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Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 07:52
von binlin84
Hallo, ich weiß nicht ob's thematisch in die richtige Sparte passt. Wenn nicht bitte verzeiht mir meine Unwissenheit oder verschiebt es. Danke

Nun aber zum Thema:

Unsere Kleine ist auf den heutigen Tag 5 Monate. Die Verwandtschaft meines Mannes drängt daraufhin endlich zu taufen (katholisch). Weil "das gehört sich so"! Schwiegermutter sagt, "du kannst doch das Kind nicht nicht taufen lassen! Wo gibt's denn sowas?". Mein Mann stimmt dem natürlich zu, macht sich aber keinerlei Gedanken um Umsetzung, Planung oder Finanzierung.
Ich meinerseits stehe der katholischen Kirche sehr sehr kritisch gegenüber, bin selbst getauft, konnte aber stets frei wählen ob ich zur Kommunion wollte. Mein jüngerer Bruder wurde nur auf Drängen meiner Oma getauft. Mein Vater ist schon ewig aus der Kirche ausgetreten.

Mein Problem besteht hauptsächlich darin, dass ich mich innerlich ärgere, dass mir von außen gesagt wird was ich zu tun habe! Beim gestrigen Familienessen wurde dann seitens Patentante, Schwiegermutter und Uroma auf mich eingeredet, ich solle mich nicht so anstellen, Planung wäre ja nicht schlimm und auch Kosten würden sich in Grenzen halten. Dazu muss ich sagen dass ich eine sehr große Familie seitens Mutter und Vater habe (Papa 4 Geschwister und Mama 5) während meine Schwiegermutter lediglich eine Schwester hat und mein Schwiegervater samt Familie lebt niemand mehr. Es heißt dann wie bei der standesamtlichen Hochzeit, man solle es klein halten und ich müsse ja nicht immer die ganze Familie einladen, während bei ihnen Cousin und Cousinen eingeladen werden plus alte Familienfreunde und entfernte Verwandte, musste ich selektieren.
Die Hochzeit wollte ich ja auch. Zwar gerne größer aber wenn dem eben nicht so ist auch okay. Jetzt soll ich taufen, weil dass "so sein muss", dafür zahlen und wieder meine Familie außen vor lassen! Mein Mann fühlt sich angegriffen meinerseits weil ich ihn darstellen würde (vor seiner Familie gestern), als würden wir am Hungertuch nagen und reagiert genervt.
Irgendwann kam dann die Feststellung meiner Schwiegermutter und Schwägerin " das Kind wird getauft... Fertig aus". Ich hab mich dann zurück gezogen aus der Diskussion, ärgere mich im Nachhinein über mich selbst.

Wie unverschämt eigentlich mich so zu drängen und als schlechte Mutter darzustellen, nur weil ich mir Gedanken mache, ob ich solch erzkatholische konservative Lebensprinzipien und Ansichten überhaupt vertreten will. Weil im Moment ein Gerichtsverfahren und die Kosten für Mpu bei meinem Mann anstehen, gerne das Geld für Kaffee und Kuchen bei der Taufe in einer Gaststätte sparen würde.
Meine Logik war, wenn sie darauf bestehen sollen sie es doch zahlen und den "katholischen Bildungsauftrag" erfüllen! Aber das kratzt an der Ehre meines Mannes, weil er sich dann fühlt als könnte er keine Familie ernähren. Falscher Stolz!

Versteht mich nicht falsch, ich habe generell nichts gegen das Christentum und deren Werte, mag aber die frauenverachtenden, konservativen und pädophilen Seiten der Katholischen Kirche nicht. Ich sehe das so, wer glauben möchte kann dies auch so tun!
Evangelische Kinder gibt es hier kaum in unsrer Gegend und wurden auch stets ausgegrenzt (zb bei Wochenendfreizeiten der Kirche).

Also soll ich jetzt mal klar Stellung beziehen gegenüber meiner Schwiegermutter oder einfach nichts tun? Am Ende bleibt eh alles an mir hängen! Braucht man die Einwilligung beider Elternteile? Sonst könnte ich ja argumentieren, dass sie das nichts angeht und ganz unsere Aufgabe ist zu entscheiden! Insbesondere wenn sie so weiter machen ich mir das komplett überlege gar nicht mehr zu zustimmen!
Es ärgert mich jetzt schon sehr. Hätten sie mich nicht so angeprangert hätte ich das wahrscheinlich gar nicht alles so in Frage gestellt!

Wie seht ihr das? Was ist daran falsch zb bis zum 14 Lebensjahr zu warten und das Kind selbst entscheiden zu lassen? Hat meine Tochter da Nachteile?


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Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 07:59
von Flädi
Wir haben uns gegen eine Taufe unserer Kinder entschieden und haben sie jeweils mit 12 Monaten einsegnen lassen. Für die Familie war die segnungsfeier bzw. Das segnungsritual ähnlich wie eine Taufe und so gAb es eigentlich keine Diskussionen. Wir hatten allerdings auch schon eine ritualtrauung und so waren alle schon mit unseren besonderssein vertraut. Nachteile sind bisher lediglich, dass der Religionsunterricht ab der zweiten Klasse kostenpflichtig ist für nicht kirchenangehörige. Töchterchen möchte diesen besuchen und so zahlen wir halt jährlich was.

Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:01
von binlin84
Wo kann man denn solch ein Segnungsritual durchführen lassen?

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Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:06
von Flädi
Wir hatten eine freischaffende Theologin engagiert. Sie hatte uns bereits getraut. Seid ihr noch in der Kirche??? Es gibt auch Pfärrer die das wohl machen.

Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:09
von binlin84
Ja wir sind beide noch in der katholischen Kirche. Ich hatte als Kind aber schon eine Abneigung. Habe die Kirche das letzte Mal 2007 betreten bei der Beerdigung meiner Mutter, 1997 bei der Beerdigung meines Opas und 93 bei meiner Kommunion. Und jetzt soll ich ein Kind im christlichen Glauben großziehen :-P

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Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:11
von Flädi
Tja schwierig gell. Ich muss sagen, dass es mir wichtig ist den Kindern den christlichen Glauben zu vermitteln, aber ob sie sich taufen lassen wollen, das sollen sie einmal selber entscheiden können,

Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:19
von Vreni
binlin84 hat geschrieben:Die Verwandtschaft meines Mannes drängt daraufhin endlich zu taufen (katholisch). Weil "das gehört sich so"! Schwiegermutter sagt, "du kannst doch das Kind nicht nicht taufen lassen! Wo gibt's denn sowas?". Mein Mann stimmt dem natürlich zu
Ich denke, das mußt Du erstmal grundsätzlich mit Deinem Mann klären. Ihr zwei entscheidet und dann solltet ihr das auch gemeinsam kommunizieren.

Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:20
von kroschka
Ich finde du vermischst irgendwie zwei Sachen. Taufe ist ja das eine, die Finanzierung das andere. Wenn du dein Kind nicht taufen möchtest, weil du kein Bock auf Kirche hast (mal ganz salopp ausgedrückt), dann ist das eben so und Punkt. Da hat weder deine Schwiegermutter noch sonstwer was zu melden. Aber wenn du eigentlich taufen möchtest (und sei es nur wegen des Familienfreidens), aber ihr es euch nicht leisten könnt, dann würde ich taufen und dann eben wirklich nur im kleinen Kreis, sprich nur die Großeltern und die Paten einladen. Fertig.
Wenn du nicht taufen willst, würde ich mir keine Argumente zurechtlegen, schon gar nicht finanzielle Gründe anbringen (da kann ich deinen Mann irgendwie verstehen), das ist einfach eure Entscheidung. Ich finde allerdings, dass du es erst mit deinem Mann klären müsstest, ob oder ob nicht. Und dann muss auch dein Mann hinter eurer Entscheidung stehen.
Unser Kind ist nicht getauft (sieht aber auch mal eine Kirche von innen und darf später selbst entscheiden) und ich finde heutzutage "muss" kein Kind mehr getauft werden. Ehrlich, wenn ich mir vorstelle meine Schwiegermutter hätte so ein Drama gemacht, ich glaube sie hätte mich zum letzten Mal gesehen. :roll:

Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:27
von binlin84
Da hast du vollkommen Recht... Ich vermische da wirklich zwei Dinge. Bin grade sehr wütend irgendwie.

Zuerst kam mir natürlich der Gedanken um Finanzierung... Dann habe ich mich gefragt, muss eine Taufe denn sein? Und da kam dann schon der Druck von außen und in mir regt sich dann auch der "kleine Rebell". Erst jetzt überlege ich über Sinn und Bedeutung des Ganzen! Nichtsdestotrotz bleibt natürlich auch der finanzielle Hintergrund!

Ich werde jetzt einfach gar nichts anstoßen bzgl Planung :-P Evtl mit meinem Mann am We Diskussion führen. Und wenn dann kann er das ja gerne selbst planen mit Schwiegermutter! Dann wissen sie ja "welch geringer Aufwand das ist".

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Re: Taufe.... Schwiegermutter und Family drängen

Verfasst: 16.12.2013, 08:35
von davisalo
Huhu, ich finde hier verbindet sich ja so manches: die offensichtlich gespannte Situation innerhalb der Großfamilie, ein mögliches Fest und das religiöse Ritual. Ich finde, das solltet Ihr - als Paar!!! - getrennt betrachten und je eigene Entscheidungen treffen!

Zunächst mal zur Familiensituation: Von außen würde ich mich da zu gar nichts drängen lassen!! Die Verwandten können Euch da Vorschläge machen, sagen, was sie für richtig halten - aber dann reicht's auch!! Sie sind nicht die Eltern!!! Alles weitere entscheidest Du mit Deinem Mann!!!

Fest: Wenn die anderen feiern wollen, sollen sie das tun ... - aber nicht mit Deinem Kind! Wenn Dir nach feiern ist, kannst Du das auch tun ..., aber brauchst dafür nicht zwingend die Taufe! Eine Idee ist Dir ja oben schon genannt worden. Und wenn Du taufen willst und nicht feiern, dann ist das ganz genauso legitim! Dein Kind hat nämlich überhaupt gar nichts davon, dass da Unmengen von Verwandten kommen! Spontan dachte ich: Ich würde taufen. Ja. Aber Punkt. Gottesdienst und aus. Wenn jetzt schon so ein Trara ist, kann ein Fest ja nur mega-anstrengend für das Kind werden! Oder eben "Fest" ausschließlich mit Großeltern und je nach Situation noch Euren Geschwistern.

Thema Taufe: Wie ist denn Euer Pfarrer vor Ort? Ist der okay? Dann würde ich da durchaus mal ein Gespräch suchen - mit allen Fragen und Zweifeln, aber auch Euren Wünschen für das Kind. Wenn er gescheit ist, wird er Euch da dann mit Euch auch alternative Möglichkeiten betrachten: Taufe, warten mit der Taufe, Segnungsfeier. Er wird Euch hoffentlich darin unterstützen, hier auch Eurem Herzen zu folgen. Wie gesagt, keine Garantie; es gibt leider auch noch andere ..., aber die allermeisten Pfarrer würden Euch nicht zu etwas drängen, was Ihr nicht wünscht. (Und selbst wenn, bleibt Ihr ja letztlich freie Menschen und müsst nicht tun, was er sagt!) - Hätte dann noch dazu den "Vorteil", dass Ihr den Pfarrer in der Argumentation gegenüber der Verwandtschaft auf Eurer Seite hättet: Er unterstützt uns darin, erst mal zu warten ...

Zu Deiner Frage bzgl. evt. "Nachteilen" bei späterer Taufe: Theoretisch keine, praktisch aber: wenn schon evangelische Kinder ausgegrenzt werden, wird es ungetauften vermutlich leider nicht besser ergehen ... - Dennoch würde ich wohl nicht wegen der vermuteten Nachteile mein Kind taufen lassen - sondern wegen eigener Überzeugung.
Hier jedoch sehe ich es durchaus als Chance an, die Kirche erst mal wieder "kennenzulernen": z.B. durch ein Gespräch mit dem Pfarrer, durch den Besuch von geeigneten Gottesdiensten o.ä. Denn immerhin hat sich die Kirche immer wieder gewandelt, wandelt sich weiterhin; manche schlechte Erfahrungen kommen durch konkrete Personen. Um so besser, wenn es die Chance gibt, das mal wieder neu zu erleben. Und unsere Kinder bieten uns oft die Chance - gerade durch die Taufe, durch eine Erstkommunionvorbereitung, durch Familien- oder Kindergottesdienste, dadurch, dass man mit anderen christlichen Familien im Kontakt ist ... Für meine Begriffe hat christlicher Glauben so die große Chance, viel lebendiger zu werden im Miteinander als bloß im privaten Gebet.

Und zu den "frauenverachtenden, konservativen und pädophilen Seiten": Hm, mal kurz und knapp: Ja, wir Frauen dürfen in der katholischen Kirche leider noch immer keine Pfarrerinnen werden. Da hoffe ich auch schwerst auf eine Änderung. Aber ansonsten ist da wenig, was ich so bezeichnen würde. Und im konkreten Leben der Gemeinde sollte das sich auch nicht anders auswirken, als das (leider ...) vorne in Eucharistiefeiern immer ein Mann steht ... Wenn es anders wirkt, dann liegt das an den konkreten Menschen vor Ort, nicht an der katholischen Kirche!
Konservativ: Schwer zu sagen, was Du da konkret schlimm findest. Ich erlebe viele Institutionen als konservativ, gleichzeitig erlebe ich auch vieles in der katholischen Kirche als progressiv. Je nach Blickwinkel und Thema - und je nachdem, wem konkret man begegnet. Je nach eigenen Prioritäten ...
Pädophil: ist nun wahrlich nicht die katholische Kirche!! Einzelne Mitglieder in ihr waren es, sind es. Dann muss ich aber z.B. die Grünen genauso verurteilen, anprangern, dass eine Zeitung wie die Zeit da irgendwann wertneutrale Berichterstattung zu geliefert hat, ... Innerhalb der katholischen Kirche sind nicht mehr Menschen pädophil als anderswo, eher weniger. Es ist schlimm, weil wir eigentlich andere, bessere Werte haben. Wenn wir daran gemessen werden (und auch sonst) ist natürlich jeder Fall zuviel!!! Aber seit das alles bekannt ist, wird da innerhalb der Diözesen auch peinlichst genau drauf geachtet, dass Kinder geschützt werden, die pädophilen Personen vor ihrem eigenen Tun geschützt werden etc. Evt. "Vertuschen" beruht darauf, dass natürlich auch die Schuldigen nicht an den Pranger gestellt werden sollen, sondern in ihrer eigenen Würde geschützt werden. Sie dürfen nicht mehr ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen - müssen aber nicht in allen Zeitungen und Medien auftauchen. - Jedenfalls sollte das Tun einiger nicht ein Kriterium sein, die ganze Gemeinschaft zu verachten!
Aber auch hier: Vielleicht wäre das jetzt eine Chance, diese Fragen mal mit wem ganz offen zu besprechen - und wirklich offen ins Gespräch reinzugehen, ob sich Christsein für Dich, für Euch, für Euer Kind gut anfühlen kann und Ihr daher taufen lasst oder ob Ihr Eure distanzierte Haltung behalten mögt - und dann mit Schuleintritt neu entscheidet, ob Euer Kind am Religionsunterricht teilnimmt, später, ob es an der Kommunionvorbereitung teilnehmen mag oder nicht und ihm selbst überlasst, ob und wann es sich taufen lassen mag. - Jede Entscheidung kann gut und stimmig sein.
Im übrigen: Ich bin selbst katholische Theologin, schreibe das jetzt also nicht nur als persönliche Meinung ...