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Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 24.03.2013, 21:58
von Hasipfote
Hallo,

heute wende ich mich mal an euch, liebe Forumsmamas. :)

Mein Sohn leidet gerade wieder sehr an seinen heftigen Gefühlsausbrüchen. Am schlimmsten ist es (logischerweise), wenn er müde ist, hungrig oder überreizt. Wir mussten ihn deshalb vor einem halben Jahr aus dem Kindergarten nehmen. Da er neue Reize immer sehr schlecht verarbeiten kann, hat er nach dem Kindergartenstart nachts heftige Schreiattacken bekommen. Er ist jede Nacht aufgewacht und hat um die zwei Stunden geschrien. Ich konnte ihn überhaupt nicht beruhigen und die Nachbarn standen ständig vor der Tür mit der Drohung jetzt gleich die Polizei zu rufen. Also haben wir schweren Herzens beschlossen, ihn wieder aus dem Kindergarten rauszunehmen. Das war echt schade, denn er hatte sich ansonsten dort schon sehr gut eingelebt, er hat nie geweint beim abgeben, die Eingewöhnung lief problemlos und er kam auch gut mit den anderen Kindern zurecht. Nachdem er nicht mehr in die Kita ging, waren die Schreiattacken sofort wieder verschwunden.

Nun sind wir vor einigen Wochen umgezogen und er hat jetzt angefangen, laut zu brüllen, wenn er das Gefühl hat, dass man ihm nicht zuhört, ihn nicht versteht oder er müde und gereizt ist. Ich lasse ihn dann meistens einen Moment zur Ruhe kommen und dann geht das meist wieder besser, er beruhigt sich dann auch. Leider haben nicht alle Familienmitglieder Verständnis für ihn und das endet dann oft damit, dass er ewig lang gesagt bekommt, dass man nicht rumschreien darf, dass er sich endlich beruhigen soll usw. und er dann ganz wütend wird und noch lauter schreit und auch um sich schlägt.
Nun wird mir ständig gesagt, er "kenne keine Grenzen". So sehe ich das aber überhaupt nicht, denn er ist ansonsten ein wirklich kooperativer Junge und er hat keine Probleme meine Grenzen zu akzeptieren oder die anderer Menschen. Er ist auch ein eher ruhiger Typ, der nie "Blödsinn" macht und auch sonst überall positiv auffällt. Nunja, es sei denn, er ist in einer vollen Bahn oder einem Einkaufszentrum, da fängt er dann wieder an zu schreien. Er sagt auch ganz klar, dass ihm "hier zu viele Leute sind" und dass er sofort raus will. Manchmal gibt es Tage, da ist er auch von einem eher ruhigen Tagesablauf gereizt.

Nun sagte mir heute meine Familie, ich solle doch mal zum Kinderpsychologen gehen. Hat vielleicht jemand von euch Erfahrung damit? Gibt es Psychologen für fast Vierjährige?

Puh. Also einerseits will ich ihn ja nicht für krank erklären, aber es macht ihm wirklich zu schaffen, wenn er wieder mal nicht weiß, wie er mit seinen Gefühlen umgehen soll und er bekommt zunehmend Probleme mit seiner Umwelt. Vor allem, da er sehr schlecht mit Veränderungen klarkommt. Als kleines Baby hat er immer erst eine lange Zeit geschrien, wenn er vom Schlafen in den Wachzustand kam.

Ich merke auch, wie ihn das belastet. Er macht das schließlich nicht mit Absicht, aber er kann sich in solchen Momenten nicht kontrollieren und dann kriegt er für seine Hilflosigkeit von Aussenstehenden auch noch Ärger. :(

Nur wie soll ich ihm da helfen? Habt ihr vielleicht eine Idee?

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 25.03.2013, 10:53
von Hasipfote
Achja, seine "Anfälle" unterscheiden sich auch deutlich von den normalen Kleinkinder-Wutausbrüchen, die er gelegentlich auch mal hat. ;)

Meistens verliert er die Kontrolle über sich, wenn viele Menschen um ihn rum sind oder etwas unangekündigtes passiert/sich etwas in seinem Tagesablauf geändert hat.

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 25.03.2013, 13:20
von EUaVBl
hm, ich habe zwar nicht den heissen tipp, aber vielleicht einen kleinen anfang:
ich habe, als mein großer sohn ein größeres problem hatte und ich nicht weiterwusste, einen örtlichen kinderpsychologen per mail angeschrieben. ich weiss nicht, ob das üblich ist, aber ich habe eine sehr sehr nette und hilfreiche antwort bekommen. ich habe ihm kurz unser problem geschildert und ihn gebeten, mir einen rat zu geben, an wen ich mich damit wenden kann.

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 25.03.2013, 13:32
von asujakin
Mein Sohn geht schon eine Weile in Therapie - also ja, für so "Kleine" geht das natürlich auch. Und ich persönlich finde es wichtig sofort zu reagieren, so kann man evtl. wirklich noch etwas tun BEVOR das Kind in die Schule kommt und es erst recht Probleme gibt.

Hör auf dein Bauchgefühl! Wenn du das Gefühl hast "er/wir brauchen Hilfe" oder dass irgendwas nicht stimmt, dann lasst euch helfen. Mein Sohn ist in einer Spieltherapie. Die ersten Monate ging es nur um den Beziehungsaufbau. Anfangs 1x die Woche, seit einiger Zeit hat die Therapeutin es auf 2x die Woche hochgestuft. Alle 2-4 Wochen gibt es ein Elterngespräch. Eine "Diagnose" haben wir nicht, davon hält unsere Psychologin auch nicht viel. Er geht ja nicht hin um n Stempel verpasst zu bekommen, sondern "einfach" um zu lernen in unserer Welt zurecht zu kommen, obwohl er "anders" ist.

Wichtig zu wissen wäre auch: Eine Therapie kann u.U. auch erstmal eine Verschlimmerung der Grundstimmung in der Familie zur Folge haben. Wenn eben der "wunde Punkt" getroffen wird und die Therapie wirklich los geht, kann das schon unbequem für das Kind sein auch wenn das sooo wichtig ist (mein Sohn hat neulich bei der Therapie geweint, manchmal wird er nach der Therapie wieder zum "Baby", manchmal rebelliert er total).

Hast du dich schonmal in Richtung "Hochsensibilität" informiert?! Spricht laut deiner Schilderung einiges dafür, auch wenn das bei manchen eben nur ein Teil des Puzzles ist.

Dann möchte ich dir einen Drücker dalassen und starke Nerven wünschen! Es ist ein langer Weg aber es lohnt sich. Ein guter Therapeut lässt einen sein Kind auch nochmal auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernen. Und zwar inkl. aller positiven und einzigartigen Seiten usw.

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 27.03.2013, 11:09
von JuLi
Ja, auch mit so kleinen Kindern kann man schon zum KJP.
Unser Großer ist Autist und er war glaub noch 4 als wir den ersten Termin dort hatten.
Bei uns gab es z.B. auch eine Gruppe für die Kiga-Kinder, dort ging er dann fast 1 Jahr lang 1x in der Woche hin zur Verhaltenstherapie.

Ansonsten, ein paar Sachen die du beschreibst kommen mir sehr bekannt vor, diese Wutausbrüche, die Aussage das zu viele Leute um ihn rum sind, dieses überreizt sein vom Kiga,...
Ich habe mich damals in erster Linie an den KJP gewandt weil unser Sohn MASSIVE Wutausbrüche hatte, er hat getreten, gebissen, um sich geschlagen,... und war zudem extrem auf seine gewohnten Abläufe fixiert. Wenn da irgendwas nicht so lief wie er es gewohnt war ist er sofort ausgeflippt.

Ich sage immer, sofern man als Eltern den Eindruck hat es wäre mal gut jemanden drauf schauen zu lassen, dann kann es nicht schaden. Schon alleine weil man hinterher im besten Fall wenn nichts rauskommt ruhigen Gewissens sagen kann man hat es anschauen lassen und kann sich später nicht vorwerfen man hat evlt. was verpasst.

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 01.04.2013, 00:44
von Hasipfote
Dann werd ich das doch mal in Angriff nehmen... Danke euch!

Re: AW: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsycholog

Verfasst: 06.04.2013, 16:41
von honigtopf2010
Habt ihr denn überhaupt schon mal einen Arzt konsultiert?

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 08.04.2013, 10:56
von Ronia
Vielleicht auch mal einen HNO-Arzt draufschauen lassen, ob er vielleicht eine Hörstörung hat?

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 19.04.2013, 01:52
von Hasipfote
Ja, natürlich waren wir schon oft beim Arzt. Speziell auch beim HNO-Arzt, wegen dem lauten Schreien. Wir dachten auch zuerst, dass er das vielleicht selbst nicht gut hören kann. Aber seine Ohren sind gut und auch sonst ist körperlich alles in Ordnung. Unser Kinderarzt ist aber ziemlich ratlos, wenn er von seinem Verhalten hört.

Re: Gefühlsausbrüche - ein Fall für den Kinderpsychologen?

Verfasst: 19.04.2013, 06:31
von Susanna
ich habe jetzt nicht alles gelesen was geschrieben wurde aber ich kenn dieses verhalten von meinem jüngsten. er hat eine wahrnehmungsstörung und wir waren lange in ergo therapie und zuletzt in marte meo therapie. dies hat ihm geholfen seine gefühle besser zu verstehn und sie richtig einsetzen zu können. er ist immer noch anders als die anderen - aber amit können wir gut leben. auch in der schule funktioniert es mittlerweile besser.