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...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:11
von lisa78
Hallo ihr Lieben,
bin unsicher, ob mein beitrag hier ins Forum passt, aber da es mir um die Frage geht, ob ich abstillen soll, denke ich mir es passt...

Mein Sohn ist vier Monate alt, er ist nach einer sehr anstrengenden SS in der ich ständig krank war und wirklich starke Schmerzen hatte, endlich geboren worden und ich hatte gehofft nun wird alles besser. Er ist das 4te Kind in unserer Familie und die anderen haben schon in der ss sehr zurückstecken müssen.
Es zeigte sich schnell, dass der kleine Mann ständigen Körperkontakt braucht, bis zum 3ten Monat schlief er nur auf meinem Bauch und war ansonsten fast permanent im tragetuch, sobald man ihn ablegte fing er an zu brüllen.
Überhaupt weinte er sehr laut und ausdauernd. Alle halbe Stunde nuckelte er an meiner Brust.
Direkt nach der Geburt bekam er einen schlimm entzündeten Po, wir stellten auf Stoffwindeln um. Dann entdeckten wir Blut im Stuhl. Nach diversen stuhlproben, Ultraschall, Osteopath, Homöopath und nun nach 2 Monatiger Milchdiät meinerseits ist noch immer ab und an Blut in der Windel. Der Kinderarzt rät seit 1 Monat zu Neocate 6 Wochen lang, was für mich bedeuten würde abstillen, denn ich bekomme vom abpumpen direkt eine Brustentzündung. Ich wehre mich gegen diesen Schritt, ich möchte auch keine stillpause machen, ich halte das einfach für die falsche entscheidung.
Der Kleine hat auch starke Blähungen, da er sehr laut schmatzt beim Stillen, habe ich eine Stillberaterin aufgesucht. Die erkannte sein kurzes Zungenbändchen und meinte er könne nicht richtig saugen... wir also Zungenbändchen durchtrennen lassen... keine Verbesserung.
Ich bin einfach am Ende. Fast 24 Stunden am tag schleppe ich dieses Kind durch die Gegend, das ständig knarscht und das immer alles mitkriegen will, klar bei uns ist ja auch viel los. Gestern hat er in der Zeit von 9 - 20 Uhr insgesamt 1 Stunde geschlafen. Klar, dann wird geheult und geschrien und er kriegt die Kurve nicht und Abends fällt er totmüde ins Bett. Im Tragetuch schläft er manchmal einfacher ein, aber bei jedem Pieps ist er wach. Er will immer alles sehen und dann ist es ihm schnell zu viel und er brüllt, lange und laut.
Alle 2 Stunden wird getrunken. Dabei zappelt er, schreit, schmatzt, kneift, wedelt mit den Armen, zerrt an meiner Brustwarze. Ich habe alles probiert, stillen im Dunkeln, beim Laufen, im Tuch, im liegen sitzen auf der seite...
Nur Nachts kann er entspannt am Busen trinken ohne weinen, schmatzen... aber eben mindestens alle 2 Stunden.
Er lässt sich nur von mir beruhigen. Kein anderer darf ihn hochnehmen, außer er ist grad mal gut drauf. Beim papa brüllt er wie am Spieß, ich nehme ihn und es ist sofort ruhig.
Wenn er brüllt, dann so dass er lila anläuft und man oft vermutet, er hat schreckliche Schmerzen, aber dann, eine Ablenkung oder ... strahlt er und alles ist gut.
Ich habe überhaupt keine Zeit mehr, weder für mich, noch für meinen Partner oder die andern Kinder. Ich mache mit Mühe und Not das wichtigeste im haushalt mit Tragetuch. Mir tut alles weh und ich bin müde und immer so schnell genervt.
Das schlimmste aber ist, ich kann nichts mehr machen. keine Freunde treffen, Baby brüllt ja immer. Habe extra meinen Rückbildungskurs erst mit 12 Wochen angefangen, da hat er dann so aufgedreht, dass ich nach ner halben Stunde auch heulend nach hause gefahren bin. ich vereinsame total.
Wenn wir abends esse, schuckel ich schon immer mit dem Kind im Tragetuch um den Tisch, dann fängt er an zu schimpfen, alle sind schon genervt. Irgendwann hänge ich allein mit ihm oben im Zimmer und fühle mich total einsam und ausgeschlossen. Ich traue mich gar nicht mehr mich mit jemanden zu verabredenb, jemanden einzuladen oder so. Denke immer, das wird zu viel fürs baby und dann hab ich wieder einen durchgebrüllten Tag.
ich will auch mal wieder meine Großen ins bett bringen, Sport machen, nen kaffee trinken gehen, oder einfach mal schlafen.
Mein Mann kann es gar nicht aushalten. wenn er ihn nimmt, dann stellt er ihn in einen anderen raum und sagt, er solle doch da schreien, es würde ihn eh nix beruhigen. Das kann ich aber nicht ertragen!
Meiner Meinung nach ist dieses Kind reizüberflutet. Nur kann ich den Rest der Familie ja nicht verbannen.
Klar ist auch, dieses Kind hat irgend nen Magen Darm Nerv. Ja nur ich esse echt keinen Fizzel Milchprodukte mehr. Soll ich ihm jetzt auch noch die Brust wegnehmen in der Hoffnung, das Neocate hilft? Und dann hat der Kleine ja auch keinen Nestschutz mehr, das wird ja eine Freude bei 3 Kindern, die hier ständig mit fiesen Erkältungen... nach Hause kommen. Ja auch eine sehr gute Basis ein Kind mit Allergieverdacht abzustillen, ich mein, dass fördert doch seine Allergiegefährdung, oder seh ich das falsch.
Bin ich ein depp und neocate ist unsere Lösung und danach habe ich ein fröhliches ausgeglichenes entspanntes Baby?
Ich möchte hier keinen falschen eindruck erwecken. Mein Kind lacht auch. Er gedeiht prächtig, ist ein properer, großer Kerl und sehr stark. hab ihn sehr lieb und es gibt (sehr sehr seltene) Tage da läuft es rund und er knarscht mal, aber ich darf ihn dann auch mal zur Seite legen und er strahlt mich an.
Doch alles in allem, macht er mir Sorgen. Und noch dazu fühle ich mich maßlos überlastet. Ich setz mich hin und fang einfach ständig nur noch an zu heulen. Das kann doch einfach nicht so weitergehen...
Danke fürs "zuhören", vielleicht hat ja auch jemand eine Idee..
Lisa

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:21
von Kaengu
Einen Tipp kann ich leider nicht bieten, möchte dir nur eine Umarmung schicken.
Hast du wen, der dir mal für ne Woche den Haushalt machen kann?


Knapp da mobil:-)

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:24
von Medusa
Ich habe auch keine gute Idee, aber will nicht einfach weitergehen...

Meine 2. war auch so oder ähnlich- das erste halbe Jahr hat sie eigentlich ununterbrochen gemeckert oder gebrüllt. Sie hat im Tragetuch gewohnt, nur da ging es überhaupt einigermaßen. Osteopathie hat etwas gebracht, ihre Halswirbel waren etwas blockiert, aber sie war trotzdem ein einfach sehr unzufriedenes Baby.

Ich war völlig am Ende und habe wirklich die Mütter verstanden, die sich irgendwann nicht mehr unter Kontrolle haben. Wie habe ich gebetet, dass mir das nicht passiert- ist es zum Glück nicht.

Aaaaber: es wurde besser und als sie dann mit einem halben Jahr krabbeln konnte, war plötzlich alles gut. Sie hat lange ausschließlich gestillt, ich denke, sie brauchte einfach länger, um auf der Erde anzukommen. Nahrungsmittel habe ich nie weggelassen, weil ich einfach nicht daran glaube, dass das der Grund war. Wahrscheinlich gibt es das, aber ich hatte immer das Gefühl, wenn ich mir jetzt noch alles verbiete, wird es erst recht nicht besser. Aber das war mein Weg, bei euch ist es vielleicht anders.

Ich hoffe, du bekommst hier noch bessere Hilfe- ich kann dich lediglich verstehen... :cry:

Es wird besser werden! Ich habe in den ersten Monaten gedacht, dass meine Tochter vielleicht ein ganz unzufriedener MENSCH ist, aber sie fand es nur anfangs doof, jetzt ist sie ein super fröhliches, lustiges Schulmädchen!

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:26
von Wortgewitter
Oh je... Habt ihr eine gute (!) Schreiambulanz in der Nähe, die z.B. Emotionelle Erste Hilfe anbieten?

Ist euer Kind auf Blockaden untersucht worden?

Das wäre das, was mir noch einfallen würde. Es gibt solche Kinder einfach... Irgendwann geht es vorbei *drück*

Re: AW: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:27
von AnF1982
Eine Idee habe ich nicht, aber ich hab ne Ahnung wie du dich fühlst. Mein Kleiner war auch so anstrengend, nur dass er keine Magen-Darm-Probleme hatte und Papa auch mal ging. Ich kann und mag mir gar nicht ausmalen wie es dir geht. Ich hoffe sehr für dich, dass jemand nen Tipp oder sonst ne Idee hat und du bald wieder eib bisschen Land siehst.

Was ich allerdings weiß: Die Tochter von ner Bekannten hatte auch immer Blut im Stuhl und sie hat dann nach etwa 4 Monaten auch abgestillt und diese Spezialnahrung gegeben. Der Kleinen ging es dann wirklich ein bisschen besser, aller war da die gesamte Situation nicht so extrem wie bei euch.

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Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:33
von lisa78
Danke schon mal für eure schnellen und lieben Antworten.
Blockaden hat er keine. Und vor Schreiambulanz drücke ich mich etwas. Die Homöopathin sagte schon zu mir, ich sei ja so gestresst und jetzt wäre angesagt, kein Stress für Mutter und kind, seitdem traue ich mich gar nicht mehr aus dem haus und fühle mich total schuldig an dem "Zustand" meines Sohnes.
aber es tut gut, wenigstens mal "angehört" zu werden...

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:39
von Medusa
ja, das schuldig fühlen... :cry: das kenne ich...

Natürlich bist du nicht schuld, aber natürlich bist du gestresst und genauso natürlich überträgt sich das auch wieder auf dein Baby. Aber SCHULD ist daran niemand!
Es ist "einfach" euer Weg, es ist so und ihr müsst da gemeinsam durch, wie auch immer der Weg aussehen wird. Es ist so schwer, aber es wird ein gutes Ende haben! Bestimmt!

Und ehrlich, du darfst dein Baby auch mal richtig blöd finden und es vielleicht sogar kurz mal bereuen, dass du noch mal schwanger geworden bist. Sowas kann einen überkommen, aber dein Baby merkt vor allem, dass du es liebst und liebst und liebst! Es nimmt dir nichts übel!

Fühl dich bitte nicht schuldig!!!

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:48
von jusl
Liebe Lisa,

Dein Bericht macht gut deutlich, wie belastend die Situation gerade für Euch alle ist. Sei Dir sicher, alle Mütter, die ein ebenso betreuungsintensives Baby haben wie Du, können Dir bestens nachfühlen, wie es Dir damit geht.

Vielleicht ist Dein Baby "das eine unter einer Million Babys", bei denen die Umstellung auf ein Vollhydrolysat eine Verbesserung bringen würde. Allerdings ganz klar ist: Wahrscheinlich ist das nicht!.. Ich möchte ebenfalls ganz deutlich hervorheben, dass DICH keinerlei Schuld am Verhalten Deines Babys trifft. Ebensowenig die wuselige Familie, oder Dein früherer Milchkonsum, oder sonst irgendwas. Den ALLERMEISTEN Stillbabys ist schnurzpiepegal, was ihre Mütter essen, und die ALLERMEISTEN Babys finden es super, wenn zuhause viel los ist und entsprechend Abwechslung geboten wird. Ich bin absolut sicher, dass Du Dich vorbildlich um Dein Baby und Deine restliche Familie kümmerst. Du bist feinfühlig und nimmst die Bedürfnisse Deiner Familienmitglieder wahr - und dass Du inzwischen genervt und erschöpft bist und Dich einsam fühlst, ist absolut verständlich und völlig OK.

Mein Vorschlag ist: Hör auf mit der Ursachensuche. Kuhmilch, Zungenbändchen, Reizüberflutung... ja vielleicht, vielleicht auch nicht.
Höchstwahrscheinlich wird das niemals herausgefunden.
Suche stattdessen OFFENSIV nach konkreten Entlastungsmöglichkeiten.
Du möchtest eine Stunde alleine Spazierengehen, zum Sport, ins Café? Dann mach das. Sag Deinem Partner, dass er 60 Minuten lang ein möglicherweise weinendes Baby betreuen muss, oder beauftrage einen professionellen Babysitter damit. So "hart" es klingt: Dein Baby weint offenbar "sowieso viel", dann kann es das ruhig auch tun, während es in dieser Zeit von jemand ANDEREM liebevoll betreut wird. Absolut niemandem ist geholfen, wenn Du in ein paar Wochen zusammenklappst, weil Dein Baby sich vermeintlich von niemand sonst beruhigen lässt. Lass es nicht soweit kommen.
Ganz konkret:
Mein Mann kann es gar nicht aushalten. wenn er ihn nimmt, dann stellt er ihn in einen anderen raum und sagt, er solle doch da schreien, es würde ihn eh nix beruhigen. Das kann ich aber nicht ertragen!
Der Impuls Deines Mannes ist RICHTIG - er betreibt SELBSTSCHUTZ, und das ist ein guter Ansatz. Erkenne dies an! Sich "anschreien" lassen zu müssen, verursacht wahnsinnig hohen Stress. Davor schützt Dein Mann sich (und auch den Rest der Familien, wenn er sein Baby nebenan parkt). Vielleicht könnt Ihr Euch auf einen Kompromiss einigen? Du besorgst Deinem Mann Oropax, und dafür trägt oder schiebt er Euer Baby herum anstatt es allein zu lassen?

Weitere Entlastungsmöglichkeiten:
* Oropax für Dich
* Kennst Du "Erste emotionelle Hilfe"? Dies ist ein körperorientierter, therapeutischer Ansatz zur Bindungsförderung und Stressreduktion zwischen Eltern und Baby. Viele Eltern von so bedürfnisstarken Babys profitieren davon; da bekomme ich viel gutes Feedback.
* Wer kann Dir stundenweise Dein Baby abnehmen? Babysitter, Leih-Oma, Wellcome-Projekt (Hilfsangebote für Familien),...?
* Baue mit hoher Priorität kleine Zeitinseln in den "Wochenplan" ein, in denen Du a) ALLEIN bist (Duschen, Sport, Yoga, Schlafen...), und b) Du "allein" mit Deinen anderen Kindern bist, und c) Du "allein" mit Deinem Mann bist. Wenigstens ein Viertelstündchen - dieses bisschen bewusst genießen ist wichtig, und allemal besser als nichts.

Kannst Du mit diesen ersten Ideen etwas anfangen?

LG
Julia

PS: Gelegentliches Blut in der Windel haben viele Babys. Wenn organische Ursachen ausgeschlossen wurden - und dies ist bei Euch ja geschehen - dann liegt nahe, dass einfach gelegentlich ein kleines Äderchen im Enddarmbereich platzt. Das ist harmlos und erfordert keine besonderen diätetischen oder sonstigen medizinischen Maßnahmen.

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:52
von lapaloma
Oje

Das klingt nicht gut...
Ich kann dir zur Nahrung leider auch nichts sagen und hoffe du bekommst bald professionelle Hilfe. Ich würde aber vielleicht nochmals bei einem anderen arzt oder hebamme nachfragen. Einfach um eine zweite Meinung zu holen damit du nicht das Gefühl hast etwas falsch zu entscheiden.
Wir hatten auch einen lauten und schweren start mit permanent Körperkontakt mit Mama bzw Mamas brust, daher kann ich ungefähr mitfühlen.
Hatte auch das Gefühl ihm war alles schnell zu viel weil er so neugierig alles aufgesogen hat. Es wurde erst mit der zeit von alleine besser als er sich dann anders mitteilen konnte. Das habe anfangs auch nur ich verstanden. Ich habe immer versucht mir zu sagen: je mehr ich jetzt investiere desto mehr bekomme ich am ende zurück. Das hat mir geholfen wenn ich am ende war.
Aber vertraue ihm und deinem gefühl zu ihm.
Es wird besser!

Dicken Drücker
V

Re: ...abstillen? Ich weiß nicht mehr weiter...

Verfasst: 22.11.2013, 22:58
von lisa78
Danke, danke, danke! Mir laufen die Tränen während ich die letzten Beiträge lese.

Julia, Erste emotionelle Hilfe kenne ich nicht? Was ist das?

Es fühlt sich halt ganz schrecklich an das schreiende Kind wegzulegen, abzugeben, da muss ich völligst gegen meinen Instinkt handeln...
so baby hat mal wieder Hunger, schau morgen wieder rein!