praktiziert) angefangen extrem zuzunehmen , weil sie fast von Anfang an normale Kinderportionen gegessen hat aber gleichzeitig auch noch sehr viel gestillt (hatte damals schon ein Thema gestartet). Mit einem Jahr war sie mit 71 cm und 11,x kg über der 99. BMI Perzentile.

Mit dem Laufen hat sich dann das meiste verwachsen, aber mit 2 3/4 Jahren, 92 cm und 15 kg ist sie immer noch eher kräftig als schmal.

Wenn wir hier mal abends nicht warm essen, es also Brot, Aufstrich etwas Rohkost (Paprika, Gurke oder Möhre) und Oliven gibt, würde eine freie Essenswahl bei meiner Tochter dazu führen, dass nur Käse, Wurst und Oliven gegessen werden. Wir kaufen gerne gute Aufstriche, also guten Käse, Biowurst ect., so dass schon kostenmäßig es eigentlich nicht vertretbar ist, sich am Aufstrich satt zu essen. Aufstrich ohne Brot gibt es daher nur ausnahmsweise, ansonsten kann sie Brot und Aufstrich in der Reihenfolge essen wie sie will, aber ein neues Brot mit neuem Aufstrich gibt es erst, wenn das erste Brot gegessen wurde.

Süssigkeiten sind für meine Tochter das größte Glück auf Erden. Sie fragt sehr oft nach Süßigkeiten, zum Geburtstag wünscht sie sich fast ausschliesslich Schokolade und Gummibärchen, an Kindergeburtstagen an denen es dann auch mal freien Zugang zu Süßigkeiten gibt, kommt sie aus dem intensivsten Spielen alle 2 Minuten zum Essenstisch um sich etwas zum Naschen zu holen (fast alle anderen Kinder vergessen irgendwann das Naschen und spielen erstmal). Wir haben fast nie Süßigkeiten zu Hause, sind aber auch nicht ganz ganz streng. D.h. wir gehen schon auch mal ein Eis essen, sie darf sich mal ein oder zwei Gummitierchen am Kiosk kaufen, oder bekommt beim Einkaufen ein Quetschfruchtmuß. Aber außer an besonderen Anlässen, sind die Süßigkeiten auf Kleinigkeiten beschränkt und täglich gibt es sie auch nicht.

Meine Tochter isst auch gerne Obst und Gemüse. Wenn wir kochen, isst sie eigentlich alles (einschliesslich Radicchio-Risotto oder anderer Gerichte, die Kinder eigentlich meistens eher nicht mögen). Wir müssen also nie für sie extra kochen, oder bei Nudeln welche ohne Sauce übrig lassen. Sie ist da wirklich sehr unproblematisch, was ich super finde.

Eigentlich ist ja das BLW-Konzept (wie ich es verstanden habe), dass die Kinder freie Auswahl über die verfügbaren Lebensmittel haben. Aber wenn man sich mit Freunden zum picknicken trifft und jemand Wiener Würstchen dabei hat, fehlt mir irgendwie auch die Lockerheit nach der zweiten Wurst noch eine dritte und vierte zu geben (Ist auch schon vorgekommen, weil andere Eltern da oft lockerer sind, und ich ihr dann auch nicht Sachen verbieten will, die alle anderen bekommen).

Jetzt frage ich mich, ob wir insgesamt zu streng/unlocker sind. Würde sich die Lust auf Aufstrich ohne Ende vielleicht von selbst geben, wenn man sie einfach mal Aufstrich ohne Ende essen lassen würde? Ich weiß, dass hier die Unerzogen-Fraktion teilweise auch Süssigkeiten ohne Einschränkungen erlaubt - das wird es hier nicht geben. Trotzdem würde mich mal interessieren, ob es hier auch Leute gibt, die das bei tendenziell eher zu Übergewicht neigenden Kindern tun.
Wie handhabt ihr das?

Nochmal zur Klarstellung: Ich reglemetier nie mit der Essensmenge nur mit der Auswahl.

Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 12:37
von hej-da
Zu den Süßigkeiten mag ich was schreiben. Mein Großer hat die ersten zwei Jahre kaum süßes bekommen. Dann kam Weihnachten oder Ostern, ich hatte kurz vorher einen Zeitungsbericht gelesen, wo der SüßigkeitenKonsum nicht reglementiert wurde und nur in den ersten Tagen viel genascht wurde. Und genauso handhaben wir das. An Feiertagen, wenn er was geschenkt bekommt usw. darf genascht werden. Ostern gab's auch schon morgens Schokolade. Und die Reste stehen jetzt in einem Krb auf der Dunstabzugshaube. Dort darf er sich Nachmittags was aussuchen- wenn er dran denkt;-) würde es hier immer frei zugänglich stehen, wäre er wohl alle.
Aber so kommt es auch vor, das er wochenlang nicht daran denkt. Und dann auch mal wieder tgl und viel.....
Bei uns zuhause früher, wurden die Süßigkeiten versteckt, es gab nur minimal und zugeteilt. Wenn ich dann zu meiner Oma gefahren bin, habe ich beim Kiosk überdimensional viel gekauft und wirklich gefressen. Ich bin sicher, das das auch in mein Gewichtsproblem hineinspielt.

Übrigens, wenn wir irgendwo sind und es süßes gibt, benehmen sich meine Kinder häufig so, als würden sie NIE Süßes bekommen, zuhause. Dann wird gegessen, bis es alle ist. :lol:
Und dennoch wollen die nicht tgl Nutella aufs Brot oder naschen.
Meine Kleine würde auch für Nüsse sterben und der Große mag genauso gerne Müsli etc.

Zum Aufschnitt- meine Kleine hat nun wochenlang kein Brot, sondern nur Stinkekäse und Leberwurdt gegessen. Ich vertraue darauf, dass sie das essen, was ihr Körper braucht.
Irgendwie habe ich sowieso zwei Etappenesser. Mal geht nur Brot, dann nur Aufschnitt, dann nur Gemüse....

Re: AW: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 12:50
von Lösche Benutzer 2872
Das mit den Süßigkeiten ist aber leider auch sehr kindabhaengig. Ich hätte hier gerne freien Zugriff, weil ich dieses Verstecken und Einteilen als Kind furchtbar fand und die These nicht zu reglementieren für mich schlüssig klang. Mein Sohn hat sich dann aber nur noch von Süßem ernährt. :cry:
Jetzt fahren wir einen Mittelweg. Ich reglementiere meist nicht direkt, also keine Mengen, aber wir haben oft einfach nichts da und ich weigere mich auch immer wieder süßes auf Nachfrage zu kaufen.

Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 13:18
von jali
hej-da hat geschrieben:Zu den Süßigkeiten mag ich was schreiben. Mein Großer hat die ersten zwei Jahre kaum süßes bekommen. Dann kam Weihnachten oder Ostern, ich hatte kurz vorher einen Zeitungsbericht gelesen, wo der SüßigkeitenKonsum nicht reglementiert wurde und nur in den ersten Tagen viel genascht wurde. Und genauso handhaben wir das. An Feiertagen, wenn er was geschenkt bekommt usw. darf genascht werden. Ostern gab's auch schon morgens Schokolade. Und die Reste stehen jetzt in einem Krb auf der Dunstabzugshaube. Dort darf er sich Nachmittags was aussuchen- wenn er dran denkt;-) würde es hier immer frei zugänglich stehen, wäre er wohl alle.
Aber so kommt es auch vor, das er wochenlang nicht daran denkt. Und dann auch mal wieder tgl und viel.....
Bei uns zuhause früher, wurden die Süßigkeiten versteckt, es gab nur minimal und zugeteilt. Wenn ich dann zu meiner Oma gefahren bin, habe ich beim Kiosk überdimensional viel gekauft und wirklich gefressen. Ich bin sicher, das das auch in mein Gewichtsproblem hineinspielt.

Übrigens, wenn wir irgendwo sind und es süßes gibt, benehmen sich meine Kinder häufig so, als würden sie NIE Süßes bekommen, zuhause. Dann wird gegessen, bis es alle ist. :lol:
Und dennoch wollen die nicht tgl Nutella aufs Brot oder naschen.
Meine Kleine würde auch für Nüsse sterben und der Große mag genauso gerne Müsli etc.

Zum Aufschnitt- meine Kleine hat nun wochenlang kein Brot, sondern nur Stinkekäse und Leberwurdt gegessen. Ich vertraue darauf, dass sie das essen, was ihr Körper braucht.
Irgendwie habe ich sowieso zwei Etappenesser. Mal geht nur Brot, dann nur Aufschnitt, dann nur Gemüse....
Ostern und Weihnachten handhabe ich das ähnlich - was da ist, kann gegessen werden - nur das bei uns die Tage danach tatsächlich morgens nach dem Aufstehen noch mit fast geschlossenen Augen nach den Schokoeiern gefragt wird und die hier daher nicht wochenlang rumstehen.

Aber das sind ja dann auch besondere Tage, auf die man sich freuen kann. Tatsächlich sind die Kinder, die ich kenne, die früher einen Süßigkeitenschrank (der Traum meiner Kindheit) zu Hause hatten eher übergewichtige Erwachsene - kann natürlich auch Zufall sein.

Aber im Alltag haben wir in der Regel eben keine Süßigkeiten zu Hause und ich kaufe auch nicht immer welche, wenn meine Tochter danach fragt (täglich).

Mit dem Aufschnitt werde ich vielleicht mal ausprobieren (wenn mein Freund da mitmacht - der ist eher strenger als ich). Gestern hatte ich bei den mit Mandeln gefüllten Oliven schonmal gedacht, dann lass ich sie eben essen - bis dann irgendwann der Punkt erreicht war, dass ich zumindest auch eine von den Oliven haben wollte (Die Schale war jetzt nicht wirklich klein). Ich frage mich halt auch die ganze Zeit, ob meine Unlockerheit auch daran liegt, dass meine Tochter eben kräftiger ist und teilweise deutlich übergewichtig war. Wenn ich mir jetzt die WHO-Tabelle zur Gewichts/Größenrealtion anschaue, liegt sie immer noch ca. auf der 90. Perzentile, was ja die Grenze zum Übergewicht ist. Ich denke gar nicht, dass sie zu dick ist, aber total entspannt bin ich eben leider auch nicht (obwohl ich als Kind auch sehr gerne sehr viel gegessen habe und in dem Alter ungefähr genauso aussah wie meine Tochter, aber nie eine zu Übergewicht neigende Erwachsene war; Der Vater ist da im übrigen ähnlich gestrickt, nur dass er sich beim Essen auch heute reglementieren muss um im Normalgewicht zu bleiben).

Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 13:31
von stimme
Ich habe mal gelesen, ich glaube bei Renz-Polster "Kinder verstehen", dass es nur dann funktioniert, Essen nicht zu reglementieren, wenn die Eltern eine Vorauswahl treffen, und nur ausgewogenes gesundes Essen anbieten. Demnach wäre das also bei Süßigkeiten schwierig. Bei dem Aufstrich müsste man sich im Hinblick auf ausgewogene Ernährung wohl keine Gedanken machen, aber da ist die Frage natürlich, ob es nicht etwas teuer wird, wenn das Kind sich nur mit Aufstrich satt ist.


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Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 13:48
von feuerdrache
Alternativvorschlag für Aufstrich:
selbstgemachter Topfenaufstrich.
Nimm Topfen (Quark), Fettstufe nach Deinem Geschmack, mit Sauerrahm oder Naturjoghurt cremig rühren. Salz, Gewürze, kleingeraspeltes Gemüse nach Geschmack, Kräuter ect rein. Da kann man unendlich viele Varianten machen aus echtguten Ausgangsmaterialen. Biotopfen ist auch nicht besonders teuer. Davon könnte sie doch recht unbedenklich futtern- oder?

Ich mach da immer so etwas wie Liptauer, etwas mit Knoblauch und Schnittlauch, eine Variante mit zerbröseltem Schafkäse und geschnittenen Oliven und Oregano, eine andere mit Gartenkräutern...

Dazu gibt es hier auch oft nur gekochte Kartoffel. MEine Kinder lieben es.

Zu den PErzentillen: meine Jungs liegen weiiiit ausserhalb aller PErzentillen. Größen und Gewichtsmäßig. Das ist nur Papierwerk. Lass dich davon nicht fertigmmachen.
Biete eine gesunde Vorauswahl an, Naschen klappt hier nur reglementiert. MEine Kinder (auch der 4jährige) haben eine Dose, da kommt jede Woche eine gewisse Menge an Süßem rein. Das wird abgewogen. Und sie müssen es frei einteilen. Es gibt nichts nach. Klappt erstaunlich gut, und sogar der 4jährige kommt mit 100g durch.

Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 13:48
von AnnaKatharina
jali hat geschrieben: Tatsächlich sind die Kinder, die ich kenne, die früher einen Süßigkeitenschrank (der Traum meiner Kindheit) zu Hause hatten eher übergewichtige Erwachsene - kann natürlich auch Zufall sein.
Wir hatten in meiner Kindheit einen Süßigkeitenschrank (also, ein Fach im Küchenschrank), und ich bin nicht übergewichtig.

Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 15:29
von stimme
feuerdrache hat geschrieben:Alternativvorschlag für Aufstrich:
selbstgemachter Topfenaufstrich.
Nimm Topfen (Quark), Fettstufe nach Deinem Geschmack, mit Sauerrahm oder Naturjoghurt cremig rühren. Salz, Gewürze, kleingeraspeltes Gemüse nach Geschmack, Kräuter ect rein. Da kann man unendlich viele Varianten machen aus echtguten Ausgangsmaterialen. Biotopfen ist auch nicht besonders teuer. Davon könnte sie doch recht unbedenklich futtern- oder?

Ich mach da immer so etwas wie Liptauer, etwas mit Knoblauch und Schnittlauch, eine Variante mit zerbröseltem Schafkäse und geschnittenen Oliven und Oregano, eine andere mit Gartenkräutern...

Dazu gibt es hier auch oft nur gekochte Kartoffel. MEine Kinder lieben es.
Ja genau, vielleicht probierst du mal Abendbrot-Alternativen zu Brot mit Aufstrich aus. In Deutschland wird ja extrem gerne viel Brot gegessen, aber das Ausgewogenste ist das auch nicht unbedingt. Neben Gemüsesticks oder Kartoffeln mit Quark fallen mir noch Pfannkuchen oder Obstsalat ein.


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Re: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 15:58
von Lösche Benutzer 1828
AnnaKatharina hat geschrieben:
jali hat geschrieben: Tatsächlich sind die Kinder, die ich kenne, die früher einen Süßigkeitenschrank (der Traum meiner Kindheit) zu Hause hatten eher übergewichtige Erwachsene - kann natürlich auch Zufall sein.
Wir hatten in meiner Kindheit einen Süßigkeitenschrank (also, ein Fach im Küchenschrank), und ich bin nicht übergewichtig.
wir hatten keine Süßigkeiten zu Hause - nur mal zu Weihnachten, mal einen kleinen Kuchen zum Geburtstag -tja, und ich habe kein wirklich gesundes Essverhalten und bin übergewichtig geworden.....es war immer knapp bei uns zu Hause.

Re: AW: Wie weit Essen reglementieren?

Verfasst: 08.05.2014, 16:02
von Lösche Benutzer 1828
Heggs hat geschrieben:Das mit den Süßigkeiten ist aber leider auch sehr kindabhaengig. Ich hätte hier gerne freien Zugriff, weil ich dieses Verstecken und Einteilen als Kind furchtbar fand und die These nicht zu reglementieren für mich schlüssig klang. Mein Sohn hat sich dann aber nur noch von Süßem ernährt. :cry:
Jetzt fahren wir einen Mittelweg. Ich reglementiere meist nicht direkt, also keine Mengen, aber wir haben oft einfach nichts da und ich weigere mich auch immer wieder süßes auf Nachfrage zu kaufen.
Ja, ist es.
Kind 1 - da muss ich aufpassen. Der wog aber schon Geburt an viel, hat sich nie geändert. Er könnte schlanker sein (ich überlege, ob das evtl. mit zu hohen Zuckerwerten in der Schwangerschaft zusammenliegen könnte)
Kind 2 - isst total normal, wiegt total normal
Kind 3 - isst sehr gerne Chips und Süßkram, mal sehr viel, dann wieder phasenweise fast gar nichts (dann aber auch generell fast gar nichts), ich habe da nie irgendwas reglementiert, er ist sehr schlank, unterste Grenze Normalgewicht

Dreimal also sehr unterschiedlich hier